Die letzte Harmonielehre

  • Ersteller Hagenwil
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Musik ist in erster Linie Idee, und Musik erfinden ist ein einfacher und intuitiver Vorgang. Musiktheorie erlangt erst Bedeutung wenn man sie braucht, und brauchen tut man eine kompositorische Technik, eine harmonische Erklärung und eine musikalische Grammatik erst wenn eine Idee sie erfordert. Alles was man braucht um eine Ideen zu verwirklichen kommt zu einem genau in der Minute wenn man es benötigt.

Ich denke mal, daß es für die Kreativität völlig unerheblich ist, ob man jetzt eine Theorie benutzt oder nicht, wenn das Ergebnis stimmt...

.... auch wenn das Ergebnis nicht stimmt. Wäre doch zu deprimierend für wenn die eigene Kreativität kein befriedigendes Gefühl erzeugt. Spielt doch überhaupt keine Rolle wie Musik von aussenstehenden eingeschätzt wird wenn man selbst Freude hat daran.
 
Ideen klingen nicht, man muss sie realisieren, wobei sie oft federn lassen, ja ich wage zu sagen, dass nach der eingebung die arbeit erst anfängt. Musikalische einfälle sind kurz, sie müssen weitergesponnen werden, geformt, erweitert, an ein bestimmtes instrumentarium angepasst. Dazu brauche ich handwerkszeug und wissen, ich möchte das gar nicht theorie nennen, ein gut teil ist harte, erworbene, erarbeitete praxis, der musenkuss (auch nicht zu verachten) tut es nicht. Allein wieviel schreibarbeit liegt zwischen Ravels einfall des "Bolero" und der fertigen partitur. Auch der improvisator muss aus seinen einfällen etwas zu machen verstehen durch reihung oder verarbeitung.
Bedeutende komponisten litten unter (für die nachwelt erfreulicher) selbstkritik, wenn etwas zunächst "bon" war, konnte es später "meilleur" werden (Beethoven), Schubert fand kein passendes finale, Brahms musste sich überwinden, sinfonien zu schreiben, Bruckner arbeitete die seinen um, Grieg, Verdi und Puccini zweifelten an sich.
Perfektionisten haben und machen es sich nicht leicht. Es muss ja nicht der violoncellist sein, der zeitlebens "seinen" ton sucht. Chopin sehnte sich nach dem "blauen ton", der sich erst nach längerem spielen einstellte. Das phänomen kennt jeder musikausübende: ist das konzert vorbei, ist man eingespielt.
 
Klar geht das. Aber selbst Dadaisumus und Anarchie funktionieren nicht regellos sondern leben von denjenigen Regeln, die sie durchbrechen.

Im Gegensatz zu den mickigen 11 Tönen unseres abendländichen Klangsystems haben wir 26 Buchstaben im Alphabet. Multipliziert mit möglichen Aussprache- und Kombiformen landen wir im Undendlichen. Man kann daraus "mnovp" oder "axeryt" oder " mopftig" machen... schöne Spielerei für's Linguistikseminar im 1. Semester ...

Deahalb bringt ja auch nichts wirklich Anderes als Konvention mit aufgesatteltem Andersseinwollen.


Wenn das wirklich so wäre wie du sagst, dann kann man sich bei Gelegenheit auch fragen, für was braucht es mich auf dieser Welt als Komponist wenn ich nur eine Xerox-Kopie von jemanden anderen bin der ein Original war.

Es ist natürlich auch so das nichtoriginelle Menschen in Originalität keinen Sinn erkennen, und die die denken das in der Musik schon alles gesagt wurde besser eine Banklehre machen und ab und zu eine Bärenfell CD kaufen für Zuhause am Kaminfeuer.

pssssst.... das ist nicht lustig, nein nein, das ist überhaupt nicht lustig !!!
 
Ich bewundere Deinen Enthusiasmus, auf ein 4 Jahre altes Posting zu antworten ... finde das - letztlich - aber wenig hilfreich im Sinne dieses Boards ...

Bis der Schriftwechsel mal so richtig in Schwung gekommen ist, werden wir alle schon lange Geschichte und zu Staub geworden sein ...

Thomas
 
Ich bewundere Deinen Enthusiasmus, auf ein 4 Jahre altes Posting zu antworten ... finde das - letztlich - aber wenig hilfreich im Sinne dieses Boards ...

Bis der Schriftwechsel mal so richtig in Schwung gekommen ist, werden wir alle schon lange Geschichte und zu Staub geworden sein ...

Thomas


Sorg rechtzeitig dafür das du eine grosse Skulptur hast da wo sie deinen Starb reinstreuen, so in etwa wie Ludwig van, dann wird die Geschichte dich nicht so schnell vergessen.

By the way, Schubert war auch sehr gut, oder Mozart, und ein paar andre, z.B. Mahler - als Bruno Walter Mahler besuchte in den Bergen und Mahler ihn am Bahnhof abholte, schaute Bruno immer nach oben bis Mahler zu Bruno sagte: "Bruno, schau nicht hin, ich hab das alles schon für dich komponiert, du kannst das nächste Woche in Berlin aufführen".
 
Um nach Jahren auf den Ausgangspost zurückzukommen: Das Zitat klingt für viele erstmal sehr verlockend und befreiend. Für Theorieverdrossene und von Kritikern gehänselte ganz besonders. Aber in Wirklichkeit ist es eine eher gehaltsarme Parole. Problem ist das Wörtchen "kann". Eigentlich müsste dort "darf" hin, oder der Spruch müsste sinngemäß "quasi jede erdenkliche Folge kann man irgendwo im Repertoire lokalisieren" lauten.
Von "kann" kann nicht die Rede sein, denn ich kann nicht einfach zwei beliebige Akkorde aneinanderkleben und erwarten, dass es nach Mozart klingt, Nacht ausdrückt, für eine bestimmte Zielgruppe (u.a. mich) gut klingt, mich an meine Kindheit erinnert, homogen zum Rest des Stückes klingt, etc. Kurz: Es gibt Ursache und Wirkung. Das ist Gegenstand von Theorie, auch von Harmonielehren. Man kann sich zwar davor drücken, dem Phänomen aber nicht entkommen.

Legt man das Zitat so aus, wie es hier die meisten tun, unterstellt man dem Autor übrigens, dass er nicht weiß, wovon er da redet. Denn die scheinbare Beliebigkeit von Möglichkeiten gibt es einfach nicht. Zusammenklänge sind nicht beliebig bzw. mit beliebigen Konsequenzen behaftet, sondern wirken regelmäßig und wurden von Komponisten auch bewusst eingesetzt.

Fazit: Ich darf tun, was ich will, aber ich kann nicht erwarten, dass auch das herauskommt, was ich will.
 
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Seh ich auch so

Die Analyse beschäftigt sich mit einem Teilgebiet der Musik, das abstrakt darstellbar und damit auch ABSTRAKT VERGLEICHBAR ist. UNd das funktioniert - unabhängig von "jeder darf spielen, was er will", es funktioniert. Es ist logisch, für jeden nachvollziehbar (der sich damit auskennt) und deswegen eine der Möglichkeiten, mit der man als Musiker die Frage "Was mach ich da überhaupt" beantworten kann.

BTW, vergleich aus einem ganz anderen Bereich:
(Ich zitier hier mal kurz meinen Vorposter)
Fazit: Ich darf tun, was ich will, aber ich kann nicht erwarten, dass auch das herauskommt, was ich will.
Ich geb seit einigen Jahren Mathemaiknachhilfe (meist 16-18 Jährigen). UNd da ist die Situation *Warten* - *irgendwas aufschreiben* - *das irgendwas beinahe panisch durchstreichen* - *wieder warten* - *irgendwas aufschreiben* - [wärend dessen ein panisch-fragender Blick in meine Richtung a la "könnte das stimmen?"],......... um dann schlussendlich IRGENDETWAS aufzuschreiben.
Vor ein paar Monaten hab ichs zum ersten mal (aus sicher vielen hundert Malen, dass ich eine wie eben beschriebene bzw. ähnliche Situation erlebt habe) erleben dürfen, dass der Schüler zufällig die Angabewerte und die ihm bekannten Rechenzeichen so kombiniert hat, dass da tatsächlich ein korrekter Lösungsansatz dagestanden ist (auf die Frage, wie er darauf kam hat er ihn dann sofort panisch durchgestrichen, bzw. "mit dem Kugelschreiber übermalt" wäre eigentlich treffender).


Und das ist in allen Bereichen so: MAcht man irgendetwas, passiert auch nur irgendetwas.
(Folgendes ist nicht gegen den TE gerichtet)
Und ein kluger Mensch versucht zu ergründen, was er da eigentlich genau gemacht hat und warum das Ergebnis so aussieht - läuft natürlich darauf hinaus, dass man das Ergebnis seinen Vorstellungen entsprechend manipulieren kann. Und zwar nicht mit "Ich probier mal irgendetwas anderes, bis ich etwas gefunden hab, was passt", sondern - nun wieder konkret auf Musik bezogen - "Akkord XY klingt mir in dem Kontext zu glatt, ich glaub da werd ich noch einen 4. Ton einbauen einbauen, der glatte Dur/Moll- Akkord.... da fehlt einfach noch was.... also dann doch lieber G7 statt G".

Dafür ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach die ganze Harmonienlehre gut und deswegen muss sich der TE auch von mir vorwerfen lassen, dass er eigentlich nicht genau weiß, wovon er redet und meint, immerhin ein gesamtes Forschungsfeld (!) - ich meine in wieviele Richtungen kann man auf dem Gebiet studieren? - auf 3 Zeilen zusammenfassen zu können.

Gruß
David
 
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