Workshop Proberaumaufstellung

von mix4munich, 08.04.07.

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  1. mix4munich

    mix4munich Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 08.04.07   #1
    Aloha Forum,

    aus dem Bild, welches hier seit einiger Zeit im Forum herumgeistert, und meinen eigenen Erfahrungen hab eich einen Workshop zum Thema Proberaumaufstellung geschrieben. Hiermit zur Diskussion freigegeben, und wenn das ganze eine akzeptierte Form hat, kann einer das Mods bzw. Admins das Machwerk ins Workshopforum verschieben.




    Proberaumaufstellung und praktische Akustik

    Intro: Das Problem im Proberaum
    Welcher aktive Musiker kennt das nicht: Die Probe ist mal wieder bruchlaut, die Öhrchen pfeifen, man hört alles und jeden überdeutlich (ausser sich selbst natürlich), und nervige Rückkopplungen pfeifen zum Gotterbarmen. Zum Schluss beendet ein Überfallkommando der Polizei die Probe, und Ihr verbringt eine Nacht auf der Wache, bis ihr gegen Zahlung einer Kaution freigelassen werdet und bloss noch auf Euren Prozess wegen Ruhestörung zu warten braucht.

    Gibt es einen Ausweg? Klar - man kauft einfach Tonnen vom angesagtesten Equipment, lässt das ganze von einem studierten Akustiker aufstellen, einstellen, einmessen, investiert Zeit und Geld in professionelle Dämmungs- und Dämpfungslösungen, zahlt dafür am Ende tausende von EURO und freut sich weiter seines Lebens. Soweit die Luxusvariante. Und was macht der kleine Rest von uns, der augenblicklich gerade nicht im Geld schwimmt?


    Lösungsansatz: Hirnschmalz statt Kohle
    Ganz ehrlich - nix ist umsonst. Aber man kann das Problem auch mit ganz wenig Geld soweit lindern, dass es einem keine Kopfschmerzen mehr bereitet. Zum Anfang erstmal eine Einteilung: Was sind eigentlich unsere Probleme?
    • Zum einen die (ungewollten) Feedbacks. Das ist ein akustisches Problem. Es hat u.a. mit Lautstärke zu tun.
    • Zum anderen das Problem, sich selber nicht zu hören. Dies ist ebenfalls ein akustisches, aber auch ein organisatorisches Problem. Und hat meist auch mit hoher Lautstärke zu tun.
    • Weiter vielleicht noch das Problem, dass die Nachbarn sich beschweren oder sogar die Polizei anrückt wegen dem Höllenlärm, den man produziert. Das ist ein juristisches Problem. Und hat verdammt viel mit Lautstärke zu tun.
    Wir werden nun die einzelnen Probleme angehen, jeweils unter dem Gesichtspunkt, dass wir gerade pleite sind und uns weder den Besuch des Akustikers leisten wollen, noch die schwimmende Raum-in-Raum-Konstruktion bezahlen können, die er uns vorschlägt.


    Die Mutter der Porzellankiste: Weniger Pegel!
    All unsere Probleme haben in irgend einer Form mit Lautstärke zu tun. Es ist schon widersinnig: Erst geben wir einen Haufen Kohle für leistungsfähiges Equipment aus, um damit Krach zu machen. Danach kostet es nochmal so viel, mit den Folgen des Krachs umzugehen. Von den Spätkosten für die uncoole Hörbrille mal ganz abgesehen ...

    Erster Schritt daher: Versucht, leiser zu spielen! Leichter gesagt als getan. Wie kann man's also angehen? In lauten Rock- oder Metalbands bestimmt meist der Drummer den Geräuschpegel entscheidend mit. Wie kriegt man es hin, dass der Drummer nicht mehr ganz soviel Krach produziert?
    • Andere Spielweise? Man kann es als Drummer auch grooven lassen wie Hölle, ohne dazu reinzuhauen wie das Tier in der Muppetshow!
    • Andere Sticks? Statt der Vierkantholz-Baseballprügel einfach mal mit was Leichterem auf die Felle hauen!
    • Dezentes Bedämpfen der Felle? Man muss den Sound ja nicht gleich abtöten, aber endloses Sustain von den einzelnen Kesseln ist auch kontraproduktiv.
    Probiert etwas rum, und wenn Ihr was findet, das hilft, nutzt es. Bis hierhin habt Ihr maximal das Geld für ein paar neue Sticks und eine Rolle Gaffatape zum Dämpfen ausgegeben, falls die nicht ohnehin schon im Bandkoffer rumflog.

    Und nun der Rest der ganzen Gang: Nicht nur die Schuld beim Drummer suchen, auch der Rest der Truppe kann zur Verringerung des Pegels beitragen. Akzentuiertere Spielweise, nicht einfach nur vollverzerrte Bratakkorde auf der Gitarre liegen lassen, weniger Zehn-Finger-Akkorde vom Keyboard. Einfach selber probieren und beibehalten was zu Euch passt! Wenn plötzlich und unverhofft der Gesang aus dem allgemeinen, weniger gewordenen Krach auftaucht, nur weil der Keyboarder Einzeltöne spielt statt mit allen zehn Fingern reinzuhauen, oder weil der Gitarrist mal abgedämpftes Stakkato spielt statt Bratakkorde liegen zu lassen, dann ist das schonmal ein Erfolg. Und kostet Euch keinen Pfennig!

    Ich glaube, zum Thema Arrangement mache ich irgendwann mal einen eigenen Workshop ...

    Jetzt gehen wir den Rest an. Bis hierhin habt Ihr das Problem vielleicht dezent gelindert, aber Wunder sind noch keine zu erwarten. Jetzt werden Musiker und Lautsprecher nach akustischen Gesichtspunkten im Raum umgruppiert. Ziel soll sein, dass beim Spielen jeder jeden hören und sehen kann, und dass jeder sich selbst besonders gut und deutlich hört, ohne die anderen zuzudröhnen.


    Zunächst Gitarren und Keyboards
    Zur Erinnerung für uns Gitarristen (bin nämlich auch einer): Wir hören mit den Ohren. Nicht mit den Kniekehlen. Das gilt für Euch genauso wie für den Rest der Welt. Und es gibt keine eherne Regel, welche besagt, dass man seinen Combo auf den Boden direkt hinter sich stellen muss!

    Im Ernst: Es ist ganz günstig, wenn man sich nicht direkt vor dem eigenen Amp postiert, damit der Sound sich unterwegs etwas "entwickeln" kann. Stattdessen stellt man seine Box gegenüber in zwei oder drei Metern Entfernung an der gegenüberliegenden Seite des Proberaums auf, leicht erhöht auf Bierkästen oder Stühlen, kleinen Tischen oder Bierzeltgarnituren und/oder schräg gestellt, damit man damit genau auf den eigenen Kopf zielt. Vierkanthölzer aus dem Baumarkt oder aus Papas Fundus sind da sehr hilfreich. Oder Ihr nehmt die alten Sticks vom Drummer :-) Ihr dürftet überrascht sein, wie laut und deutlich Ihr Euch nun selbst hört! Der Griff zum Volume-Regler und ein dezentes Absenken des eigenen Pegels dürften der nächste Schritt sein. Da sich gerade hohe Frequenzen sehr stark gerichtet ausbreiten, vermeidet Ihr es damit auch, die Kollegen zuzuballern. Soll heissen: Jeder Gitarrist hört sich nun selber besser, aber die anderen bekommen weniger Pegel davon mit. Und hören in der Folge sich selbst besser.

    Die Alternative, besonders für kleine Proberäume: Box hochstellen und auf den eigenen Kopf damit zielen! Ähnliches gilt für Keyboarder mit eigener Box: Nah ran und auf Kopfhöhe bringen oder "gegenüber" hinstellen und auf den eigenen Kopf zielen! Die Luxusvariante schliesslich besteht darin, dass man den eigenen Combo auf ein Gestell packt, welches (a) die Box anhebt und (b) die Box schräg stellt. Gibt es von verschiedenen Anbietern.

    Hier habt Ihr schon wieder nix ausgegeben (es sei denn, Ihr entschliesst Euch für die Deluxe-Variante, die mit rund 30,- bis 70,- EUR pro Gestell zu Buche schlägt), und habt die Situation aber deutlich verbessert.


    Und nun die Drums
    Günstig ist es, wenn das Drumset beim Umgruppieren in einer Ecke zu stehen kommt. Diese Ecke soll nun akustisch bedämpft werden. Zuerst: Vergesst die Eierkartons! Die bringen so gut wie gar nichts, ausser in den obersten anderthalb Oktaven des Hörbereiches, und dort liegen Eure Probleme nicht wirklich! Und hinterher ist es eine Riesenarbeit und Sauerei, die Dinger wieder abzumachen. Ist das jetzt ein für allemal klar?

    Also, das Drumset auf einen dicken Teppich stellen. An die Wände kann man Matratzen oder Polster lehnen. Falls man in dem Raum was basteln darf: Schwere Vorhänge vor die Wände, nicht gespannt, sondern locker in Falten hängen lassen. Oder Flauschteppich an der Wand befestigen. Die Decke nicht vergessen: Die meisten Kellerräume, Garagen, Bunker- oder Lagerräume (und in solchen Locations proben nunmal eine Menge Bands) haben Betondecken, und diese reflektieren so ziemlich alle Frequenzen sehr stark. Falls es die Raumhöhe hergibt und man das darf, lasst Stoffbahnen ähnlich wie Baldachins über dem Drumset hängen. Falls der Raum zu niedrig ist, Ihr aber was basteln dürft, behandelt die Decke ähnlich wie die Wände: Teppich o.ä. an die Decke befestigen. Zur Not kann man es an der Decke über dem Drumset mal mit Eierkartons versuchen mit allen o.a. Nachteilen - aber das ist hier immer noch besser als gar nix, und an dieser Stelle hängen oben ja die Becken vom Drumset, welche viel Schallenergie im obersten Frequenzbereich abgeben. Im Notfall könnt Ihr die Decke unbehandelt lassen. Aber besser tut Ihr daran, sie zu bedämpfen.

    Wenn man davon ausgeht, dass Ihr die Matratzen und Polster irgendwo vom Dachboden geholt habt und die Vorhänge und Teppichstücke günstig als Reststücke eingekauft habt, habt Ihr für diesen Schritt auch nur einen Appel und ein Ei bezahlt.


    Abgrundtief - nun der Bass
    Jetzt ist der Bass an der Reihe. Der Bassist soll sich und den Drummer gut hören können. Entgegen der landläufigen Praxis stellen wir den Bassamp nicht direkt neben oder hinter den Drummer, sondern an die gegenüberliegende Wand des Proberaumes. Wenn der Amp in der Nähe einer Ecke steht, findet hier ein Bassboost statt. D.h. man kann den Bassamp leiser drehen, was ihm auch ganz gut tut (oder einem leisen Bassamp dennoch etwas mehr Schub entlocken, aber eigentlich ist das ja nicht Zielsetzung dieses Workshops).


    Und nun der Sänger ...
    Im folgenden Absatz behandeln wir den Sänger (kann natürlich auch eine Sängerin sein) mit all den akustischen Problemen seines Instrumentes, den Feedbacks, der Durchsetzungsfähigkeit seines Gesangs, und, und, und. Die meisten Feedbacks in Proberäumen lauter Bands fängt man sich durch die Gesangsmikros ein. Schuld muss nicht immer das Mikro sein, oft sind es eine unglückliche Ausrichtung im Zusammenhang mit den PA- oder Monitorboxen oder Platzierung vor einer reflektierenden Wand.

    An und für sich ist es gut, wenn die Gesangsboxen von vorne oder von schräg vorne in Richtung des Sängers pusten, d.h. der Sänger sieht die Boxen an, welche wiederum den Sänger "ansehen" (Ihr wisst schon, was ich meine). Aus dieser Richtung sind moderne Mikrophone am wenigsten Feedback-empfindlich.

    Wer möchte: Hier ein kleiner Exkurs über Richtcharakteristik von Mikrophonen:
    Grundsätzlich kann man Mikrophonkapseln so bauen, dass sie entweder Kugelcharakteristik haben und von allen Seiten alles gleichlaut aufnehmen, oder aber mit einer Richtcharakteristik in Form einer Acht, wobei die Schallwellen von der einen Seite phasenrichtig (nennen wir es plus) und von der anderen Seite phaseninvertiert (nennen wir es minus) aufgenommen werden. Kombiniert man diese beiden Charakteristika nun im Verhältnis 1:1, erhält man die Nierencharakteristik - auf der einen Seite verstärken sich die beiden Richtcharakteristiken, auf der anderen Seite löschen sie sich aus. Das Ergebnis ist die weit verbreitete Nierencharakteristik.

    Kombiniert man die beiden Kapseln nun in einem anderen Verhältnis (etwa 1 zu 2 oder 1 zu 3, wobei der erste Wert nur näherungsweise stimmt), erhält man als Ergebnis Mikrophone mit Super- und Hypernierencharakteristik. Mehr theoretischen Hintergrund gibt es z.B. auf den Seiten von Eberhard Sengpiel (www.sengpielaudio.com) oder unter http://de.wikipedia.org/wiki/Mikrofon

    Praktisch bekommt man diese Verhältnisse und damit die Richtcharakteristik eines Mikros über Druckausgleichsöffnungen in der Mikrophonkapsel zustande. Hält ein unerfahrener Sänger nun die Hand um den Mikrophonkorb, sei es, um cool zu wirken, sei es, um aufkommendes Feedback zu verhindern, stört er den Luftfluss durch ebendiese Ausgleichsöffnungen, und man erhält als Richtcharakteristik wieder eine Kugel - und dann pfeift's erst recht (und cool wirkt das dann auch nicht mehr). Also Finger weg vom Mikrophonkorb!


    Mit dem Rücken zur Wand
    Wenn man bis hierhin alles richtig gemacht hat, und es pfeift immer noch, sollte man sich die Wand hinter dem Sänger einmal genauer ansehen. Wahrscheinlich wird nämlich der Sound der Boxen durch die Wand stark reflektiert, und man fängt sich so ein Feedback "über Bande" ein, fast so, als ob die Box direkt hinter dem Mikro steht und dort hineinplärrt - instant feedback! Die Abhilfe liegt auch hier wieder in einem Bedämpfen der Wand, vergleichbar der Ecke mit dem Schlagzeug, weshalb ich das an dieser Stelle nicht noch einmal ausführlicher behandeln will. Steht der Sänger mit dem Rücken zu einem Fenster, gelten ähnliche Regeln - Matratze davor, wenn es geht, oder den Sänger umpostieren.

    Damit ist der Vorrat an akustischen Massnahmen erst einmal weitestgehend ausgereizt. Ab hier wird es elektronisch. Für alle, die bis hierhin durchgehalten haben, gibt es eine kleine Grafik zur Verdeutlichung:


    [​IMG]


    Erläuterung: Die Musiker stehen zur Mitte des Raumes hin gewandt - so kann jeder jeden sehen. Hinter dem Sänger und um die Drums herum ist Dämmmaterial an die Wände montiert, die Drums stehen auf einem Teppich. Die PA-Boxen rechts und links davon pusten in den Raum hinein Richtung Sänger. Die Gitarrenamps sind auf ihre Benutzer gerichtet, der Keyboardamp in der Ecke rechts unten auf den Kopf des Keyboarders. Der Bassamp links unten in der Ecke strahlt in den Raum hinein. Das Mikro des Sängers ist ausgerichtet wie im Bild, nämlich von den PA-Boxen weg, in Richtung der gedämmten Wand. Hinter dem Gitarristen 2 ist ein in Wellen aufgehängter Vorhang angedeutet ... Grafik in freier Anlehnung an eine Skizze des Verlages PPV-Medien.


    Die Alternative für winzig kleine Proberäume
    Hier noch eine Skizze einer gerader erprobten und sehr gut funktionierenden Aufstellung in einem extrem kleinen Proberaum von ca. 2,50 * 4,50 m2 - wer also in einem Container oder in einer Garage probt, zieht es Euch rein!


    [​IMG]


    Erläuterung: Die Musiker stehen auch hier wieder zur Mitte des Raumes hin gewandt - so kann jeder jeden sehen. Nicht extra eingezeichnet, aber der gesamte Raum ist dezent gedämpft (Teppichboden auf dem Boden und an den Wänden). Die PA-Boxen in den Raumecken pusten in Richtung der Mitte des Raumes. Der Gitarrenamp, ein kleiner Combo, steht auf einer Bierkiste (eine zweite wird noch druntergestellt) und strahlt zur Mitte des Raumes hin. Der Bassamp steht unter der PA-Box links oben im Bild und strahlt in den Raum hinein. Das Mikro des Sängers ist ausgerichtet wie im Bild.
    Edit: Ich - der Bassist - höre mich übrigens umso besser, je WEITER ich vom Bassamp entfernt stehe. D.h. ich stehe inzwischen direkt neben dem Sänger! In der letzten Probe haben wir sogar die Plätze getauscht und überlegen, ob wir dabei bleiben.


    Was man sonst noch tun kann
    Wenn es jetzt immer noch pfeift, gibt es noch ein kostengünstiges Mittel, welches man nutzen kann. Eigentlich kostenlos, denn es sollte (eigentlich) ohnehin vorhanden sein: Der EQ am Mischpult. Genauer gesagt, ein (semi-) parametrisches Mittenband, also eines, bei dem man nicht nur eine fixe Mittenfrequenz leiser oder lauter machen kann, sondern bei der man eben diese Mittenfrequenz variieren kann. Damit sucht man sich nun die Frequenz, bei der es pfeift, und senkt diese ab. die meisten dieser Feedbackfrequenzen liegen zwischen 2,5 und 6 kHz, typischerweise zwischen 3 und 4 kHz. Dort kann man anfangen zu suchen. Gibt es sowas nicht, hat der Mischer vielleicht in der Summe einen einfachen grafischen EQ eingebaut, oft findet man dort sieben oder neun Fader für die zu regelnden Frequenzen. Dort kann man versuchen, die Feedbackfrequenzen zu dämpfen - nicht einfach den Regler komplett runterziehen, sondern nur soviel, bis es nicht mehr pfeift.
    Geht das alles mit Eurem Pult nicht, ist es einfach der falsche Mischer ...


    Letztes Mittel: Feedback-Killer
    Als letztes Mittel im Kampf gegen Fiepen und Pfeifen im Proberaum sind Feedback-Killer entwickelt worden. Vor einigen Jahren noch unerschwinglische Profiwerkzeuge, gibt es heutzutage auch einfachere und günstigere Versionen. FeedBack-Killer (im folgenden FBK genannt) werden in die Inserts eines Kanals oder des Master oder des Monitor-Aux-Weges eingeschleift. Wo positioniert man ihn am besten?


    Zuerst einmal die Frage: Was macht ein FBK, und wie macht er es? Zunächst einmal ist ein FBK ein extrem schmalbandiger parametrischer Equaliser - d.h. man kann sich einige Frequenzen aussuchen (bzw. die Automatik regelt das) und diese dann ganz schmalbandig absenken, nahezu ohne benachbarte Frequenzen mit zu beeinflussen. Dazu schaltet man den FBK in einen Lern- oder Automatik-Modus und erhöht langsam die Lautstärke des Kanals oder des Auxweges. Irgendwann beginnt ein Feedback, wird aber vom FBK heruntergeregelt. Dies macht man weiter, bis die ersten drei oder vier Feedback gefunden und eliminiert sind. Dann geht man wieder zurück auf normale Lautstärke, in dem Wissen, dass man noch ein paar dB lauter drehen könnte, ohne dass es gleich wieder pfeift!


    In der Arbeitsweise liegen auch schon zwei Punkte, die den Kritikern dieser Gerätegattung immer wieder Munition liefern: Erstens, die Automatik ist "dumm" - sie erkennt zwar beginnende Feedbacks und regelt diese recht zuverlässig herunter, aber sie kann nicht erkennen, ob es sich evtl. um ein gewolltes Feedback z.B. von einer harmonisch rückkoppelnden E-Gitarre handelt! Jimi Hendrix würde eines seiner wichtigsten Stilmittels beraubt! Zweitens, es werden natürlich auch benachbarte Frequenzen mit heruntergeregelt, d.h. man schneidet ein paar hübsche Kerben in den Frequenzgang und verunstaltet diesen damit in gewissem Maße. Über Nutzen und Nachteile sollte sich also jeder selber seine Gedanken machen und abwägen. Allerdings: Ein FBK geht immer noch schoneneder zu Werke als der Tontechnik-Anfänger, der am EQ des Monitorweges oder der Summe alle Frequenzen zwischen 2 und 8 kHz um 12 dB herunterregelt. Zwar hat man dann kein Feedback mehr, aber auch keinen Sound ...


    Gut, in diesem Abschnitt geht es darum, wie man die Geräte einsetzt: Also, wo schleift man einen FBK ein?
    • Simpelster Fall: Wenn es im Proberaum nur ein Mikro gibt, und dieses koppelt, dann kommt der FBK in den Insert vom Kanal dieses Mikros. So wird nur der Frequenzgang eines einzigen Signales beeinflusst (oder soll man sagen "verschlimmbessert?). Würde man den FBK stattdessen in den Master-Insert oder vor die Endstufe schalten, würden dadurch die Frequenzgänge aller übertragenen Instrumente beeinflusst.
    • Nächster Fall: Gibt es mehrere koppelnde (Gesangs-) Mikros und man hat eine ausreichende Anzahl von FBK-Kanälen zur Verfügung, geht man wieder so vor wie oben beschrieben: Jeder Kanal eines koppelnden Mikros bekommt einen FBK in den Insert.
    • Gibt es mehr koppelnde Mikros als FBK-Kanäle, muss man anfangen, Kompromisse einzugehen. Man kann z.B. einen FBK in den Insert einer Subgruppe geben, über welche die rückkoppelnden Mikros einer zusammengehörigen Gruppe laufen (z.B. drei Mikros für Backing Vocals laufen über eine Gruppe, in deren Insert kommt der FBK)
    • Oder es koppelt nur ein Monitorweg und nicht die Summe: Dann packt man einen FBQ in den Insert dieses AUX-Weges (oder zwischen AUX-Ausgang am Pult und Eingang der Endstufe)
    • Was man vermeiden sollte, zumindest in Live-Situationen, ist, einen FBK in die Summe zu inserten. Es werden sonst ausnahmslos alle Instrumente in ihrem Frequenzgang manipuliert, selbst diejenigen, die gar nicht rückkoppeln.
    Zusammenfassende Faustregel: Soviel FBK wie nötig, so wenig wie möglich.


    Mischformen von Geräten
    Es existieren auch Mischformen von Geräten - z.B. EQs, in denen FBK eingebaut sind, von Behringer. Yamaha hat eine Serie von Powermischern entwickelt, die über einen eingebauten FBK verfügen. Diese Geräte benutzt man erst einmal so wie vorgesehen, als ob die die FBK nicht vorhanden wären. Wenn's dann pfeift, kann man sehen, ob die Teile taugen.


    Epilog und Ausblick
    So, das war ein kleiner Workshop zum Thema "praktische Akustik im Proberaum". Ich behaupte nicht, den Stein der Weisen für alle möglichen und unmöglichen Situationen gefunden zu haben. Es soll lediglich Ausgangspunkt für eigene Experimente sein und vielleicht den Weg zum Erfolg abkürzen. Wenn der eine oder andere nun beinahe zum Nulltarif einen besseren Sound im Proberaum erreicht und wenn weniger Feedbacks die Proben stören, dann ist das schonmal ein Erfolg. Ich selbst habe alle beschriebenen Methoden mit Ausnahme der FB-Killer eingesetzt. Fast immer mit Erfolg. Manchmal braucht es eine Kombination verschiedener Methoden, um zum Ziel zu kommen. Manchmal, als aller-allerletztes Mittel führt einfach kein Weg mehr um Investitionen in zusätzliches oder besseres Equipment herum - Mikros mit engerer Richtcharakteristik, Boxen mit genau definiertem Abstrahlverhalten und ohne Nachschwingen der Membranen in FB-kritischen Frequenzbändern - das kostet dann natürlich.


    Wenn's Euch gefallen hat oder Ihr Fragen, Anregungen, Korrekturen, Lob oder Kritik loswerden wollt, dann könnt Ihr mir an contact@mix4munich.de schreiben und mir da doch wieder etwas geben, was wir hier die ganze Zeit über bekämpft haben: Nämlich FEEDBACK!

    Johannes Komarek, München im März 2007
     
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  2. Rockopa

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    Erstellt: 09.04.07   #2
    So, ich habe den Workshop erstmal geschlossen ,damit hier niemand drinn rum kritzelt und ihn oben gepinnt.
    Zum diskutieren machen wir ganz einfach einen neuen Tread auf.
    Sollten noch Änderungen oder Ergänzungen dazu kommen ist es ja kein Problem einen Mod anzuschreiben .
     
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