Charaktervariationen

von Hallöchen, 26.04.07.

  1. Hallöchen

    Hallöchen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.04.07   #1
    Hallo liebe community!

    Kann mir von euch vielleicht jemand helfen und mir erklären wie man
    Charaktervariationen komponiert??? Oder irgendein Buch empfehlen??

    Das wäre echt klasse!!

    Schon mal ein dickes Dankeschön im Voraus!

    Lisa
     
  2. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 26.04.07   #2
    Da gibt es kein rezept; wer charaktervariationen schreiben will, muss wissen was er will, was das thema hergibt und welche charaktere er ihm geben will, wenn es denn nicht nur figural hergehen soll.
     
  3. Hallöchen

    Hallöchen Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.04.07   #3
    Hmm... aber gibt es keine Regeln die man beachten muss? Ich mein, wenn ich Variationen schreibe muss sich das doch irgendwie auf mein Thema beziehen oder?
     
  4. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 27.04.07   #4
    Variationen = veränderungen beziehen sich immer auf ein gegebenes thema, denn was anderes willst du verändern? Die mittel sind vielfältig, du kannst es melodisch umspielen, rhythmisch verändern, figuren hinzufügen, die lage wechseln, Dur und moll vertauschen. Alle parameter sind veränderbar, der phantasie keine grenzen gesetzt, es galt einmal die regel, das thema müsse immer durchschimmern, aber es kann auch bis zur unkenntlichkeit "variiert" werden.
    Welche variationswerke kennst du? Bach, Goldberg-variationen, Mozart, Klaviersonate A-Dur, Beethoven, Finale 3.Sinfonie, Brahms, Finale 4.sinfonie, Reger, Mozart-variationen?
     
  5. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.04.07   #5
    Probier doch mal ein kurzes menuett zu schreiben, und dann über das selbe harmonische schema einen marsch. Dann hättest du sozusagen ein anfang undein ende. Dann musst du nur noch die variationen dazwischen schreiben.
     
  6. Hallöchen

    Hallöchen Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.04.07   #6
    Ich kenne ein paar Variationen z.B. von Händel, Glinka Variationen über ein Thema von Mozart, Samuel-Rousseau Variations pastorales, ... Das heißt also wenn ich Charaktervariationen komponieren möchte, muss ich nur die Harmonien des Themas gleich lassen und sonst kann ich machen was ich will und muss nichts weiter beachten?
     
  7. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 27.04.07   #7
    Charaktervariationen heißen so, weil jede variation einen anderen charakter hat, etwa wenn ich aus einem thema im 3/4 takt einen marsch mache, aus einem lustigen ein nocturne, eine getragene melodie zu einem capriccio. Siehe Schuberts Impromptu B-Dur, da wird ein liedmäßiges thema, das "Rosamunden-thema" (es kommt in der dortigen schauspiel-musik und auch in einem streichquartett vor) zunächst figuriert, dann wird b-moll angesteuert, später geht es in Ges-Dur weiter, und am schluss perlen die läufe, um in einem rückgreifenden epilog zu enden.
    An die harmonien der vorlage bist du nicht gebunden (ist aber einfacher), es kommt alles auf deine kreativität an, wie steht es mit der?
     
  8. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.04.07   #8
    Ich denke es ist vielleicht mehr damit geholfen, wenn ich allgemein was zu Variationen
    sage. Es gibt viele Typen von Variationen.
    Erst einmal sollte man zwischen den Hauptkategorien unterscheiden.
    Die Variationen, die immer im Bezug zum Thema stehen, quasi kreisen und die
    Variationen, die sich entwickeln.

    Zu der ersten Gruppe zählen:
    *Cantus firmus-Variationen
    *Ostinato-Variationen Zählen.

    *Bei der Cantus firmus-Variation handelt es sich um Variationen, bei denen eine Melodie
    beibehalten bleibt und durch verschiedene Umspielungen oder andere Harmonisierungen
    variiert wird. Das bekannteste Beispiel dafür sind wohl Haydns Variationen über das
    Deutschlandlied im Kaiserquartett.
    *Die Ostinato-Variationen setzen sich, aus einem Bassostinato und den Stimmen die
    darüber variiert erklingen, zusammen. Eine Passacaglia ist z.B. eine Ostinatovariation.

    Zur zweiten Gruppe allein gehört kein Variationstypus, die folgenden Typen lassen sich
    Sowohl zur entwickelnden als auch zur kreisenden Variation Zählen:
    *Figural-Variationen
    *Charaktervariation

    *Bei der Figural-Variation wird eine Neue Melodie über ein gleichbleibendes
    Harmoniegerüst gebildet. Z.B. die 24. Caprice von Paganini.

    *Bei der Charakter-Variation veränderst du den Charakter des Themas. Wie z.B. von
    einem Menuett in einen Marsch. Z.B. Regers Mozartvariationen 4.+5. Variation.


    *In einem Variationssatz kann man natürlich verschiedene Variationstypen verwenden, so
    wie Reger es z.B. in seinen Mozartvariationen macht.

    *Bei den entwickelnden Variationen, kann man es oft so sehen, dass die vorangehende
    Variation als neues Thema gesehen werden kann, da so immer ein Bezug zwischen den
    einzelnen Variationen zueinander bestehen bleibt.
     
  9. Hallöchen

    Hallöchen Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.04.07   #9
    Vielen Dank, dass ihr euch mit mir soviel Mühe gebt und danke für die Erklärung der verschiedenen Variationstypen, das war echt nützlich! Ok .. jetzt bin ich schon mal n Stück weiter. Ich muss also bei dieser Art von Variationen dem Thema einen anderen Charakter geben. Gut, nachdem ich eigentlich sehr Kreativ bin, fällt es mir nicht sonderlich schwer mir etwas Neues auszudenken. Wenn ich nun also mein Thema nehme und mir in den entspr. Harmonien etwas neues einfallen lasse und das möglichst noch statt in einem 3/4 Takt z.B. in einem 4/4 Takt , dann habe ich eine Charaktervariation, oder muss ich da noch mehr beachten?
     
  10. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 27.04.07   #10
    Sei doch nicht so formal, ob variation oder charaktervariation interessiert doch keinen hörer, wenn die musik schön und die arbeit gelungen ist. Die musikwissenschaftler haben doch nichts anderes zu tun, als sich solche bezeichnungen auszudenken und lebendige musik in schemata zu pressen, komponisten komponieren. Punkt!!!
     
  11. peter55

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    Erstellt: 27.04.07   #11
    Hi Günter Sch.,

    sehr schöne Aussage :great: Habe das mit Erleichterung gelesen und werde es mir wieder vor Augen halten wenn ich komponiere und mir dann überlege, was denn ein Theoretiker zu meiner Melodieführung oder meinen Harmonien sagen würde.

    Greetz :)