[Box] - House of Speakers (HoS) TA 610

von mawi, 19.03.08.

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  1. mawi

    mawi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.03.08   #1
    Historie:

    Warum HoS? Warum nicht irgendwas von der Stange? Ich möchte hier etwas weiter ausholen.

    Mein erstes Fullstack war ein Warwick Profet III mit einer WCA 410 und einer WCA 115. Erst war ich begeistert, nach den folgenden Proben und Gigs mit meiner Melodic Death Metal Band rüsteten auch unsere Gitarristen auf und unser Drummer hörte auf seine Toms zu "streicheln". Konfrontiert mit einem ENGL Fireball an einer Marshall AC1960 und einem Peavey 5150, der bald einem Peavy Triple XXX samt passender Box wich, hörte man den Bass lediglich bei "Solo" Passagen. Darauf hin ging ich los um verschiedene Amps zu testen. Als ich schließlich bei einem Genz Benz GBE 1200, den ich Anfangs als "Boutiqueamp für Jazzer" abtat, stehen blieb und diesen Amp anspielte, traf mich der Schlag. Wow, das war exakt der Sound den ich immer im Ohr hatte, wenn ich an Bässe dachte.
    So ersetzte ich also meinen Profet III gegen einen Amp aus der Schmiede von Jeff Genzler.
    Die nächsten Proben zeigten allerdings sehr deutlich dass die beiden Warwick Boxen sehr schnell "um Gnade bettelten" und generell muffig klangen, weshalb ich ca. 1 1/2 Jahre lang nach dem richtigen Ersatz suchte. Ich mochte den Sound der Genz Benz eigenen 6x10er und wollte sowieso eine Box dieses Formates haben. Jedoch störte mich, dass diese Box nicht "die volle Leistung GBE1200" vertrug. Also schrieb ich nach etlichen Test von verschiedensten Boxenkombinationen an Mick von House of Speakers. Mir war House Of Speakers noch von einem Jahre zuvor in einer Fachzeitschrift (Bass Professor?) gelesenen Artikel geläufig. Ich fragte nach einer simplen 6x10er mit Hochtöner und bekam den Vorschlag eine Tandem Box zu nehmen. Tandem? höre ich einige sagen. Ja, Tandem! In diesem Fall bedeutet das: 4x10" Speaker zusammen mit einem Hochtöner im oberen Teil der Box und dann nochmal 4x10" im unteren Teil der Box. Ach klar ne 8x10er... Nein, eben nicht, die Boxen sind nicht wie üblich angeordnet sondern als Tandem. Zwei der vier unteren 10 Zöller sind in der Schallwand untergebracht, die anderen beiden direkt dahinter.

    Das Resultat: Mehr Druck!


    Ausstattung:

    Gewicht: ca. 50 Kilo
    Speaker: 8 x Eminence OEM 10", 1 Hochtöner (Regelbar)
    Außenmaterial: Schwarzes Tolex
    Frontbespannung: Blau/Silber (Ampeg Style)
    Binding: Dunkelblau
    Anschlüsse: 2 Speakon für obere zwei Speaker und Hochtöner, 2 Speakon für untere zwei Speaker
    Leistung: 2x 600Watt@4 Ohm

    Transport: Simpel! Soll heißen, ein Schalengriff auf jeder Seite macht das Tragen (zu zweit) recht einfach, aber warum tragen, wenn man schieben/ziehen kann. Die Box verfügt über zwei Eckrollen und eine Griffschale am oberen, hinteren Rand der Box. So lässt sich die Box wie eine Sackkarre bequem vor sich her schieben oder - speziell an Treppen - auch hinterher ziehen.

    Verarbeitung:

    Tadellos! Die Front sitzt bombenfest, kein Schnarren, kein Klappern. Selbst bei absoluten Tiefbassmassakern. Stabile Multiplexstreifen ermöglichen auch bei Treppenstufen einen problemlosen Transport. Das Tolex ist astrein und lückenlos verarbeitet. Generell macht die Box einen extrem roadtauglichen Eindruck. Sehr wichtig, schließlich haben wir noch viel vor. ;)

    Sound:

    Wie klingt sie denn nun?! Geil! Geht das präziser? Na klar!

    Egal wer diese Box hört, die eigene Band, die Nachbarband oder Besucher, jeder bemerkt sofort den glasklaren, druckvollen Sound. Aber der Reihe nach, zu erst mal den Hochtöner ganz zu gedreht, den Equi am Amp auf 0-Stellung gebracht, Transistorkanal angewählt und losgelegt. Gespielt wird "In Flames - Embody the Invisible". Hier hört man eine sehr HiFimäßige Ausgabe meines umgeschnallten ESP LTD TA 600. Sauber! Basswechsel: Nun mein "Zweitgerät" ein ESP LTD B 500. Der gleiche Eindruck, man hört den Ton den das Holz und die Saiten produzieren. Satt, "stahlklar" und sehr ausgewogen, kein Rauschen, keine Nebengeräusche.

    Okay, bringen wir das ganze mal etwas "in fahrt". Gewechselt wird auf den Röhrenkanal, es bietet sich der gleiche Eindruck wie oben, nur wird das ganze jetzt "warm". Als nächstes drehe ich einfach mal den Bassregler an meinem B 500 auf Anschlag, aktiviere den - voll aufgerissenen - Bassboost an der Endstufe meines GBE und drehe den "Low" und den "Low Mid" Regler auf Rechtsanschlag. Masterregler auf Mittelstellung. Zwei Schritte zurück, nein doch lieber noch einen... der beherzte Griff in die Saiten... Heilige Scheiße, es knarzt, es scheppert, es schräbbelt. Kommt das aus der Box? Nein! Die Wände wackeln, die Stahltür zum Proberaum entwickelt ein Eigenleben und selbst das außen montierte, schwere Metalltor welches die Zufahrt versperrt, versetzt sich in Bewegung und fällt zu. Cool! :)

    Nachdem ich die Saiten angestoppt habe und wieder frei durchatmen kann, stelle ich die Regler wieder auf 0, dafür drehe ich den Regler für den Hochtöner an der Box häppchenweise auf und lausche ob es rauscht. Erst auf dem letzten Viertel des Reglerweges vernehme ich ein leises Rauschen, dass immer noch absolut studiotauglich ist und Live nicht im geringsten auffallen würde.

    So, den Regler auf Mittelposition gestellt und an beiden Vorstufen den Sound eingestellt. Unsere Gitarren arbeiten im Mittenbereich, also gebe ich mir erstmal ordentlich Höhen, dann ein paar kräftige Tiefbässe und sehr wenig Tiefmitten, das ganze wird gewürzt mit ein paar ganz dezenten Hochmitten, die Mitten lasse ich lieber neutral. Ein Griff in die Saiten bestätigt meine Befürchtungen, es klingt zu brav! Also die Röhre weiter in die Sättigung, dass es ordentlich komprimiert und schon deutlich in die Verzerrung übergeht, jetzt langsam den Transistorkanal hinzumischen.

    Jaha! Druck, Durchsetzungsvermögen, Dreck und Transparenz. Perfekt also.

    Die restlichen Musiker betreten den Raum, stöpseln ihren Kram an und es geht los. Mist, der geile Tiefbass der Box ist einfach zu verlockend, er beißt sich mit der Basedrum und zermatscht den Bandsound, also wieder etwas zurück. Gut! Jetzt fehlt noch ein Hauch mehr "Anschlag", den Hochmitten-Regler quasi nur angeguckt. Perfekt! Fundament für die Band und Ortbarkeit für mich.

    Ein Manko hat das ganze allerdings: Der Amp an sich verzeiht schon an "muffigen" Boxen kaum Spielfehler, zusammen mit dieser Box ist jeder minimale Griff daneben aber sofort präsent. Die Finger müssen also noch präziser werden.


    Nun noch eine kleine Slapeinlage, woohoo. Selbst diese Pegel zwingen die Box nichtmal ansatzweise in die Knie. Ich bin begeistert!


    Fazit:

    Meine Musikerkollegen und Freunde waren ja doch etwas skeptisch. Von House of Speakers hatten einige zwar bereits gehört, aber auch wenn eine "quasi 8x10er" mit 899,- Euro ein echtes Schnäppchen ist, wurde ein solcher Kauf der "Katze im Sack" doch stark hinterfragt. Ich zweifelte nicht, bin schwer verliebt und würde jederzeit wieder eine echte HoS kaufen. Ich besitze jetzt eine transportable Standalone Box, die auch dem harten Alltag "on the road" standhalten wird und genau den Sound bietet den ich immer gesucht habe.


    Randnotizen:


    Ich habe mich bewusst für die zwei getrennten Anschlüsse für den oberen und der unteren Teil der Box entschieden, da nur wenige Amps eine Impedanz von 2 Ohm verkraften, diese können dann nur den oberen Teil verwenden und haben so einen "üblichere" Widerstand von 4 Ohm und dabei eine "einfache" 4x10er mit Hochtöner. Ideal wie ich finde.

    Ich bin weder von Mick "bestochen" worden diese Box abzufeiern, noch sind wir verwand oder verschwägert. Ich habe mir auch bewusst einige Wochen Zeit gelassen mit dem Review, um der Objektivität eine Chance zu geben und die erste Euphorie abklingen zu lassen. Letztere überkommt mich aber bei jeder Probe auf's neue.
     

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