Ich wurde gerufen
Naja, ein Gitarrencombo ist ja auch ein Wenig anders konzipiert als ein Roehrenradio - ich denke bei nem Gitarrenamp rechnet man schon damit, dass der vielleicht mit nem Pedal angeblasen wird...
Das siehst du aus der Sicht eines Musikers richtig, aus technischer Sicht ist das aber falsch. Die Problematik ist, dass es in praktisch keinem Verstärker eine Schutzschaltung gegen zu hohe Stromaufnahme der Endstufe gibt, besonders bei kleinen Eintaktern ist das der Knackpunkt. Weiteres weiter unten
Wie darf ich das denn verstehen? Werden die Bauteile dann plötzlich größer und Leistungsstärker
Nein, aber du hast eine gewisse Grenze, bis zu der hin sicherer Betrieb gewährleistet werden kann. Der Bereich dahinter müsste durch Schutzschaltungen abgeriegelt werden, die bei einem Röhrenamp wie schon erwähnt praktisch nie vorhanden sind.
Die Endstufe bringt halt das, was sie maximal leisten kann, und lässt sich dadurch auch nicht durch einen Booster beeindrucken. Das müsstet du mir schon bitte technisch mal erläutern, was da dem Amp gefärden soll.
Technische Erläuterung? Okay. Nehmen wir mal eine kleine Eintaktendstufe mit einer EL84 und einer Ausgangsleistung von 5W. Wir fahren in Klasse A, das heißt wir haben in Ruhe bereits die Anodenverlustleistung von 12W voll ausgeschöpft. Im linearen Bereich der Endstufe bewegen wir uns somit immer unterhalb der zulässigen Verlustleistung von 12W, was soweit auch okay ist.
Das Problem ist, dass die Röhre einen gewissen Punkt (Steuergitterspannung) hat, ab der sie in die Sättigung kommt, sprich das Verhältnis von Gitterspannungsänderung zu Anodenstrom wird nichtlinear.
Die Anodenspannung ist zu dem Zeitpunkt der Sättigung relativ gering. Beschleunigt man nun durch zu hohe Gitterspannung zu viele Elektronen von der Kathode weg, dann landen die am Schirmgitter, was durch dieses Elektronenbombardement heiß wird. Diese Stromübernahme von der Anode aufs Schirmgitter verursacht eine Überlastung desselben, wodurch es zu glühen beginnt und irgendwann in der Röhre runtertropft...nicht gut.
Ein anderes Problem ist, dass die Anode durch die Übersteuerung lange in diesem Bereich verbleibt, in dem der Strom relativ groß ist, was unter Umständen auch zur Überlastung führen kann.
Wenn da etwas passiert, ist das ein klarer Garantiefall, da die Verwendung mit einem vorgeschalteten Booster/Overdrive absolut einen sachüblichen Gebrauch darstellt.
Naja, dein Auto hat sicher einen Drehzahlmesser. Nur weil der bis 6000 geht, muss man da oben sicherlich nicht fahren. Und wenn du das tust, dann wird keiner die Haftung dafür übernehmen, dass es dir den Motor zerreißt, das ist eine Frage der Intelligenz des Anwenders.
Es ist aber ein großer Unterschied zwischen "klingt wohl eher nicht" und "macht den Amp kaputt" vorhanden.
Eben...ich denke, dass der Unterschied nun klar geworden sein sollte.
Einen Verstärker mit Mastervolume zu boosten ist kein Problem, nur wenn eben dieses Poti fehlt, dann sättigt man die Endstufe. Wenn der Entwickler des Gerätes keine Sorge getroffen hat, dass die letzte Stufe vor der Endröhre vor dieser sättigt bzw. durch falsche Beschaltung derselben eine zu hohe Aussteuerung der Endröhre nicht verhindert wird, dann kann und wird es zu Schäden in der Endröhre kommen, meist durch Schirmgitterüberlastung, teils auch durch Überlastung des Steuergitters.
Ich kenne keinen kleinen Verstärker, bei dem eine ernstzunehmende Überlastung der Endröhre schaltungstechnisch verhindert wird, wenn man einen Booster davorklemmt. Lediglich bei den alten Marshalls ist es oft so, dass die Phasenumkehrstufe vor der Endstufe sättigt (das bezeichnen viele irrtümlich als "Endstufenzerre"), wodurch eine Überlastung der Endröhren in gewissen Grenzen verhindert wird. Abfackeln kann man die Röhren trotzdem.
Fazit: Extremes Boosten vor einem EVJ oder ähnlichem Amp (bzw auch vielen anderen) ist für die Endröhre der sichere "Highway to hell". (Highway nur deswegen, weil Transrapid von der Geschwindigkeit her passt, aber den Sound bringt der nicht...)
MfG OneStone