Was ist dran am Mythos "GOLA"

  • Ersteller Balgseele
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Ich entschuldige mich für meine dumme Frage,

Da brauchst du dich nicht zu entschuldigen... denn die Modellbezeichnung ist in sich auch nicht ganz stimmig und nicht immer komplett logisch nachvollziehbar. Bzw. mitunter werden für eine bestimmte Ausstattung verschiedene Bezeichnungen verwendet oder verschiedene Ausstattungen mit der gleichen Ziffernfolge belegt.

Was mal soweit zumindest sicher ist, sind die ersten beiden Ziffern: die bezeichnen die Anzahl der klingenden Töne im Diskant:

Also
414: 41 Töne (Pianotastatur)
455: 45 Töne (Pianotastatur)
564: 56 Töne (Knopftastatur)
624: 62 Töne (Knopftastatur)

Es gab dann ganz früher noch bei den Knopfmodellen 494 und 495 : 49 Töne (Knopftastatur)... Wobei ich nicht sicher bin, ob hier die Nummern geläufig sind oder die allgemein nur als "eine ganz alte mit 49 Tönen " läuft

... und mit der 3 Ziffer wirds nicht mehr so eindeutig.

Eigentlich soll die die Anzahl der Chöre im Diskant angeben, also:

414: 4 Chöre
455. 5 Chöre

Weil jetzt aber auch die Melodiebassinstrumente dazugekommen sind und kein weiterer Kennzeichnungsbuchstabe oder Ziffer, wirds ab hier mehrdeutig:

459: Wird meist verwendet für eine 45 tastige Gola mit Melodiebass (9 Reihen Bass) ...und 5 Chören!

im Gegensatz zur Bezeichnung 454: damit wird meist eine 45 Tastige Gola mit Melodiebass und 4 Chören im Diskant gemeint!... Könnte aber theoretisch auch eine 45 tastige Gola mit 4 Chören im Diskant (und Standardbass sein) - wurde aber so vermutlich nicht bzw. so gut wie nicht gebaut, denn den 5. Chor gabs erst ab 45 Tasten... und den meisten war der 5.Chor wichtiger als die 45 Tasten (Zumindest ohne Melodiebass). Und drum gabs eine 4 chörige Gola mit 45 Tasten und Standardbass vermutlich so selten ( oder gar nicht) dass der Begriff hierfür nicht verwendet wurde)


solche unlogischen Sachen gabs aber auch im Bereich Knöpfe:

Mit einer Gola 624 ist eine Gola mit 62 Tönen 4 Chören im Diskant UND Melodiebass gemeint!
Während mit einer Gola 626 eine 62 tönige Gola mit Standardbass gemeint ist.

Witzigerweise wird die 4 für den Melodiebass genommen, obwohl es bei 62 Tönen eh nur eine 4 chörige Ausführung im Diskant gibt.

Man sieht also: mit Logik kommt man hier nicht wirklich weiter, auch weil der 3 ziffrige Nomenklaturschlüssel nicht ausreicht um alle Varianten eindeutig zu beschreiben. Und dann kommts eben wie es in solchen Fällen immer kommt: es gibt Vermischungen, Doppeldeutigkeiten und unterschiedliche Benennung für das gleiche Modell.


... mal ganz davon abgesehen, dass es von der Gola auch noch jede Menge Sonderbauformen gab die von den hier beschriebenen Modellen abweichen ( z.B. 43 Tasten im Diskant, 5 chöriger Standardbass, zuschaltbare Quintmixtur ...) und für die es keinen Nummernschlüssel gibt.
 
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Hallo maxito!

Vielen Dank für die ausführliche Erklärung! :great: Ich wusste überhaupt nichts über die ursprünglichen Modellnummern 494 und 495 (sind nicht in der Hohner-Liste aufgeführt) und gleichzeitig geben mir diese Informationen ein wertvolles Bild der Geschichte der Arbeit von Meister Gola. Nämlich:
Ein Knopfdiskant mit 49 Knöpfen (4 Chöre = "494") war typisch für eine Umgebung, in der der Tastendiskant dominierte. In einem solchen Umfeld arbeiteten auch die Fabriken in Klingenthal und Hořovice bei Prag. Wenn die Produktion von einer Tastendiskant mit 45 Tasten dominiert wird, kann durch eine kleine Anpassung ein Bereich von 49 Tönen (Knopfanordnung) erzielt werden, ohne dass die Abmessungen des Korpus geändert werden müssen. Auch Änderungen in dem Resonanzboden und den Stimmstocken sind minimal. Summa summarum: Zwei verschiedene Diskantsysteme mit Kostenminimierung (z.B. W-Supita B):
SUpi II.jpg Supi III.jpg Supi I.jpg
(Quelle: https://i.imgur.com/ehtBHWg.jpg , https://imgur.com/gcTE2sA , https://imgur.com/FHLzi9j )

Bei den Tschechen kenne ich auch von einem anderen Ansatz: Sie bauten das Model Dina mit einem Tastendiskant (45 Tasten) mit 5 Chören, jedoch sie bauten auch eine Knopfvariante mit 62 Tönen in einem identisch großen Korpus. Es ist daher logisch, dass die Knopfvariante nur 4-chörig war - das Volumen des Korpus erlaubte nicht mehr. Die Tschechen haben nie eine 5-Chörige Knopfvariante mit 49 Knopfen gebaut, also keine "495" Dina…

Und jetzt zurück zum Meister Gola:
Es ist sehr bemerkenswert, dass er von Anfang an die Versionen 494 und 495 gebaut hat. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich diametral von Venanzio Morino. In den frühen 1950er Jahren begann Herr Morino zuerst Konzertknopfinstrumente "Artiste" zu bauen (ca. 1950-51) und erst dann folgen auch Morinos VIM (gebaut auf dem gleichen MIII-Bass wie die Artiste). Es ist bemerkenswert, dass Giovanni Gola wahrscheinlich nicht das materialtechnische Basis seines Vorgängers verwendet und Knopfvarianten auf seinen eigenen Tastenformen gebaut hat, obwohl hochwertige Artiste-Modelle nebeneinander existierten. In der heutigen Welt (und in der heutigen Unternehmenskultur) wäre dies eine undenkbare Verschwendung von Ressourcen. :D

Herzliche Grüße, Vladimir
 
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Vielen Dank für die ausführliche Erklärung! :great: Ich wusste überhaupt nichts über die ursprünglichen Modellnummern 494 und 495 (sind nicht in der Hohner-Liste aufgeführt)

Ich weiß auch nicht ob diese Modelle mit dem Nummernschema irgendwie benannt worden sind. Dass es die gibt, wusste ich lange Zeit auch nicht. Das hab ich nur per Zufall mitbekommen, als ich mal meine Kiste von meinem Stimmungsmeister abgeholt hatte. Da war zufällig grad jemand da der eine Knopfgola ausprobiert hat die zum Verkauf stand. Und die war mit Melodiebass , B Griff, 5 chörig, wobei der 5. Chor eine Quintmixtur hatte und 49 klingende Töne.

... Und die hatte einen hammermäßigen Sound. Mein Stimmungsmeister meinte, dass die ganz früher in den Anfangszeiten noch mit 49 klingenden Tönen gabaut wurden und die 56 und 62 tönigen erst deutlich später kamen. Und dass die 49 tönigen noch vom Aufbau her im Diskant mehr oder weniger gleich gebaut waren wie die Tastengolas zu der Zeit und auch von der Stimmstockanordnung und den Cassottomaßen sehr ähnlich zu den Tastengolas waren. Die 56 und 62 tönigen Golas sind im Diskant anders aufbaut als die Tastengolas und klingen deshalb auch etwas anders.

Wollte ich je Knopf anfangen zu spielen, dann würde ich mich nach genau so einer umschauen. Gut die Quintmixtur und den 5. Chor bräucht ich nicht unbedingt.. würde ich aber in Kauf nehmen für den Klang.


Es ist bemerkenswert, dass Giovanni Gola wahrscheinlich nicht das materialtechnische Basis seines Vorgängers verwendet und Knopfvarianten auf seinen eigenen Tastenformen gebaut hat, obwohl hochwertige Artiste-Modelle nebeneinander existierten

Beim Melodiebass wurde bei der Gola anfangs der gleiche Aufbau verwendet wir bei der Morino VIM - Die Anordnung der Stimmstöcke war identisch (der Grundbass allerdings da schon einzeln schaltbar im Gegensatz der Morino)... oder war s vielleicht andersrum? Dass die Morino den gleichen Aufbau verwendete wie die Gola? ... da weiß ich jetzt nicht was zuerst da war : MIII Morino oder Gola
 
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Also ich wäre vorsichtig bei solchen Schnäppchen. Wer billig kauft, kauft zweimal...

Das geht schon in Ordnung. Der Preis ist nur deshalb so unglaublich niedrig, weil noch die Corona-Märchensteuersenkung gilt.
Also schnell zugreifen, bevor es ab Januar dann wieder richtig teuer wird!
 
deshalb so unglaublich niedrig, weil noch die Corona-Märchensteuersenkung gilt
Also ich fand das Instrument zu teuer.;) Es spielt nicht von selber wie manche E-Pianos. Wenn man einen Fehler macht, korrigiert ihn das Akkordeon nicht automatisch. Man muss den Balg selber ziehen und zudrücken und es gibt überhaupt keine Motoren, die einem dabei wie auf einem E-Bike unterstützen. Es sagt nicht, wieviele Kolorien ich bei einer Übesession verloren habe, was die billigste Smartwatch kann. Es redet auch nicht wie mein Auto, um mein Spielgefühl zu korrigieren. Und es hat keine Einparkhilfe, wenn ich es in den Koffer stellen will. Es lächelt mich nicht an wie meine Frau oder meine Kinder, um mich aufzuheitern. Und dann ist es noch alt. Und es steht schon länger in dem Shop. Es hat bestimmt schon Staub angesetzt.:eek: Kein Wunder, dass niemand zu diesem Mythos greift. Für dieses Geld habe ich definitiv höhere Erwartungen. ;):D
 
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Also ich fand das Instrument zu teuer.;) [...]

Aber jetzt mal Spaß beiseite: Was ich wirklich lächerlich finde, sind die 6,50 € Versandkosten bei einem > 30.000-€-Instrument.
 
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Also ich wäre vorsichtig bei solchen Schnäppchen. Wer billig kauft, kauft zweimal...

.... stimmt, kann ich bestätigen! :

ungleiches doppeltes Lottchen.jpg

:redface::nix:

Es redet auch nicht wie mein Auto, um mein Spielgefühl zu korrigieren.

Das würde mir grad noch fehlen:

Spieler: "Gola, gib die heutige Übestatistik aus! "
Gola: " Du hast heute einen ziemlichen Mist zusammengespielt."

... auf solche Features kann ich gut drauf verzichten!:D


Was ich wirklich lächerlich finde, sind die 6,50 € Versandkosten bei einem > 30.000-€-Instrument.

Das allerdings! Wobei ich mal ganz stark vermute, dass das bei einem tatsächlichen Kaufabschluss unter den Tisch fallen wird und hier halt mal auf der Homepage als Fallpauschale standardisiert da steht:gruebel: Ber witzig wirkt s in dem Zusammenhang schon!
 
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Was ich wirklich lächerlich finde, sind die 6,50 € Versandkosten bei einem > 30.000-€-Instrument.
O ja. Aber der Verkäufer muss ja auch einen Rabatt einräumen können...:D
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
Gola: " Du hast heute einen ziemlichen Mist zusammengespielt."
Nee, das geht natürlich gar nicht.;) So ein Universalinstrument braucht eine Psychologen-KI, die sich in den Spieler einfühlt und konstruktiv aufbaut. So ähnlich wie Zahnbürsten, die lächeln, wenn man lange genug geputzt hat.:D
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
Spieler: "Gola, gib die heutige Übestatistik aus! "
Das ist nett. Statt "Siri" oder "OK Google" "Hallo Gola!" Und wenn man besoffen ist, sagt man: "Hallo Gola, erzähl mir alles über Bonobos." Was dann wohl für ein Stück kommt? Die Affen rasen durch den Wald?
 
Was wollt Ihr denn immer mit dem technischen Schnick-Schnack? Hauptsache, das Akkordeon kann die Spülmaschine einräumen. Mehr braucht es nicht.
 
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Was regt Ihr Euch denn über den Preis auf? Bernd Zimmermann (akkord.de) verkauft das Ding schon für 32.360,-
Da habt Ihr schon nochmal mehr Geld gespart! Und Versandspesen will er auch nicht....
 
Hauptsache, das Akkordeon kann die Spülmaschine einräumen. Mehr braucht es nicht.
:great:Wow. Dafür würde ich auch manch verstimmte Stimmzunge akzeptieren. Wenn ich meine Kids fragen würde: Die würden in diesem Fall auch ein Akkordeon kaufen, wenn es überhaupt keine Töne spielt: "Herzlich willkommen, hier ist Ihre Miele Gola."
 
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Bernd Zimmermann (akkord.de) verkauft das Ding schon für 32.360,-
Da habt Ihr schon nochmal mehr Geld gespart! Und Versandspesen will er auch nicht....

Also ich hätte das dann , wenn ich die kaufen würde schon gespart, denn für mich wäre er dann auch als Serviestelle in erreichbarer Nähe. Würde ich im Hamburg wohnen, dann könnte es aber gut sein, dass ich den höheren Preis in Hamburg in Kauf nehmen würde um direkteren Zugriff auf den Service dort vor Ort sicher zustellen (denn ich weiß nicht ob ich jedesmal quer durch die Republik fahren wollte, wenn was zu richten wäre)

Denn wenn ich mir ein Instrument in der Preisregion kaufe, dann spielen bei mir auch sekundäre Überlegungen eine wichtige Rolle: Wieweit habe ich zu fahren bis ich meine "Servicepoint" erreiche und ist es der glecihe be dem ich gekaut habe oder ein anderer?... Denn ich bin sicher, wenn ich mein Instrument bei Zimmermann kaufen würde und dann in Hamburg zum Service gäbe. Dann würden die ihr bestes geben... aber nicht ihr Herzblut mit dazu, weils ja nicht das Instrument von ihnen war.

Denn bei einer Gola ist man wie bei jedem anderen Spitzeninstrument aus der obersten Liga auch davon abhängig, dass der Fachmann nicht nur sein bestes, sondern alles gibt um die Qualität auf höchstem Niveau zu halten. Und das sind dann aber die Punkte, wo es eben drauf ankommt, dass man das Spitzeninstrument nicht nur zum Fachmann gibt, sondern zu welchem Fachmann das gibt! Dac macht in dieser Liga dann schon einen (kleinen ) Unterschied - einen Porsche bringt man ja auch nicht in die Skodawerkstatt sondern zu einer Porschewerkstatt, obwohl beide zum VW Konzern gehören.

Und unter dem Gesichtspunkt, mal angenommen dass die fachwerkstattliche Betreuung bei Zimmermann und bei den Hamburgern vergleichbar gut ist, dann macht das vielleicht noch den Tick mehr aus, wenn die wissen, das Instrument ist von uns oder eben von "wo anders gekauft". Und würden sich drum vielleicht tatsächlich nochmal n Tick mehr Mühe geben.. Und unter der Betrachtung könnte ich mir vorstellen, dass ich , wohnte ich bei Hamburg, dass ich dann tatsächlich auch den Mehrpreis bewusst zahlen würde.


Aber das, wie geagt sind rein hypothetische Überlegungen meinerseits, denn ich wohne nicht bei Hamburg, sondern im Süden und habe schon so ein Instrument... allerdings keine neue, sondern nur alt und gebraucht ... für neu hat´s Geld nicht gereicht:redface::D
 
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L
  • Gelöscht von Wil_Riker
  • Grund: OffTopic
Es ist Zeit unseren alten Mythos-Gola-Faden mal wieder an die Oberfläche zu ziehen: :hat:
Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, die ‚neue‘ GOLA anzuspielen.:m_akk:

IMG_20210628_113233602_HDR.jpg
Dabei war auch meine ‚Alte‘ aus 1961. Die beiden Instrumente sind mal gerade 60 Jahre auseinander. :m_akk::m_akk:
IMG_20210628_113832635_HDR.jpg


Der erste Eindruck: die ‚Neue‘ sieht aus wie eine GOLA. Sowohl das umrahmte Emblem in der Mitte als auch das ‚Haifischmaul‘, findet sich stark modernisiert wieder. Die doch stark in die Jahre gekommenen Zierstäbchenästeik der 50er Jahre wurde kräftig entrümpelt ohne den Wiedererkennungswert der GOLA zu beeinflussen.

Der zweite Eindruck beim Aufnehmen: Ups - ist die leicht, sind da alle Stimmstöcke drin, oder fehlt da etwas? Das Instrument ist rund 2 kg Leichter als seine Vorgänger. Damit wird dem Trend Rechnung getragen, die Instrumente zu leichtern. Die Gewichtsreduktion wirkt sich ausschließlich positiv aus.

Die Registerdrücker wurden optisch ebenfalls dem aktuellen Zeitgeschmack angepasst. Es wird ja heftig diskutiert – zu schräg zu schwarz, zu flach zu sonstwas. Das ist mir alles egal. Mir geht es darum, dass alles gescheit funktioniert und gut erreichbar ist. Und das tut es.

Der erste Eindruck beim Spielen: ja, das ist eine GOLA: Der Klang, die Klaviatur, die Haptik. Die Klaviatur sehr exakt, leichtgängig. So wie man das von einer GOLA erwartet.

Das Instrument ist sehr präsent und gibt, wie ich das gerne ausdrücke, die Töne freiwillig her, ohne herausgequetscht werden zu müssen, wie das leider bei den allermeisten anderen Instrumenten der Fall ist.

Für die Jalousie gibt es nicht mehr den Knebel, sondern die beiden äußeren Register schließen und öffnen die Jalousie, wie das vor Jahren schon bei der Goletta/Golina umgesetzt wurde Da bin ich leidenschaftslos, das eine funktioniert so gut wie das andere.

Die Registeranordnung ist identisch zu den Vorgängermodellen. Für mich als alten Golisten ist das schön. lch empfinde es immer störend, wenn die Register anders belegt sind. Seit Jahrzehnten stören mich die Unterschiede zwischen der MORINO und der GOLA. Diese sind zwar klein, aber leider vorhanden. Man stelle sich vor, jeder Autoproduzent würde Gas-Kupplung-Bremse in einer beliebigen Reihenfolge anordnen. Das hat mich bei der neuen Gola gefreut. zumindest innerhalb der Modelllinie besteht eine Kontinuität.

Vielfach wird hier im Forum diskutiert, dass die 11 Register nicht ausreichen und man unbedingt 14 oder mehr Register haben müsse. Ich gehöre nun zu der Fraktion, die die 11 Register als völlig ausreichend erachten.

Das Thema kommt immer wieder auf, meine Morino VS habe ich entsprechend erweitert. Das würde ich heute nicht wieder machen:
https://www.musiker-board.de/threads/register-umbau-hohner-morino.435464/

Bei der alten GOLA wird schon seit Jahrzehnten der zarte Bass bemängelt. Das wurde bei der neuen GOLA in gelungener Weise angepasst.

Ja, die neue GOLA, sie hat mich schon in Ihren Bann gezogen.

Ich bin immer noch vom Gewicht überwältigt. Ja es geht, Spitzenakkordoens zu bauen, bei denen auch auf das Gewicht geachtet wird.

Um hier vielleicht noch eine Anregung zu geben: Vielleicht wäre ja auch eine Senioren-GOLA mit ~37 Tasten für das entsprechende Klientel denkbar, so wie das z.B. Victoria mit ihrer Senioren-Poeta macht.

Vergleich: meine Hohner-GOLA Baujahr 1961 versus Hohner-GOLA Baujahr 2021.

GolasAufBoden.PNG

Es fällt auf, dass die neue Gola höher ist, das ist hauptsächlich durch 2 zusätzliche Balgfalten begründet. Meine alte steht jedoch auch schon höher als im Original. Das kommt durch die Montage höherer Füße, die mir dankenswerterweise maxito aus Ebenholz angefertigt hat. Der originale Balgriemen, der damals bei der Gola als auch bei der Morino verwendet wurde, ist ungefüttert und daher wesentlich dünner. Durch den dickeren, gepolsterten Riemen hat das Instrument nun die Tendenz, auf weicherem Untergrund - dazu reicht schon eine Moosgummiplatte, wie sie gerne auf Arbeitstische gelegt wird - nach hinten wegzukippen.
Mit den originalen Füßen würde die alte nochmals 8 mm tiefer stehen.
Das heisst, die Alte ist kleiner als die neue, jedoch ~2 kg schwerer.

Und nun --- Tja äääähm. Ring frei:

Meine GOLA gehört zu den legendären, auf denen der Mythos-GOLA beruht, mit ihren altbekannten Stärken im 16“ und 8“. Da kommt die neue GOLA nicht mit und ich denke, das will und soll sie auch nicht.

Die anderen Register, Tremolo und die Mischungen sind bei der Neuen fein abgestimmt und haben mir sehr gut gefallen.

Ansonsten sind beides erstklassige Instrumente, jedes auf seine Art.

Es gibt also keinen Boxkampf mit gerissenen Riemen, gebrochenen Tasten, verbogenen Stimmzungen …

Resümee:

Die neue GOLA braucht den Vergleich mit der Alten nicht zu scheuen. Jede hat ihre Vorzüge, einziger richtiger Nachteil der Neuen ist der Preis, einziger richtiger Nachteil der Alten die Verfügbarkeit.

Bemerkenswert ist, dass ein 60 Jahre altes mechanisches Instrument immer noch in der Topliga mitspielt. Es ist äußerst beachtlich was in der sogenannten ‚Goldenen Zeitalter der Musikinstrumente‘ gefertigt wurde.

Wenn ich jetzt die Qual der Wahl hätte, mich für eines der beiden Instrumente entscheiden zu müssen, wäre dies schwierig, würde aber wohl doch zu Gunsten meiner alten ausfallen. Ich persönlich hänge halt sehr an dem gedeckten Cassottosound, wie er den alten Golas eigen ist.

Vielen Dank für die Spielprobe nach Pforzheim.

Kleiner Exkurs am Rande: die Mehrzahl von GOLA - meist wird ja von Golas oder Golen gesprochen:
Der italienische Begriff GOLA bedeutet Kehle und die Mehrzahl davon sind Kehlen, italienisch GOLE. Die korrekte Mehrzahl unserer GOLA wäre dann also GOLE (Das jetzt bitte nicht zu ernst nehmen). :ROFLMAO:

In diesem Sinne wünsche ich frohes Musizieren, jeder auf seinem Trauminstrument, welches auch immer das ist. lch bin da recht tolerant und spiele auch immer mal wieder gerne ein 'Fremdfabrikat'.;)
 
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Das klingt alles interessant. Wenn die neue Gola soviel leichter ist, ist sie dann auch soviel billiger;). Gibts eine Indikation, was man dafür auf den Tisch legen muss? Ist ja nicht unberechtigt, die Frage, oder?
 
Wenn die neue Gola soviel leichter ist, ist sie dann auch soviel billiger;). Gibts eine Indikation, was man dafür auf den Tisch legen muss?

da ists wie bei den Rennautos: da gehts nicht nach Gewicht, sondern nach Gewichtseinsparung... je weniger, desto teuer...

was die aktuell kostet, kann man auf der Homepage von Zimmermann nachlesen:

costa Quanda


Die korrekte Mehrzahl unserer GOLA wäre dann also GOLE

Da ist´s im schwäbischen einfacher:

Einzahl: Bring au dei Goläle mit!
Mehrzahl: bring au deine Goläle mit!

...:D
 
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Mit Mythen können die Chinesen kein Geld verdienen, also weg mit dem alten Zeug, der neue Besen kehrt viel besser ...

An der Stelle wo Morigol die neue Gola spielte #615
img_20210628_113233602_hdr-jpg.807486


.. hat auch Matzke schon ein Video aufgenommen:


Über jungen wilden Style kann man nicht streiten,
Mach die "Blindverkostung": die Aufnahme klingt m.M. einfach wie "irgend ein hochwertiges Akkordeon"
Das Mikrofon scheint ganz ordentlich gewesen zu sein.

Eine alte Gola erkennt man meistens sofort am besonderen "sound".
Zum Vergleich Willi Fruth Solo auf Gola ca. 1960 "I only have eyes for you"
 
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S
Zum Vergleich Willi Fruth Solo auf Gola ca. 1960 "I only have eyes for you"
Schöne Aufnahme.

Ich glaube hier macht aber besonders auch die Aufnahmetechnik und die Akustik der Räumlichkeiten den Unterschied. Das geht bestimmt schon damit los, dass bei der zweiten Aufnahme z.B. Diskant und Bass mit individuellen Mikrofone abgenommen wurden und die Pegel dann individuell angepasst wurden, etc.

Das merkt man generell bei den ganzen YouTube Demonstrationen von Akkordeons. Liberty Bellows, Petosa, etc. Bei manchen der Kanäle klingt einfach fast jedes Akkordeon gut und bei anderen klingen sie einfach immer nur laut und billig...
 
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Das merkt man generell bei den ganzen YouTube Demonstrationen von Akkordeons. Liberty Bellows, Petosa, etc. Bei manchen der Kanäle klingt einfach fast jedes Akkordeon gut und bei anderen klingen sie einfach immer nur laut und billig...
ja das wäre eine erklärung, seltsam ist nur das es sogar als "soundcheck" benannt ist.
Hört das keiner an vor dem upload und macht sich gedanken ob die qualität der zielsetzung gerecht wird?
Titel des videos: (da steht auch nicht "neue" gola, insofern soll es wohl allgemein gelten )
soundcheckgola.png


Gibt es von Matzke evtl. schon bessere Studioaufnahmen oder eine CD-einspielung mit der neuGola?
 

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