Amorphis / Silent Waters / 2007 / CD

von The Dude, 13.11.07.

  1. The Dude

    The Dude HCA Bassbau HCA HFU

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    Erstellt: 13.11.07   #1
    Amorphis – Silent Waters


    [​IMG]


    Erscheinungsjahr: 2007

    Spieldauer: ca. 47 Minuten

    Tracklist:

    1. Weaving The Incantation
    2. A Servant
    3. Silent Waters
    4. Towards And Against
    5. I Of Crimson Blood
    6. Her Alone
    7. Enigma
    8. Shaman
    9. The White Swan
    10. Black River
    11. Sign (Bonustrack, nur auf Digi)


    Review:

    Immer wenn ein neues Album dieser Band erscheint kribbelt es gewaltig in meinen Fingern. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Amorphis immer für eine Überraschung gut sind und man sich nie sicher sein kann in welche Richtung das neue Album geht.
    Bei Motörhead weiß ich, es gibt was auf die Zwölf. Lemmy bellt und schrammelt Powerchords auf seinem Bass, Mikkey Dee verdrischt seine Kessel bis zum Zerbersten und Phil Campbell hat ne Mütze auf.....
    Zugegeben, auch das hat was für sich, doch ist Berechenbarkeit etwas, vom dem Amorphis stets Abstand hielten und somit auch ihren Stil nie über zwei Alben hinweg exakt gleich hielten.
    Rechnen wir also zwei Alben zurück. Da war 2003 „Far From The Sun“, ein rockiges, leicht psychadelisches Album mit seichten Melodien und eher zurückhaltendem Temperament.
    2006 gab es dann das großartige „Eclipse“, welches vor allem durch den neuen Sänger und die Rückkehr zu alten Metal-Wurzeln zu überzeugen wusste und sich gänzlich von „Far From The Sun“ unterschied.
    Doch was ist nun mit dem Neuling „Silent Waters“? Stimmt die 2-Alben-Regel, so würden wir es mit einem Album zu tun haben, das „Eclipse“ ähnelt und so ist es tatsächlich auch.
    „Silent Waters“ schlägt, was die Ausrichtung angeht in die selbe Kerbe wie sein Vorgänger, allerdings mit etwas komplexeren Songstrukturen, teils progressiven Elementen, und etwas mehr Tiefgang.
    Dennoch sind die Parallelen zum Vorgänger unüberhörbar. Anders als auf den Platten der späten Neunziger und den ersten Werken des neuen Jahrtausends, setzt man wieder verstärkt auf Brachialgewalt, tiefe Growls und schwere Riffs, das alles jedoch ohne die so amorphistypische Eleganz und Geschmeidigkeit vermissen zu lassen.
    Die Ausrichtung pendelt irgendwo zwischen Thousand Lakes und Eclipse, quasi eine Zeitreise quer durch die bisherige Diskographie, aus der man sich gezielt die Sahnestücke der jeweiligen Platten herausgepickt hat und sie gekonnt in neuen Songs in Szene setzt.
    Von Death-Metal durchsetzten Energiebündeln, wie den beiden ersten Stücken „Weaving The Incantation“ und „A Servant“ bis hin zu traumhaft schönen Balladen („Her Alone“) ist alles vertreten, was Amorphis zu der Band machen, die sie sind.
    Neu ist allerdings die Experimentierfreude mit elektronischen Klangkomponenten, wie man sie in „Towards And Against“ zu hören bekommt.
    Gewisse Assoziationen mit Paradise Lost zu „One Second“ Zeiten lassen sich hier nicht verbergen, jedoch fügt sich auch dieser Song gut ins Gesamtkonzept des Albums ein.
    Dass auch diesmal nicht auf Folkeinflüsse verzichten wurde ist quasi schon eine Selbstverständlichkeit, dass sie allerdings mit „Enigma“ endlich wieder einen Song aufgenommen haben, der in die selbe Kerbe wie der Jahrhundertsong „My Kantele“ in der Akustikversion, vom 1996er Album „Elegy“ schlägt, erfreut sicherlich Heerscharen von alten Fans. Es sind diese außergewöhnlichen Songs, die einem Amorphis Album die Würze geben, das, wodurch sie sich von anderen Bands abheben und einen Wiedererkennungsfaktor besitzen, von dem die meisten Bands dieses Planeten nur träumen können.

    Dazu trägt auch die zweite große Stärke von Amorphis bei. Ganz egal in welchen stilistischen Gefilden sie sich gerade bewegten, schafften sie es, eine atemberaubende Atmosphäre zu erzeugen.
    Ein Album dieser Band war stets fesselnd, mitreißend und sehr intensiv. Ein Amorphis Album funktioniert immer nur als Ganzes, einzelne herausstechende Songs gab es wenige, doch war hier nicht der Song sondern das Album selbst der Hit.
    Vielleicht noch stärker als auf den jüngsten Vorgängern ist dies auch bei „Silent Waters“ der Fall. Von den ersten Takten an, beschleicht einen ein sonderbares Gefühl. Man will mehr haben, will dass das alles endlos weitergeht, giert nach der nächsten großartigen Passage und vergisst die Welt um sich herum.
    Obwohl es härtetechnisch nicht ohne zugeht, sind es hier wieder einmal mehr fantastische Melodien und Läufe, die die Faszination auf den Hörer ausüben. Schaurig schöne Harmonien gebaut auf zwar eingängigen, aber nicht poppig stupiden Rythmen, die jenseits aller Gothic-Metal/Rock Klischees einfach nur fesseln und begeistern.
    Alles was aus den Lautsprechen dringt klingt homogen, wie füreinander geschaffen, perfekt abgestimmt, einfach einzigartig und das obwohl sie Stilistiken aus unterschiedlichsten Genres miteinander kombinieren. Nun ist es ja kein Novum mehr, Metal mit Folk zu vereinen, jedoch ist und bleibt es eine Kunst diese beiden Stile zu einem homogenen Ganzen zu vereinen und nicht, wie man es leider immer wieder zu hören bekommt, nebeneinander her laufen lässt, ohne dass ein logischer Zusammenhang der einzelnen Passagen zu erkennen ist.
    Genau das, die Selbstverständlichkeit, mit der Amorphis diese Einflüsse in ihre Songs miteinbeziehen, die Gesamtheit, macht sie aus.
    Songs wie „I Of Crimson Blood“ verschmelzen gekonnt Folk mit Metal und teils auch orientalischen Einflüssen und klingen so typisch nach Amorphis, dass man innerhalb von Sekunden weiß, um welche Band es sich hier handelt, egal mit altem oder neuen Sänger.

    Wenn wir schon dabei sind möchte ich auch noch ein paar Worte über den zwar nun nicht mehr ganz so neuen Sänger Tomi Joutsen verlieren.
    Ich persönlich bleibe nach wie vor dabei, dass Pasi Koskinen für mich eines der Aushängeschilder von Amorphis war, jedoch muss auch ich zugeben, dass die Gesangsleistung von Tomi auf „Silent Waters“ Pasi schon fast vergessen macht.
    Die vielseitige, kraftvolle und dunkle Stimme von Tomi verleiht den Songs, wenn auch auf eine andere Art und Weise wie es bei Pasi der Fall war, noch mehr Charakter als sie sowieso schon besitzen und man kann nur anerkennend den Hut vor Herrn Joutsen ziehen.
    Egal ob er growlt (und das tut er verdammt oft auf „Silent Waters“, was nicht wenigen Fans ein dickes Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte) oder mit seiner dunklen Cleanstimme singt, schafft er es zu beeindrucken, teilweise sogar eine echte Gänsehaut zu erzeugen.
    Was die Instrumentalfraktion angeht muss ich nicht viele Worte verlieren. Wir haben es hier absolut nicht mit Anfängern zu tun, sondern mit Leuten, die ihr Instrument beherrschen und dies auch gerne mal zeigen. Jedoch artet dies nie in endlose Soloeskapaden aus und macht deutlich, dass es den Jungs nicht um ihr Ego, sondern um die Musik als solche geht.
    Hier und da ist schon mal ein kleines Schmankerl versteckt, aber das wirklich Schöne bei der Sache ist einfach, dass es stets zum Stück passt und nicht einfach ein Solo um des Solos Willen ist.

    Fazit:

    Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ein großer Fan dieser Band bin und auch mit Werken wie „Tuonela“, „Am Universum“ oder „Far From The Sun“ etwas anfangen konnte. Dennoch hätte ich einen solchen Geniestreich nicht erwartet. Was Amorphis mit „Silent Waters“ abliefern gehört zum Besten, was diese Band jemals veröffentlicht hat und die Messlatte hierfür liegt wahrlich nicht niedrig.
    Dieses Album ist in seiner Gesamtheit einfach großartig, hat die richtige Mischung aus Härte, Melodie, Folk, Detailreichtum und spielerischer Klasse, die man für ein zeitloses Stück Musik braucht und ist für mich persönlich eines der wenigen Highlights dieses Jahres.
    Obwohl schon der direkte Vorgänger „Eclipse“ ein dicker Brocken war, schafften Amorphis es, sich nochmals zu steigern und eine Platte aufzunehmen, die sich gefährlich nahe im Bereich der Perfektion bewegt.
    Sicher ist das alles nicht immer lupenrein objektiv von mir betrachtet, aber ich kann nicht anders als meiner Begeisterung freien Lauf zu lassen und für „Silent Waters“ die Höchstpunktzahl vergeben.

    Wertung: 10/10
     
  2. msoada

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    Erstellt: 29.11.07   #2
    Sehr gutes Review und eine noch bessere Platte.

    Amorphis ist wieder so eine Band, die voll aus meinem Beuteschema raufällt, vielleicht aber gerade dadurch ihren Reiz hat. "Silent Waters" ist wieder ein absoluter Höhepunkt in diesem Jahr geworden und hat zum Vorgänger "Eclipse" noch mehr stärkere Momente, mein ich. Die will ich nu nicht aufzählen, steht ja alles schon über mir geschrieben. ;)

    Nach "Am Universum" mein lieblings Amorphis Album!
     
  3. Lavalampe

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    Erstellt: 17.03.08   #3
    Mein Amorphis Liebling ist und bleibt allerdings Eclipse. Silent Waters ist auch sehr gut geworden, allerdings fehlen mir 1-2 wirkliche Kracher wie man sie auf Eclipse findet (The Smoke, House of Sleep, Stonewoman, ...)

    Ansonsten gutes Review :)
     
  4. Peegee

    Peegee Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 17.04.08   #4
    Eiverdummich.....

    Nicht nur, dass mir dein tolles Review entgangen ist.....NEIN!!! ich habe nich mal mitbekommen, dass eine meiner Lieblingsbands eine neue Scheibe rausgebracht hat.

    *selbst ohrfeig*

    Besser als Tuonela, oder gar Elegy? :eek:
     
  5. The Dude

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    Erstellt: 18.04.08   #5
    Schwer zu sagen. Wenn Amorphis zu deinen Lieblingsbands zählen, dann weißt du ja selbst, dass es nicht ganz einfach ist Amorphisplatten untereinander zu vergleichen.
    Silent Waters ist auf jeden Fall anders als die beiden genannten Alben.

    Wobei doch die ein oder andere Parallele zu Elegy rauszuhören ist.
    Kurz: Ich kann's nicht sagen. Weniger gefallen tuts mir jedenfalls nicht als Tuonela und Elegy.

    Als Amorphis-Fan wirst du aber ganz sicher nicht enttäuscht werden.;)
     
  6. Peegee

    Peegee Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 15.07.08   #6
    Ich hab´s endlich geschafft!
    Die CD steht zuhause und ich bin begeistert.
    Ich hätte aber nicht die volle Punktzahl gegeben.
    Ein - zwei Songs sind dann doch nicht sooo der Bringer.
    Aber trotzdem vielen Dank für den Tipp; eine klasse Scheibe ist es allemal. :great:
     
  7. The Dude

    The Dude Threadersteller HCA Bassbau HCA HFU

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    Erstellt: 15.07.08   #7
    Sicherlich sieht das jeder etwas anders. Was für den einen ein klasssicher "Füller" ist, gefällt dem anderen außerordentlich gut usw.
    Ich hab ja auch geschrieben, dass ich nicht immer objektiv geblieben bin, dennoch (und da sind wir uns ja einig) ist es ein richtig gutes Album.

    Viel Spaß noch mit der Scheibe und besten Dank! :)
     
  8. Nordwolf

    Nordwolf Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.09.08   #8
    Das Review hat mich doch gleich mal dazu veranlasst, mir das Ganze mal anzuhören, und ich muss sagen....ich bin sprachlos begeistert.....

    Sowohl von den Instrumentalisten als auch besonders vom Sänger und dem Konzept der einzelnen Songs sowie dem Album.

    Jetzt muss ich das Ganze nur noch auf Vinyl ergattern und dann bin ich glücklich.^^
     
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