Stress ist ein individuelles Empfinden.
Das stimmt natürlich. Du kannst aber gerne irgendeine x-beliebige Studie herausholen oder einfach mal Musikschullehrer und Schullehrer fragen (oder mir einfach glauben, weil ich beide Jobs 10 Jahre lang gemacht habe) und du wirst feststellen, dass das Stress-Level eines Musikschullehrers weit, weit.. noch weiter.. unter dem eines Schullehrers liegt. Er hat vielleicht mehr Existenzängste, wenn es nicht so läuft, von der Schüleranzahl her etc, aber in der alltäglichen Praxis hat ein Musikschullehrer so gut wie keine wirklich stressigen Situationen. Es gibt keine Deadlines, es gibt keine große Verantwortung, alles ist überschaubar und sehr klein im Vergleich zum System Schule.
Jedenfalls ist beides nicht als Solist oder als Orchestermusiker arbeiten. Das wollte ich erklären.
Ich glaube das haben wir alle hier von Anfang an verstanden. Wir wollten dir nur erklären, dass man die beiden Berufe nicht über einen Kamm scheren sollte, weil sie nicht wirklich vergleichbar sind.
Ich arbeite in der Schulverwaltung und kenne mich sehr gut in fast allen Bereichen dort aus, arbeite quasi täglich mit Lehrern.
Dieser Satz hat mich tatsächlich etwas geschockt. Ich kann mir nicht erklären, wie jemand, der täglich mit Lehrern zu tun hat solche Aussagen treffen kann.
Ernsthaft schockierend.
Darf ich fragen, was deine Aufgaben da sind?
Theoretisch. Als Musiklehrer kommt das aber eher selten vor.
Das ist absoluter Quatsch. Es spielt überhaupt keine Rolle ob ich Musiklehrer oder Mathelehrer bin: Wenn sich in meiner Pausenaufsicht zwei Schüler prügeln, muss ich wissen ob ich dazwischen gehen muss oder nicht. Wenn ich diese Pausenaufsicht vergesse und die beiden prügeln sich und einer muss ins Krankenhaus, dann bin ich persönlich dafür haftbar, weil ich meine Aufsichtspflicht verletzt habe. Wenn in meinem Unterricht jemand ausrastet und anfängt Tische und Stühle umzuschmeißen, muss ich wissen, wie ich reagieren kann, was ich darf und was nicht. Wenn ich Schüler mit medizinischen Konditionen habe (Zucker, Epilepsie etc), dann muss ich wissen, wie ich damit umgehe, falls ein Schüler da einen Anfall etc hat. Das sind alles Dinge, die ich persönlich in den letzten Jahren erlebt hab (außer die Verletzung der Aufsichtspflicht) und totaler Standard und Teil der alltäglichen Arbeit an einer Schule.
Als Musikschullehrer hast du mit solchen Dingen quasi nie was zu tun und wenn, dann hast du im Notfall immer die Option zu sagen, dass du den Schüler nicht weiter unterrichten möchtest. Als Lehrer an einer Schule hast du das nicht. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die müssen Schüler unterrichten, die sie vorher mit einem Messer bedroht haben sie abzustechen. Das Fach spielt hier überhaupt keine Rolle.
Total dummer Kommentar. Mach dir doch mal einen Spaß daraus und frag die Lehrer mit denen du täglich zu tun hast, wer in den Oster- und Herbstferien Klausuren/Klassenarbeiten korrigiert hat. Ich tippe auf über 90%. (und die meisten anderen haben vmtl entweder vorher eine Nachtschicht eingeschoben oder müssen das nach den Ferien tun oder haben Sport/Kunst als Fachkombination). Frag mal welche Lehrer in den Sommerferien mindestens eine Konferenz hatten. 100%, denn das ist verpflichtend. Die allermeisten sind mehrere Tage in der Schule in den Sommerferien. Was da dein Lachsmilie soll weiß ist nicht. Führt aber dazu, dass ich deine Aussagen nicht sonderlich ernst nehme.
Alle Lehrer arbeiten auch in den Ferien. Wir haben sogar Anwesenheitspflicht in der gesamten letzten Ferienwoche der Sommerferien. Ich tippe mal, dass ich in den nächsten anderthalb Ferienwochen, die ich noch habe mit Sicherheit noch 50h arbeiten werde. Unterrichtsvorbereitung, Klassenlisten/Kurslisten anlegen, so dass ich Noten erfassen kann, Mappen vorbereiten, Lehrerkonferenz, Fachkonferenz, Vorbereitung der Einschulungsfeier etc pp.. soviel zu "Ferien".. ;-)
Auch ein InstrumentalLehrer sollte seinen Unterricht vorbereiten und sich fortbilden.
Es gibt einen relativ großen Unterschied zwischen "sollte" und "muss".
Ein Schullehrer ist VERPFLICHTET sich fortzubilden. Jede Schule hat ein Fortbildungskonzept und die meisten haben Fortbildungstage (SchILF) für das gesamte Kollegium. Ein Musikschullehrer hat das nicht.
Auch der Umfang der Vorbereitung ist überhaupt nicht zu vergleichen. Das ist vielleicht das Verhältnis 100 zu 1. Die Vorbereitungszeit für einen Musikschullehrer ist nahezu vernachlässigbar. Für einen Schullehrer wird es auch irgendwann weniger, wenn man ein Thema schon behandelt hat und Materialien gesammelt, aber der Umfang ist ein Vielfaches und mit jedem neuen Lehrplan gibt es massive Veränderungen.
Mir sind die Unterschiede bewusst. [...] dass der Traum einer Musikerkarriere für die Allerwenigsten in Erfüllung geht und sie als Lehrende enden, egal ob als Schul- oder Instrumentallehrer.
Offenbar sind dir die Unterschiede nicht bewusst, denn du kannst nicht als Schullehrer "enden", wenn du vorher eine Karriere als Solist oder Konzertmusiker begonnen hast, weil das ein komplett anderer Studiengang ist.
Das ist ja die zentrale Frage, die der Themenstarter hier am Anfang gestellt hat. Man muss das VORHER entscheiden. Du kannst kein Referendariat machen, wenn du einen künstlerischen Studiengang absolviert hast. Und du wirst dann auch nicht verbeamtet, wenn du irgendwie noch nachträglich als Quereinsteiger nachrückst.
Du hast da trotz deines Jobs in der Schulverwaltung eine Sichtweise auf den Lehrberuf, die ziemlich weit an der Realität vorbei geht (super viel Ferien, hoch bezahlt und entspanntes Leben), denn wenn das so wäre, dann hätten wir nicht so einen massiven Lehrermangel, gerade in Musik (und Kunst). Es hat auch seinen Grund, wieso sich die Landesregierungen weigern flächendeckend eine Arbeitszeiterfassung für Lehrer einzuführen (wozu sie prinzipiell gesetzlich verpflichtet sind), weil dann nämlich herauskommen würde, dass die allermeisten Lehrer über 50h die Woche arbeiten (trotz der "super vielen Ferien"...).
Ein Musikschullehrer tut das nicht ansatzweise. Es ist ein komplett anderer Beruf.