Artikulation / Interpretation

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Hallöle,

lach ..ich merke ich habe wieder meine Fragephase. Aber mit neuen Kritiken, Selbstwahrnehmungen und Erkenntnissen stellen diese sich auch immer wieder ein:D

Daher wollte ich Euch mal folgendes fragen, bzw. mal wissen ob ich mit meiner Meinung richtig liege. Denn dann weiß ich natürlich worauf ich künftig hin zu achten habe.

Also, meine englischen Texte werden immer wieder mal belächelt. Meine Artikulation sei zu sauber, bzw. zu sehr gemacht oder vielleicht zu deutsch:rolleyes:
Jetzt habe ich mir überlegt, ob es daran liegen könnte, dass ich in meinem Klassikunterricht darauf trainiert werde, dass jeder Vokal seine Berechtigung zum Klingen hat. Ich denke in Popsongs wird gerne mal was verschlungen um auch den entsprechenden Akzent setzen zu können. Lieg ich da richtig? Darf ich in modernen Songs nicht jeden Vokal aussingen? Macht das vielleicht den großen Unterschied aus?

Ich weiß, vielleicht doofe Frage...wäre aber dennoch lieb, wenn Ihr mir da was zu schreiben könntet.

Grüß Euch lieb
Marion
 
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Popsongs sind natürlich (auch) von lokalen/regionalen Einfärbungen betroffen.

Hör dir mal einige ältere Songs von Robbie Willimans an - zB Strong.

Er spricht das Wort young sehr hart, fast im Cockney aus, fast wie "YanK" ...

Was ich damit sagen will:

Es kann zum einen natürlich daran liegen, dass du eine deutliche Artiklulation im klassischen Unterricht gelernt hast, die beim Popgesang zu "sauber" klingt.

Aber es kann durchaus zusätzlich ganz allgemein an deiner Englischen Ausprache liegen. Ich glaube nicht, dass man das allgemein beantworten kann. Ich weiß nicht, wie "abhängig" du von dem bist, was du im Unterricht gelernt hast und wie gut deine Phonetik im Englischen ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
"Also, meine englischen Texte werden immer wieder mal belächelt. Meine Artikulation sei zu sauber, bzw. zu sehr gemacht oder vielleicht zu deutsch:rolleyes:"

In jeder Sprache kann man einzelne Worte einzeln und getrennt von den anderen aussprechen. Das nennt man skandieren.
In den Umgangssprachen macht man das allerdings nur selten. Z. B. "Ich hab dir tausendmal gesagt, du sollst es sein lassen!!!" u.s.w. Normalerweise wird eine Sprache im Alltag aber gebunden gesprochen.
Jede Sprache hat ihre eigenen Binde-Gewohnheiten. Die sind untereinander nicht kompatibel. Wenn du jetzt einen englischen Text mit deiner deutschen Bindegewohnheit aussprichst, dann klingt das möglicherweise holperig und auf jeden Fall nicht flüssig. Ein deutscher Text würde aber flüssig klingen.
Du solltest bei Texten, die du lernst, sehr aufmerksam die Bindungen des Originals studieren.
So wird oft ein Vokal am Anfang einer Zeile mit einem stark verkümmerten Well oder Now eingeleitet. Oder es werden im englischen zwischen Worten von denen das vordere mit einem harten Konsonant aufhört und das nächste Wort auch mit einem Konsonanten anfängt, mit einem ganz kleinen, fast unhörbaren "a" getrennt. (Oder einem anderen Vokal...)
Beispiel: "Wake up Little Suzy" Da kommt zwischen des up und das little ein kaum hörbares a (englisch ausgesprochen). Der ganze Satz klingt dann schon so in Richtung "Wakeupalil Suzy".
Diese Bindungen machen insgesamt den Text geschmeidiger
 
Danke für Eure Antworten. Das hilft mir weiter mehr darauf zu achten. Ich höre eigentlich nie wirklich dem Originalsänger zu. Also ich meine..hören schon um die Melodie verstehen zu können / aber dann singe ich nur noch selbst. Das wird wohl mitunter der Fehler sein.

Werde mir Eure Ratschläge zu Herzen nehmen.

Danke
 
Das Zauberwort lautet Authentizität. Man muß es Dir abkaufen, sonst ist es nix wert. Kein Brite/Ami spricht so wie man es uns in der Schule oder in Kursen beibringt. Genauso wie kein Deutscher so spricht, wie es Auswärtige in Deutschkursen lernen. Versuch' doch mal so zu sprechen, daß jeder Vokal seine Berechtigung zum Klingen hat - wenn Dich die Leute dann komisch ankucken, weißt Du, daß Du nicht authentisch bist. Und beim Singen ist es genauso.
In der Klassik ist der Text wurscht, man versteht nicht mal was gesungen wird, wenn man das Libretto in der Hand hält und jedes Wort mitliest. Aber in anderen Stilen ist das nicht so, der Text ist wichtig. Er muß, genau wie sein Vortrag, mit dem Rest eine Einheit bilden, zusammenpassen. Ich finde es immer reichlich jämmerlich, wenn ich Sänger/innen höre, die einen (womöglich noch guten, emotionalen) Text vortragen wie deutsche Soldaten in amerikanischen Kriegsfilmen - da könnt' ich grad auf die Bühne brechen :igitt:

Als Sänger ist man immer ein Stück weit Schauspieler. Würdest Du einen Schauspieler gut finden, der völlig unglaubwürdig daherkommt? Wohl kaum.

Du brauchst nicht die Originalsängerin bis ins kleinste Detail nachahmen - obwohl das eine gute Übung sein kann - aber irgendwoher mußt Du Dir die Authentizität holen. Wenn es Dir ums Englische geht, umgib Dich mit Muttersprachlern. Kuck' Dir ab sofort alle Filme, Serien etc. im Original an (der Segen der DVD bzw. des Internets). Idealerweise unterhältst Du Dich regelmäßig mit Amis/Briten, ist heutzutage über's Netz auch kein Problem mehr. Das soll natürlich nicht Deinen klassischen Gesang einfärben (wenn Du auch klassisch singst), bedenke einfach, daß es zwei paar Schuhe sind.
 
In der Klassik ist der Text wurscht, man versteht nicht mal was gesungen wird, wenn man das Libretto in der Hand hält und jedes Wort mitliest.

Eigentlich - nein. Nein. Nein! Der Text ist, so rein theoretisch gesehen, genauso wichtig wie in den anderen Stilen (außer Rockmusik :p) auch. Nur fällt das leider all zu oft unter den Tisch, des "schönen" Klanges wegen :( Ich hab schon in mindestens drei Chören grad auch bei klassischen Stücken mitbekommen, wie viel Wert die jeweiligen Dirigenten auf die Aussprache gelegt haben bzw immer noch legen. Was dann die Sängerinnen davon umsetzen, ist wieder eine andere Frage :D

Mariönchen, dem Original tatsächlich zuhören ist so manches Mal hilfreich. Mein Mann hat mal gemeint, ich solle doch in Zukunft in Frankreich auf dem Markt singend einkaufen - die Aussprache sei dann besser ;) Das lag dran, dass ich "La vie en rose" einfach ziemlich oft sehr genau angehört hatte.
 
Vielleicht liegt es wirklich an meinem Schulenglisch. Ich sing künftig hin vielleicht mehr italienische Songs. :D
 
Englisch hat oft flachere Vokale als deutsch, und die englische Sprache sitzt weiter hinten. Das sind schonmal unterschiede.

Das große problem am "lernen" ist halt, dass man oft "gelernt" klingt, wenn man nicht aufpasst. Die Definition von Pop ist ja gerade die der "Unkultiviertheit". Je frischer von der Hüfte weg und je mehr Persönlichkeit, desto mehr isses Pop.
 
In jeder Sprache kann man einzelne Worte einzeln und getrennt von den anderen aussprechen: [...] Normalerweise wird eine Sprache im Alltag aber gebunden gesprochen.

Hier sollte man betonen, dass das Deutsche generell viel weniger gebunden wird als das Englische. Im Deutschen gibt es die sogenannte Ablautverhärtung. Das bedeutet, dass Wörter, die auf Konsonanten enden, auch klar mit diesem Konsonanten abgeschlossen werden und dieser dabei nicht "aufgeweicht" wird. Im Englischen ist das nicht so. Am deutlichsten ist das bei Plosivlauten (t, p, k). Die werden im Deutschen generell aspiriert - im Englisch an vielen Stellen nicht, darunter eben auch das Wortende. Das erlaubt einen gebunderen, weicheren Sprachfluss.
 
Ja das scheint mein gängigstes Problem zu sein. Meine englischen Wörter werden teilweise so hart ab und angesetzt..da ist kein Fluss. Aber gut..es scheint ja nicht viel mit dem klassischen Unterricht zu tun zu haben, sondern wirklich mehr an der eigenen englischen Aussprache. Wobei ich doch mal gelesen habe, dass eben wegen der englischen/amerikanischen Aussprache das Belten seine Berechtigung bekommen hat?????!!! Vielleicht auch Blödsinn..habe ich auf jeden Fall mal aufgeschnappt.
 
Hallo Mariönchen!
Ob die "Flüssigkeit" der englischen Sprache im Gesang irgendwie ursächlich mit dem Belting zusammenhängt, weiss ich nicht, aber, jeder hat schon oft gemerkt, dass es sich englisch in jedem Stil einfach flüssiger singen lässt als mit der deutschen Sprache. Das merken wir Normalsterblichen beim Singen selbst, aber die Sprachwissenschaft hat sich damit auch eingehend beschäftigt und hat sich die Wortlängen, das numerische Verhältnis von ein,- zwei- und mehrsilbigen Worten angesehen, die einzelnen Bindungsregeln, Betonungen und vieles mehr. Es scheint also einen realen Unterschied zwischen den beiden Spachen zu geben, der sich signifikant auf den Gesang auswirkt.
Wir sollten auch ganz klar sehen, dass Englisch die Weltsprache ist, nicht nur in der Musik. Das schafft Hörgewohnheiten.
Ganz richtig hat Foxx die Ablautverhärtung erwähnt, die gibt es im Englischen wohl nicht. das meinte ich übrigens mit den verschiedenen Bindungsgewohnheiten.

Aber mir ist noch eine andere Sache aufgefallen:
In Liedern von Dialektgruppen klingt die deutsche Sprache meiner Meinung nach viel flüssiger als im Hochdeutschen. Auch finde ich dass Falco in seinem österreichischen Stil unheimlich gut und flüssig bindet, obwohl sein Gesangsstil ein wenig gehetzt und abgehackt klingt.

Noch eins: Sing It sagt, dass es um den eigenen Ausdruck geht. Richtig. Wenn ich geschrieben habe, dass du die Bindungsweise der Originale studieren solltest, dann meinte ich ganz bestimmt nicht, dass du das nachäffen sollst! Du solltest nur lernen, wie die das machen. Das Nachäffen kannst du den Coverbands überlassen, wo kugelbäuchige, glatzköpfige End-50-er denken, sie sind der 25-jährige Mick Jagger!.
 
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Eigentlich - nein. Nein. Nein! Der Text ist, so rein theoretisch gesehen, genauso wichtig wie in den anderen Stilen (außer Rockmusik :p) auch.

Du magst durchaus richtig liegen - aber die Zauberworte in hier sind wohl ganz eindeutig "eigentlich" und "theoretisch" ;)
 
In der Klassik ist der Text wurscht.

Es ist mir ja schon öfter aufgefallen, dass es hier ab und zu User gibt, die ein bisschen abstruse Vorstellungen vom klassischen Singen haben.
Aber das mein lieber sing-it.de, ich muss es leider sagen, topt jetzt so ziemlich alles, was ich bis anhin je hier gelesen habe :rolleyes: Würde jemand in einem privaten Rahmen so was äussern, könnte man nur herzhaft lachen. Aber in einem Forum, wo auch viele unerfahrene Sänger/Anfänger dabei sind, darf das nicht unerwiedert bleiben. Und ich möchte es auch noch etwas drastischer ausdrücken als moniaqua es tat, weil: es könnte ja tatsächlich jemand glauben, was du da geschrieben hast sei korrekt :D (Und auch wenn die meisten hier schlussendlich nicht klassisch singen wollen, nehmen doch einige klassischen GU.)

Und "eigentlich" und "theoretisch" sind auch nicht die Schlüsselwörter! Denn: Im klassischen Gesang ist der Text enorm wichtig, ohne wenn und aber, immer und zu jeder Zeit, ohne Ausnahme, indiskutabel!!

Die Arbeit an der Aussprache ist ein ganz wichtiger Bestandteil beim erarbeiten eines Stückes. Meine GL zB. ist nie so unerbittlich und gnadenlos wie wenn es um Textverständlichkeit geht.
Des weiteren ist es für den richtigen gesanglichen Ausdruck essentiell zu wissen, was man singt, nicht nur in etwa, sondern wortgenau! Wenn der Text nicht deutsch ist (was bei mir in 90% der Stücke der Fall ist) muss da einiges an Zeit in Übersetzungsarbeit investiert werden.
Die Schönheit der Musik könnte einem natürlich schon mal dazu verführen, nur in den Tönen zu schwelgen und den Text zu "übersehen", aber seriöse künstlerische Arbeit ist das nicht!


man versteht nicht mal was gesungen wird, wenn man das Libretto in der Hand hält und jedes Wort mitliest.

Das kann bei Opern sicher mal passieren, bedeutet aber ganz und gar nicht, dass der Text deshalb egal ist! Es ist mit der klassischen Gesangstechnik (v.a für Frauenstimmen) aber nicht immer ganz einfach, es so zu bringen, dass auch auf dem hintersten Platz des Theaters jedes Wort verstanden wird. Gibt (normalerweise) auch kein Mikrofon zur Hilfe, es kann nicht technisch am Gesungenen herumgeschraubt werden.
Dass der Text auch in der Oper wichtig ist, sieht man daran, dass TV-Produktionen meist untertitelt sind und in gewissen Theatern der Text (in deutscher Übersetzung wenn nötig) digital mitläuft. Und bei jeder Opern-CD gibt es den Text als Beilage.

Und sing-it.de: du kannst sicher sein, dass sich jeder Opernsänger beim erarbeiten einer Partie sehr genau mit dem Text und der Aussprache auseinander setzt!
Und in anderen klassischen Bereichen ist das eh kein Thema: bei einem (guten) Liedsänger verstehst du problemlos jedes Wort, Lied ohne Textverständlichkeit ist ein absolutes No-go!

So das wurde jetzt etwas länger. Aber mich stören so unqualifizierte Aussagen halt schon. Muss sich ja niemand mit klassischem Gesang befassen, der das nicht will, aber wenn man in der Folge dann von einer Sache nichts versteht, sollte man mit Äusserungen dazu in einem öffentlichen Forum etwas vorsichtiger sein.
Wäre etwa so, wie wenn ich in einem Klassikforum schreiben würde: "Beim Popgesang ist es wurscht, ob der Sänger ein Gefühl für die Musik entwickelt, Hauptsache er schreit möglichst laut!"
 
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Das hat mich jetzt auch gewundert, denn meine Klassiklehrerin ist mir damals immer imaginär auf die Füße getreten, wenn ich den Text falsch ausspreche und schludere (mein Fokus lag auf Lied und gerade da ist ein Text der wie "öööh ööööh" klingt ein No-Go). In der Popmusik jedoch ist es erlaubt zu nuscheln und einen starken Akzent zu haben bzw. ist es nicht verboten. Deswegen liegt Popgesang näher an der Sprechsprache und klingt authentischer, weil die meisten Leute in Wirklichkeit keine perfekte Hochsprache sprechen, aber verständlicher wird der Text daduch nicht immer, im Gegenteil :D
 
Gut..mein Gedankengut ging ja halt auch in diese Richtung. Ich bin zwar noch nicht mit klassischen Stücken vertraut, aber dennoch üben wir uns in Wörtern. Und da ich jedes noch gesungene Wort absolut exakt zu artikulieren habe, sprich jedem Vokal seine absolute Berechtigung zum Klingen geben muss - ging meine Frage ja in die Richtung, ob dies der Grund dafür sein kann - englische Texte zu gestochen zu singen. Mann war jetzt ein langer Satz. Da ich ja noch zu den Anfängern gehöre, ist es für mich persönlich schon wichtig zu wissen ob das eine mit dem anderen zu tun hat - oder ich einfach nur ein schlechtes Englisch spreche:( Mein gesprochenes deutsch ist auch sehr akkurat in der Aussprache. Wenn ich gefühlt nach meinem Unterricht z.B. You love me singen müsste - käme ein Ju lof mi raus. U betonen, o und i. Wobei sich dies in einem Popsong vielleicht weicher und anstatt des letzten i's zu einem Ding zwischen i und e und nicht ganz unter Spannung ausleben würde. Versteht Ihr was ich in diesem Kauderwelch meine?
 
Wenn du "You love me" "Ju lof mi" aussprichst, dann liegt es wohl an deiner Aussprache. Je nachdem welche Englischsprachigen Vorbilder du hast, klingt "You love me" eher wie "Jellaf mey" oder so ähnlich, aber auf jedenfall nicht so Schulenglischmäßig wie "Ju lof mi".
 
@ Tonja + Vali:


Die Damen,

Ich weiß, wir sind in einem Internet-Forum - und da ereifert man sich gerne mal. Ich bin mir sicher, daß im klassischen Unterricht Wert auf den Text gelegt wird, das ist für meinen Punkt aber nur sehr bedingt relevant. Denn meine Aussage war, daß der Zuhörer den Text nicht versteht. Und damit meine ich den Laien. Ob Ihr selbst wißt, was Ihr singt - und ob es Euch etwas bedeutet - steht hier völlig außer Frage. Um es mal plump zu formulieren: wichtig ist, was hinten rauskommt. Und wenn der Zuhörer den Text nicht versteht, ist er wurscht. Und zwar ganz gleich, wieviel Arbeit auch immer drinstecken mag. Ich vertrete übrigens dieselbe Ansicht bei Popleutchen, deren Gesang man nicht versteht. Die "da-hackt-mal-wieder-ein-Banause-auf-der-Oper-rum-Karte" darf also getrost wieder eingesteckt werden :rolleyes:
Laßt uns einfach darüber einig sein, daß wir uns diesbezüglich nicht einig sind und den Thread nicht mit Gezänke zumüllen.

Ich glaube übrigens kaum, daß meine geäußerte Ansicht in irgendeiner Weise jugendgefährdend ist - und Du, verehrte Tonja, darfst auch gerne lauthals darüber lachen, alle anderen natürlich auch. Soll sich einfach jeder sein eigenes Bild machen.
 
@sing-it: Da du mich ja auch erwähnst, ich habe dir gar nichts vorgeworfen. Ich habe mich nur gewundert, weil ich das ganz anders im Ohr habe, auch schon bevor ich überhaupt einen Fuß in den Klassikunterricht gesetzt habe. Dass ich die Italienisch sprachigen Arien nicht verstehe, ist klar, denn ich kann kein Italienisch, aber da ist es egal, ob Klassik oder Pop. Eros Ramazotti versteh ich auch nicht. Bei Deutsch- und Englischsprachigen Stücken verstehe ich den Text jedoch gut. Die Zauberflöte haben wir in der Schulzeit schon durchgenommen und ich konnte die Texte gut verstehen. Allerdings muss man dazu noch sagen, dass Nicht-Muttersprachler, die auf Deutsch singen wegen der falschen Aussprache schwieriger zu verstehen sind. Ansonsten hab ich eine CD mit Schuberts Winterreise (Lied) wovon ich nur zwei kenne, aber ich kann in allen Stücken den Text verstehen, weil der sehr deutlich artikuliert wird (aber dann auch aufgesetzt wirkt. So akkurat spricht ja keiner in Wirklichkeit). Englischsprachige Arien gehen so von der Textverständlichkeit her, aber das liegt bei mir eher an der Sprache an sich als auf den Gesangsstil. Bei Englischsprachigen Popsongs (deren Texte aus mehr bestehen als "I love you baby, put your hands up in the air, we gonna party, come on dance", soviel zu Text total wichtig) tu ich mich passagenweise auch schwer den Text zu verstehen.

Ausnahme bildet vielleicht Gesang in der ganz hohen Lage, weil der Vokalausgleich so zum Tragen kommt, dass man tatsächlich nur "Ton" hört. Aber textlastige Passagen spielen nicht so weit oben ab und hohe Koloraturen werden meist eh auf "ah" gesungen.

Worin ich einstimme, ist die Authezität. Im Pop liegt der Gesang näher an der Sprechsprache und deswegen wird der Text auch so artikuliert, wie man ihn spricht und nicht wie es mit Lautschrift im Oxford Dictionary/Wahrig Deutsches Wörterbuch steht. Singt man trotzdem wie die Regel vorgibt, klingt das nicht authentisch, weil so gut wie niemand so spricht wie die Regel vorgibt. Schwierig zu beschreiben, es ist sozusagen wenig aus dem Leben gegriffen, klingt gelernt und deswegen aufgesetzt und sogar steril.
 
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Ich will kein weiteres Öl ins Feuer gießen und bin wahrlich keine Expertin für klassischen Gesang, aber es läßt sich nicht ganz von der Hand weisen, daß viele klassische Sänger die Vokale so stark einfärben, daß die Textverständlichkeit tatsächlich darunter leidet bzw. der berühnte "Urmel aus dem Eis"-Effekt entsteht (ihr wißt schon, der Seelöwe: Öööööch woiß nööööcht, wos soll es bedooooiten....). Ich habe das eine oder andere Mal klassischen Sängern zugehört und kaum etwas verstanden bzw. fand die extreme Vokaleinfärbung drollig. Wobei mir klar ist, daß es manchmal gar nicht anders geht. Um den Kehlkopf unten zu halten und genügend hintere Weite zu haben, kann man z.B. ei "i" ab einer bestimmten Lage nicht mehr als "i" singen...ich kann es jedenfalls nicht und färbe es Richtung u oder o ein; und das hört man selbstverständlich. Kein Mensch würde ja so sprechen !
Nicht umsonst heißt es doch auch "Kunstgesang" ! Das hat schon etwas Artifizielles an sich, was an sich aber nichts Schlimmes ist.
 
Ich finde zwar sing-it hat grundsätzlich Recht, dass es in der Oper stellenweise sehr schwierig ist, den Text zu verstehen. Aber er übersieht dabei meines Erachtens, dass das nicht unbedingt mit dem klassischen Gesang zu tun hat. Im Musical ist das meines Erachtens nämlich auch so.

Das hat meines Erachtens nicht primär mit klassischer oder moderner Technik zu tun. Das kommt einfach durch die Bühnen- bzw. Livesituation: da wird eben in gesungener Form eine Geschichte erzählt, sowohl in der Oper als auch im Musical. Natürlich ist gesungener Text immer schwerer verständlich als gesprochener. Und wenn dann noch ein Liveorchester oder eine Liveband spielt und sich mehrere Gesangspassagen kreuzen (das kommt in der Oper tatsächlich deutlich häufiger vor und war bisher für mich immer der größte Verständlichkeitskiller, während ich mit Solopassagen eigentlich nie größere Probleme hatte), dann bleibt einfach Textverständlichkeit auf der Strecke.


Und Vokalfärbung gibt es im modernen Gesang auch, die gibt es immer wenn die Melodien eine extreme Range erfordern, was sowohl in Opern- als auch Musicalarien eben oft der Fall ist. Nur wird halt beim Belten eher in Richtung der "breiten" Vokale a und e verfärbt, und das kommt unseren modernen, vom englischen geprägten Hörgewohnheiten eher entgegen, als in Richtung o und u.
 

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