Exaktes Nachspielen oder kreative Interpretation?

  • Ersteller Mountain
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Diese zwei Paar Schuhe sind ja auch der Hintergreund meiner Frage/Verwunderung. Ich denke, das Muckertum ist die primitivere Art Musik zu machen, wenn da nicht wenigstens eine eigene (kreative!) Strickart angewandt wird. Gut, man fängt wohl fast immer so an, muss sich aber irgendwann lösen, wenn man sich weiterhin Musiker nennen will.
Jeder Punk mit dem noch so einfachen, aber selbstgemachten Stück, ist mehr Musiker!

Böswillig interpretiere ich das mal so: "Ich kann mein Instrument nicht richtig spielen und suche nach einem Grund, warum ich trotzdem 'besser als ein Tanzmucker' bin"
 
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Gerade in meiner Situation bevorzuge ich das exakte Nachspielen, und zwar mit originalen oder möglichst originalgetreuen Sounds. Das hat zwei Gründe:

[.........]insbesondere, weil wir sehr aufwendige, anspruchsvolle Musik spielen, wo Vereinfachungen und weggelassene Passagen oder Figuren bzw. Andere Klänge schnell auffallen.

Für all das gehen eine Menge Zeit, Nerven und Geld für Equipment drauf. Aber das Publikum honoriert den Aufwand. Auf jeden Fall hat sich noch keiner beschwert, unsere Musik sei überladen. Im Gegenteil, ausgerechnet das von mir aufwendigst arrangierte In The Stone (mit sechsspurigem Orchester-Sequencer-Intro) hat den Sänger einer anderen Band dazu inspiriert, den Song ins eigene Repertoire zu übernehmen. Es zahlt sich also aus.
Martman

Das habe ich - so wie Du das beschreibst - zum ersten Mal wohl richtig verstanden! Respekt!
Gut, das ist eine nachvollziehbare Welt und ich würde es nicht wagen, dort von geringerem Niveau zu sprechen - wirklich nicht.

Aber andererseits ist es doch eine Welt - oben hat einer die Frage Kunst oder nicht Kunst? aufgeworfen - der Technik und ausschließlich eine Frage der Technik.
Man übt und trainiert hart an Vorbildern, um deren Technik (auch das Heraushören des Sounds und der Geräte, die ihn hervorrufen) nachzuspielen und wenn man das endlich erreicht hat.......spielt man diese Technik weiter nach!

Wer glücklich damit ist......

Ich stelle mir da vor - immer an derselben Stelle wird dasselbe Solo "improvisiert" (falls die Band gerade einen Blues spielt). Das machen doch nicht mal diejenigen Musiker - zumindest sehr oft nicht - die das Stück herausgebracht haben. Selbst die halten das nicht aus, seelenlos immer dieselben Töne widerzukauen, obwohl bei denen das Publikum vielleicht noch am ehesten das "Recht" hätte, den Originalsong lupenrein zu hören.
 
@mountain
in deinem letzten abschnitt irrst du dich
gerade die absolute spitze repliziert ihre songs auch live sehr ,sehr genau
ich weiß nicht, ob man david gilmour als seelenlos bezeichnen sollte wenn er den anfang von "shine on you crazy diamond" soliert

falls deine aussage ausschließlich auf blues gemünzt war passt meine antwort nicht
allerdings hat sie dann auch keinen wert im bezug zum thema, weil man bei solchen diskussionen nicht einen winzigen teilbereich zur untermauerung seiner meinung heranziehen sollte
 
@mountain
ich weiß nicht, ob man david gilmour als seelenlos bezeichnen sollte wenn er den anfang von "shine on you crazy diamond" soliert
Das ist ja auch der Hook des Stückes, DEN muss man Original spielen!
falls deine aussage ausschließlich auf blues gemünzt war passt meine antwort nicht
allerdings hat sie dann auch keinen wert im bezug zum thema, weil man bei solchen diskussionen nicht einen winzigen teilbereich zur untermauerung seiner meinung heranziehen sollte
War nicht nur auf Blues gemünzt - auf alle Stücke, in denen soliert wird.
 
Wer glücklich damit ist......

Ich stelle mir da vor - immer an derselben Stelle wird dasselbe Solo "improvisiert" (falls die Band gerade einen Blues spielt). Das machen doch nicht mal diejenigen Musiker - zumindest sehr oft nicht - die das Stück herausgebracht haben. Selbst die halten das nicht aus, seelenlos immer dieselben Töne widerzukauen, obwohl bei denen das Publikum vielleicht noch am ehesten das "Recht" hätte, den Originalsong lupenrein zu hören.
ich hatte Dir weiter oben eine Bewertung gegeben, allerdings wenn ich den Thread jetzt weiterlese, bin ich mir nicht mehr so sicher.
Kurz noch eine Anmerkung zum Blues, weil Du das als Beispiel verwendest. Ich bin so ein Blueser, der jedesmal an der gleichen Stelle in der Nummer ein Solo improvisiert. Und wie sich das beim Improvisieren gehört sind die Soli überhaupt nicht gleich, das ist der Hook beim Blues, weder seelenlos dafür hoch kreativ.

Dein Beispiel passt am wenigsten bei Musikarten wie Blues oder Jazz.

Gruss Helmut
 
Gut, man fängt wohl fast immer so an, muss sich aber irgendwann lösen, wenn man sich weiterhin Musiker nennen will.
Jeder Punk mit dem noch so einfachen, aber selbstgemachten Stück, ist mehr Musiker!

:mad: Auf so einen dämlichen Spruch habe ich in diesem thread nur gewartet! Na gut, dann ertrinke in Deinem künstlerischen Anspruch... ich spiele lieber vor einigen hundert feiernden Menschen.
 
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Na dann will ich auch mal:

aus meiner Sicht ist die Frage nicht pauschal zu beantworten. Es kommt immer darauf an was man machen will und wie das Bandkonzept aussieht. Ich kenne beide Seiten sowohl das verfremden von Coversongs wie auch die reine Nachspielseite.
Erfolgreicher im Sinne von Party vor der Bühne und gebucht werden, ist das reine Nachspieltprojekt. Die Masse des feierwilligen Publikums kann sich eher damit identifizieren. Ok mit Ausnahme der Musikerpolizei, aber sorry die gehen mir eh sonstwie vorbei ......

Hinzu kommt das bei einer Top40 / Coverband das Proben einfach leichter wird wenn man sich möglichst nah an eine original Vorlage hält. Denn wenn man so 40x im Jahr auf der Bühne steht, dabei ca 40 Nummern auswendig performt, mag man gar nicht mehr so oft proben :)

Was die Solis anbelangt: Es gibt so einige da ist das original Solo schon ein muß : Beat it, Rosanna, Hold the line, Maniac, Comfortably Numb etc ... aber auch 1000x mal berührt.
Diese sind so in den Gehörgängen des Publikums drin, daß es fast schon eine Hook des Songs darstellt
Genauso verhält es sich mit den Sounds.
Sowohl unser Keyboarder als auch ich (Gitarre) verwenden viel Zeit drauf das Ganze vernünftig abzustimmen. Aber auch das hebt sich dann wieder aus der Masse der Coverbands ab, und die Buchungszahlen geben uns Recht.

Über den Satz: Wer nur nachspielt ist weniger Musiker als ein Punker der eigene Stücke schreibt, kann ich nur ganz Müde lächeln :rolleyes:

gruß
jens
 
Über den Satz: Wer nur nachspielt ist weniger Musiker als ein Punker der eigene Stücke schreibt, kann ich nur ganz Müde lächeln :rolleyes:
gruß
jens
Naja, zugegeben, war ein bisschen provozierend...
Definieren wir doch mal Musiker.
Ist das Spektrum wirklich so weit, dass wir einen, der nur imstande ist, vorgegebene Töne nachzuspielen, darunter subsumieren, aber genauso gut einen, der nur sein Gefühl im Moment des Spielens auf dem Instrument ausdrückt und dieses nie ein zweites Mal genauso tun kann?
Nach Wikipedia sind Musiker Produzierende und auch Reproduzierende.

Wenn ich das mal auf die Malerei z.B. übertrage, dann sind die Karstadt-Zigeunerin und der echte Kandinsky beide von Künstlern gemalt worden.
Wenn alle hier das ebenso sehen, können wir diesen thread schließen, dann habe ich an der falschen Stelle gefragt.
 
Naja, zugegeben, war ein bisschen provozierend...
Definieren wir doch mal Musiker.

Ein Musiker ist jemand, der ein Instrument spielt.

Ist das Spektrum wirklich so weit, dass wir einen, der nur imstande ist, vorgegebene Töne nachzuspielen, darunter subsumieren, aber genauso gut einen, der nur sein Gefühl im Moment des Spielens auf dem Instrument ausdrückt und dieses nie ein zweites Mal genauso tun kann?

So ist es. Ein Musiker ist jemand, der ein Instrument Töne von sich geben lässt. Ob er das gut oder schlecht macht, ob er das immer gleich oder immer anders macht, ist doch zweitrangig.

Nach Wikipedia sind Musiker Produzierende und auch Reproduzierende.

Siehst du, selbst Wikipedia ist meiner Meinung.

Wenn ich das mal auf die Malerei z.B. übertrage, dann sind die Karstadt-Zigeunerin und der echte Kandinsky beide von Künstlern gemalt worden.

"Wenn man's kann, ist es keine Kunst mehr" (mal aus dem Gedächtnis zitiert, ich glaub Nestroy war der Urheber dieses Zitats)

Wenn alle hier das ebenso sehen, können wir diesen thread schließen, dann habe ich an der falschen Stelle gefragt.

Geht klar. Darüber zu diskutieren, was Kunst ist und was nicht, erfordert mehr als nur stupide reproduzierende Tanzmucker vs. kreativ dilettierende Punks Meinungen.

:)
 
+++++++++++++ Es gibt so einige da ist das original Solo schon ein muß : Beat it, Rosanna, Hold the line, Maniac++++++

Ich hab noch niemanden gehört, der die Soli wirklich original spielt :gruebel: Und gerade von Hold The Line existieren vom Urheber selbst so unfassbar viele Versionen.............. welche hätteste denn gerne :confused:

Viele Grüße
 
welche hätteste denn gerne :confused:
Ich kenne das so, dass als Referenz die Album-Version herangezogen wird.

Gut, man fängt wohl fast immer so an, muss sich aber irgendwann lösen, wenn man sich weiterhin Musiker nennen will.
Jeder Punk mit dem noch so einfachen, aber selbstgemachten Stück, ist mehr Musiker!
Auch wenn von den Ramones überliefert ist, dass sie ihre selbstgemachten (und einfach gestrickten) Songs deshalb gespielt haben, weil ihnen das Covern zu schwer war (Dee Dee konnte ja nicht einmal singen während des Bassspielens), empfinde ich diese Aussage nicht als "provozierend".
Das klingt für mich eher nach einem verkannten Künstler, der notgedrungen in einer Coverband spielt und das vor sich selbst rechtfertigen muss.
 
+++++++++++++ Es gibt so einige da ist das original Solo schon ein muß : Beat it, Rosanna, Hold the line, Maniac++++++

Ich hab noch niemanden gehört, der die Soli wirklich original spielt :gruebel: Und gerade von Hold The Line existieren vom Urheber selbst so unfassbar viele Versionen.............. welche hätteste denn gerne :confused:
Die originale Studioversion, die die Leute immer im Radio hören. Die kennen sie, die sind sie gewohnt, die erwarten sie.

Und wenn ihr euch einen Kopp macht wegen des Gitarrensolos von Rosanna, hört euch mal das Tastensolo an. Konsequenterweise bräuchte eine Band für eine Replica dieses Solos ohne Click und ohne Sequencer drei Keyboarder. Einer spielt beidhändig die Pianobegleitung, einer spielt beidhändig die Bläsereinwürfe, und einer turnt in einer Keyboardburg mit zwei bis drei Tastaturen herum, um das Synthesizersolo zu spielen.

Die meisten Bands, die Toto spielen, haben aber höchstens einen Keyboarder, und der ist zumeist Pianist und steht mit der praktischen Anwendung der subtraktiven Synthese zwecks exaktem Nachbau der Sounds eh auf Kriegsfuß. Was beweist, daß solche Songs immer von Sängern oder Gitarristen ausgewählt werden und der Keyboarder keine Chance hat zu intervenieren, wenn das Material für ihn unspielbar ist. Auch hier spreche ich aus Erfahrung.

Bei Maniac bräuchte man genau genommen gar eine Besetzung, die keine Coverband zu bieten hat. Einen Bassisten gäbe es nicht, die Drums (Simmons SDS V, Samples oder VA-Nachbauten plus HiHat-Samples) kämen wie der Synthbaß vom Sequencer, der Drummer bräuchte nur Tom-Einwürfe zu spielen, und außer Gesang und Gitarrensolo hätte nur noch der Keyboarder was zu tun.


Martman
 
Das klingt für mich eher nach einem verkannten Künstler, der notgedrungen in einer Coverband spielt und das vor sich selbst rechtfertigen muss.
Falls Du mich damit meinst.... Hehe.....nein, ich verstehe bloß nicht (mehr) die Nachspielversuche, die ans Original heranwollen und keinen eigenen Ton herauskriegen und die Absicht, die dahinter steht.
 
Es ist immer die Frage was man unter genauen nachspielen versteht,
Wenn ich mir z.b. mal Metallica anschaue, die spielen manche sachen Live auf S(halbton tiefer) auf E wie im Studio,
auch werden Gitarrensolos wie z.b. bei ACDC fast nie gleich gespielt
 
Ich finde dass alles erlaubt ist, was Spaß macht und beim Publikum gut ankommt und dass es keine allgemeingültigen Regeln gibt.....

=> Da gibt es Songs, bei denen man Bewunderung erntet, wenn man sie 1:1 covert (z.B. von Toto)
=> Dann gibt es Songs, denen eine abgewandelte (auch vereinfachte) Live-Version nicht weh tut.
=> Und wir lassen immer wieder mal was eigenes einfließen. z.B. ein eigenes Intro oder wie hier in der Probe zu hören einen eigenen Chorsatz, den es im Orginal nicht gibt:
Hier in einer Vocal-Probe zu sehen.
Live natürlich mit Bandbegleitung:
http://www.youtube.com/watch?v=dZVe47bQYPI

---------- Post hinzugefügt um 18:56:39 ---------- Letzter Beitrag war um 18:52:31 ----------

Und hier noch ein Beispiel aus einem älteren Projekt:
http://www.youtube.com/watch?v=DWxAwvZdb3w
 
Ein Gitarrist, der Toto 1:1 nachspielen kann, hat mehrere Jahre mit seinem Instrument verbracht und höchstwahrscheinlich auch Theorie gelernt, um dann überhaupt irgendwann das spielerische Niveau zu erreichen, mit dem er soetwas tun kann. Solche Leute können mit ihren Fähigkeiten auch aus dem Stegreif einfache Akkordfolgen mit Melodie entwerfen, das sind ja keine 'Autisten', von daher haben sie alles, was andere Musiker auch haben...

Ich bin in einigen Schülerbands tätig gewesen und dort ist oft so ein zusammengestückelter Stil die Folge, weil oft die Besetzung wechselt oder Leute wie ich eigentlich überhaupt keine Popmusik spielen oder hören und auf einmal One Republic covern müssen..
Wir haben es in der Schulband zB allerdings meistens dabei belassen, hatten dann halt einen "individuellen" Sound.. Würde ich damit Geld verdienen, würde ich mir auch 2 mal überlegen, ob ich mir nicht die Mühe mache, das Stück etwas originalgetreuer zu spielen und nicht alle genialen add9-sonstwas-Akkorde aufzuschlüsseln, statt in 70% der Fälle einfach Powerchords draus zu machen, weil ich dann nicht so viel lernen muss ^_^ Die Soli lege ich dann meistens gar nicht erst fest, da merk ich mir nur die Tonart und was so ungefähr vorkommen könnte - alles eine Frage des Aufwands für mich :D Und nur aus Faulheit sollte man imho keine eigenen Arrangements machen, da sollte schon eine Idee hinterstehen. -- Gibt halt solche und solche 'Coverbands', das Publikum fand uns trotzdem gut, klang ja auch nicht schlecht ^^
 
Bei dieser Frage kommt es doch darauf an, was ich möchte bzw. welche Ziele ich verfolge:

- Spiele ich im Tribute Stil und möchte meinen Zuhörern die "Illusion des Original Konzertes" bieten, werde ich wohl oder übel, alles exakt kopieren müssen.
- Möchte ich meine Gäste auch mal mit Augenzwinkern unterhalten, ist eine eigene Interpretation von manchmal recht unterhaltsam. (Siehe Travis "Oops i did it again" oder die Black Sweden Abba Covers)

Was zu der eigenen Band und einem selbst passt und einem Spaß macht, entscheidet man am besten selbst!
 
Bei dieser Frage kommt es doch darauf an, was ich möchte bzw. welche Ziele ich verfolge:
- Spiele ich im Tribute Stil und möchte meinen Zuhörern die "Illusion des Original Konzertes" bieten, werde ich wohl oder übel, alles exakt kopieren müssen.
Weiß ich, aber warum machen "Musiker" sowas? Was soll das?
 
Weiß ich, aber warum machen "Musiker" sowas? Was soll das?
1. Es macht mir Spaß
2. Ich kann damit Geld verdienen
3. Vielleicht sogar beides
 
1. Es macht mir Spaß
2. Ich kann damit Geld verdienen
3. Vielleicht sogar beides
4. Es ist sehr viel anspruchsvoller als irgendetwas Eigenes (seien es eigene Lieder oder eigene Coverversionen) zu präsentieren, da diese exakte Kopie vom einzelnen Musiker eine große Menge (Selbst-)Disziplin fordert: Der Interpret muss vollständig hinter dem Original verschwinden können.
 

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