Hi, ich finde den Beitrag von applecreepz sehr bemerkenswert.
Leider Gottes ist es eben so, dass man in unserer schnelllebigen Zeit um jeden Preis auffallen muss und das eigentliche Können bzw. Nichtkönnen demgegenüber eine untergeordnete Rolle spielt (Extrembeispiel: Menderes). Und leider Gottes ist die Sparte, auf die Du abzielst, so dermaßen mit aufstrebenden Jungstars überbelegt, dass ihr diese nach einmaligem Gebrauch aus sämtlichen Poren triefen, wo sie - im wahrsten Sinne des Wortes "sang- und klanglos" - wieder im Nichts versickern.
Auch ich habe in einem Gedankenexperiment schon überlegt, was ich Dir empfehlen würde, wenn ich Dein Manager wäre. Wobei dieses Experiment sofort an der Tatsache scheitert, dass ich Dir, wenn ich mein Herz befrage, ganz, ganz dringend von dem Plan, berühmt zu werden, abraten würde und folglich erst gar nicht Dein Manager würde.
Aber lassen wir diese Bedenken beiseite und tun so, als wolle ich Dich ganz nach oben pushen. In diesem Fall müsste ich Dir vermutlich dazu raten, Dir ein Etikett auszudenken, an dem die Menschen Dich wiedererkennen. Im Unterschied zu applecreepz denke ich dabei aber weniger den originellen Umgang mit Songs. Den schätze ich zwar überaus, aber ich fürchte, er würde per se nicht unbedingt helfen. Nur sehr wenige Künstler schaffen es, ohne irgendwelche Erkennungszeichen auszukommen. Ihre wirkliche Qualität interessiert im Grunde niemanden.
Das Publikum verlangt nach einfachen, gut merkbaren Klischees. Nehmen wir als Exempel die grauenvolle Brille von Nana Moskouri, der diese Frau praktisch ihre Karriere verdankt. Wenn Du unbedingt auffallen willst, steck Dir z. B. eine Indianerfehler ins Haar und gib Dir den KĂĽnstlernamen "Squaw". Oder schmink Dir eine ZahnlĂĽcke. Bediene die Klischees, gib dem Affen Zucker.
Ganz wichtig: Versuche, Frauen UND Männer anzusprechen. Sei nicht zu sexy, zeig nicht zu viel Dekolleté, wecke bei Frauen keine Konkurrenzgefühle. Sorge dafür, dass keine sagt: "Die hat es ja nur wegen XXXXXX (zensiert!) geschafft!" Verschaff Dir ein Image als beste Freundin oder als sympathische Tochter. Oder mach Dich von vornherein zum Klops und tritt in nerdigen, altmodischen Kostümen auf, die erst gar keinen Neid wecken.
Je mehr ich schreibe, desto widerlicher finde ich all das. Was für ein erbärmliches Business!!! Auch von daher meine unausrottbare Idee, Dich im Jazz zu etablieren. Ich nehme an, dass dieser Bereich noch nicht ganz so verkommen ist, weil dort weitaus weniger verdient wird und somit die Neigung, junge Menschen zu Melkkühen zu machen, weniger ausgeprägt sein dürfte. Zudem ist im Jazz in aller Regel tatsächlich echte Qualität gefragt. Und Deine schöne Stimme in einer Jazzballade - SCHMACHT!!!!
Wie eingangs erwähnt: Der Rat, den ich Dir VON HERZEN gäbe, wäre, Dich völlig von kommerziellen Absichten fern zu halten und ausschließlich Dein eigenes Ding zu machen. Mir ist aber völlig klar, dass Du andere Pläne hast, und das ist auch gut so, denn hier geht es nicht um mich, sondern um Dich, und Du hast jedes Recht, Deine eigenen Erfahrungen zu machen. Hoffentlich nur gute!
Liebe GrĂĽĂźe
Holger