Wie singt ihr euch ein?

von JaNeKlar, 09.04.08.

  1. JaNeKlar

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    Erstellt: 09.04.08   #1
    Hi,

    mir ist bei der letzten Session bei meinem Bandkollegen wieder mal was
    aufgefallen. Er schmiss einfach das Playback von Grönemeyer's Alkohol rein.
    Kein Problem dacht ich und sang das Ding runter. Danach mal was ruhiges von
    Max Mutzke "can't wait until tonight". Was soll ich sagen, der Ofen war aus.

    Ich hatte mich anscheinend nicht eingesungen. Manchmal klappts trotzdem.
    Woran liegt das? Bereitet ihr euch vor? Singt ihr euch ein? Oder ist der erste Song den ihr bringt immer etwas ruhiger? Was gibt es da für Techniken?

    Gruß

    Chris
     
  2. Cörnel

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    Erstellt: 09.04.08   #2
    Hallo Chris,
    ich singe mich immer ein (naja, fast immer). So sieht mein Einsingprogramm im vollen Umfang aus:

    Lippenrollen auf einen gebrochenen Akkord im Umfang einer Quinte rauf und runter. Das ganze danach einen Halbton höher. Ich beginne in mittlerer bequemer Lage und gehe ohne Druck rauf bis zum f" als Quintton. Hierbei ist jedoch kein Ton mehr hörbar, der Ton geht bei der Übung bei ca. a' weg, der M. cricothyroideus arbeitet aber weiter.

    Danach das Lippenrollen in Halbtonschritten abwärts. Je tiefer ich komme, desto mehr Zeit zum Einatmen nehme ich mir, und es wird langsamer. Das ganze runter bis zum kontra a - da ist natürlich nur noch ein Geknatter da. Immer locker lassen, niemals drücken.

    Die Lippenrollübung noch einmal als Zungen-Roll-R-Übung.

    Nacken dehnen, d.h. Kopf nach vorne, hinten, links, rechts, ganz langsam und bedächtig rollen.

    Danach: Mit Schimpansenschnute auf Töne richtig heftig gähnen, um die Muskeln zu "resetten".


    An dieser Stelle bist du schon recht warm. Das wäre das Kurzprogramm. Ich mache dann so weiter:

    Beginnend beim kleinen h über einen Oktavumfang einen gebrochenen Akkord mit Portamento nach unten auf "naaa" singen. In Halbtonschritten abwärts. Ganz locker lassen, extrem entspannen. Ich komme so runter bis zum kontra F, so tief muss es aber nicht sein. NIEMALS irgend einen Druck aufbauen.

    Danach über einen gebrochenen Akkord über einen Oktavumfang hoch und runter (also z.B. c e g c' g e c auf "naaa" ebenfalls mit Portamento singen. In Halbtonschritten höher werden, dabei dem Portamento folgen und schön die Register ineinader überbleden, ich denke, ich singe dann in der Mischstimme. Das ganze auch locker ohne Druck bis zum cis".

    So singe ich mich ein. Wenn du ein erfahrener Sänger bist, kannst du ja die Übungen mal nachmachen. Mit dem Lippenrollen und Zungenrollen kannst du nicht wirklich was falsch machen und das ganze geschieht sicherlich gefahrlos.

    Die funktionale Portamentoübung solltest du nur mit einem Gesangslehrer anfänglich machen, damit er dich kontrollieren kann.

    Hoffe, geholfen zu haben.


    Grüße
    Cörnel
     
  3. erdbeer-shisha

    erdbeer-shisha Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.04.08   #3
    als zusatz...

    mir hilft auch immer eine kleine Übung um wirklich in der "maske" zu sein,ergo, dass der Ton nicht irgendwo im Hals rumgurkt, sondern wirklich da sitzt, wo er sitzen soll.

    Singe ein relativ scharfes "siii" und achte darauf, dass dabei der Ton in den Nebenhöhlen und in der Nasenspitze vibriert. Kannst auch bei jedem Ton deine Nasenspitze "anzupfen",etwas überspitzt solltest du dich dann anhören, wie eine Trompete ;D
    Hilft aber ungemein, wenn man hinterher belten möchte, danach einfach bisschen die Oberlippe hoch und es klappt.
    Mit der Technik vermeidet man auch, dass hinterher etwas "eng" im Hals wird und du dann unter Umständen heiser wirst.
    Die Intervallabstände sind bei dieser Übung auch, wie zuvor von Cörnel beschrieben.

    Beste Grüße, Claud
     
  4. moniaqua

    moniaqua Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 09.04.08   #4
    JaNeKlar, ich kenn Groenemayers Alkohol jetzt nicht; prinzipiell geht es schon, sich mit einem Lied einzusingen, wenn es in einer bequemen Lage ist und man halt ned gleich Vollgas gibt, sondern sachte macht. Ansonsten halt Intervallsingen auf 'nem genehmen Vokal oder auch mal nur summen (z.B. auf "ng"); erst kleinere Intervalle in Halbtonschritten hochschrauben (c d e d c, cis dis f dis cis oder so, ...), dann groessere Intervalle, wieder unten anfangen und hochschrauben. Und/oder in der Mitte anfangen und runterschrauben, bis Du halt den Bereich, den Du brauchst sauber durchgearbeitet hast. Dabei drauf achten, dass Du drucklos und mit gutem Stimmsitz singst.
    Wenn Du rein zufaellig Gesangsunterricht naehmst, da kriegt man so einiges an Einsing/Aufwaermuebungen mit, dto in einem guten Chor ;)

    Coernel, was meinst Du mit Lippenrollen, bubbles?
     
  5. Fish

    Fish HuF User & Mod PA/E-Tech Moderator HFU

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    Erstellt: 09.04.08   #5
    Hallo allerseits,

    wenn ich das so lese dann wird mir klar, daß einsingübungen schweer in einem Thread zu beschreiben sind. Ich versuche mal mein "Paket" zu beschreiben.

    1. Abschalten
    Autogenes Training. Loslassen von den momentanen Gedanken / Alltagssorgen und Stress.

    2. Lockern
    Ein bischen rumhampeln zu irgendeiner Musik mit anschließenden Streching

    3. Weiten und Massieren
    Gesicht und Nacken Massieren. Grimmassen schneiden, Backen Aufblasen, mit der Zunge alle partien des Mundes abtasten, mit den Lippen "Brrrrrrr" machen.

    4. bewust Atmen und Stütze trainieren
    Bauchatmung bewust erleben
    Luft halten und auf "fffffff" ausatmen
    Mit "p" "t" "k" impulse aufs zwerchfell geben
    Einen Seufzer (von hoch nach tief) loslassen

    5. Töne
    Da ist ja schon vieles in den vorherigen postings genannt. Ergänzend wäre zu sagen, daß ich mich gerne mit der Kopfstimme anfange und dann mit der Bruststimme weitermache. Von Tonleitern über Oktavsprünge, Vokale.... alles ist möglich.

    Zeitdauer für das ganze Procedere: Ca. 15 Min.

    Danach ist meine Stimme warm und belastbar.

    gruß

    Fish
     
  6. Cörnel

    Cörnel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.04.08   #6
    Auf English lip trill bzw. tongue trill. Auf Deutsch teilweise auch Propeller genannt.

    Der lip trill ist ein brrrrrrrrrrrr, wie kleine Kinder es machen, wenn sie ein Autogeräusch imitieren oder ein Pferdeschnauben.
    Der tongue trill ist das ausgehaltene Zungen-R, sprich, die Zungenspitze flattert im Luftstrom.
     
  7. JaNeKlar

    JaNeKlar Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.04.08   #7
    ....vielen Dank für dir guten und zahlreichen Antworten.

    Ich bin seit 15 Jahren als Sänger unterwegs und habe mich nie eingesungen.
    Meistens ging es gut, manchmal aber halt auch nicht. Ich werd mir die Übungen mal zu Herzen nehmen. Ich habe auch schon über Gesangsunterricht nachgedacht. Kennt da jemand was gutes in Hamburg?

    Ich cover meistens und versuche dem Original auch stimmlich nahe zu kommen.
    Mir ist aufgefallen wenn ich das "unbewußt" nicht tue klinge ich viel besser und entspannter. Aber ich finde das komischer weise sehr schwer es nicht zu tun. Kennt das jemand?

    Ich finde manchmal fällt meine Stimme auch nach hinten. Sie kommt dann nicht über die Lippen und vibriert nicht in den Nasennebenhöhlen sonder hinten im Hals. Was dazu führt das ich bei Aufnahmen am EQ geschraubt werde muß weil es nicht so brilliant sondern eher dumpf klingt. Wie kann ich das beeinflussen?

    Danke für Tips und einen erfolgreichen Tag.

    Gruß

    Chris
     
  8. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 10.04.08   #8
  9. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 10.04.08   #9
    Ach, das ist eine alte Krankheit beim Covern.... unbewusst versucht man meistens, dem Original so nah wie möglich zu kommen. Und manchmal natürlich auch ganz bewusst.
    Um mich davon zu entfernen, hat mir immer folgendes geholfen: einen Song in einem ganz anderen Stil zu singen, also z.B. einen Rock/Pop-Song als Swing. Oder als Bossanova. Also mit Genre und Tempo herumexperimentieren, da kommt die eigene Stimme viel eher zum Vorschein. Oder aber Du nimmst als Mann einen Song, den eine Frau gesungen hat - entsprechend transponiert.
    Das alles setzt aber voraus, dass man von versierten Musikern begleitet wird oder selbst gut genug spielt.

    Ohne Dich gehört zu haben, ist eine Diagnose schwierig. Für mich hört sich das, was Du beschreibst, nach zuwenig Vordersitz an. Du könntest mal ein paar Tonfolgen (z.B. Quinten) auf ng singen, und versuchen, die Maske zu finden. Dann gehst Du allmählich zu Vokalen über.
    schöne Grüße
    Bell
     
  10. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 10.04.08   #10
    Genau so mach ich es auch immer. Ich krieg nämlich jedesmal ne komplette Krise, wenn ich n Original-Tom Jones singe, aber das, was da aus den Boxen kommt, klingt komplett anders. ...
     
  11. Fish

    Fish HuF User & Mod PA/E-Tech Moderator HFU

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    Erstellt: 10.04.08   #11
    Wen ich covere, dann höre ich mir die ersten Wochen noch das Original an. Später "Reift der Song" dann passen zu meiner Person heran und ich höre das Original nicht mehr.
    Die von mir gecoverten Songs dürfen gerne den "Fish" touch bekommen.

    Gruuß

    Fish
     
  12. erdbeer-shisha

    erdbeer-shisha Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.04.08   #12
    wenn du meinen Post gelesen hättest, würdest du diese Frage jetzt nicht stellen ^^

    Claudia
     
  13. miss-sophi

    miss-sophi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.04.08   #13
    Als erstes würd ich mir genug Zeit lassen beim Einsingen! Ich fang meistens bei meim Zwerchfell an und "dehn" es erst mal^^ also tief einatmen und solang halten wie´s geht, dass der ganze spaß da unten richtig mobilisiert wird und dann mit impuls auf "s" oder "ff" ausströmen lassen!

    Dann verschiedene Aufwärmübungen auf "p" "t" "k und vllt den abfahrenden Zug mit "s" oder "sch".
    Alles Impulsübungen. Dann mach ich mit Tonfolgen (oben schon ausführlich gut beschrieben:)) oder der Sirene (tief anfangen und hoch hinaus und wieder zurück;)) weiter. Auch laut leise Übungen taugen gut! such dir nen "bequemen" Ton aus und fang leise an werd so laut wie möglich und wieder leise werden!

    Dann noch ein paar Muskellockerungsübungen:) den "Vibrator" (wie son Pferd^^ nur länger)
    und ein bisschen die kaumuskeln massieren! Aber jeder muss denk ich sein persönliches Einsingen finden!!

    Liebe Grüße sophia
     
  14. Lullably

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    Erstellt: 21.04.08   #14
    also ich spreche den ganzen Tag lang nichts und dan so ne stunde vor dem aufnehmen schalt ich den cd player ein meine lieblings cd rein und ich singe einfach drauf los. Das hilft mir war zu werden dan klappt alles wunderbar!
     
  15. Cörnel

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    Erstellt: 22.04.08   #15

    Ich habe übelste Bedenken bei dieser Methode.
     
  16. StayTuned

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    Erstellt: 25.04.08   #16
    ja professionell klingt das nicht. aber ich schätze so läuft es beim großteil der pop und rockmusiker ab. wenn nicht schlimmer lol

    ich versuche mich einfach mit der Gitarre einzusingen. auch nicht besser aber als "gefühls- und amateurmusiker" hat man meist vom gesangsuntericht nicht mehr viel im hinterkopf gg.

    anfangs was ruhiges was mir leicht fällt und dann steigern bis man sich warm fühlt.

    EDIT: Mit was ich sehr gute Erfahrung gemacht habe ist Gesichtsgymnastik vorher.
     
  17. Basselch

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    Erstellt: 25.04.08   #17
    Hallo,

    @ Cörnel: Sehe ich auch so! Ist m. E. die beste Art und Weise, seine Stimme vor dem Auftritt oder vor der Aufnahme zu überanstrengen.
    @ lullably: Wenn es bei Dir funktioniert, hast Du Glück gehabt... dann ist Deine Stimme ziemlich robust. Ich würde Deine Methode eher mit einem 100-m-Sprinter vergleichen, der sich einfach in den Startblock hängt und losrast (nichts für ungut...).

    Bei mir sieht das Einsingen so aus: Impulsübungen (rr-p-t-k..., auch auf sss-sss-sss-sss machbar), dann die Stimme dehnen (bei mir hilft auch ausgiebiges Gähnen zum Start schon sehr gut). Bei mir sind die Dehnübungen die wichtigen, vor allem in die Höhe, da ich dazu neige, den Ton zu eng zu nehmen (ich sage dazu: Bin hauptsächlich Klassiker). Dann gegebenenfalls noch ein paar Übungen für Randstimmfunktionen (z. B.: ii-uu ansetzen, dann auf u in der Quinte abwärts). Je nach Material dann noch ein paar Übungen in der Höhe oder in der Tiefe, oder noch eine Koloraturübung.
    Wie gesagt, bei mir geht es ungefähr so ab, bei einer anderen Stimme kann - und wird - das sicherlich auch schon mal komplett anders ausfallen, da muß jeder "seinen" Weg finden.

    Viele Grüße
    Klaus
     
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