DIY Lackarbeiten

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charon696

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Da hier immerwieder Fragen zu Lackarbeiten auftreten will ich mal ein paar Tips geben.

Vorbereitung:
Der Wichtigste Punkt!
Wenn der Untergrund nicht glatt wie ein Babypopo geschliffen wurde wird man das später mit Farbe und Klarlack in jeder Spiegelung sehen.
Genau wie Kratzer und Schleifspuren UNTER dem eigentlichen Lack.
Angenommen die eigentliche Lackierung nimmt 10% der gesamtzeit in Anspruch so zieht die gesamte Vorarbeit 80% und das spätere Finish wie polieren nochmal 10%.
Es wird nach "so ist es gut" und nicht nach "...guckt sich weg" oder "achtet man nachher nicht drauf" gearbeitet. Wenigstens man selbst sieht oder spürt die "Macken" und das reicht manchmal schon um den Spass zu verderben.
Nach perfektem Schliff wird eine Grundierung aufgetragen, die sich mit dem geplantem Basislack (Farbe) verträgt.
Am sichersten ist es Grundierung, Lack und Klarlack vom gleichen Hersteller im selben System (Wasser,- Nitro- oder PU-Lack) zu kaufen.

Zum Lackieren:
Die überall zu lesende Aufschrift "Der Untergrund sollte frei von Staub, Fett und Lösemitteln sein" ist nich aus Spass aufgedruckt.
Im Klartext:
- Die Grundierung lieber 1 Stunde länger trocknen lassen, bevor diese durch die eigentliche Farbe durchgast
- Lieber einmal mehr den Staub abwischen als sich nachher über Staubeinschlüsse zu ärgern
- Im Fachhandel gibt es Silikonentferner und Salzentferner. Diese sind zu gebrauchen, wobei auf Salzentferner meist verzichtet werden kann.

Wenn das Werkstück nun grundiert, entstaubt und entfettet ist wird es zum lackieren aufgehängt bzw. gelegt.
Das Umfeld sollte möglichst Staubfrei sein, also möglichst nich in einer offenen Garage mit Anschluss zum rege befahrenen Sandparkplatz arbeiten :)
Ein gut belüfteter Kellerraum, Plastikplane an Decke, Wänden und Tür ist ein guter Anfang.

Nun hängt der Korpus (z.B.) an einem Schweißdraht von der Decke unseres Operationssaals.
Leider leuchtet die 10W Deckenlampe mit Baujahr kurz nach dem 2. Weltkrieg das Werkstück nicht von allen Seiten aus.
Also besorgen wir uns ein paar Lampen. Abzuraten ist von Baustrahlern mit je 500W. Erstens wegen des doch recht hohen Stromverbrauchs, andererseits jedoch wegen der hohen Wärmeentwicklung, die das spätere Lackieraerosol entzünden könnte.
Neonröhren hingegen haben sich als "gut" herausgestellt.
Das Licht zeigt sebst kleinste Macken (die bei Sonnenlicht meist nicht wahrgenommen werden).

Nachdem also unser Werkstück sauber, trocken, fett- und lösemittelfrei im abgehangenen Keller super ausgeleuchtet an einem Schweißdraht hängt können wir uns gedanken über die Farbe machen.
Bei Acryl und PU Lacken, die in honigartiger Konsistens aus der Dose laufen wird die richtige Verdünnung (Datenblatt) im richtigen Verhältniss (DATENBLATT!!!) beigemischt und aufgerührt, bis die Konsistens in etwa Wasserartig ist.
Die Bedüsung hängt vom erwartetem Lackierergebniss ab:
Meist wird die Basis (Farbe) mit einer 1.6er Düse aufgetragen. Ich selbst bevorzuge eine 1.4er.
Nachdem nun die Farbe angemischt ist, in den Spritzbecher gefüllt wurde und der Kompressor den nötigen Druck aufgebaut hat wird mittels eines Druckminderers der benötigte Lackierdruck eingestellt. Dieser liegt irgendwo zwischen 1,1 und 3 bar. Genaueres steht entweder auf der Pistole oder (wie so oft) dem Datenblatt.
Um den Druck, den Farbdurchlass und die Spritzweite richtig einzustellen empfiehlt es sich ein Stück Pappe zu besorgen, dies an eine Wand zu tackern, und probezusprühen.
So kann man auch gleich ausprobieren wann der Lack deckt und wann er läuft.

Nun haben wir also unser Werkstück sauber, trocken, fett- und lösemittelfrei im Keller super ausgeleuchtet, der Kompressor hat genügend Druck aufgebaut, die Pistole ist richtig und für uns gut handelbar eingestellt, also kann es los gehen.
Spätestens jetzt wird die Atemschutzmaske aufgesetzt.
Die Farbe wird im Kreuzgang aufgetragen.
Das bedeutet nichts anderes, als:

Links nach rechts
rechts nach links
Links nach rechts
rechts nach links
oben nach unten
unten nach oben
oben nach unten
unten nach oben

Dabei wird die Düse auch um 90° verdreht, da sonst bei einem Arbeitsgang nur ein dünner, dafür Mediumreicher "Anstrich" erfolgt, der explizit zu Läufern führt.
Bei einem Lack, der nicht "nur schwarz, grün etc" ist, d.h. sämtliche Effektlacke wie metallic, flip flop etc. hat es sich bewährt mit 20-50%iger überlappung zu lackieren.
Dies ist etwas schwerer, kann zu läufern führen, aber der Lack wird so etwas gleichmäßiger, was dem Effekt gut tut.
Im Klartext wird der erste Gang lackiert, danach der Sprühstrahl so aufgehalten, dass die Hälfte den ersten Gang nocheinmal bedeckt und die andere hälfte die Grundierung.

Ist nun jeder gewünschte Quadratmillimeter mit der gewünschten Farbe bedeckt kann das Lackieren vorerst als beendet angesehen werden.
Die Restfarbe entfernen und die Pistole gut reinigen.
Ganz eilige können die Trocknung des Basislacks mit einem Fön o.ä. beschleunigen, wenn keine Aerosole im Gefahrenbereich vornanden sind.
Wenn der Keller also nachher so neblig ist, dass man die Pistole in der Hand nicht mehr sehen kann: Finger weg vom Fön!

Sollten widererwarten doch Läufer entstanden sein können diese mit 400-1000er Nassschleifpapier beseitigt werden.
Ich persönlich lasse die Basis nun richtig durchtrocknen und schleife sie mit 1000er Nass, wenn die Lackierung RICHTIG GUT werden soll.
Das hat den Vorteil, dass sämtliche unebenheiten, die beim Lackauftrag entstehen glatt gebügelt werden.

Nachdem unser Werkstück nun also komplett trocken und frei von Läufern ist können wir uns mit dem Klarlack beschäftigen.
Klarlack besteht eigentlich aus 3 Teilen, nämlich Klarlack, Härter und Verdünnung (2K Klarlack).
Der Härter wird nach Können und "Eiligkeit" ausgewählt.
Für Eilige, die vielleicht das erste mal lackieren empfiehlt sich normaler, kurzer oder sehr kurzer Härter.
Dieser trocknet sehr schnell, ein Probesprühen ist hier wieder hilfreich wobei zu beachten ist:
Wenn der Klarlack auf dem Probestück trocken ist wird er auch bald in der Pistole hart sein.
Um der folgenden Sauerei des Pistolereinigens zu entgehen wird wirklich nur ein gaaaanz kleiner schluck angemischt und "leerlackiert". Danach ist die Pistole mit Verdünnung zu reinigen.
Nun haben wir also herausgefunden, wann der Klarlack läuft, wie er verläuft (um letztendlich glatt zu werden) und sich sprühen lässt.
Ich bevorzuge normalen oder langen Härter. Da hier allerdings eine gewisse Routine eingekehrt sein sollte ist "Anfängern" von diesem abzuraten.
Langer Härter hat einfach den Vorteil, dass der Klarlack längere Zeit weich ist und laufen kann. Er kann also extrem glatt verlaufen oder extrem viele und große Läufer bilden.

Nun haben wir also einen Becher und je eine Dose Klarlack, Härter und Verdünnung vor uns.
Diese mischen wir wieder im Richtigen Verhältniss zusammen, wie es uns das Datenblatt vorschreibt, füllen das Gemisch in die Pistole, setzen die Atemschutzmaske auf und sind startklar.
Das zu lackierende Werkstück wird zuerst mit einer dünnen Schicht Klarlack bedacht, die etwas antrocknen darf.
Dies wird unsere sog. Klebeschicht.
Ich gehe nach der Klebeschicht und normalem Härter eine Zigarette rauchen und mache dann weiter.
Wie der Klarlack nun aufgetragen wird.... da hat jeder sein Voodoo.
Kreuzgang, nur quer, diagonal, kreisend... ich hab schon alles gesehen.
Wichtig ist nur, dass der Klarlack dicker aufgetragen wird als der Basislack und an alle Stellen gelangt, die zuvor mit Farbe besprüht wurden.
Für Gelegenheitslackierer und welche die es werden wollen sei gesagt: lieber überall etwas hinsprühen, was nachher evtl. etwas läuft, als stellen vergessen und zu wenig auftragen.
Falls etwaige Läufer auftreten verweise ich auf den Thread von *JEAN*, der Läufern anschaulich den Kampf ansagt. *KLICK*

Nachdem die Gitarre nun überall Farbe und Schutzlack bekommen hat wird das Licht gelöscht, der Raum verschlossen und sich für einige Stunden / Tage je nach Härter selbst überlassen. Zur Sicherheit sollte sie mindestens über Nacht trocknen.

Traut man sich nun endlich das Kunstwerk zu betatschen und bleibt nicht kleben ist der Klarlack ausgehärtet.

Ich nutze für ein perfektes Finish (wenn es der Kunde wünscht oder ich für mich selbst lackiere, Gitarren z.B.) 800er nass, 1500er nass, 3000er nass, gefolgt von Rot Weiss Politur, Rot Weiss Hochglanzpolitur mit der Maschine und zum Schluss Rot Weiss Lackkonservierer.
Die Polituren sind silikonfrei, sodass nach der ersten gleich die 2. poliert werden kann. Der Konservierer hingegen ist silikonhaltig.
Daraus erfolgt, bei schwarzen Lacken, ein wirklicher Spiegelglanz.

---------- Post hinzugefügt um 15:33:53 ---------- Letzter Beitrag war um 15:14:01 ----------

Grad gesehen, dass es einen Lackier DIY gibt.
Das hier kann also zu / gelöscht werden.
 
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