Wofür braucht man Resonanzfelle?

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schaue ich mir alte fotos von konzerten aus den 70er und 80er jahren an, dann hatten die toms in der regel kein resonanzfell und die mikros wurden von unten in die trommel gesteckt.
weshalb hat man das gemacht?
weshalb sieht man das heute nicht mehr?

was sind die klanglichen vor- und nachteile?
 
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Resonanzfelle erklären sich ja bereits durch ihren Namen. Sie resonieren. Durch den Schlag auf das Schlagfell bringst du die Trommel zum schwingen. Das Resofell nimmt die Schwingungen auf und erzeugt seinerzeit wiederum einen Ton. Dadurch hast du die Möglichkeit, den Sound insofern zu manipulieren, dass der Ton entweder Abfällt (Reso tiefer als Schlagfell) Aufsteigt (Reso höher als Schlagfell) oder aber der Ton bleibt gleich und zieht sich etwas (Reso wie Schlagfell). Alles natürlich abhängig von der Fellwahl.

Ohne Schlagfell hast du einen "saubereren" Ton ohne die Resonanz. Allerdings auf Kosten der Lebendigkeit. Man nennt es dann Concert Toms. Es ist dadurch z.B. einfacher, die Toms tonal aufeinander abzustimmen. Phil Collins ist z.B. sehr bekannt. Sein Set beschreibt den Ton am besten.

Auch dieses Video zeigt sehr genau, was die klanglichen Vorteile von Concert Toms sind (Ab ca. 8. Minute).



(Der benutzt übrigens die Recording Methode, durch die versehentlich in the Air Tonight von Phil collins entstanden ist (Room Mikrophon im Nebenraum).

Wenn die Mics sich in den Toms befinden, reduziert das einfach ein wenig das Übersprechen und Cymbalbleeding.

In den 70ern und 80ern waren lange Töne bei Toms ja verpönt. In den 80ern wurde dann noch gegated was das Zeug hält. Concert Toms waren da oftmals das Mittel der Wahl. Der Sound ist aber auch weniger lebendig als bei klassischen Toms. Concert Toms sind heutzutage nicht mehr in Mode. Es gibt sie eher im Orchestralen Bereich. Bei Thomann z.B. erschwinglich von Yamaha und Tama
 
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hmmm....höre ich mir diese aufnahme von dem video an....dann kann man nur sagen, klingt großartig, oder nicht?
weshalb dann das resonanzfell, wenn es ohne sauberer klingt?

ich fühle mich versucht, von meinen trommeln das resonanzfell mal abzunehmen. wie das wohl klingen mag?
 
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An die Stelle tritt halt das ein, was man Geschmack nennt. Mir klingen Concert Toms zu platt. Aber experimentier da ruhig. Das haben viele von uns hinter uns. Nur so findest du dann deinen Sound.
 
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Haensi
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Eben. Geschmackssache. Meins ist das nicht.

Such mal auf Youtube nach "Sounds like a drum". Die haben da schöne Abhandlungen über Drumsounds und wie sie entstehen.



Wenn du auf 80er Drumsound stehst, dann unbedingt die Folge ansehen:

 
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Wenn du auf 80er Drumsound stehst, dann unbedingt die Folge ansehen:


wenn ich das richtig verstehe, dann können die heutigen trommeln, den 80er sound erzeugen, auch wenn das resonanzfell installiert ist?
dann wäre das entfernen des resonanzfells obsolet?
 
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den 80er sound erzeugen,
DEN 80er Sound nicht, jedoch DEN Steve Gadd 80er Sound.

Lässt man die Resofelle weg, müsste man eigentlich auch die unteren Böckchen abschrauben. Jedenfalls muss man dafür sorgen, dass in Inserts der Böckchen nicht rappeln.
Das tun sie nämlich meistens, da sie ja nicht mehr auf Spannung gehalten werden und so bei jedem Schlag munter vibrieren können.
 
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Lässt man die Resofelle weg, müsste man eigentlich auch die unteren Böckchen abschrauben. Jedenfalls muss man dafür sorgen, dass in Inserts der Böckchen nicht rappeln.
Das tun sie nämlich meistens, da sie ja nicht mehr auf Spannung gehalten werden und so bei jedem Schlag munter vibrieren können.
Alternativ ins Resofell ein Loch schneiden, so dass vom Rand nur noch 2 CM über sind. Hat den Selben Effekt wie kein Resofell.
 
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Ich habe das früher gemacht, um.lauter zu sein. Bezog sich aber nur auf die beiden Hängetoms.
Drum wurde nicht abgenommen, auch bei Konzerten nicht, und man musste sehen, wo man zwischen zwei kühlschrankgrossen Marshaltürmen bleibt.
War eh irgendwas zwischen Punk, hardrock und wave, viel mit filigran und Lametta war da nicht.

Probier's aus.

x-Riff
 
Korki
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1. was sind staccato drums?
2. wieso werden die trommeln lauter, wenn das resonanzfell fehlt?

das wollte ich eigentlich nicht, daß meine trommeln lauter werden.
 
Korki
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Staccato Drums sind Concert Toms, die zum Publikum ausgerichtet sind, damit die den Schall direkt abkriegen.
https://www.micha-krueger.com/staccato-drums.html
(Staccato war eine der Firmen, die das damals gemacht haben.)
Ob normale Concert Toms wirklich messbar signifikant lauter sind, weiß ich nicht. Aber sie klingen perkussiver und setzen sich deshalb oft deutlich besser durch.

Taylor Hawkins hatte live auch wieder Concert Toms dabei. :cry:

Ich habe vor ein paar Jahren auch ohne Reso und mit Mikro im Kessel gespielt. Ich gebe aber zu, dass die Optik auch ein Grund war... Ich hatte das sogar mal mit Evans Hydraulic Fellen gemacht. Auch wenn man das zuerst vielleicht nicht erwartet, hatte das tierisch Druck. Später habe ich das auch mal bei einer Floortom von Udo Masshoff gesehen. Klang einfach gut.
Am Ende lohnt es sich, vieles einfach mal auszuprobieren. Hinterher klingt das Schlagzeug nicht immer besser, aber man ist zumindest etwas schlauer.
 
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Ich versuche 'mal etwas zu ergänzen.

Vor einiger Zeit ging ich in den Ausstellungsraum eines lokalen Musikanbieters: viele Schlagzeuge zum ausprobieren ... und mit schallsenkender Tür (für die leidenden Angestellten). Mutig die Sticks geschwungen und gar nicht so dolle reingehauen ... ... da rappelte es die ganzen Regale entlang, wo sich Trommel an Snare an Tom reihte ... ach ja, und die anderen Drumsets natürlich auch ...

Das war eindrucksvoll, denn, so der Nachrichtentechniker+Physiker in mir:
  • ein Dirac-Stoss
  • regt alle erreichbaren Resonanzen an (Systemantworten)
  • am Drumset, im Raum und andernorts.
Also ... man kann den Klang vom Schlagzeug grundsätzlich nicht isoliert vom Raum, in dem es gespielt wird betrachten, und ebensowenig von all dem, was sich da noch so mitanregen lässt (im besten Fall auch die zum Daddeln auf dem Drumset mitgroovenden Herumstehenden). Ist natürlich immer eine Frage der Verhältnisse. Am ehesten vernimmt man noch den (meist nicht so großen) Raum beim Mikrophonieren ... Stichwort Kammfilter-Effekte (Geometrien Raum zur Mikroposition, gepaart mit Mikro-Charakteristik ... joi joi joi).

Auf eine einzelne Trommel bezogen haben wir wenigstens diese schwingungsfähigen Komponenten unterm Dirac-Stick // dahinter einige Parameter:
  • Schlagfell // Spannung, Material, Dicke, Auftreffpunkt, Schlagweise, Stick selbst, Drummer-Mood
  • Trommelinneres // i.W. Länge (L), Durchmesser (D), L : D, Wandmaterial, Wandstärke
  • Reso-Fell // praktisch wie Schlagfell
  • Raum // L*B*H (also Raummoden; idealer Quader ... soll ja davon abweichende Räume geben)
  • Standort der Trommel im Raum (ist nicht egal ... es gibt auch "verschluckende" Stellen)
Dabei mindestens auftretende Wellenphänomene:
  • Oberflächenwellen (Felle, Trommelwand)
  • Biegewellen (i.W. auf der Trommel, Wände des Musikraums)(z.T. nicht-lineare Phänomene)
  • stehende Wellen (Raum, Trommelinneres bei ungünstigen Resonanzlängen)
  • und ggf. weitere
Insbesondere "sehen" Wellen alle Geometrien ganz anders als unser Auge: entscheidend sind nur die Wellenlängen, die aufs intimste mit der, etwa im Holz, deutlich von der Luft verschiedenen Ausbreitungsgeschwindigkeit abhängen. Und am Ende zählen nur die Verhältnisse in der Massskala der Wellen-Längen.

D.h. also, selbst bei einer einfachen Tom oder Snare ohne Snareteppich, ob nun mit oder ohne Resofell, sind da eine Menge schwingfähiger Systeme miteinander verkoppelt, und mit zunehmender Lautstärke (also Stick-Wumms) eben auch zunehmend nicht-linear. Verkopplung bedeutet eben auch, im ideal genähreten Fall (kleine Amplituden, nur lineare Effekte usw.) Frequenzgänge, bei denen so mancher elektronsiche EQ vor Neid erblassen würde, viele Resonanzen mit hohem und kleinem Q inklusive.

Und jetzt haben wir noch gar nicht gesprochen über ein Tool vieler Schlagzeuger, das Tape oder Papiertaschentuch: drappiert man gerne zum .... Dämpfen auf dem Fell.

All das subsummiert unser Gehör (als Gesamtfunktion) als ... Klang oder Sound.

~~~
Hier als Anschaungsmaterial 3 miteinander verkoppelte Pendel. So etwas hätten wir etwa für Schlagfell, Luft (in oder um die Trommel) + Resofell. Diese Art gekoppelte Pendel sind übrigens nicht-deterministisch, d.h. anders als bei Federpendel kann man zukünftige Stellungen und Bewegungen der Pendel NICHT mehr voraussagen (chaotisch). Selbst gleiche (also: nahezu gleiche) Startbedingungen ergeben nahezu sofort andere Verläufe ... (= Klänge an der Trommel, wenn man's überträgt)



~~~

Für den Sounddesigner wird das nun zur praktischen Frage: schmeiße ich lieber einen Freiheitsgrad, das Reso-Fell, raus, oder nutze ich es geschickt mit? ("Vereinfachen" scheidet ja per se aus, siehe oben.) Es kommt darauf an, es gibt da keine allgemeingültige Antwort.

Eins meiner Sets hat aus Transportgründen Bassdrum und eine Tom mit breitem Durchmesser nur OHNE Reso-Fell ... klingt immer etwas leblos. Wobei, ... beide im richtigen Abstand übereinander montiert macht das eine zum Reso des anderen ... und schon belebt sich der Sound ein wenig (teiloffene Trommel).

Eine Snare mit Reso-Fell kann man in viele Richtungen stimmen, z.B. lasch, tief, metallisch hoch usw. Und alles noch ohne Snareteppich.

ich fühle mich versucht, von meinen trommeln das resonanzfell mal abzunehmen. wie das wohl klingen mag?
Versuch macht kluch ... Sammel Deine Erfahrungen. Mitunter reicht es auch aus, ganz ohne Montage, das Drumset ein paar achtel Wellenlängen weiterzuschubsen, Papier zu tapen usw. (sind ja genug Parameter zum Verändern verfügbar).

Aber schau' parallel oder vorab in dieses tolle Buch hier:
Drum Tuning. Der Weg zum Traumsound (Nils Schröder)

Viel Erfolg
 
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Zu 2:
Der Schall tritt ungehindert raus. Bei einem Resonanzfell wird ja ein Teil des Schalls wieder zurück in die Trommel geleitet.
Das müsste auch dazu führen, dass es quasi ein Echo gibt - das kann die Erklärung dafür sein, dass der sound fülliger klingt und länger anhält.
Ohne Resonanzfell ist dafür der Punch stärker.

Ist jedenfalls meine Erlärung dafür.

x-Riff
 
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2. wieso werden die trommeln lauter, wenn das resonanzfell fehlt?
Hm, wie festgestellt (gehört/gemessen?) , wo, bei welchen Frequenzen usw. Ja, da sind sie wieder, die Wellenphänomene ...

"Lautstärke" ist subjektiv, siehe Hörkurve ...
 
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... Wenn die Mics sich in den Toms befinden, reduziert das einfach ein wenig das Übersprechen und Cymbalbleeding. ....

Das scheint mir einer der Hauptgründe gewesen zu sein:
Die Abnahme des Schlagzeugs ohne Übersprechungen (und live mit wesentlich weniger Feedback-Gefahr) ist einfacher, wenn die Mics in die Trommel wandern können.
In den 1970er und 1980er Jahren war es ja auch schwer angesagt, einzelne Trommeln mit unterschiedlichen Effekten abzumischen.
Da ist möglichst saubere Trennung natürlich essentliell.

Letztlich also Geschmackssache.
 
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eigentlich sind wir mit dem klang der drums sehr zufrieden.
der eine drummer mosert über meine snare, weil die stöcke schlecht springen, aber dafür paßt sie klanglich zur musik.
seine eigene snare ist uns (basser und mir) zu militärisch und zu laut.
 

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