@pille und stefan:
So, ich muß meine Weste wieder reinwaschen. Eine "Diskussion dieser Glaubensfrage", wie Jay es ausdrückt, hat es bisher eigentlich nie gegeben, lediglich ein paar kleinere Scharmützel.
Ausgesprochen wenig Verständnis habe ich dafür, wenn Individuen wie der werte Herr Einsteiger mich dafür ankotzen, daß ich ihnen einen ernstgemeinten Tip geben. Ein Tip, der aus langjähriger persönlicher Erfahrung und rationalen Überlegungen herrührt.
Wenn er so unbedingt ein Digitalpiano will - sicher, da gibt es Gründe für, aber woher soll ich bitte wissen, ob er diese Entscheidung sinnvoll bedacht hat? - dann hat er trotzdem viele Ratschläge bekommen und ich habe mich durch meine Aussage, daß in der Preisklasse Kawai den besten Kompromiß zwischen Tastatur und Klang bietet, auch konstruktiv daran beteiligt.
Mich dafür anzukötten, ist schlechter Stil, gerade von einem Foren-Neuling und wenn sich das häuft, gebe ich irgendwann gar keine Tips mehr, sondern verweise nur noch barsch auf die Suchfunktion, wie das hier Usus ist.
Zum Thema:
Wenn jemand sagt, er habe den langjährigen Wunsch, Klavier zu spielen, dann lese ich daraus, daß er
ernsthaft Klavier spielen will. Das muß nicht bedeuten, daß er's zum Konzertpianisten bringen will, aber zumindest will er gut werden und ausdrucksvoll spielen. Das muß auch nicht zwangläufig in den "Königsdisziplinen" Klassik und Jazz sein, auch in der Rock- und Popmusik gibt es viele wertvolle und ausdrucksstarke Kleinode! In jedem Falle gehe ich schwer davon aus, daß er nicht nur "rumklimpern" will - vor allem, daß er die Musik genießen will.
In solchen Fällen halte ich ein Digital- oder Stagepiano für unangemessen. Lebendigkeit und Wärme des Klangs sind Vorraussetzungen dafür, daß man das Spiel in der Form genießen kann. Der Klang eines Digitalpianos wird sehr, sehr schnell langweilig, wie nicht nur ich, sondern auch z.B. pille aus persönlicher Erfahrung berichten können. Auf einem Digitalpiano kann man also höchstens rein mechanisch, technisch üben. Wohlgemerkt Üben, nicht Spielen! Zumindest von mir kann ich behaupten, daß das rein mechanische Üben gähnend langweilig ist, und daß auch beim reinen Training für mich immer ein Mindestmaß an Musikalität und Genuß mit bei sein muß, damit ich nicht gefrustet und gelangweilt den Klavierdeckel zuknalle! (Man muß sich schon gehörig den Arsch zusammenkneifen, um das durchzuhalten - ich spiel seit 9 Jahren auf einem verstimmten, kaputten Klavier und mir geht langsam die Puste aus...)
Außerdem gibt es (siehe Thread im Spieltechnikforum) den begründeten Verdacht, daß Neuanfänger auf einem DP eine ganz andere Technik erlernen als auf einem Klavier, da DPs in der Regel keinen "Druckpunkt" haben!
Natürlich gibt es Fälle, in denen ein echtes Klavier nicht möglich ist, aus finanziellen Engpässen oder Mobilitätsgründen. (Das Lärmargument lasse ich nur gelten, wenn man tatsächlich
nur nachts üben kann und der Platzverbrauch ist in etwa derselbe wie bei einem Homepiano) Da ist wohl das Digitalpiano der beste Kompromiß, aber nach wie vor nur ein Kompromiß. Wessen Technik weit genug ist, dem reicht auch das nicht, der muß sich wie ich anderswo nach einem Klavier umsehen, auf dem man regelmäßig spielen kann (Gemeindehäuser, Musikschulen, Uni...).
@LudwigVanMexx:
Auf Händler würde ich nie hören, die wollen natürlich ihr Zeug verticken.