Sind Mischpulte im modernen (Home-)Studio für Recording und Mixing überhaupt sinnvoll?

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sarahwegst
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Hallo,

meine Frage klingt vielleicht etwas naiv, aber ich hoffe sie hat irgendwie auch ihre Berechtigung: Ich nehme über ein Audiointerface auf und nutze Software zum Mischen. Bislang hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich mir irgendwann wohl auch ein Mischpult [hier stets als physikalisches Gerät, nicht als Software-Emulation gemeint] anschaffen sollte, aber so langsam frage ich mich, wofür das eigentlich notwendig sein soll?

(1) Wenn z.B. ein Software-Equalizer zum Mischen wesentlich exakter ist als die Konfigurationsmöglichkeiten über manuelle Potis am Mischpult, weshalb dann überhaupt ein Mischpult?

(2) Wenn man über ein Audiointerface heutzutage auch genügend Mikrofonanschlüsse für's Recording haben kann, weshalb dann überhaupt ein Mischpult? Zumal dem Mischpult ja beim Recording noch immer ein (integriertes oder externes) Audiointerface nachgeschaltet sein müsste, und ich sehe keinen Vorteil darin, über ein Mischpult Einzelkanäle aufzuzeichnen, dann aber über dein Main Out via Audiointerface in den PC nur die Stereosumme einspeisen zu können. Bei Aufnahme über die Mikrofonanschlüsse eines Audiointerfaces kann ich ja tatsächlich am Ende jede einzelne Aufnahmespur in der DAW haben, was doch viel mehr Flexibilität in der weiteren Bearbeitung bedeutet..?

Ich sehe nur einen einzigen Grund: über ein Mischpult kann man über die Inserts und Returns analoge Geräte integrieren, deren Klangcharakter vielleicht mehr geschätzt wird als ihr jeweiliges digitales Pendant. Aber gibt es irgendeine Motivation bzgl. (1) oder (2), ein Mischpult gegenüber der Softwarebearbeitung bzw. dem Audiointerface vorzuziehen? Oder sonst weitere Vorteile, die ich hier unterschlagen habe? (Alles bezogen auf die Arbeit im Studio, dass man für Live-Events mit Mischpulten arbeitet u.dgl. ist klar).

Letzte Anmerkung: Ich habe eine DAW-Controller, d.h. Potis und Fader sind auch für's Mixing vorhanden, womit auch in dieser Hinsicht ein Mischpult nicht erforderlich scheint.

Danke!
Sarah
 
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meine Frage:
Sind Mischpulte im modernen (Home-)Studio für Recording und Mixing überhaupt sinnvoll?


Sinnvoll ist immer auch eine individuelle Sache, wenn man nach der Notwendigkeit fragt, dann lautet die Antwort Nein. Eine Ausnahme mag sein, wenn man Dub produziert.
 
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Hallo,
sehe ich genauso. Allerdings gibt es schon auch Anwendungsfälle, in denen ein Mischpult durchaus Sinn hat. Neben den von Dir schon genannten Gründen können das auch spezielle Anforderungen an die Preamps sein, oder vintage Equipment, oder auch Bequemlichkeit bei vielen Instrumenten, die dann nicht immer neu verkabelt werden müssen (könnte auch mit Patchbay erfolgen). Oder vielleicht auch einfach ein gewohntes Arbeitsumfeld (für die älteren Semester :))
Also eine sehr individuelle Geschichte.
Grüße
Markus
 
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@ Signalschwarz: Die Wortwahl war daher auch mit Bedacht gewählt. Dass sie nicht notwendig sind, ist mir klar. Ich versuche besser zu verstehen, wann es sinnvoll wäre, ein Mischpult im Homestudio zu integrieren. Was dann auf die individuelle Situation zutrifft und was nicht, ist davon unabhängig. Aber danke für den Hinweis :)
 
Zählt eine Konsole für dich als Mischpult?

Software-Equalizer zum Mischen wesentlich exakter
Das muss nicht zwingend ein Vorteil sein.

Ein wesentlicher Vorteil des Mischens per Mischpult ist die komplett andere Herangehensweise und Haptik. Die wird gern großzügig unterschlagen.
Beim Mixen über ein Mischpult erfasst man die Situation ganz anders und hat einen viel besseren Überblick über das Gesamt-"Werk" als bei der auf Einzelbearbeitung ausgelegten DAW-Mischerei, wo ich zeitgleich genau einen Parameter für genau einen Track ändern kann und erst wieder zig-mal Klicken muss, um denselben Parameter in einem anderen Track anzufassen (z.B.).
An einem Mischpult greife ich mit beiden Händen zu, nutze mehrere Finger für verschiedene Parameter etc.
Außerdem bin ich an der DAW sehr visuell fokussiert. Das ist nicht unbedingt ein Vorteil für die Wahrnehmung.

DAW-Controller sind meist schon etwas krückenmäßig...
 
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Naja, also in den meisten DAW-Softwares kann man sich die EQs im Kanal anzeigen lassen und selbst bei einem EQ-Plugin sind's maximal vier Klicks (Mixer aufrufen, zum Kanal scrollen FALLS er nicht im sichtbaren Bereich ist, Plugin aufrufen, Einstellung vornehmen). Das geht manchmal schneller als von einem Ende der Konsole zur anderen zu laufen, sich am Kanal zu orientieren und dann zu regeln.
 
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Es ging mir nicht um die Zahl der Klicks oder die Zahl der zurückzulegenden Meter von einem Konsolen-Ende zum anderen :D (ich wusste ja nicht, dass du in der industriellen Musikproduktion mit 150+ Tracks zu tun hast).
Sondern eher ums Multi- vs Single tasking - Prinzip. Die Zeitersparnis oder Bequemlichkeit hatte ich dabei aber nicht im Sinn.

Würde Bob Ross (...here we go...) für jeden einzelnen Tupfer auf der Leinwand jedesmal einen anderen Pinsel und eine andere Farbe nehmen?
(oder alternativ den Pinsel jedesmal extra auswaschen....)

Ich mixe auch in der DAW. Bin mir aber über dessen Haupt-Handicap bewusst.
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommt drauf an, wie und was man aufnimmt. Ein Mischpult kann sehr nützlich als Monitormischer für mehrere Musiker sein. So kann man den Musikern einen groben Live-Mix auf die Kopfhörer geben, auch mit Hall und etwas EQ, sodass sie sich wohlfühlen. Ja, es gibt auch Audio-Interfaces, die das können. Manche rudimentär, andere ausgefeilt aber auch hochpreisig. Die meisten Audio-Interfaces mischen die Inputs gemäß Gain + Playback vom Rechner auf ein Kopfhörersignal runter und wem das reicht, der braucht meines Erachtens kein Mischpult mehr.

Ich bin für mich den Weg gegangen, ein Yamaha 01V96i als Audio-Interface und Monitormischer zu nehmen. Weniger full-blown geht es, wenn man ein Audio-Interface mit Direktausgängen hat, die kann man dann in irgend einen Analogmischer reinschütten und dort den Monitormix machen (das Signal wird vor dem Mischer abgeholt). Hat man keine Direktausgänge, so kann man über die Inserts eines analogen Mischers das Signal ins Audio-Interface abzwacken. Das empfiehlt sich aber nur, wenn man einen hochwertigen Analogmischer hat, denn die Preamps da drin machen dann den Sound.
 
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Wenn du mit deinem Setup glücklich bist, gibt es aber nicht den geringsten Grund es zu ändern. Ich verwende ein kleines Analog-Mischpult - 8 Mono/Mic Kanäle, 4 Stereo Kanäle, keine Subgruppen - als Latenz-freie Monitoring-Schaltzentrale. Da hängen diverse Micros dran, meine Keyboards, Abhöre, Kopfhörerverstärker etc. Auch der Ausgang vom Audiointerface geht erst in den Mixer. Für Gesangsrecording verwende ich die Preamps des Mixers - die sind nicht schlechter als von meinem USB IF - und gehe via direct-out ins Interface.

Ich finde es für Monitoring super komfortabel und bin unabhängig von Latenzen des USB Treibers, tatsächlich habe ich die maximale Buffersize eingestellt. Ich verwende weder den analogen EQ, noch analoge Effekte oder sowas.
 
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Vielen Dank für eure Rückmeldungen. Tatsächlich bin ich mit dem status quo zufrieden, erweitere aber natürlich gerne meinen Horizont und überlege, was in der Zukunft (abhängig von sich vielleicht auch verändernden Ansprüchen oder komplexeren Recordingsituationen - mein aktuelles Audiointerface hat nur zwei Mikrofoneingänge!) sinnvoll sein könnte, daher informiere ich mich.

Ein wesentlicher Vorteil des Mischens per Mischpult ist die komplett andere Herangehensweise und Haptik.
Das ist ein sehr interessanter Aspekt, der mir so gar nicht bewusst war. Allerdings scheint es doch mittlerweile sehr gute DAW-Controller zu geben (z.B. den gerade neu erschienen Faderport 8 von Presonus), wo man sehr bequem per midi mapping beim Mixen Funktionen zuweisen kann, sodass hier ähnlich wie beim Mischpult ein simultanes Bedienen von Klangeinstellungen möglich ist. Klar, am Ende geht es mit einem Mischpult immer noch direkter, aber mir scheint die von dir angesprochene Herangehensweise kann man gut auch mit einem entsprechend konfigurierten DAW-Controller erreichen (zumal man ja nicht auf den Bildschirm schauen muss) und hat zugleich aber auch mehr Flexibilität. Vielleicht an dieser Stelle dann wirklich eine Frage des Geschmackes und der Gewohnheit...

Auch der Ausgang vom Audiointerface geht erst in den Mixer.
Und das Mischpult ist dann an den PC angeschlossen? Könntest du deine Konfiguration etwas genauer beschreiben oder ein Bild schicken? Klingt sehr interessant :) Verstehe ich es richtig, dass du das Interface eigentlich nur für's Recording benötigst (um pro Mikrofoneingang eine Spur in der DAW zu bekommen?)?
 
Neben der von @Hotspot angesprochenen Haptik gibt es noch einen wesentlichen Unterschiedder es sinnvoll machen kann, zumindest mit einem analogen Mischpult zu arbeiten. Es wurde ja schon angesprochen dass msn in einer DAW praktisch jeden Parameter nicht nur speichern sondern auch über die Zeit reproduzierbar variabel gestalten kann. Eben die Mischautomation, die jede nur halbwegs professionelle DAW hat.
Das ist zum einen sicher ein großer Vorteil birgt aber auch die Gefahr in sich dass die Person vor dem Rechner sich in dieser Vielzahl an Parametern verliert. Da wird dann bis zum Abwinken an irgendwelchen Details herumgeschraubt, die für Mix genau null Bedeutung haben.
Und da kommt das 'oldschool' analoge Mischen genau richtig. Eine reduzierte Anzahl an Parametern mit einfacher Zugriffsarchitektur und in vielen Fällen ohne der Möglichkeit einer Speicherung. Das bringt den Techniker dazu
1) sich besser auf das Wesentliche, den Gesamtklang, zu konzentrieren
2) konsequenter Entscheidungen zu treffen. Durch die meist reduzierte Kanalanzahl (wenige pulte hatten deutlich mehr als 50 Kanäle) kann idt man oft gezwungen zwischenmixes zu machen. Dafür muss man dann aber auch besagte Entscheidungen treffen.
3) dadurch dass nicht gespeichert werden kann (oft halt) neigt man rasch dazu den Workflow dahingehend zu ändern, dass man Nummer für Nummer abarbeitet und damit in einer kürzeren Zeitspanne das eine Ding durchzieht bevor man zum nächsten Song geht. Ich hatte mal mit einer Produktion zu tun, die zog sich über fünf Jahre. Am Ende war nicht mal die Besetzung der Band die selbe.

Zudem hat ein, analoges, Pult auch so etwas ähnliches wie echte Analogsynths. Sie 'kleben' die Spuren irgendwie besser zusammen. Auch arbeiten die Filter weniger exakt was dem Mix auch gut tun kann. Warum denn sonst versuchen Pluginhersteller auf Teufel komm raus das ganze Verhalten dieser Analoggurken am rechner nachzubauen?
Versteht mich nicht falsch, ich arbeite jetzt schon seit fast 20 Jahren mit digitalen Mischpulten und DAW. Trotzdem haben vor allem die klassiker unter den analogen pulten auch ihre Vorzüge. Und das muss jetzt nicht zwangsläufig ein Neve, SSL oder Harrison sein. Mir würde schon ein Cadac reichen. Leider werkel ich derzeit nur auf Soundcrafts herum, wenn ich wieder mal analog arbeite.
 
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Danke Mfk0815 für die interessanten Ergänzungen. Mir scheint aber, dass dies nicht wirklich Gründe für ein (analoges) Mischpult sind, sondern eher ein Warnhinweis der Art "Vorsicht, verliert euch nicht in eurer Software". So sehr das Risiko besteht, sich in der Vielzahl an Parametern zu verlieren, so sehr ist es ja auch "Verantwortung" der Person, sich darüber bewusst zu sein. Drastischer formuliert: Wer keinen guten Mix macht, weil er das Wesentliche aus den Augen verliert, kann einfach nicht vernünftig mit den zur Verfügung stehenden Optionen umgehen. Aber Jemand, der sich auf das Wesentliche konzentrieren kann, profitiert dann bei Nutzung von Software-Mixern trotzdem noch von weiteren Möglichkeiten, die man in bestimmten Fällen vielleicht nicht missen möchte (z.B. möchte ich einen Notchfilter bei einem ganz präzisen Frequenzbereich setzen, den ich über die analogen Einstellungen so gar nicht genau treffen kann).

Dass es einen Flair für den Charakter analoger Geräte gibt und es deswegen einen Boom entsprechender Software-Pendants, stimmt natürlich. Aber auch das klingt für mich eher nach der Idee "Hey, lass uns das Beste aus der analogen Welt (den typischen Klangcharakter) so weit es geht digital reproduzieren, aber zusätzlich alle Vorteile der digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten nutzen". Vielleicht wird das nie an das analoge Pendant heranreichen (nur wie viele Menschen hören tatsächlich den Unterschied?), vielleicht ist es auch einfach nur dieser "oldschool" Flair, den manche schlicht genießen (ein analoges Tapeband ist halt doch etwas anderes als eines, das auf dem PC-Bildschirm angezeigt wird) :)

Aber deinen Punkt finde ich trotzdem wichtig: Vermutlich tut es ganz gut, sich manchmal auf bestimmte Optionen bewusst zu beschränken, um das größere Ganze (die Musik, den Sound), nicht aus den Augen zu verlieren!
 
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Könntest du deine Konfiguration etwas genauer beschreiben
Ich verwende das Interface nur zum Recorden, richtig. Ein paar Kanäle des Mixers sind per Direct-Out auf Line-Eingänge des Interface geschaltet. Das Mischpult ist nicht an den PC angeschlossen - ich wüßte gar nicht wie und warum. Bild habe ich gerade keines, daher nur die Verbindungen.

- PC via USB am Interface (bi-direktional)
- Interface L/R Out in Mixer Stereokanal
- Micro auf Mic-In Mixerkanal (XLR)
- Mic-Kanal Direkt Out auf LIne In Interface
- Mixer Main L/R Out auf Kophhörerverstärker
- Mixer Control Room L/R Out auf Abhöre
- Keyboard L/R Analog Out auf Mixer Stereokanal
- Keyborad MIDI Out auf Interface MIDI In

Ich hoffe du kannst was damit anfangen. Mir war bei dem Setup wichtig das ich auch ohne Computer und Interface einfach spielen kann.

LG, Robert
 
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So sehr das Risiko besteht, sich in der Vielzahl an Parametern zu verlieren, so sehr ist es ja auch "Verantwortung" der Person, sich darüber bewusst zu sein.
Klar und es gibt ja immer noch die geschichte mit fool und dem tool;-)

(z.B. möchte ich einen Notchfilter bei einem ganz präzisen Frequenzbereich setzen, den ich über die analogen Einstellungen so gar nicht genau treffen kann).
Ich könnte jetzt dagegen halten dass das ja gar nicht relevant ist. Es gibt ja kaum Konzepte in einer DAW zur Klangformung die es nicht schon analog gab. Also konnte man auch schon vor der digitalisierung Notchfilter setzen. Und es ging so präzise wie man es hören konnte. Und noch präziser ist eigentlich nicht nötig weil man es ja eh nicht hört. Das ist ja die nächste Falle in die man tappt. Man verlässt sich gerne auf Zahlen und Grafiken und nicht mehr auf die Ohren. Das was auf dem Bildschirm steht 'stielt' den Fokus, also die Aufmerksamkeit.
Das Problem hatte ich einige Zeit als ich beim Livemix auf digitale Mischpulte umstieg. Da war ich mehr beschäftigt mir irgendwelche Filterkurven am Display anzusehen und sah nicht den Sänger der verzweifelt winkte weil ich sein Mikro gemutet habe. (Etwas überzeichnet und so nieeeeeee im echten Leben passiert;-) )

Ich mach mir hin und wieder den Spass und mische verschieden Aufnahmen auf (grob) drei unterschiedliche Arten. Nur DAW, nur Digitalmixer und nur Analog mit analoger Peripherie(ausser diverser Digitalhalleffekte usw.). Und hin und wieder auch Mischformen, gerade wenn ich es analog mische. Da werden in der DAW spuren zusammengelegt und z.T. vorbearbeitet um dann am analogen Brett n einen Stereomx übergeführt zu werden. Die besten Ergebnisse habe ich wenn ich entweder am digitalpult oder in letzterer Hybridform arbeite. Ich muss allerdings zugeben dass ich hauptsächlich live arbeite und das 'Studio-Zeug' eher für Demos und ähnliches mache.
 
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Konsequenz und Endgültigkeit sind zwei gute Argumente für "analoge" Arbeitsweise, :great: @Mfk0815.

Ich schätze es, mich schon bei der Aufnahme ein gutes Stück weit festzulegen. Mit dem Apollo verwende ich zum Aufnehmen bereits Preamps, EQs, Comp und Tape und printe das direkt und unwiderruflich in die DAW.
Ein für mich moderner Ansatz, die Vorzüge der analogen Welt in die digitale Domäne mitzunehmen. Man überlegt sich etwas, macht das so und fertig. Kein Zurück.
Wenn Sch... läuft, lern ich was draus und machs beim nächsten Mal besser.

Ganz schlimm finde ich diese ewige Alles-bis-zum-bitteren-Ende -offenhalten Herangehensweise, die einem DAWs so leicht machen.
 
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sich besser auf das Wesentliche, den Gesamtklang, zu konzentrieren

Interessant in dem Zusammenhang ist der Film Soundcity von Dave Grohl. Der feiert dort seine analoge Neve-Konsole und die Bandmaschine. Unterschwellig kommt aber raus, zumindest für mich: Analog ist vielleicht weniger das Thema als Workflow und Strategie. Bei Analog (-Pulten und Bandmaschinen) ist der Workflow eingeschränkter. Und genau das fehlt im Digitalen. Man muss sich diese Beschränkung selbst auferlegen, um sich nicht zu verlieren.

Für mich heißt das zum Beispiel: Ich wähle meine Plugins in eigenen Testsitzungen aus. Die speichere ich dann in eine Favoriten-Liste. Andere Plugins werden in einer Produktion dann auch nicht verwendet, basta. Ich bin da ein Sonderling, ich verwende Ardour unter Linux, zum Teil mit Windows-Plugins (don't do this at home kids), da wird die Stabilität der Plugins auch eines der Kriterien. Ich habe zum Beispiel mal eine ganze Reihe von EQ-Plugins verglichen (Ardour hat keine EQs, das bleibt Plugins überlassen) und das in meinen Ohren am besten klingende benutze ich dann eben und fertig. Die Unterschiede waren zum Teil enorm… aber mal ehrlich, die gibt es auch schon in der Analog-Welt: Als Fanboy liebe ich die EQs von Allen&Heath, sowohl analog wie digital. Soundcraft klingt irgendwie anders. Die guten nicht schlechter, aber eben anders.

Und auch die "so ist es eben dann jetzt"-Entscheidungen... da muss man sich etwas überreden. Das ewige Offenhalten führt zu langwierigen Prozessen, noch mehr Unsicherheit und auch nicht unbedingt zu einem besseren Ergebnis.

Es gibt immer noch Entscheidungen, die nicht zu korrigieren sind: Positionierung und Art der Mikrofone. (Jaja, Mikrofon-Modelling, aber das macht aus einem SM57 auch kein Neumann TLM). Wahl der Preamps, usw. – warum nicht auch den Rest schneller entscheiden?

DAW-Controller etc – ich habe in meinem 01V96i ein Remote-Layer, das explizit dafür gemacht ist. Ich hab das auch schon genutzt, aber mir liegen das Mausschubsen und die Automation in der DAW einfach mehr. Ich komme da besser voran. Liegt vielleicht auch daran, dass Ardour einen guten Mixer hat, den man fast komplett virtuell frei verkabeln kann.

Letztendlich ist vieles einfach Geschmackssache. Wenn man mit dem Equipment alleine arbeitet, sollte man es sich so zurechtlegen, dass man gut klarkommt. Was andere dann dazu denken, ist weniger wichtig.
 
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Danke für die interessanten Kommentare. Die Tendenz jener Kritik, sich beim Mischen in der DAW alles offen zu halten, ist wahrnehmbar, aber ich denke man sollte hier nicht prinzipielle Möglichkeiten mit tatsächlichem Vorgehen verwechseln. Nur weil es möglich ist, muss man es ja nicht machen. Den analogen Weg nicht zu gehen, bedeutet nicht, dass man nicht eine ebenso "konsequente" Arbeitsweise einschlagen könnte, sich in der Vielzahl der Parameter und dem Nicht-Festgelegtsein also nicht automatisch verliert. Neigt man ggf. dazu, vom Wesentlichen abzudriften? Bestimmt! Insofern finde ich die Kritik nachvollziehbar.

Wenn man mit dem Equipment alleine arbeitet, sollte man es sich so zurechtlegen, dass man gut klarkommt. Was andere dann dazu denken, ist weniger wichtig.
Sehe ich auch so. Mir hilft es aber persönlich, die eigene Vorgehensweise immer wieder auch zu hinterfragen und sich bewusst mit anderen Methoden auseinanderzusetzen, selbst wenn man sich - wie hier - schnell in die Grundsatzdebatte "analog vs. digital" begibt. (Was du durch deinen Kommentar natürlich nicht ausschließt :))

Eine Frage noch, insbesondere an die Verfechter der analogen Arbeitsweise: bislang wurde ja eher der Extremfall, nämlich das Mischen mit Software / in der DAW mit der analogen Arbeit kontrastiert, "dazwischen" liegt aber ja noch, wie Mfk0815 auch betonte, der Digitalmixer sowie hybride Versionen. Prima facie scheint mir, das wäre ein gesunder Kompromiss..? Oder sind die hierdurch gewonnenen Möglichkeiten schon wieder etwas, das für euch unnötig oder unwesentlich wäre? Und wäre ein hybrider Mixer - da analog und lediglich mit digitaler Schnittstelle - nicht auch klanglich dann ebenbürtig, zumal man ja die Möglichkeit hat, analoge Effektgeräte anzuschließen? (Ich habe keine Erfahrung mit analogen Mischpulten, daher korrigiert mich gerne, falls ich hier etwas missverstehe.)
 
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Ein Aspekt der wunderlicher weise zu wenig erwähnt wird ist, das ein analoges Pult, gerade die Filter, nicht "perfekt" ist, was bedeudet, das es Klangeigenschaften hat. Analog zu mischen hat demnach nicht nur mit dem Workflow zu tun.
 
Das Thema ist ja ob ein Mischpult Sinn macht. Und da kann man aus meiner Sicht sagen "Ja sicher, kommt auf die gewünschte Arbeitsweise an". Nicht umsonst besitzen alle mir bekannten DAWs eine Mischpultoberfläche. Da ich die ersten zwei Jahrzehnte zwangsläufig immer mit Mischpulten gearbeitet habe, weil es entweder das Konzept DAW nicht gab oder die verfügbaren in der Anfangszeit unsagbar instabil waren, kommt mir dieses Mischkonzept zugute. Das lineare Konzept des "Maus schubsens" ist für mich nicht so toll. Ich mag das ein paar Fader gleichzeitig bewegen zu können. Klar gibt es auch DAW Controller aber die, die ich bisher in Händen hatte, sind kein richtiger Ersatz für ein Mischpult. Und seien wir uns mal ehrlich. Was unterscheidet eine DAW mit Controller substanziell von einem Digitalpult? Sicherlich dass die Mischpultoberfächen besser an die im Pult verbauten Komponenten der Klangbeeinflussung angepasst sind. BTW: Die Mischpulte von Avid sind afaik sogar im Grunde eine spezielle Protools Variation.
Gerade im Bereich Digitalpulte wachsen die Möglichkeiten einer DAW und eines Mischpultes immer mehr zusammen. (Da lasse ich einmal salopp die ganzen Midi-Funktionen der DAW weg;-))
Das sind aber eher Handling-Aspekte. Da gehts gar nicht so sehr um analog vs digital.
Ein Aspekt der wunderlicher weise zu wenig erwähnt wird ist, das ein analoges Pult, gerade die Filter, nicht "perfekt" ist, was bedeudet, das es Klangeigenschaften hat. Analog zu mischen hat demnach nicht nur mit dem Workflow zu tun.
Das kann als Vorteil oder Nachteil gewertet werden. Man denke nur daran dass nicht wenige geradezu eine Philosophie aus Analog-Synths oder diversen Preamps usw machen. Oft genug lebt der Klang gerade von dem nicht perfekten Arbeiten einer Audio-Komponente. Zudem gibt es inzwischen auch die Geräteklasse der Analogsummierer. Ob das jetzt eine Hype ist oder wirklich was bring, wage ich nicht zu beurteilen. Das sind meinem Verständnis nach Mischpulte ohne Klangregelung, Fader und Auxes. Was genau wird hier als Begründung für deren Verwendung angegeben?
Und wäre ein hybrider Mixer - da analog und lediglich mit digitaler Schnittstelle - nicht auch klanglich dann ebenbürtig, zumal man ja die Möglichkeit hat, analoge Effektgeräte anzuschließen?
Ob ebenbürtig kann ich nicht sagen aber Produkte von Toft und Co werden wohl auch einen Markt finden.
Zudem gibt es ja noch einen Aspekt. Mit analogen bzw. digitalen Mixern bekommt man mehr oder weniger zu einiges an Leistung die man im Rechner nur mit ordentlich viel DSP Power bekommt. Und gerade bei analogen Pulten hat man mit Latenzen genau gar keine Probleme;-)
Unterm Strich muss man sich halt mal eine Plus/Minus-Liste aufstellen um dann zu überlegen ob man sich mal ein Mischpult antun will oder nicht. Für mich ist das ohnehin kein Thema, ich habe jetzt schon die Wahl;-)

Nochmal, ja macht Sinn, aber eben nicht für jedermann. Und jemand mit Talent kann mit jedem Setup was zusammenstoppeln. Ohne Talent wirds umgekehrt auch mit jeder Variante 'kompliziert';-)
 
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