Das Tolle , wenn man im inneren einer Blase ( ich habe hier eine Seifenblase vor Augen ) sitzt :
man kann rausgucken und wird auch von außen gesehen.
Das Agieren ist meist auf das Innere der Blase beschränkt , aber grundsätzlich bekommt man schon mit,
was um einen herum passiert. Man konzentriert sich jedoch sehr auf das Innere , was durchaus ein fruchtbarer und kreativer Prozess sein kann !
Ich hatte selbst Gelegenheit in einer Blase zu studieren ( nein, nicht Musik - ich habe Fotografie in einer Kunsthochschule studiert ...)
Unser Professor hatte in zunehmendem Alter ein Nervenleiden und brauchte immer feste Parameter und Größen , um sich sicher zu fühlen.
Fremde Orte , Menschen und Situtionen haben in sehr verwirrt und so traf sich seine Schülerschaft von 6-8 Studenten
immer in seinem Büro. Man brachte eigene Arbeiten mit, die in der Gruppe besprochen wurden, oder es gab Beiträge über Bücher oder Ausstellungen.
Ein in dieser Abgeschiedenheit sehr intensiver Prozess. Selten verirrten sich Neuankömmlinge und die meisten konnten sich auch in diese Athmosphäre
gepaart mit seinem trockenen norddeutschen Humor nicht einfinden.
Die Blase hat uns nach dem Studium ins Leben entlassen ,
ich pflege noch engen Kontakt zu dem meisten Komilitonen.
Das sehr konzentrierte Arbeiten hat mich bis heute gut geschult !
Bei der
Akkordeonblase gelingen all diese prägenden und verbindenden Eindrücke sicherlich auch.
Darin befinden sich Lehrer , Schüler und Rezipienten , die sich gemeinsam auf eine spezielle Musik am Akkordeon eingelassen haben . Das ist auf jeden Fall für die Gruppe innerhalb dieser Blase ein sehr positiver Effekt :
Sich endlich mit Leuten austauschen zu können, die einen gleichen Geschmack und die gleiche Leidenschaft am gleichen Instrument teilen . Und das fast um den ganzen Erdball verteilt.
Für Aussenstehende , wie für mich, hat da die Blase aber eindeutig an Bodenhaftung verloren.
Man hat sich zu lange mit sich selbst beschäftigt. Akkordeonengel hatte das sehr treffend als
"intellektuelle Isolation"
beschrieben.
Ich würde da noch etwas weitergehen , bitte nur aus dem rein biologischen Prozess entlehnt zu verstehen ,
in keiner Weise abfällig gemeint , würde ich das als "intellektuellen Inzest" beschreiben.
Eine Idee reproduziert sich immer wieder aus sich selbst ,
innerhalb der Blase wird sie immer wieder geteilt , die Schüler von früher sind die Lehrer für die heutigen Schüler.
Man relativiert sich aber nicht mehr an dem, was außerhalb dieser Blase musikalisch passiert.
Außerhalb dieser Blase ist diese Idee nicht (über)lebensfähig.
Wo sollte man so einen Musiker platzieren , in welche Musikszene oder welchen Beruf ließe er sich unterbringen ?
Ein schräger Exot mit Sonderbegabung.
Ich hatte das schon einmal ausgeführt :
Der Keim dieser Idee , den die Akkordeonblase nun seit Generationen reitet , ist meiner Meinung nach aus einem Komplex entwachsen : Das Akkordeon fürchtet von der Musikalischen Elite belächelt zu werden.
Es war halt in den Anfängen ein billiges Volksinstrument , zu einer Zeit als sich Oboisten und Violinisten schon gottgleich
im Orchestergraben breit gemacht haben. Um da jeden Zweifel auszuräumen wurde da doppelt so viel geübt.
Das Pensum wurde in dreifacher Geschwindigkeit runtergerissen oder man verstieg sich gleich in ultrakomplexen Kompositionen , oder beides.
Das nun ein Akkordeon schwer zu Erlernen und noch schwerer in Perfektion zu Spielen ist, daß muss man uns nicht erzählen... Das sollte doch eigentlich reichen um selbstbewusst damit aufzutreten.
Also , Zeit für neue Ideen ?