Wie erkenne ich den Modus eines Liedstückes?

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Hallo,

Jede Kirchentonleiter ist durch die unterschiedliche Position der Halbtonschritte eine "eigene" Tonleiter, auch wenn dies nur durch Permutation zustande kommt.

Wie erkenne ich aber aus diesem Grund, in welchem Modus (Kirchentonleiter) ein Lied geschrieben ist?

Wichtige Punkte sind die Tonart, der Grundton und der Schlusston(mal davon ausgegangen, dass ein Lied nur ein Modus verwendet).
Gibt es weitere Merkmale?
 
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Das liegt eigentlich auf der Hand: Wenn du den Grundton einmal hast, kannst du anhand der gespielten Töne Tonleitern ausschließen bis alle Töne verwendet wurden. Wenn nicht alle Töne gespielt werden, nimmt man logischerweise die "nicht-alterierte-Variante" an. Achte einfach auf Charakteristika wie der "phrygischen Sekunde", "lydische Quarte"... etc

Schließlich erkennst du, wenn sie dir in Fleisch und Blut eingegangen sind, die Modi anhand Ihrer gefühlten "Klangfarbe" (Die Durähnlichen Tonleitern klingen bspw offener bis sie sich über die Mollähnlichen bis hin zu lokrisch mit der verminderten Quinte weiter schließen). Mach dir am besten deine eigenen Gedanken, wie sie sich für dich anhören.
 
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Danke für deine Antwort.

Daraus folgere ich, dass es wichtig ist, die Kirchentonarten als eigenständige Tonsysteme zu betrachten, um dann im Vergleich zu Dur oder Moll die Unterschiede des Modus durch ihre eigene Charakteristika wie der "phrygischen Sekunde", "lydische Quarte"... etc den Modus zu bestimmen.
 
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Du kannst Dur und Moll ja auch genausogut als Modus betrachten (ionisch und äolisch). Warum sollte man sie also nicht gleichberechtigt behandeln, zumal ja auch ganze lieder in anderen Modi geschrieben sein können.

Mach dir am besten die Verwandschaft der Modi klar (nicht nur stufenbezogen):

Modi.png

Edit: In der Grafik sieht man auch ganz gut die Charakteristika (fett dargestellt). Es gibt zwar nicht den Ausdruck "lokrische Quint" aber die habe ich auch fett gemacht, um den Unterschied zum vorherigen Modus hervorzuheben (von links nach rechts wird immer nur ein Ton alteriert).
 
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Wurde im Prinzip eh schon beantwortet ... Du mußt im Prinzip jede vorkommenden Ton bewußt wahrnehmen, alle vorkommenden dann sortieren und so den Tonvorrat, der die Tonleiter bildet, bestimmen. Bei Dur oder Moll macht man es im Prinzip ja auch so ... nur daß wir uns da mehr zuhause fühlen und das "automatisch" geht, weil wir schon wissen, worauf wir hören müssen. Da wir stark dur-moll-diatonisch geprägt sind, erschließen sich andere Modi in der Erkennung am leichtesten durch die (charakteristischen) Töne, in denen sie sich von Dur unterscheiden.
Man hört eine Melodie und beobachtet das Vorkommen von Auffälligkeiten. Da .... plötzlich ein sehr ungewohnter Klang ... was war das ? Das war eine #11, eine lydische Quarte. Jetzt hat man einen ersten Anhaltspunkt, von dem man ausgehen kann. Nun muß man noch kontrollieren, ob das restliche vorkommende Tonmaterial paßt, und dann weiß man ...: lydisch :
Zum Thema "eigene Tonsysteme": Modi sind, finde ich, eine primär eine Angelegenheit der Melodie, und damit von akustischen Farbtupfern in der Klangwelt der Dur- Moll - Diatonik. Die Überwiegende Menge all unserer Musik ist ja nach wie vor Dur-Moll-geprägt, was die Funktionsharmonik angeht. Hie und da ein Akkord als MI (Modal Interchange) eingestreut ... aber im prinzip Dur und Moll.
Keine der anderen Modi hat sich als tragfähig genug erwiesen, um eine wirklich eigene Diatonische Harmonik daraus zu entwickeln. (Bitte von Ausnahmen in Detailbereichen absehen).
Es gibt kein durchgehend lydisches oder lokrisches Stück. Die (theoretischen) Stufenakkorde würden für uns ZU seltsam klingen ...
Sollte ich damit falsch liegen, bin ich begierig darauf, korrigiert zu werden und mir das einmal anzuhören ...
LG, Thomas
 
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Damit hast du sicherlich nicht ganz unrecht, turko. Trotzdem finde ich diesen Grund, sie nicht als eigenständige Tonsysteme zu betrachten, nicht ausreichend im Bezug auf Musik allgemein. Nur weil die Harmonik da für westliche Ohren überwiegend zu seltsam ist, muss das meiner Meinung nach nicht weniger geltend sein für Musik im Allgemeinen. In modalen Kompositionen wird die tonikale und somit die Betonung des Grundtons zur Selbstverständlichkeit. Diese Notwendigkeit zur Etablierung eines Tonzentrums lässt auf harmonischer Ebene nicht mehr viel Freiraum für viel Bewegung, was du meiner Meinung auch ganz richtig erkannt hast. Dennoch kann ich für mich die Eigenständigkeit dieser Tonsysteme (nicht mehr, nicht weniger) nicht ganz absprechen. Per Definition zählt auch noch viel mehr als Tonsystem (Schon die Benutzung von Vierteltönen bei Charles Ives). Aber man denke nur einmal an indische Ragas, bei denen so seltsame Modi so zentral sind, sich demnach so durchsetzen können, dass man diese Eigenständigkeit nicht ignorieren kann.

Aber auch in "westlicher" Musik kann man überrascht sein, wieviel in dorisch geschrieben ist. Von Chorälen bis zum Funk-Piano. Aber ich glaube, dass turko das Alles mehr oder weniger schon bewusst ist und es hier "nur" um Begrifflichkeiten geht. ;)
 
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Ist alles richtig, was Du sagst. Ich meinte auch nur:

Unser (mitteleuropäisches) Harmonieempfinden ist (auch) durch kadenzielle Vorgänge stark geprägt. Und die Kadenzen - genau in der Form wie wir sie kennen - funktionieren eben nur in Dur ... schon in Moll wird verschiedenes durcheinandergewürfelt, um die Sache zu retten ... ich spreche anderen Tonsystemen nicht ihre Eigenständigkeit ab ... aber ich glaube, sie haben ihre Stärken wo anders. Nicht in der Harmonik.

Aber das ist lediglich die Meinung eines Nicht-Studierten, der sein Leben lang mit offenen Ohren gehört hat ...

LG, Thomas
 
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Da stimme ich dir vollkommen zu. Aber genau das wollte ich nur noch hinzufügen: Es hängt von der Betrachtungsweise ab. Es ging ja ursprünglich nicht zwangsläufig darum, das Durchsetzungsvermögen der Modi in der mitteleuropäischen Harmonie zu betrachten. In entsprechender Stilistik hat ein Modus wie du sagtest eher die Funktion, melodisch etwas Klangfarbe zu verleihen und damit kommt man musikalisch ja auch schon recht weit. Es ging mir ja auch eher um den Umgamg mit der Materie, ich persönlich versuche mich musikalisch/gedanklich möglichst nicht einzuschränken, formuliere also lieber: "Modi können dies und jenes" und nicht "Modi werden für jenes nicht verwendet".

Wie gesagt, ist nur eine Sache der Begrifflichtkeit, aber ich denke, sie differenziert auch den eigenen Umgang damit. Wer sagt, dass irgendjemand nicht irgendeinen Weg findet, da noch irgendwas durchzusetzen.
Wenn er mich also fragt, ob man das als eigenständiges Tonsystem betrachten kann, sage ich ja. Wenn er mich gefragt hätte, ob er damit Kadenzen bilden kann, dann hätte ich natürlich anders geantwortet. :)
 
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Nun, ich von meiner Seite habe dem Gesagten (meinem, und dem der anderen) nichts hinzuzufügen.

Thomas
 
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Modus bedeutet soviel wie Art und Weise. Und das führt Dich schon weiter. Ein Modus ist nicht lediglich eine Tonleiter. Denn wie Du schon richtig bemerkst, könnten es ja immer sieben "verschiedene" sein. Ein Modus ist engstens mit der Art der Melodiebildung verknüpft - anders funktioniert das nicht. Es gibt da sog. Archetypen aus den Gregorianischen Chorälen.

Wirklich korrekt wird da m.W. nur in dem Buch von Bernhard Meier dargestellt: "die Tonarten der klassischen Vokalpolyphonie".
 

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