DIY-Messing-Hardware an der Gibson Les Paul

Erzengl

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DIY-Messing-Hardware an der Gibson Les Paul: 25€ Materialwert schlagen jeden Pickup-Wechsel!

Hallo zusammen,

ich möchte heute ein DIY-Projekt mit euch teilen, das meine 2017er Gibson Les Paul Standard klanglich in eine völlig neue Liga katapultiert hat.
Kurz zu mir: Ich bin kein gelernter Gitarrenbauer. Ich bin ganz normaler Elektroniker, aber ich bastle und handwerke schon mein ganzes Leben lang an Instrumenten. In all den Jahren habe ich schon etliche Gitarren restauriert und saniert:
Ich habe Bünde abgerichtet, Hälse geleimt, Mechaniken getauscht, Gitarren komplett umlackiert, gefräst, Sättel versetzt und fehlerhaft platzierte Saitenhalter korrigiert. Ich habe also schon echt viel gemacht und viele Gitarren modifiziert.
Meine Erfahrung zeigt:
Wenn die Grundsubstanz eines Instruments gut ist, kann man durch eigene Beschäftigung mit der Materie unglaublich viel herausholen. Man muss kein Profi-Gitarrenbauer sein – man muss einfach nur ein Nutzer sein, der sich Gedanken macht, wie man Dinge besser machen kann, und der willig ist, zu lernen. Heutzutage gibt es im Netz und auch durch den Einsatz von KI großartige Quellen, um sich das nötige Wissen anzueignen.
Wenn der Sound der eigenen Gitarre nicht fett oder rund genug rüberkommt, fangen die meisten von uns sofort an, die Tonabnehmer zu tauschen. Man gibt Unmengen an Geld aus, probiert Boutique-Pickups und wird oft doch nicht glücklich. Ich habe die Erfahrung gemacht: Es bringt viel mehr, sich mit der Brücke und dem Saitenhalter zu beschäftigen, als X-mal die Pickups zu wechseln! Alles, was man von der Stange kaufen kann, hat mich konzeptionell nicht überzeugt.
Also ab in die Werkstatt für ein 25-Euro-Material-Projekt.

Mein Haupt-Amp ist ein Engl* Powerball II. Wir spielen härteren Rock (kein High-Gain-Metal), haben aber auch viele weniger verzerrte Sachen und cleanere Geschichten im Programm.
Der Engl* deckt jede Frequenzschwäche gnadenlos auf. Mit der originalen Alu-Hardware hatte ich oft das Problem, dass es in den oberen Mitten und Höhen einfach an Wärme fehlte oder es in den normalen Rock-Zerrstufen leicht kratzig wirkte.
Die Konstruktion: Massives Messing (Ms58) für 25 Euro

Ich habe sowohl das Tailpiece als auch die Brücke inklusive der Saitenreiter komplett selbst aus massivem Automatenmessing gefertigt. Das Material wirkt wie ein natürlicher Frequenzfilter: Es rundet die aggressiven, schrillen Spitzen ab, liefert aber ein mörderisches, warmes Fundament und einen unglaublich punchigen Klang.
Kurzer Einblick zur Bauzeit: Insgesamt habe ich schätzungsweise 18 bis 20 Stunden in das Projekt gesteckt, verteilt über drei Tage (immer mal Blöcke von 6, 6 und 4 Stunden). Der absolute Löwenanteil ging dabei für die winzigen, filigranen Saitenreiter drauf. Das Tailpiece selbst war dagegen ein echtes Spurt-Projekt: Das war nach knapp 3 Stunden komplett fertig gebohrt, geschlitzt und polierfertig an der Gitarre montiert!
Beim Bau habe ich zwei entscheidende Modifikationen integriert:

1. Schräg gebohrte Saitenkanäle im Tailpiece (13° bis 15°!) – Die Top-Wrap-Alternative:
Das bekannte Gibson-Problem: Schraubt man das Tailpiece ganz auf den Korpus für maximalen Druck auf die Decke, knicken die Saiten zur Brücke hin extrem scharf ab. Viele versuchen das über die Wrap-Around-Technik (Top-Wrapping) zu lösen, wie es auch Joe Bonamassa oder Zakk Wylde machen – also die Saiten von vorne einfädeln und über das Tailpiece nach hinten führen. Das macht den Winkel flacher und die Bendings weicher.
Ich habe lange darüber nachgedacht, wollte aber die Nachteile des Top-Wrappings nicht: Man hört oft, dass die hohen Saiten bei harten Anschlägen aus den Reitersitzen rutschen können und dass durch den flachen Druck etwas Punch verloren geht.
Meine Lösung: Ich habe die Saitenkanäle und die Ball-End-Senkungen im Heck im exakten Flugbahn-Winkel schräg nach oben gebohrt. Man glaubt gar nicht, wie steil das sein muss: Es sind tatsächlich ca. 13 bis 15 Grad! Dadurch habe ich das Top-Wrapping elegant umgangen und muss das Tailpiece nicht hochschrauben.Die Ball-Ends liegen im Inneren absolut plan auf, die Saite verlässt das Loch völlig spannungsfrei ohne S-Knick, berührt innerhalb der Bohrung nirgends die Wand und läuft in perfekter Bahn zur Brücke.
Ich habe das weiche Spielgefühl vom Top-Wrapping, aber den vollen Punch und die Sicherheit der normalen Besaitung!

2. Die „Tone-Lock“-Fixierung per Madenschraube:
Das Tailpiece ist wie das Original nach vorne offen. Allerdings habe ich sowohl das Tailpiece als auch die Brücke von den Seiten. mit Madenschrauben versehen. Zieht man diese an, wird die Hardware bombenfest gegen die originalen US-Bolzen gepresst. Mechanisches Spiel? Null.
Das "verschmilzt" die Hardware akustisch komplett mit dem Holz des Korpusses.
Den Saitenradius (12 Zoll) habe ich direkt über die unterschiedlichen Höhen der einzelnen Messing-Saitenreiter realisiert, sodass die eigentlichen Saitenkerben extrem schonend und flach bleiben konnten. Ich spiele einen 11-52er Satz.
Ein kleiner, ehrlicher Hinweis noch vorab zu den Bildern:
Wenn man bei den Saitenreitern ganz genau hinschaut, sieht man, dass ich beim Feilen zweimal minimal abgerutscht bin. Das Ganze wurde komplett in echter Handarbeit mit einer kleinen Schlüsselfeile und ganz normalen Hausmittelchen ohne großes Präzisionswerkzeug gefertigt – da passiert so etwas eben mal! Es sind aber nur kleine Kratzer oben an der Kerbe, die der Funktion überhaupt keinen Abbruch tun. Das Endergebnis ist fantastisch und für meine Zwecke absolut perfekt geworden.

Das Ergebnis in allen Kanälen des Engl* Powerball II

Der Effekt ist einfach ein Träumchen und genau das, was jeder Gitarrist eigentlich sucht. Es funktioniert in jedem einzelnen Kanal meines Amps bombastisch:
• Clean & Crunch:
Die leicht angezerrten Sounds klingen unvergleichlich besser, stabiler und wärmer. Der Ton hat einen richtig fetten „Bauch“ bekommen, bleibt aber absolut transparent und spritzig.
• Das Volume-Poti erwacht zum Leben:
Ich kann selbst den fettesten Zerrkanal stufenlos über das Volume-Poti der Gitarre bis in einen absolut sauberen, crunchigen Clean-Bereich runterregeln. Der Ton bricht nicht in sich zusammen, sondern bleibt stabil und definiert.
• Bespielbarkeit:
Die Bendings fühlen sich durch den 13-15° Saitenwinkel am Tailpiece um Länges weicher und elastischer an. Die Stimmstabilität liegt bei 100 %. Die Oberfläche habe ich bewusst roh gelassen und nur poliert, damit sie über die Jahre eine ehrliche Vintage-Patina ansetzt.

Für 25 Euro Materialwert hat meine Paula jetzt einen unvergleichlich besseren, fetteren Sound, ohne dass ich an den Pickups schrauben musste. Anbei findet ihr die Bilder von den fertigen Teilen und dem Umbau. Wer Fragen hat, kann sich gerne melden!

Viele Grüße!
Euer ERZENGL
 

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Nice, solche DIY Projekte finde ich immer super spannend. Aber das, was Du da erstellt hast, kann man auch schon fertig kaufen.

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XGP SOLID BRASS locking Tuneomatic bridge, locking Saddles​


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XGP SOLID BRASS STRAIGHT Locking Stop Tailpeice​


Ich habe mir beide Teile in schwarz auf eine SG montiert:

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Hier ein kleiner Vergleich: original (vermutlich Zinkguss) Bridge/Tailpiece, verchrom vs. Messing Bridge/Tailpiece, schwarz. Erst clean, dann chrunch.

Der Unterschied fühlt sich größer an, als auf der Aufnahme tatsächlich zu hören ist - die Teile liefern aber hörbar mehr Mitten.
Bei den Guitar Fetish Tailpiece sind die Saitenkanäle gewöhnlich waagerecht. Fixiert werden die Teile aber auch, sie werden einfach mit Schrauben von oben auf die Studs gepresst.
 
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Herzlich willkommen im MB! :prost:
Das ist ja mal ein gelungener Einstieg, klingt wirklich spannend. :great:
 
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  • Ersteller
  • #4
Moin
Vielen Dank!
Die o.g. Brücke war tatsächlich auch der Auslöser für das Projekt.
Wo hast du die denn gekauft, ich hab leider nichts dazu finden können.
Sonst hätte ich mir die tatsächlich auch gekauft.
Gab dazu mal ein Tread in einem anderen Forum.

Deshalb einfach selbst gebaut.

Gruß Ralle
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Ach , hab die Verlinkung gesehen 👍🏼
 
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Unter den Bildern habe ich beide Produkte verlinkt. Seit einigen Monaten sind leider die passenden Schrauben nur sporadisch zu bekommen. Beide Teile zusammen kosten gut 50 $ plus knapp 30 $ Versand, man zahlt also mit Zoll und Steuer round about 100 bis 150 €.
 
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  • Ersteller
  • #6
Hätte ich dir vorher gefunden, wäre das Projekt wohl nicht zustande gekommen.....
 
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So was macht man aber doch nur, wenn man daran auch Freude hat. Das werde ich doch gleich mal mit ein paar Keksen belohnen.
:great:
 
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  • Ersteller
  • #8
Danke, genau so ist es....🤘🏼😎
 
Schönes Projekt, guter Bericht, und alle Achtung vor den handwerklichen Fähigkeiten!
 
  • Ersteller
  • #10
Danke Dir 🤘🏼😎
 
  • #11
ich hab leider nichts dazu finden können.
Sonst hätte ich mir die tatsächlich auch gekauft.
Gab dazu mal ein Tread in einem anderen Forum.

Deshalb einfach selbst gebaut.
Das ist sehr konsequent.
Super, danke fürs Zeigen!👍🏽
 
  • Ersteller
  • #12
*edit*
Sehr gerne.
Ich finde das Wissen geteilt werden muss damit es nicht verloren geht.
Und mehr Leute sich mit den Grundlagen beschäftigen sollten, auch wenn man alles kaufen könnte.
 
Grund: edit by C_Lenny -> Vollzitat Vorpost
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  • #13
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