[Workshop] Rezensionen und die gute Form

von msoada, 27.10.07.

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  1. msoada

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    Erstellt: 27.10.07   #1
    [Workshop] Rezessionen und die gute Form


    Was ich hier schreibe soll kein ABC- Schema für eine Rezension werden, sondern eher eine kleine Stütze für Leute, die noch nie eine geschrieben haben, aber daran interessiert sind.

    Als Grundlage dafür nehme ich die acht Punkte, die eine Literaturkritik, laut Prof. Dr. Thomas Anz, beinhalten sollte. Diese sind für eine Kritik eines Buches, oder sonstiger Literatur, ausgelegt. Deshalb werde ich diese etwas ummodellieren, damit sie für eine Rezension einer CD praktikabel sind.

    Laut Anz gibt es acht Punkte, welche auf, ein paar Stichworte begrenzt, sind:

    1. Biographie
    2. Vergleich mit vorherigen Werken des Autors
    3. Einschätzung des Autors in der Öffentlichkeit
    4. Verglich mit anderen Autoren
    5. Kurze Inhaltsangabe
    6. Sprache, Stil des Werkes
    7. Hilfe beim Verstehen der Literatur
    8. Wertung

    Ich würde die acht Punkte auf sechs reduzieren und sie wie folgt benennen:

    1. Biographie
    2. Vergleich mit vorherigen Veröffentlichungen des Artisten
    3. Wie wird die Gruppe von der Öffentlichkeit angesehen?
    4. Vergleich mit anderen, genregleichen Bands
    5. Empfehlung, für welche Hörerschaft das Werk zu empfehlen ist
    6. Fazit

    Detailbesprechung der Punkte

    1. Biographie

    Zitat Anz:
    "Biographische Informationen über den Autor sind vor allem dann sinnvoll, wenn dieser relativ unbekannt ist, oder wenn sie dazu beitragen, bestimmte Aspekte des rezensierten Werkes zu erhellen. […]"

    Die Biographie soll laut Anz einem Leser, in unserem Bereich wäre es dann der Hörer, den Künstler ein wenig näher bringen und vorstellen. Die Biographie sollte in einer Rezension sicherlich nicht fehlen, aber auch nicht zu lang werden, da es primär um "die Arbeit" des Künstlers geht und nicht über diesen. Deshalb sollte man nur die wichtigsten Punkte in der Biographie einer Gruppe benennen, wie z.B. Wechsel im Line- Up und das Datum der Gründung der Band.

    2. Vergleich mit vorherigen Veröffentlichungen des Artisten

    Dieser Punkt kann entweder in der Biographie schon mit aufgegriffen werden, oder einzeln behandelt werden. Man sollte sich aber nur die markantesten Vorveröffentlichungen zum Vergleich herbeiziehen, da ein Vergleich mit jedem Werk bei einem Künstler mit 20+ Veröffentlichungen ziemlich lang und damit unzumutbar für den Leser werden würde. Anz differenziert dieses noch ein wenig mehr, indem er sagt, dass man auf "[…]Kontinuitäten, Brüche oder Qualitätsschwankungen[…]" hinweisen sollte.
    Wenn man also eine Rezension über eine Metallica Platte schreibt, wäre es ratsamer die unterschiede zwischen der Load und der Master of Puppets darzulegen, als zwischen Ride the Lightning und Master of Puppets, da diese sich vom Stil ähnlich sind. Load und Master of Puppets hingegen, weisen einige Brüche im Stil der Band auf.
    Ein kurzer Hinweis auf spätere Veröffentlichungen, um quasi eine geschichtliche Einordnung der Platte in der Discographie des Künstlers zu machen, liest sich auch immer gut in einer Rezension. So könnte man die Entwicklung der Band geschickt in dem Review abrunden.

    3. Wie wird die Gruppe von der Öffentlichkeit angesehen?

    Bei einer Auseinandersetzung mit einem Manowar Werk könnte man auf ihr öffentliches Auftreten eingehen. Auf die Parolen wie "Blood, Steel, True" und wie diese von anderen aufgenommen werden. Dies sollte so weit es geht objektiv betrachtet werden. Schreibt ein Manowar Fan über eine Manowar CD, sollte er fairerweise auch erwähnen, dass die Manowar- Hasser ihr Auftreten als peinlich ansehen.

    4. Vergleich mit anderen, genregleichen Bands

    Zitat Anz:
    " Der Vergleich des Werkes mit Werken anderer Autoren ist ein konstitutiver Bestandteil der Kritik; denn kritisieren heißt immer auch vergleichen. Dazu gehören Hinweise auf Vorbilder, […] oder die Anpassung an jüngste literarische Trends."

    Ein Vergleich mit anderen Bands ist ein wichtiger Bestandteil eines jeden Reviews. Wie sonst soll ein Leser, der die Band nicht kennt, in etwa abwägen ob diese Gruppe eine Bereicherung für ihn wäre, oder nur Zeitverschwendung? Deshalb der Vergleich. Wichtig ist hierbei, dass man Bands aus dem gleichen Genre zum Vergleich heranzieht und diese am besten etwas bekannter sind um Lesern die nicht so sehr im Untergrund verankert sind eine ungefähre Vorstellung der Musik die hier geboten wird zu geben.
    Schreibt man ein Review über eine Misery Index Platte läge es nahe ein Vergleich mit Dying Fetus zu bringen, da diese aus dem gleichen Genre kommen, in dem Genre bekannt sind und einige Dying Fetus Mitglieder zu Misery Index gewechselt sind. Hingegen wäre ein Vergleich mit Metallica unnütz da durch die Verschiedenheit der Stilrichtungen kein guter Eindruck der zu Beschreibenden Musik vermittelt wird.
    "Die Anpassung an jüngste literarische Trends" wäre in der Musik die Anpassung an "jüngsten musikalischen Trends". Einer dieser Trends ist zur Zeit der Metalcore. Würde Slayer auf dem Tonträger der rezensiert wird auf einmal Metalcore spielen, wäre dieses erwähnenswert.

    5. Empfehlung, für welche Hörerschaft das Werk zu empfehlen ist

    Dieser Punkt kann im engen Zusammenhang mit dem vierten Punkt stehen, bedarf bei einigen Platten jedoch einer Differenzierung. Ein Beispiel das mir gerade einfällt ist Disillusion.
    Diese haben auf ihrem ersten Full Length Progressiven Death Metal gespielt. Auf ihrem neuesten Werk jedoch eher "modernen Metal". Ratsam wäre es hier also die Fans von Disillusion, die sie mit dem ersten Album kennen gelernt haben zu warnen, dass sie durch die neue Platte enttäuscht werden könnten und im Gegenzug Leute die die erste Platte nicht mochten, da sie eher auf "modernen Metal" stehen und eine Abneigung gegenüber Death Metal haben, hinzuweisen, dass sie an dieser gefallen finden könnten.

    6. Fazit

    Das Fazit ist das Resultat einer Rezension und damit das I- Tüpfelchen.
    Das Wichtigste ist, dass ein Fazit immer subjektiv ist. Es gibt kein objektives Fazit, da es immer die Meinung des Hörers widerspiegelt. Ein Fazit kann also Phrasen beinhalten wie "ich finde, dass…", "meiner Meinung nach ist diese Platte gut/schlecht, weil….". etc. . Wichtig in einem Fazit ist nur, dass man seinen Standpunkt begründen muss. Eine Aussage wie "Meiner Meinung nach ist die neue Children of Bodom Platte doof, weil Alexi lange Haare hat und ich ihn unatraktiv finde…" ist nichts sagend und unangebracht. Besser wäre da z.B. Sachen wie " Meiner Meinung hat Children of Bodom durch die immer mehr vortretenden Thrash Metal Elemente und die Reduzierung der Keyboard Anteile ihren Stil zu sehr verändert, dass diese Platte mich nicht mehr anspricht. Sicher hat diese Platte noch ein paar gute Parts und auch die Gitarren Soli sind immer noch atemberaubend, aber weis die Platte als ganzes nicht mehr zu überzeugen. Das nächste Mal bitte wieder mehr Keys und weniger Thrash Metal." (Das war jetzt so aus m Stehgreif. ;) )



    Ich hoffe, dass ich einigen beim verfassen einer Rezension helfen konnte und nochmals sei gesagt, dass es kein Schema sein soll, sondern nur eine kleine Hilfe für Ertslingsschreiber.

    Bei Fragen diese entweder in den Thread posten (wenn er nicht gleicht geclosed wird), oder per E- mail (msoada@web.de) bzw. PM an mich. 

    Gruß,
    Carsten
     
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