Analyse von Blues-Schemata

  • Ersteller haiiiner
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Danke Euch allen für diese Horizonterweiterung! Auch wenn ich diese Klänge vielleicht nie verwenden werde, ist es doch gut, über solche durchaus zeitgenössischen Klänge und ihre Notation nachgedacht und sie mal gehört zu haben. Und wenn es als Kontrastfolie der Dur-Moll-Tonalität Sinn ergibt. Mir scheint der sus-Akkord eines dieser heute nicht seltenen Verselbständigungsphänomene zu sein analog den Trugschlüssen, dem Neapolitaner usf.
 
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Diesen Blues mit den sus-Akkorden finde ich auch wirklich sehr interessant
und eine sehr ausbaufähige moderne Variante.

Ich möchte eigentlich auch noch einige 8-Takt-Blues Progressions weitergeben.
Sie gehören ganz sicher zu den schönsten Blues-Arten, die man einfach nicht
aussparen sollte. Hier einige aus meiner Sammlung, die mir besonders gut gefallen:

8B1. (z.B. für "Nobody knows you when you are down and out")
| C ' E7 ' | A7 ' ' ' | Dm ' A7 ' | Dm ' ' ' | F ' F#°7 ' | C7 ' A7 ' | D7 ' ' ' | G7 ' ' ' |

8B2. (z.B. für "Georgia on my Mind")
| C ' ' ' | E7 ' ' ' | Am ' Am/G ' | F ' F#°7 ' | C/E ' A7 ' | D7 ' G7 ' | Em7 ' A7b9 ' | Dm7 ' G7#5 ' |

8B4.
| C7 ' ' ' | C7 ' ' ' | F7 ' ' ' | Ab7 ' ' ' | C7 ' A7 ' | D7 ' G7 ' | C7 C/E Eb°7 Dm7b5 | C7 ' G7 ' |

8B7.
| Cm ' ' ' | F7 ' ' ' | Ab ' Bb ' | Eb ' G7 ' | Cm ' ' ' | F7 ' Ab ' | Cm ' G7 ' | Cm ' ' ' |

8B9.
| Ab9 ' G7#9 ' | Cm7 ' ' ' | Ab9 ' G7#9 ' | Cm7 ' A7b5 ' | Fm7 ' Bb13 ' | EbΔ7 ' AbΔ7 ' | DbΔ7 ' ' ' | Dm7/G ' G7b9b13 ' |

viel Spaß damit :cool:
 
Die Folge I7 | V7/VI/5 | VI(m) von "Nobody knows you" und "Georgia" ist für mich die "Clapton-Wendung", nicht weil er sie erfunden hat, sondern weil er sie gern in Eigenkompositionen übernimmt (z.B. Bell Bottom Blues) u vielleicht genauso schön und bluesig findet wie ich....
 
Die Folge I7 | V7/VI/5 | VI(m) von "Nobody knows you" und "Georgia" ist für mich die "Clapton-Wendung", nicht weil er sie erfunden hat, sondern weil er sie gern in Eigenkompositionen übernimmt (z.B. Bell Bottom Blues) u vielleicht genauso schön und bluesig findet wie ich....

:crutch:Haiiiner, Neeeeeiiiiiin......Das mag ja sein....aber eben haben sich gerade einige alte Bluesmen im Grabe herum gedreht...

Will ja nicht schon wieder über Clapton schimpfen. Diesen "Bell Bottom Blues" hat er so verunstaltet, dass das Stück phasenweise
ja gar nicht mehr als Blues durchgeht und meines Erachtens auch richtig mies klingt, aber das ist ja immer auch Geschmacksache.

Jedenfalls ist Clapton da sicher sehr von B.B.King beeinflusst, der sehr häufig 8-taktige Blues mit dieser Wendung gespielt hat,
u.a. auch "Nobody knows you...", aber vor allem auch "Ain't Nobodies Business...". Aber selbst dem dürfen wir das keinesfalls
ursächlich zuschreiben.

Diese Wendung kommt ursächlich ganz sicher noch aus dem Ragtime, wird auch im Charleston aufgegriffen, Dixieland, New Orleans Jazz,
Blues,... sehr vieles wirst Du da aus den 20igern finden...

z.B.
Five foot two, Eyes of blue, von Ray Henderson 1925


das berühmte Charleston von Jimmy Johnson, 1923


der Chorus (ca. ab 1:05 ) vom Basin' street Blues von Spencer Williams, 1928

was eine geile Aufnahme von Louis Armstrong....ich war hin und weg....

so zieht sich das durch die Musikgeschichte....
und walzen alles platt, was nach Clapton aussieht...

bis hin zur süßen Lee Anne Rimes in den späten 90igern mit einem
Song aus den 60igern, Blue, Bill Mack, 1966


etc. :cool:
 
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Wieso sollte man "Nobody knows you when you are down and out" und "Georgia on my Mind" als Blues bezeichnen?
Man kann diese Titel - wie auch viele andere - wirklich bluesy spielen, aber sie unterliegen keiner 8-taktigen Blues-Form.
 
Wieso sollte man "Nobody knows you when you are down and out" und "Georgia on my Mind" als Blues bezeichnen?
Man kann diese Titel - wie auch viele andere - wirklich bluesy spielen, aber sie unterliegen keiner 8-taktigen Blues-Form.

Streng genommen hast Du sicher Recht. Ich habe ja vorab auch den Ursprung etwas skizziert. Aber die berühmten Bluesmen wie B.B.King
haben diese Stücke als Blues bezeichnet und als Blues gespielt. Ich würde auch behaupten, richtig gut klingen diese Stücke in den meisten
heutigen Ohren auch nur, wenn sie als Blues gespielt werden.

Wer 8-taktige Basis-Blues Progressions sehen will, kann sie z.B. auf Wikipedia finden:
https://en.wikipedia.org/wiki/Eight-bar_blues

Aber auch da wird weiter unten auf diese Variante hingewiesen, die Du nicht als Blues sehen willst.

Aint' Nobody's Business wurde damals als Blues gesehen und als solcher auch gespielt...
https://en.wikipedia.org/wiki/Ain't_Nobody's_Business

In den heutigen Ohren muss das gar nicht so sehr nach Blues klingen, was man damals aber auch
schon so bezeichnet hat. Erst die späteren Bluesmen haben das dann so gespielt, wie heute ein Blues
klingen sollte.

Aint' Nobody's Business wurde als Blues von B.B.King berühmt und dann war es halt auch einer...
und so gefällt er mir auch, kam in meine Liste und wird so von mir auch weitergegeben...
Der entspricht ja fast dem Georgia oder dem Nobody knows you...
 
Sehr schöne Beispiele, Frank!

Und eines steht fest: der "Bell Bottom Blues" ist völlig verkitscht - ich kann nur den Anfang ertragen. :D

Tja, viele in Übersee bezeichnen bluesy gespielte Stücke oder auch nur Lieder mit traurigem Text oder vielleicht ein paar Blueslicks als Blues. Wir hier arbeiten freilich mit einem knallharten Kriterium und können deshalb unterscheiden :)

Frank, grandiose "Blues"-Interpretation von Clapton:

 
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Ich würde auch behaupten, richtig gut klingen diese Stücke in den meisten heutigen Ohren auch nur, wenn sie als Blues gespielt werden.

Zirkeldefinition.
Wie soll man etwas "als Blues" spielen, wenn die Form dem entgegensteht ?

Und überhaupt fürchte ich, daß wir da in sehr konfliktträchtiges Fahrwasser geraten. Der am wildesten umstrittene Begriff in der ganzen Musikmacherei (und auch hier in diesem Forum) ist wohl der des BLUES.
Für die einen (zu denen ich mich auch zähle) sollte man nur dann von Blues sprechen, wenn die Bluesform berücksichtigt ist.
Für die zweiten muß unbedingt eine Gitarre mitspielen .... sonst ist das nie und nimmer Blues.
Die dritten hängen sich am gehäuften Auftauchen von Bluenotes auf, und die vierten lassen nur Musikstücke mit möglichst weinerlichem und unsauberem Gesang gelten.
Und die rhythmisch orientierten Exoten müssen den 6/8-Takt haben ... weil ohne den geht kein Blues.

Ich meine (mittlerweile), wenn man über Blues sprechen will, dann sollte man vorher definieren, um WELCHEN konkreten Teilaspekt es einem geht. Ansonsten sind Konflikte vorprogrammiert.

LG
Thomas
 
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Und die rhythmisch orientierten Exoten müssen den 6/8-Takt haben ... weil ohne den geht kein Blues.
Schunkel-Blues? :D
Oder doch lieber 12/8-Takt bzw. triolische Achtel im 4/4...

Gruß Claus
 
Die Tänzer kennen dann noch den Stehblues ... :ugly:
 
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Frank, grandiose "Blues"-Interpretation von Clapton:

Ja gefällt mir auch sehr gut....danke...ist sicher auch von den Harmonien sehr interessant.
Ungeübtere Zuhörer werden den vermutlich auch gar nicht als Blues erkennen.
Geübte den vielleicht auch gar nicht als Blues anerkennen wollen.
Ich sehe ihn als Blues, ist aber irgendwie auch grenzwertig. Das mache ich an meinem Gefühl fest.

Natürlich ist Clapton ein grandioser Musiker und Gitarrist. Ich mag seine reine Blues-CD "From the Cradle"
eigentlich ganz gerne.

Clapton hat aber oft so eine distanzierte Art den Blues zu spielen. Das wird ihm sicher zu Recht vorgeworfen.
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
Zirkeldefinition.
Wie soll man etwas "als Blues" spielen, wenn die Form dem entgegensteht ?
...
Ich meine (mittlerweile), wenn man über Blues sprechen will, dann sollte man vorher definieren, um WELCHEN konkreten Teilaspekt es einem geht. Ansonsten sind Konflikte vorprogrammiert....
Nun ja, ist natürlich der Harmonielehre-Bereich des Forums hier. Da kann man schon einmal Formalismen entscheiden lassen.
Und immer wieder interessant auf welche Pfade man gebracht wird, womit man vorab gar nicht rechnet...

Ich habe B.B.King bei uns live erleben dürfen, ich glaube 1996 war es. Sicher hat er da auch "Aint' nobody's Business" gespielt.
Ihm da als Deutscher kühl ins Gesicht zu sagen: "det is keen Blues weil andere Progräschän...", da hätte er wohl nur milde gelächelt...

oder dieses ganze John Lee Hooker Zeugs, der ja oft auf nur einem Akkord herum geigt, soll auch alles kein Blues sein?

Ich lasse da mein Gefühl entscheiden, was ich als Blues sehe. Das hängt bei mir davon ab, wer das spielt und wie der das spielt.
Das Akkord-Schema hat dabei noch ziemliche Freiheiten...

Auch da bin ich ja kein Querdenker, sondern sicher mit den meisten Blues-Fans konform...
 
Dieser ganze Thread widerspricht den Eigenschaften des Blues.
Blues sollte aus der Seele kommen nicht aus der Musiktheorie.
 
Blues sollte aus der Seele kommen nicht aus der Musiktheorie.

Einer meiner allerliebsten Stehsätze ...

Natürlich soll Blues aus der Seele kommen ... das trifft aber für JEDE andere Art von Musik genauso zu.

Davon abgesehen kann man auch den seelischen Output analysieren, systematisieren und besprechen.

LG
Thomas
 
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Dieser ganze Thread widerspricht den Eigenschaften des Blues.
Blues sollte aus der Seele kommen nicht aus der Musiktheorie.

Das ist jetzt gerade wieder das andere Extrem der Meinungen. Nur mit Seele kann man halt leider auch keine gute Musik machen...
Der Musiker muss schon eine ziemlich genaue Vorstellung von dem haben, was er da spielen will...also auch von den Akkordfolgen.
Sobald Akkordfolgen da sind, kann man die auch analysieren. Ob das notwendig ist, sei mal dahin gestellt, vermutlich nicht...

ich selbst finde z.B. das Schrumm-Schrumm von Hooker manchmal schon als ein wenig peinlich...aber sicher ist das Blues
mit viel Seele, leider oft mit zu wenig Substanz, bei Leuten wie mir dann mit automatischem Fremdschämen beim Hören verbunden...

Du hättest besser einen anderen Begriff als Seele verwendet, ein bestimmtes Gefühl für den Blues und seine Themen sollte
vorhanden sein, eben das "Blues-Feeling". Aber eben auch nicht nur das.
 
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Dieser ganze Thread widerspricht den Eigenschaften des Blues.
Blues sollte aus der Seele kommen nicht aus der Musiktheorie.

Ich bestreite die Existenz dessen, was Du Seele nennst, sorry.

Neben der Definition, dass ein Blues in Takt fünf zwingend die Subdominante bringen muss, existiert m.E. eine, die nicht selten als Kriterium "Bauchgefühl", neudeutsch für Intuition, nennt, sich aber, soweit ich sehe, einfach an einer Dur-Moll-Vermischung allein durch moll- und dur-pentatonisches Skalenmaterial + blue notes orientiert. So gelingt die Abgrenzung zur Pop- und Rockmusik einerseits und zum Jazz andererseits ohne weitere Formkriterien und erlaubt auch Moll-Tonarten und über die gängigen Blues-Schemata hinausgehende Progräschäns. Oder irre ich mich? :D
 
Ich bestreite die Existenz dessen, was Du Seele nennst, sorry.

Neben der Definition, dass ein Blues in Takt fünf zwingend die Subdominante bringen muss...

Mir ist da gerade wieder dieses Wort "Blues-Feeling" eingefallen, das ist besser als das schlecht greifbare Wort Seele.
Wer noch nicht in die Niederungen der menschlichen Existenz geblickt hat und sich nicht gefühlsmäßig in diese Situationen
hineinversetzen kann, kann keinen guten Blues spielen. Ich vermute, dass das gerade die Sache ist, die dem Clapton
mitunter schwer fällt.

Sikora, dessen Blues-Kapitel mich nicht so sehr begeistert, hat das ganz gut beschrieben mit dem Teil "How to sing the Blues"
am Ende seiner Ausführungen über den Blues, wo er eine ältere Quelle zitiert, über die man schmunzeln kann...

Nur ein kurzes Zitat daraus:
"Do you have the right to sing the Blues?
YES, if:
a.) you are older than dirt
b.) you are blind
c.) you shot a man in Memphis
d.) you can't be satisfied

NO, if:
a.) you have all your teeth
b.) you were once blind but now you can see
c.) the man in Memphis lived
d.) you have a retirement plan or trust fund"

so geht dieses ganze Kapitel...das Ganze hat schon was für sich...

Das mit der Subdominante in Takt 5 ist übrigens beim 8-Takt-Blues auch keine Grundanforderung mehr,
siehe da auch die Basis-Progressions in dem Wikipedia-Artikel: https://en.wikipedia.org/wiki/Eight-bar_blues
 
Wer noch nicht in die Niederungen der menschlichen Existenz geblickt hat und sich nicht gefühlsmäßig in diese Situationen
hineinversetzen kann, kann keinen guten Blues spielen. Ich vermute, dass das gerade die Sache ist, die dem Clapton
mitunter schwer fällt.

Clapton hat aber zwei handfeste Suchterkrankungen hinter sich, oder gilt das nicht? Hier ist einer, der's trotz mangels an Schicksalsschlägen kann:



Intro und Solo ab 3:00...
 
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Was passiert, wenn du den Blues rückwärts spielt?

Deine Frau kommt zu dir zurück, dein Hund wird wieder lebendig und du kommst wieder aus dem Knast raus...

Aber das geht nur beim 12-taktigen Blues. Ohne Subdominante im 5. Takt wird das nix.

Er blies bloß Blues.​
 
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Ok, also Subdominante in Takt 8.

12 - 11 - 10 - 9 - A7
 

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