Brauche Meinung / Beratung wegen Musikunterricht

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Hallo,

zuerst mal meine Musiker-Laufbahn: Ich bin 15 Jahre alt, spiele Klavier seit 7 - 8 Jahren und habe den meisten Spaß am Lieder komponieren. Seit ich mit dem Spielen angefangen habe, habe ich einen Privatlehrer. Ich engangiere mich auch in einer Schul-Bigband und spiele in einer eigenen Band.

Nun das Problem: Als ich anfing, ein bisschen weiter in Richtung Jazz zu gehen, bemerkte ich und vor allem mein Lehrer relativ schnell, dass sein Wissen nicht unendlich ist und er sagte, ich solle bei einem anderen Lehrer weitermachen, falls ich mehr in diese Richtung machen wolle. Allgemein fiel mir auf, dass ich über das meiste Wissen, welches er mir für mein Leben mitgeben kann, schon verfüge.

Da gäbe es natürlich einen guten Lösungsweg, nämlich dass ich Unterricht bei dem Lehrer nehme, der mir weiterempfohlen wurde und der auch studierter Dozent ist und ausdrücklich in die Richtung Jazz geht, aber da gibt es eben wieder vieles, vieles, was dagegen spricht, so weiter zu machen.

Es besteht generell die Frage, ob ich mir diese Fähigkeit im Jazz, gute Solos und elegante Begleitungen in Jazz-Gruppierungen zu spielen, überhaupt aneignen muss.
Einerseits finde ich, dass das Solospiel mancher Jazzer einfach genial klingt und die Fähigkeiten kann man auch durchaus als Grundlage für ein gutes Solospiel im Blues-Rock (meine Band) hernehmen kann und es Spaß macht,
aber

den meisten Spaß habe ich, wie schon gesagt, beim Stücke komponieren. Und auf Dauer kann das auch nur Freude machen, wenn diese Musik anderen gefällt. Man kann sich ja denken, dass meine Altersgenossen nicht so diese Musik hören und deshalb habe ich auch beschlossen, eher im Pop- oder Rock-Bereich Lieder zu schreiben.
Dann kommt noch die Preisfrage - meine Mutter meint, der Unterricht wäre da nur bezahlbar, wenn ich einmal im Monat eine Stunde nehmen würde und ich weiß ja, wie ich Unterrichts-Hausaufgaben hängen lasse, wenn sie über einen längeren Zeitraum aufgegeben sind (habe momentan jede zweite Woche Unterricht).
Und der Stress in der Schule wird in der 10ten Klasse auch nicht besser. Mir fällt jetzt schon auf, dass ich manchmal viel zu spät ins Bett komme, wenn ich nachts noch die Klavieraufgaben übe, weil ich das einfach in der Woche davor hängen gelassen habe. Und auf den Unterricht vorbereiten kann ich mich an solchen Abenden dann auch nicht mehr (ich gib's zu - an Zeit mangelt es mir nicht, aber ich habe einen festen Tagesrhythmus und irgendwie wird da das Klavierspielen oft hinten raus geschoben... bin halt kein Wunderkind.).
Und im Prinzip halten mich solche Aufgaben auch sehr oft davon ab, mein eigenes Zeugs (Lieder schreiben) zu machen.

Am meisten Lust hätte ich darauf, mich zu verselbstständigen und keinen Unterricht mehr zu nehmen. Ich fand ihn niemals langweilig oder nervig, aber manche oben genannten Probleme treten eben jetzt schon auf. Ich würde total gerne bei der Schul-Bigband weitermachen und eine eigene Band gründen (die dann auch mehr in Richtung Pop geht).

Aber ich habe da auch große Bedenken: Und zwar könnte es passieren, dass ich das Klavierspielen immer mehr hängen lassen werde, weil wenn es mit den anderen Projekten nichts zu spielen gibt, gäbe es auch keinen Übungsanlass ... das wäre fatal, wenn ich weiterkommen möchte, das könnte so ziemlich das Ende der Musiker-Laufbahn bedeuten.

Was haltet ihr von meiner Situation? Bei diesem Lehrer weitermachen, beim Jazzer weitermachen, einen ganz anderen Lehrer suchen, oder einfach keinen Unterricht mehr nehmen und selbstständig weiter machen? Werde ich es schaffen? Oder denkt ihr, dass irgendwann die Faulheit triumphiert?

Danke für die Meinungen im Vorraus
 
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Hallo dkdoemk,

hier ein paar Gedanken zu Deinen Fragen:

Allgemein fiel mir auf, dass ich über das meiste Wissen, welches er mir für mein Leben mitgeben kann, schon verfüge.
Wenn das Wissen, das Du von ihm hast, rein theoretischer Natur ist, er Dir aber im Wissen um die Gestaltung von Musik noch vieles zeigen kann, dann kanst Du von ihm noch etwas lernen. Wenn Du aber besser als er weißt, wie man z.B. Beethoven-Sonaten gestaltet, dann brauchst Du einen neuen Lehrer.

Überhaupt ist die Frage, wie weit Dein theoretisches Wissen ist. Kannst Du gerade mal alle Dur- und Molltonleitern und den Quintenzirkel oder sagen Dir auch Begriffe wie Neapolitanischer Sextakkord, Plagalschluß, Mixo#11 oder Modal-Interchange etwas? Das ist, ohne Dich zu kennen, schwer zu beurteilen.

Es besteht generell die Frage, ob ich mir diese Fähigkeit im Jazz, gute Solos und elegante Begleitungen in Jazz-Gruppierungen zu spielen, überhaupt aneignen muss.
Sterben muss man, sonst nix ... ;)

den meisten Spaß habe ich, wie schon gesagt, beim Stücke komponieren. Und auf Dauer kann das auch nur Freude machen, wenn diese Musik anderen gefällt. Man kann sich ja denken, dass meine Altersgenossen nicht so diese Musik hören und deshalb habe ich auch beschlossen, eher im Pop- oder Rock-Bereich Lieder zu schreiben.
Das sehe ich z.B. komplett anders: Ob anderen Leuten meine Musik gefällt, ist mir sowas von schnurzpiepegal. Wenn ich meinen musikalischen Ansprüchen in meinen Kompositionen einigermaßen gerecht werde, dann kommt bei mir Freude und Zufriedenheit auf, dann weiß ich, daß ich wieder ein Stück tiefer in die Materie Musik eingedrungen bin. Sich irgendwelchen Altersgenossen oder sonstigen Konsumenten anbiedern muß ich nur, wenn ich damit Geld verdienen will. Wenn man nur Anerkennung braucht, tut's auch ein dickes Auto ...

Ein Schuß Jazz kann außerdem meiner Meinung nach keinem Pop- oder Rocksong schaden.

Dann kommt noch die Preisfrage - meine Mutter meint, der Unterricht wäre da nur bezahlbar, wenn ich einmal im Monat eine Stunde nehmen würde und ich weiß ja, wie ich Unterrichts-Hausaufgaben hängen lasse, wenn sie über einen längeren Zeitraum aufgegeben sind (habe momentan jede zweite Woche Unterricht).
Zeitungen austragen? Selbst verdientes Geld erhöht vielleicht auch die Übemotivation ... :D

Und der Stress in der Schule wird in der 10ten Klasse auch nicht besser. Mir fällt jetzt schon auf, dass ich manchmal viel zu spät ins Bett komme, wenn ich nachts noch die Klavieraufgaben übe, weil ich das einfach in der Woche davor hängen gelassen habe. Und auf den Unterricht vorbereiten kann ich mich an solchen Abenden dann auch nicht mehr (ich gib's zu - an Zeit mangelt es mir nicht, aber ich habe einen festen Tagesrhythmus und irgendwie wird da das Klavierspielen oft hinten raus geschoben... bin halt kein Wunderkind.).
Und im Prinzip halten mich solche Aufgaben auch sehr oft davon ab, mein eigenes Zeugs (Lieder schreiben) zu machen.
Ich glaube, Du solltest Dir mal die Zeit nehmen, Dir zu überlegen, was Du wirklich mit der Musik willst:


  • Ist Dir die Musik wichtiger als alles andere? Willst Du evtl. sogar mal einen Beruf daraus machen? Dann: Üben, üben, üben ... Schule ist dann eher Nebensache.
  • Willst Du einfach nur gut spielen können und mit einer Band ein paar Auftritte im Jahr spielen oder
  • willst Du einfach zum Zeitvertreib ein bißchen nebenher klimpern?
Vielleicht kannst Du das mit Deinem Lehrer besprechen, er kann Dir in diesem Punkt bestimmt weitere Denkanregungen geben.

Bist Du auf einem G8-Gymnasium, daß Du so einen Streß hast? Ein Kollege von mir schickt seinen Sohn z.B. auf die Realschule, weil er will, daß sein Sohn neben der Schule auch noch Zeit für anderes hat: Musik, Sport etc. Abi gibt's dann im zweiten Bildungsweg hinterher.

Am meisten Lust hätte ich darauf, mich zu verselbstständigen und keinen Unterricht mehr zu nehmen. [...] Aber ich habe da auch große Bedenken: Und zwar könnte es passieren, dass ich das Klavierspielen immer mehr hängen lassen werde, weil wenn es mit den anderen Projekten nichts zu spielen gibt, gäbe es auch keinen Übungsanlass ... das wäre fatal, wenn ich weiterkommen möchte, das könnte so ziemlich das Ende der Musiker-Laufbahn bedeuten.
Sich verselbständigen und Unterricht nehmen schließt sich ja nicht aus. Wenn die Motavation zum Musikmachen in Dir drinnen liegt, wirst Du dein Lebtag nicht aufhören zu Spielen und zu Üben. Bands auf jeden Fall weitermachen!

Was haltet ihr von meiner Situation? Bei diesem Lehrer weitermachen, beim Jazzer weitermachen, einen ganz anderen Lehrer suchen, oder einfach keinen Unterricht mehr nehmen und selbstständig weiter machen?
Vielleicht kannst Du bei ein paar Lehrern mal Probestunden nehmen, vielleicht findest Du ja so den richtigen Lehrer für Dich. Eine Möglichkeit wäre z.B. auf Konzerte der regionalen Cracks zu gehen und schauen, wer Dir da gefällt. Diejenigen kannst Du dann nach dem Konzert direkt ansprechen.

Meiner Meinung nach hat ein guter klassischer Unterricht noch keinem Musiker geschadet, egal in welchem Genre er später tätig ist. Außerdem hat meiner Meinung nach eine solide Jazzausbildung noch keinem Popmusiker geschadet.

Letzter Gedanke: entscheiden mußt Du selbst, und Du wirst richtig entscheiden!

Viele Grüße,
McCoy
 
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