Lustigerweise wird er dann oft von jüngerem Publikum auf den Moog angesprochen, die fragen ihn als, wieso er denn so nen pobligen Billig-Synthi aus der Steinzeit dabei hätte
Hallo Daniel,
Du kannst Dir nicht vorstellen, welche Heiterkeit alleine mein Leslie schon hervorgerufen hat. Das ging von den bekannten Steinzeit-Kommentaren über Möbelpackerwitze bis zu: "Was ist denn das? Habt ihr einen Plattenspieler dabei?" Gut, ich habe die Blende entfernt, daß man sehen kann, wie sich das Horn dreht - aber auf "Plattenspieler" (!?) zu kommen, finde ich schon etwas abstrus...
In den 90ern bin ich auf meinen Kurzweil K2500 angesprochen worden. Alle Insider (siehe Martmans Posting) wissen, daß es sich um Überflieger in jeder Hinsicht handelte (preislich wie leistungsmäßig), die der japanischen Konkurrenz im Grunde weit überlegen waren, aber nicht eben einen in der breiten Bevölkerung bekannten Markennamen hatten.
Also wurde ich tatsächlich gefragt (es war kein Keyboarder): "Was ist denn das? Hättest du für das Geld nicht schon was Gescheites von Yamaha oder Korg oder so bekommen?"
Zum Thema Korea: "Made in Korea" gebietet bei Keyboardern Ehrfurcht. Es war nämlich die südkoreanische Pianoschmiede Young Chang, die mit ihren Kurzweil-Überfliegerworkstations (zu Überfliegerpreisen) in den 90ern der versammelten etablierten japanischen Konkurrenz in den Hintern getreten ist. [...]
Ja, aber abgesehen davon, daß Young Chang ein koreanischer Konzern ist, blieb doch die Entwicklung (und auch die Produktion?) in den USA. Genauso, wie Bösendorfer immer noch (Gott sei Dank!) in Österreicht sitzt, entwickelt und produziert, obwohl sie mittlerweile zu Yamaha gehören.
Markennamen werden doch heute von einer Heuschrecke an die nächste Heuschrecke verkauft und sind nichts weiter als eine beliebige Handelsware...
Klar gibt es auch Rack-Geräte, aber wenn da einer mit einem saugeilen Hammond Sound von der Bühne rotzt und ich aus dem Publikum nicht erkennen kann, woher der kommt, dann bekomm ich die Krise

Geht das Euch nicht auch so, man hört einen Sound und muss wissen, aus welcher Maschine der kommt?
Ja, geht mir genauso, klar! Ist ja auch irgendwie des Keyboarders Brot, herauszufinden, wie ein Sound, der ihm gefällt, zustandekommt.
Was allerdings das Erkennen von Geräten trotz abgeklebtem Logo betrifft, finde ich es zum Beispiel recht schwierig, die üblichen einmanualigen Hammond-Clones zu unterscheiden, wenn man nicht das Bedienfeld/die Zugriegel sehen kann.
Die haben alle die gleiche Breite, sind schwarz (ja, ja, eine Rottanne aus dem hohen Norden erkenne ich schon) und Holz-Seitenteile mit B3-ähnlicher "Stufe". Waterfall-Tastatur hat sich auch eingebürgert. Was unterscheidet also eine Viscount/Oberheim DB-irgendewas von einer Hammond-Suzuki X-tralala oder Korg CX (alt oder neu), Roland VK, was gibt's noch?
Vom Augenschein und nur von hinten hätte ich da Probleme, die Biester zu erkennen, wenn das Logo abgeklebt ist.
Die Hammond New B-3 würde sicherlich keiner kaufen, wenn sie sich nicht wie eine Original-B-3 anhören würde.
Äh, kauft einer eine New B3? Und selbst, wenn sie sich so anhörte, wie eine echte B3, dann ist sie auch genauso unhandlich (auf die paar Kilo kommt es nicht mehr an) und kostet ein Vielfaches des Originals.
Man könnte natürlich sagen, die neuen Geräte sind zuverlässiger, aber sogar das bezweifle ich.
Die alte Technik ist robust und relativ einfach zu warten (jedenfalls einfacher, als in 30 Jahren einen passende Hammond-Suzuki-Platine zu bekommen). 'ne Röhre ist auch schnell mal ausgetauscht.
Die alten Hammonds waren noch von Ingenieuren und für die Ewigkeit gebaut. Irgendwann kamen die Controller wie ein Krebsgeschwür (das fing schon früh an, als z. B. die Maschinenschrauben zum Justieren der Pedale durch billigere Schrauben mit Holzgewinde ersetzt wurden, die irgendwann ausreißen, aber ein paar Cent sparen).
Ich bin überzeugt, daß eine heutige Vintage-B3 noch eine längere Lebenserwartung hat als eine New B3.
Außerdem ist das eine der genannten Kopien (nur eben alles andere als eine Billig-Kopie

)
Viele Grüße
Torsten