Jetzt mal extrem, Gedankenspiel: Ein richtig guter Gitarrist spielt eine Fuge von Bach auf der E-Gitarre. In E-Dur. Er hat das Stück (Fingersatz mit Leersaiten) perfekt drauf. Er kann gut Noten lesen. Aus irgendeinem Grund soll er es jetzt sofort in F spielen.
Welche Optionen hat er?
Ich frage mich was es bringt, solch völlig hypothetische Szenarien zu diskutieren. Warum sollte ein Klassik Gitarrist „plötzlich und sofort“ ein Stück von Bach transponieren? Das einzige Szenario das ich mir da vorstellen könnte, wäre eine fucking Aufnahmeprüfung an einem Konversatorium. Ob die Auswahljuri da begeistert ist, wenn der Kandidat da einen Kapodaster aus der Tasche zieht?
Einen Kapodaster zu nutzen zu müssen, ist oft ein Kompromiss, aber nicht immer. Aus mehreren Gründen:
Ein (bekanntes) Stück transponieren zu müssen, ist alleine schon oft von Nachteil, weil es oft den Charakter/Sound/Vibe völlig ändert, aber nicht immer... Wir haben in der Band nicht wenige Songs in die Tonne getreten, weil sie transponiert einfach mies klangen. Einige klangen auch transponiert ok.
Das Problem des Verstimmen wurde bereits angesprochen und lässt sich IMO auch nicht wegdiskutieren. Einen gewissen Druck muss der Kapodaster auf die Saiten ausüben.
Das Wechseln zwischen den Stücken ist Aufwand und kostet Zeit.
Genauso kam man einen Kapodaster auch ganz bewusst, als soundformendes Mittel einsetzen oder sich schlicht damit das Leben erleichtern und Dinge musikalisch umsetzen, die ohne so vielleicht nicht möglich wären.
So kann das Ding „Fluch“ oder „Segen“ sein, je nachdem … wer einen Benefit daraus zieht, nutzt ihn; wem das nix taugt, hilft sich anders und wenn die Konsequenz drin besteht, ein Stück, das von den Tonart nicht funktioniert auszusortieren. Ist alles erlaubt!