Ist der Stramp 2100A ein
Marshall Clone? - Ja!
Während in Wikipedia steht „Marshall 1959 was produced from 1965 to 1976“ mit Bezug auf Blue Book of Guitar Amplifiers, Zachary R. (2008). Blue Book of Guitar Amplifiers. Vol. 3. Alfred Music. pp. 335–36, wird in The History Of Marshall - The First Fifty Years, Michael Doyle & Nick Bowcott (2013) auf Seite 133 für die Originalversion (im Gegensatz zu Reissues) 1966 – 81 aufgeführt. Bei dem von Uwe R. bzw. Stratomano im Forum abgebildeten Schaltplan „Type #2 C. 1967“ handelt es sich laut Doyle & Bowcott 2013, Seite 130 um Model 1959 Version 6, laut Seite 129 „JMP Superleads with new Power Supply, Last Superleads with Old Preamp (Late 1967)“. Dass es sich bei dem Schaltplan im Forum nicht um das Modell 1967 (Major Lead mit 200 Watt) handelt, ist leicht daran erkennbar, dass auf dem Schaltplan „100 Watt Amplifier“ steht. Der im Forum abgebildete Schaltplan für Modell 1959 ist dagegen von July 1970. Da bereits für das negative Feedback als Widerstand 100k eingetragen sind, handelt es sich wahrscheinlich um Model 1959 Version 10 („End of Plexis: Aluminium Panel Era“ 1969 – , Doyle & Bowcott 2013, Seite 132). Demnach entsprechen die beiden im Forum abgebildeten Schaltbilder nicht unterschiedlichen Marshall-Modellen, sondern unterschiedlichen Versionen des Marshall-Modells 1959 aus verschiedenen Jahren. Daher sprechen die Unterschiede bezüglich Stramp 2100A nicht für einen Mix aus verschiedenen Marshall-Modellen, sondern für einen Mix unterschiedlicher Marshall Model 1959-Versionen.
Die Standby-Schaltung beim Stramp 2100 A ist zwar völlig anders als bei Marshall – das dürfte jedoch keinen Einfluss auf den Klang haben. Der Widerstand fürs negative Feedback im 1967er Marshall-Schaltplan fehlt übrigens nicht: Er ist mit 27k eingezeichnet (dieser Wert entspricht dem
Fender Bassman 5F6A und damit früheren Marshalls wie z. B. JTM 1959T), allerdings ein klein wenig tiefer im Bild.
Dass unterschiedliche Netzteiltrafos und Ausgangsübertrager zu unterschiedlichem Sound führen können, dürfte klar sein – beim Marshall Model 1959 wurden über die Jahre aber auch nicht stets dieselben Trafos bzw. Übertrager verwendet: so hatte beispielsweise Version 6 bzw. 7 „slightly smaller transformers“ gegenüber den Vorversionen, die Herstellerfirmen wechselten (Hammertone Radiospares, Drake, Dagnall) und es wurden im Verlauf auch verschiedene Modelle desselben Herstellers verbaut (Doyle & 2013, Seite 123 - 132).
Statt Choke im Marshall wird im Stramp ein Leistungswiderstand verwendet. Wie groß der Unterschied bezüglich ripple rejection und screen supply sag dadurch ist, vermag ich nicht zu sagen. Und ob das Netzteil im Stramp ‚besser‘ ist als im Marshall 1959, kommt ganz drauf an, welchen Sound bzw. welches Spielgefühl man mag.
Insgesamt hat Marshall in der laufenden Produktion immer wieder eine Menge Teile ausgetauscht und ‚Upgrades‘ vorgenommen bei Amp-Modellen, die über mehrere Jahre produziert wurden. Zudem wurden (wie bei anderen Herstellern auch) je nach Verfügbarkeit auch Bauteile mit anderen Werten als in den Schaltplänen angegeben verwendet.
Das Klonen eines Verstärkermodells nach Schaltplan ist eine Möglichkeit, die tatsächlichen Werte der einzelnen Widerstände, Kondensatoren und anderen Bauteile eines einzelnen Verstärkers oder mehrerer desselben Modells zu messen und die Bauteile danach für den Nachbau auszuwählen, eine andere.
Aus meiner Sicht kann daher der Stramp 2100A durchaus als Clone eines Marshall 1959 gesehen werden.