Cello studieren

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Hi, ich wollte fragen ob irgendjemand Erfahrungen mit einem Cello Studium hat oder sich näher damit auskennt.

Ich spiele jetzt 8 Jahre lang und denke darüber nach, es später mal zu studieren. Man kann ja das Konzertfach oder auf Lehramt studieren, wie ich das verstehe. Weiß irgendjemand was da so die größten Unterschiede sind? Und wie schwierig ist es überhaupt in die Uni hineinzukommen? Und wenn man mal drin ist, wie viel übt man und was hat man so für Kurse?

Außerdem würde es mich interessieren ob hier irgendjemand mehrere Instrumente parallel studiert hat, und ob sich das rein zeitlich überhaupt ausgehen kann? Hat damit jemand Erfahrungen?

Falls sich iegendjemand näher auskennt würde mich das sehr interessieren! Danke!
rednotes
 

Man kann ja das Konzertfach oder auf Lehramt studieren, wie ich das verstehe. Weiß irgendjemand was da so die größten Unterschiede sind
Naja, der zentrale Unterschied ist, dass du beim Konzertfachstudium darauf abzielst später mit Cello-Spielen dein Geld zu verdienen. Sei es als Orchestermusiker oder im Studio o.ä.
Lehramt ist halt primär ein Studium um Kinder an einer Schule zu unterrichten, also ein komplett anderer Beruf, bei dem du dann auch nicht mehr so super viel Cello spielen willst. Das ist dann mehr so eine Nebentätigkeit zum Unterricht.
Also ganz grundlegend komplett andere Studiengänge und Zielrichtungen.
Und wie schwierig ist es überhaupt in die Uni hineinzukommen?
Das kommt immer auf die jeweilige Uni (jede Uni hat ihre eigenen Anforderungen, die höher oder niedriger sein können), das Jahr (also deine Konkurrenz) und deine Fähigkeiten an.
Für manche ist es vielleicht super easy, weil sie fabelhafte Musiker sind und sich auch mit der ganzen Theorie auskennen, für andere ist es vielleicht schwieriger, weil sie eher selten Melodiediktate und Ähnliches üben. Die meisten Unis haben aber recht klare Anforderungen auf ihren Seiten veröffentlicht, es gibt Vorbereitungskurse etc. Da extremer Mangel an Musiklehrern herrscht, sind hier in den letzten Jahren die Anforderungen massiv gesenkt worden und die allermeisten Bewerber bekommen einen Platz.
Je nachdem wie viel Zeit du noch bis zum Studium hast, hast du dann ja auch noch Gelegenheit dich gezielt auf so eine Prüfung vorzubereiten. Generell sind 8-10 Jahre eher wenig. Die meisten Leute, mit denen ich studiert hab (und das war "nur" Lehramt, also "schlechtere" Konkurrenz), haben ihr Instrument eher 15+ Jahre gespielt, aber das ist ja nicht immer eine allgemeine Aussage.
Und wenn man mal drin ist, wie viel übt man und was hat man so für Kurse?
Auch hier wieder ein krasser Unterschied zwischen Konzertfach und Lehramt. Beim Konzertfach sicher 5+ Stunden am Tag würde ich tippen. Beim Lehramt gibt es Zwischenprüfungen auf deinen Instrumenten, für die du natürlich dann entsprechend mehr übst, aber danach bleibt dir das selbst überlassen, wenn du die Prüfungen abgelegt hast.
Außerdem würde es mich interessieren ob hier irgendjemand mehrere Instrumente parallel studiert hat, und ob sich das rein zeitlich überhaupt ausgehen kann?
Beim Lehramt musst du in den allermeisten Fällen zwei Instrumente spielen und eins davon muss im Normalfall Klavier sein. Ausnahmen gibt es eigentlich nur für sowas wie Sonderpädagogik und evtl Grundschullehramt.
Um zwei Instrumente im Konzertfach zu studieren muss man vmtl unglaublich talentiert sein. Das ist vmtl eher eine extrem seltene Ausnahme.
 
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Mein Vater hat nicht Cello studiert, aber auch ein Instrument, das eher im Klassikbereich angesiedelt ist.
Aus dessen Erfahrung:
Außerdem würde es mich interessieren ob hier irgendjemand mehrere Instrumente parallel studiert hat, und ob sich das rein zeitlich überhaupt ausgehen kann?
Mein Vater musste zwei Instrumente studieren. Also ja, geht wohl.
Und wenn man mal drin ist, wie viel übt man
'Man'? Sechs Stunden am Tag habe ich als Referenzwert gehört. Und was manche vergessen, bedeutet das nicht, sechs Stunden lang interessante Stücke zu spielen, sondern auch mal stundenlang Tonleitern hoch und runter oder sowas.

Mein Vater hat hauptberuflich in einem guten Orchester gearbeitet, aber hat immer wieder gesagt, dass er das heute niemandem mehr empfehlen würde. Der Arbeitsmarkt ist international geworden und man konkurriert mit Musikern anderer Nationalitäten, die schon als Kinder auf hohem Niveau gespielt haben.

Dazu kommt, dass Streicher im Orchester wohl besonders oft spielen müssen (andere Instrumente haben auch mal frei, weil sie in dem Stück nicht vorkommen), aber nicht mehr Geld bekommen. In mindestens einem Orchester haben die Streicher deswegen sogar mal geklagt (und verloren, soweit ich weiß).

Ich habe keinen Grund, dich zu demotivieren. Das ist nur das, was ich direkt über Jahre mitgekriegt habe.
 
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  • Ersteller
  • #4
Danke @Disgracer, wenn ich mit der Schule fertig bin und somit im nächsten Jahr studieren kann werde ich 11 Jahre gespielt haben. Muss ich schauen ob das dann realistisch ist😅

@Zeugschläger, danke für die Infos☺️

Ich spiele neben Cello noch ein anderes Instrument (ein Jahr kürzer) und falls ich es wirklich richtung Studium schaffe, muss ich mich wohl für eines entscheiden da mein zweites Instrument nicht Klavier ist.

Na ja, vielen Dank für die Infos! Es hat mir weitergeholfen!🤗
 
Wenn du seit 8 Jahren Cello spielst ist das gut. Aber genau so wichtig ist es, ob du konstant Unterricht hast/hattest und wieviel Orchestererfahrung. Wenn dein Alter um die 20 Jahre ist, solltest du in einem Landesjugendorchester spielen und an Wettbewerben teilnehmen. Machst du das schon? Was sagt dein Cellolehrer zu deinem Vorhaben?
 
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wenn ich mit der Schule fertig bin und somit im nächsten Jahr studieren kann werde ich 11 Jahre gespielt haben.
Die Dauer wäre OK, aber viel wichtiger ist, was Du kannst.

Mein Vater musste zwei Instrumente studieren. Also ja, geht wohl.
Man hat in der Regel ein Hauptfach und als Pflichtinstrument Klavier.

Sechs Stunden am Tag habe ich als Referenzwert gehört.
Ob fünf oder sechs ist nicht entscheidend, und man schrubbt auch nicht nur Instrument. Du hast noch Musiktheorie, -geschichte, Instrumentenkunde und andere Vorlesungen/Seminare, Ensemble, Hochschulorchester usw. Manche üben vier, manche acht Stunden, aber es kommt auch drauf an, wie man lernt. Es bringt auch viel, sich mit dem Lernen an sich zu beschäftigen.

Mein Vater hat hauptberuflich in einem guten Orchester gearbeitet, aber hat immer wieder gesagt, dass er das heute niemandem mehr empfehlen würde. Der Arbeitsmarkt ist international geworden und man konkurriert mit Musikern anderer Nationalitäten, die schon als Kinder auf hohem Niveau gespielt haben.
Einerseits richtig, andererseits kenne ich auch "ganz normale" Musiker, die mit ihrer Stelle im Orchester sehr zufrieden sind. Dass es aussichtslos ist, würde ich nicht sagen. Wer dafür brennt und genau das machen will, für den stellt sich die Frage gar nicht.

Natürlich gibt es verschiedene Orchester mit großen Einkommensunterschieden. Komischerweise haben die bestbezahlten Orchester die wenigsten Dienste, wie ich das so gehört habe ... Aber davon leben kann man in jedem.

Außerdem kann man natürlich freiberuflich arbeiten, unterrichten, Projekte machen ... Viele Bereiche, an die man so erstmal nicht denkt und die einem an der Hochschule auch nicht unbedingt gezeigt werden.

oder auf Lehramt studieren
Das wäre als Musiklehrer/in an der Schule? Da müsstest Du vor allem Bock auf die Arbeit mit Kindern haben. Das eigene Musizieren ist vielleicht 5% der Arbeitszeit und findet ansonsten in der Freizeit statt. Wenn man Lust auf Kinder und Jugendliche hat, ist das trotzdem eine schöne Sache mit sicherem Einkommen (ggf Beamter). Dazu bräuchtest Du ein Zweitfach oder machst Doppelfach Musik, das geht auch.

Oder meintest Du Instrument an einer Musikschule unterrichten? Instrumentalpädagogik?

Beim Lehramt musst du in den allermeisten Fällen zwei Instrumente spielen
Je nachdem, wie viele Bewerber grade da sind, muss das Level aber nicht so hoch sein, auf keinen Fall vergleichbar mit einem Instrumentalstudium. Ich habe letztens mit Dozenten einer Hochschule gesprochen, die nehmen grade so gut wie alle, weil dieses Jahr echt wenig Bewerber sind. Das unterscheidet sich aber von Jahr zu Jahr und von HS zu HS.

Muss ich schauen ob das dann realistisch ist
Einige Hochschulen haben Probevorspiele, da kann man vorspielen und die sagen Dir dann, ob es reichen würde bzw wo noch Verbesserungsbedarf ist. Schau einfach mal auf den Homepages der Hochschulen und hab keine Scheu nachzufragen.
 
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Naja, der zentrale Unterschied ist, dass du beim Konzertfachstudium darauf abzielst später mit Cello-Spielen dein Geld zu verdienen. Sei es als Orchestermusiker oder im Studio o.ä.
Lehramt ist halt primär ein Studium um Kinder an einer Schule zu unterrichten, also ein komplett anderer Beruf, bei dem du dann auch nicht mehr so super viel Cello spielen willst. Das ist dann mehr so eine Nebentätigkeit zum Unterricht.
Also ganz grundlegend komplett andere Studiengänge und Zielrichtungen.
In der Praxis läuft es bei über 90 Prozent aber auf das selbe hinaus: Unterricht geben.
 
  • Ersteller
  • #9
@HaraldS

Ich bin noch jünger, ich gehe noch in die Schule. In meiner Musikschule spiele ich mit zwei Instrumenten in jeweils einem Orchester und immer wieder in verschiedenen Ensembles (auch regelmäßig).
Meinen Cellolehrer habe ich diesbezüglich noch nicht gefragt weil ich mich ein bisschen vor der Antwort fürchte; oft wenn ich meine, ich würde gerne was mit Musik machen raten mir Leute davon ab weil es ja so unsicher ist und so.
 
  • #10
Nur als Denkansatz: Es heißt manchmal, man solle sein Hobby nicht zum Beruf machen, weil man sonst kein Hobby mehr hat.
Unter dem Gesichtspunkt, willst du dein Hobby zum Beruf machen, mit der Gefahr, dass du dieses Hobby dann für wenig Geld unter unsicheren Bedingungen immer machen musst? Die Alternative wäre, was Sichereres zu machen, und das Musik als Hobby zu behalten und eventuell auszubauen.
 
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  • #11
In der Praxis läuft es bei über 90 Prozent aber auf das selbe hinaus: Unterricht geben.
Als jemand der beides gemacht hat:
Es ist überhaupt kein Vergleich in einer Musikschule zu unterrichten oder in einer Schule zu unterrichten.
Das sind zwei sehr verschiedene Berufe. Alleine der Unterschied, dass man in der Musikschule 1-3 Kids gleichzeitig unterrichtet, die viel Geld für den Unterricht bezahlen und meistens total motiviert sind, während man in der Schule 25-33 Kids gleichzeitig unterrichtet, die ganz unterschiedlich viel Interesse haben. Das ist ein sehr anderes Skillset was man braucht.
Du darfst auch erstmal gar nicht in einer Schule unterrichten, wenn du nicht auf Lehramt studiert hast (nur als Seiteneinsteiger), du wirst nicht verbeamtet usw.
In einer Musikschule zu unterrichten ist wesentlich einfacher und viel weniger Stress als in einer Schule. Man hängt auch viel weniger im ganzen System und Regeln und arbeitet viel mehr mit seinem Instrument.

Meinen Cellolehrer habe ich diesbezüglich noch nicht gefragt weil ich mich ein bisschen vor der Antwort fürchte; oft wenn ich meine, ich würde gerne was mit Musik machen raten mir Leute davon ab weil es ja so unsicher ist und so.
Da brauchst du absolut überhaupt gar keine Angst haben, dein Cello-Lehrer macht ja selbst was mit Musik. Wenn es also jemanden gibt, der dich verstehen kann, dann er. Und er kann dir wahrscheinlich realistisch sagen, ob du spieltechnisch auf dem Niveau bist und dir sagen, wie das Leben als Cello-Lehrer so ist.
Generell ist es aber so, dass man als Instrumental-Lehrer wahrscheinlich nicht super reich wird. Das ist eher ein Beruf, den man macht, weil das eine Passion ist und man darauf Bock hat.
 
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  • #12
Generell ist es aber so, dass man als Instrumental-Lehrer wahrscheinlich nicht super reich wird. Das ist eher ein Beruf, den man macht, weil das eine Passion ist und man darauf Bock hat.
Wie bei jedem Beruf. Und das ist der wichtigste Rat, dem man Berufseinsteigern in der Musikbranche geben kann. In musikalischen Berufen merken es Kunden/Schüler/Zuhörer/Eltern etc. schnell wenn derjenige, der einen Job macht, darauf keinen Bock hat. Umso wichtiger ist es, das zielgerichtet zu verfolgen, was man selbst will und wohinter man voll steht. Das jeweilige Ziel kann sich schon noch ändern, aber wer erkennen lässt, dass er den aktuellen Job eigentlich nicht will, wird nie Erfolg haben.
 
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  • #13
In der Praxis läuft es bei über 90 Prozent aber auf das selbe hinaus: Unterricht geben.
Ich glaube, das hast Du falsch verstanden - Lehramt und Instrumentallehrer ist ein himmelweiter Unterschied.

Das eine ist Einzelunterricht (Instrumentalunterricht) mit mehr oder weniger interessierten Kindern oder Erwachsenen, das andere ist Schule mit 27 Kindern, u.U. in Brennpunktschulen, mit diversen sozialen neurodivergenten Problemen, Elternabenden, Klassenfahrten und und.

[EDIT] sehe grade Disgracer hat es auch schon geschrieben ... [/EDIT]

dass man als Instrumental-Lehrer wahrscheinlich nicht super reich wird.
So ungefähr Tarif öffentlicher Dienst E9 versus E13 oder Beamtenstatus mit Kinderzulage, Ortszulage usw.
Die Bezahlung spiegelt auch ungefähr das durchschnittliche Stresslevel wider. ;)

Auch die Arbeitszeiten (Tageszeiten) sind ziemlich gegenläufig.
Wenn Du ein guter Musiker bist, kannst Du aber neben der Musikschule/Schule auch noch freiberuflich Musik machen, zB Bands, Projekte o.ä.
 
  • #14
Ich glaube, das hast Du falsch verstanden - Lehramt und Instrumentallehrer ist ein himmelweiter Unterschied.
Nein, ich habe das nicht falsch verstanden. Ich sprach nur vom Unterrichten als Oberbegriff. Egal was du studierst, die Chance als Solist oder Orchestermusiker im Klassikbereich (genug) Geld verdienen zu können ist äußerst gering. Die meisten werden (zumindest auch) unterrichten. Das ist der Kern meiner Aussage.
Das eine ist Einzelunterricht (Instrumentalunterricht) mit mehr oder weniger interessierten Kindern oder Erwachsenen, das andere ist Schule mit 27 Kindern, u.U. in Brennpunktschulen, mit diversen sozialen neurodivergenten Problemen, Elternabenden, Klassenfahrten und und.
Beides kann ähnlich frustrierend sein. Kommt auf deine Talente an. Und dass Instrumentalschüler überwiegend motiviert sind halte ich für ein Gerücht. Die meisten werden von ihren Eltern geschickt. Einige wenige entwickeln Freude am Musizieren.
[EDIT] sehe grade Disgracer hat es auch schon geschrieben ... [/EDIT]


So ungefähr Tarif öffentlicher Dienst E9 versus E13 oder Beamtenstatus mit Kinderzulage, Ortszulage usw.
Die Bezahlung spiegelt auch ungefähr das durchschnittliche Stresslevel wider. ;)
Die allerwenigsten Freiberuflichen instrumentalLehrer werden das Niveau E9 erreichen. Die meisten werden eher in Richting Mindestlohn sein.

Ausgebildete Lehrer dagegen sind die bestbezahlten Kräfte im öffentlichen Dienst (Gleiches Anfangsgehalt wie Juristen = A13), bessere Aufstiegschancen (A15 als Fachbereichsleiter, Bxy in der Schulaufsicht) plus Zulagen. Quasi ohne Haftungsrisiko und mit Urlaub wie niemand anderer.
 
  • #15
Beides kann ähnlich frustrierend sein.
Oh, nicht einmal ansatzweise.
Als Instrumental-Lehrer an einer Musikschule hast du keinerlei Stress oder Frust im Vergleich. Das sind zwei ganz unterschiedliche Welten.
Das wollte dir opa_albin erklären. Du kannst das einfach nicht in einen Topf werfen und sagen beides ist "unterrichten". Das ist ein bisschen wie jemand der auf nem E-Bike sitzt und einen Fahrer bei der Tour de France und man sagt "beide fahren Fahrrad". Ja, theoretisch stimmt das, aber es sind einfach zwei komplett unterschiedliche Dinge.

Und dass Instrumentalschüler überwiegend motiviert sind halte ich für ein Gerücht.
Ich kann jetzt nur aus meiner Erfahrung reden, aber in den 10 Jahren, die ich an der Musikschule unterrichtet hab, hatte ich 80-90% motivierte Schüler, die gerne zum Unterricht gekommen sind.
Du kannst ja mal überlegen, wie viele Schüler du in deiner Zeit hattest, die sich geweigert haben ihr Instrument aus der Tasche zu holen, die im Unterricht ihr Handy raus geholt haben und angefangen zu chatten oder die dir ins Gesicht gesagt haben, dass sie keinen Bock haben zu dir zu kommen... jahrelang. Und das werden nicht viele sein, denn die meisten, die keine Lust haben, hören dann eben auch schnell auf. (und von Kindern, die andere Kinder mobben und verhauen, die Stühle durch die Gegend werfen, Dinge kaputt machen und du dann wochenlang die Eltern nicht erreichst, oder auch zig organisatorischen Dingen fang ich gar nicht erst an)

Quasi ohne Haftungsrisiko und mit Urlaub wie niemand anderer.
Immer wenn ich so etwas lese, kann ich nur noch lachen. Das ist so ein Quatsch und zeigt einfach, dass du nicht viel Ahnung hast, wie Schule funktioniert oder was ein Lehrer alles tut.
Als Lehrperson stehst du ständig mit einem Bein im Gefängnis, du musst dir permanent bewusst sein, welche Dinge du darfst, welche du nicht darfst und wozu du verpflichtet bist (sogenannte Garantenstellung), weil du nämlich sonst ganz schnell mal eine Straftat begehst, weil du etwas NICHT gemacht hast. Fahr mal mit 30 Kids auf Klassenfahrt und sei verantwortlich, dass sich da niemand verletzt, keine Streiterei eskaliert, kein Kind verloren geht, niemand heimlich Alkohol trinkt, raucht/vaped oder Sex hat. Alleine schon, wenn du eine Pausenaufsicht vergisst, weil im Alltag irgendwas anderes zu klären war, bist du wegen Verletzung der Aufsichtspflicht dran. Nix mit "ohne Haftungsrisiko". Da hast du leider eine sehr romantisierende Vorstellung.
Genau wie beim Urlaub. Die allermeisten Lehrer arbeiten auch in den Ferien, mal ganz abgesehen von Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen (Dinge, die du an der Musikschule kaum hast): Da sind auch Nachprüfungen, Konferenzen, Fortbildungen etc in den Ferien. Auch alles Dinge, die du an der Musikschule kaum bis gar nicht hast.
Ich glaube, dass dir die gewaltigen Unterschiede zwischen Musikschule und echter Schule noch nicht so richtig bewusst sind und du das deswegen alles in den "Unterrichten"-Topf wirfst, aber lass dir sagen, dass das vom Niveau und den Anforderungen her überhaupt nicht zu vergleichen ist. Es gibt schon einen Grund, wieso sich jeder einfach so Instrumentallehrer nennen darf, aber Lehramt ein 10-Semester Studium mit anschließenden 1,5 Jahren Referendariat ist. Das sind sechseinhalb Jahre Ausbildung (mindestens), die die unterschiedlichen Ansprüche reflektieren.
 
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  • #16
Oh, nicht einmal ansatzweise.
Stress ist ein individuelles Empfinden. Es gibt Menschen, die es Herausforderung nennen, ihren Beruf gerne machen, auch freiwillig über das Pensionsalter, und es gibt solche, die sofort nach der Verbeamtung mit Burnout langzeiterkrankt sind.
Als Instrumental-Lehrer an einer Musikschule hast du keinerlei Stress oder Frust im Vergleich.
Es kann sehr frustrierend sein unmotivierte von den Eltern geschickte Kinder zu unterrichten, besonders wenn man gewisse Ansprüche hat. Wie gesagt ist Stress und Frust sehr subjektiv.
Das sind zwei ganz unterschiedliche Welten.
Das bezweifle ich nicht.
Das wollte dir opa_albin erklären. Du kannst das einfach nicht in einen Topf werfen und sagen beides ist "unterrichten".
Jedenfalls ist beides nicht als Solist oder als Orchestermusiker arbeiten. Das wollte ich erklären.
Immer wenn ich so etwas lese, kann ich nur noch lachen. Das ist so ein Quatsch und zeigt einfach, dass du nicht viel Ahnung hast, wie Schule funktioniert oder was ein Lehrer alles tut.
Ich arbeite in der Schulverwaltung und kenne mich sehr gut in fast allen Bereichen dort aus, arbeite quasi täglich mit Lehrern.
Als Lehrperson stehst du ständig mit einem Bein im Gefängnis, du musst dir permanent bewusst sein, welche Dinge du darfst, welche du nicht darfst und wozu du verpflichtet bist (sogenannte Garantenstellung), weil du nämlich sonst ganz schnell mal eine Straftat begehst, weil du etwas NICHT gemacht hast.
Theoretisch. Als Musiklehrer kommt das aber eher selten vor. Zudem darf man die hohe Bezahlung und den Urlaub nicht vergessen. Da kann man auch Gegenleistung erwarten. Keiner sagt, dass das leicht ist.
Fahr mal mit 30 Kids auf Klassenfahrt und sei verantwortlich, dass sich da niemand verletzt, keine Streiterei eskaliert, kein Kind verloren geht, niemand heimlich Alkohol trinkt, raucht/vaped oder Sex hat. Alleine schon, wenn du eine Pausenaufsicht vergisst, weil im Alltag irgendwas anderes zu klären war, bist du wegen Verletzung der Aufsichtspflicht dran. Nix mit "ohne Haftungsrisiko". Da hast du leider eine sehr romantisierende Vorstellung.
Ich habe da sehr praktische Erfahrungen. Aber sicher ist die Arbeit als Lehrer nicht leicht. Sie ist aber eben auch sehr hoch bezahlt.
Genau wie beim Urlaub. Die allermeisten Lehrer arbeiten auch in den Ferien,
😂
mal ganz abgesehen von Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen (Dinge, die du an der Musikschule kaum hast): Da sind auch Nachprüfungen, Konferenzen, Fortbildungen etc in den Ferien. Auch alles Dinge, die du an der Musikschule kaum bis gar nicht hast.
Das sind alles ganz normale Dinge. Auch ein InstrumentalLehrer sollte seinen Unterricht vorbereiten und sich fortbilden.
Ich glaube, dass dir die gewaltigen Unterschiede zwischen Musikschule und echter Schule noch nicht so richtig bewusst sind und du das deswegen alles in den "Unterrichten"-Topf wirfst, aber lass dir sagen, dass das vom Niveau und den Anforderungen her überhaupt nicht zu vergleichen ist.
Mir sind die Unterschiede bewusst. Aber darum geht es mir nicht, sondern darum, dass der Traum einer Musikerkarriere für die Allerwenigsten in Erfüllung geht und sie als Lehrende enden, egal ob als Schul- oder Instrumentallehrer.
 
  • #17
Stress ist ein individuelles Empfinden.
Das stimmt natürlich. Du kannst aber gerne irgendeine x-beliebige Studie herausholen oder einfach mal Musikschullehrer und Schullehrer fragen (oder mir einfach glauben, weil ich beide Jobs 10 Jahre lang gemacht habe) und du wirst feststellen, dass das Stress-Level eines Musikschullehrers weit, weit.. noch weiter.. unter dem eines Schullehrers liegt. Er hat vielleicht mehr Existenzängste, wenn es nicht so läuft, von der Schüleranzahl her etc, aber in der alltäglichen Praxis hat ein Musikschullehrer so gut wie keine wirklich stressigen Situationen. Es gibt keine Deadlines, es gibt keine große Verantwortung, alles ist überschaubar und sehr klein im Vergleich zum System Schule.
Jedenfalls ist beides nicht als Solist oder als Orchestermusiker arbeiten. Das wollte ich erklären.
Ich glaube das haben wir alle hier von Anfang an verstanden. Wir wollten dir nur erklären, dass man die beiden Berufe nicht über einen Kamm scheren sollte, weil sie nicht wirklich vergleichbar sind.
Ich arbeite in der Schulverwaltung und kenne mich sehr gut in fast allen Bereichen dort aus, arbeite quasi täglich mit Lehrern.
Dieser Satz hat mich tatsächlich etwas geschockt. Ich kann mir nicht erklären, wie jemand, der täglich mit Lehrern zu tun hat solche Aussagen treffen kann.
Ernsthaft schockierend.
Darf ich fragen, was deine Aufgaben da sind?
Theoretisch. Als Musiklehrer kommt das aber eher selten vor.
Das ist absoluter Quatsch. Es spielt überhaupt keine Rolle ob ich Musiklehrer oder Mathelehrer bin: Wenn sich in meiner Pausenaufsicht zwei Schüler prügeln, muss ich wissen ob ich dazwischen gehen muss oder nicht. Wenn ich diese Pausenaufsicht vergesse und die beiden prügeln sich und einer muss ins Krankenhaus, dann bin ich persönlich dafür haftbar, weil ich meine Aufsichtspflicht verletzt habe. Wenn in meinem Unterricht jemand ausrastet und anfängt Tische und Stühle umzuschmeißen, muss ich wissen, wie ich reagieren kann, was ich darf und was nicht. Wenn ich Schüler mit medizinischen Konditionen habe (Zucker, Epilepsie etc), dann muss ich wissen, wie ich damit umgehe, falls ein Schüler da einen Anfall etc hat. Das sind alles Dinge, die ich persönlich in den letzten Jahren erlebt hab (außer die Verletzung der Aufsichtspflicht) und totaler Standard und Teil der alltäglichen Arbeit an einer Schule.
Als Musikschullehrer hast du mit solchen Dingen quasi nie was zu tun und wenn, dann hast du im Notfall immer die Option zu sagen, dass du den Schüler nicht weiter unterrichten möchtest. Als Lehrer an einer Schule hast du das nicht. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die müssen Schüler unterrichten, die sie vorher mit einem Messer bedroht haben sie abzustechen. Das Fach spielt hier überhaupt keine Rolle.
Total dummer Kommentar. Mach dir doch mal einen Spaß daraus und frag die Lehrer mit denen du täglich zu tun hast, wer in den Oster- und Herbstferien Klausuren/Klassenarbeiten korrigiert hat. Ich tippe auf über 90%. (und die meisten anderen haben vmtl entweder vorher eine Nachtschicht eingeschoben oder müssen das nach den Ferien tun oder haben Sport/Kunst als Fachkombination). Frag mal welche Lehrer in den Sommerferien mindestens eine Konferenz hatten. 100%, denn das ist verpflichtend. Die allermeisten sind mehrere Tage in der Schule in den Sommerferien. Was da dein Lachsmilie soll weiß ist nicht. Führt aber dazu, dass ich deine Aussagen nicht sonderlich ernst nehme.
Alle Lehrer arbeiten auch in den Ferien. Wir haben sogar Anwesenheitspflicht in der gesamten letzten Ferienwoche der Sommerferien. Ich tippe mal, dass ich in den nächsten anderthalb Ferienwochen, die ich noch habe mit Sicherheit noch 50h arbeiten werde. Unterrichtsvorbereitung, Klassenlisten/Kurslisten anlegen, so dass ich Noten erfassen kann, Mappen vorbereiten, Lehrerkonferenz, Fachkonferenz, Vorbereitung der Einschulungsfeier etc pp.. soviel zu "Ferien".. ;-)
Auch ein InstrumentalLehrer sollte seinen Unterricht vorbereiten und sich fortbilden.
Es gibt einen relativ großen Unterschied zwischen "sollte" und "muss".
Ein Schullehrer ist VERPFLICHTET sich fortzubilden. Jede Schule hat ein Fortbildungskonzept und die meisten haben Fortbildungstage (SchILF) für das gesamte Kollegium. Ein Musikschullehrer hat das nicht.
Auch der Umfang der Vorbereitung ist überhaupt nicht zu vergleichen. Das ist vielleicht das Verhältnis 100 zu 1. Die Vorbereitungszeit für einen Musikschullehrer ist nahezu vernachlässigbar. Für einen Schullehrer wird es auch irgendwann weniger, wenn man ein Thema schon behandelt hat und Materialien gesammelt, aber der Umfang ist ein Vielfaches und mit jedem neuen Lehrplan gibt es massive Veränderungen.
Mir sind die Unterschiede bewusst. [...] dass der Traum einer Musikerkarriere für die Allerwenigsten in Erfüllung geht und sie als Lehrende enden, egal ob als Schul- oder Instrumentallehrer.
Offenbar sind dir die Unterschiede nicht bewusst, denn du kannst nicht als Schullehrer "enden", wenn du vorher eine Karriere als Solist oder Konzertmusiker begonnen hast, weil das ein komplett anderer Studiengang ist.
Das ist ja die zentrale Frage, die der Themenstarter hier am Anfang gestellt hat. Man muss das VORHER entscheiden. Du kannst kein Referendariat machen, wenn du einen künstlerischen Studiengang absolviert hast. Und du wirst dann auch nicht verbeamtet, wenn du irgendwie noch nachträglich als Quereinsteiger nachrückst.

Du hast da trotz deines Jobs in der Schulverwaltung eine Sichtweise auf den Lehrberuf, die ziemlich weit an der Realität vorbei geht (super viel Ferien, hoch bezahlt und entspanntes Leben), denn wenn das so wäre, dann hätten wir nicht so einen massiven Lehrermangel, gerade in Musik (und Kunst). Es hat auch seinen Grund, wieso sich die Landesregierungen weigern flächendeckend eine Arbeitszeiterfassung für Lehrer einzuführen (wozu sie prinzipiell gesetzlich verpflichtet sind), weil dann nämlich herauskommen würde, dass die allermeisten Lehrer über 50h die Woche arbeiten (trotz der "super vielen Ferien"...).
Ein Musikschullehrer tut das nicht ansatzweise. Es ist ein komplett anderer Beruf.
 
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  • #18
Als neutrale Information, weil das oft unerwähnt bleibt, bei Lehrern ist etwas mehr als die Hälfte der Arbeitszeit Unterrichtszeit.
(Das soll nichts implizieren, nur eine Information zum Thema liefern.)
 
  • #19
Wenn du ein Studium ernsthaft vorhast, sprich unbedingt mit deiner Lehrperson. Wird an deiner Musikschule eine studienvorbereitende Klasse angeboten? Da solltest du unbedingt hineinkommen und das Interesse an so einer Klasse wäre ein guter Startpunkt für ein Gespräch mit der Lehrkraft.
 
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