Dm7 Pentatonik?

von bandchef, 23.11.03.

  1. bandchef

    bandchef Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.11.03   #1
    Hi!

    Kann mir jemand auf'm kurz (oder lang) eine Pentatonik die Dm7 läuft erklären? Oder weiß jemand ne gute seite im www die das erklärt? Bin fast am verzweifeln!

    thx and ciao

    bandchef
     
  2. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 24.11.03   #2
    Pentatonische sind auf gut Griechisch 5-Ton-Leitern, i.Ggs. zu heptatonischen, die 7-Ton-Leitern sind. Zu letzteren gehören Dur und verschiedene Molls oder die Modi Ionisch (materiell aber nicht funktional gleich Dur), Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Äolisch (materiell aber nicht funktional gleich Natürlichem Moll), Lokrisch, sowie eine ganze Reihe weiterer.

    Pentatoniken können hemitonisch oder anhemitonisch sein, wiederum auf gut Griechisch Halbtonschritte enthalten oder nicht.

    An anhemitonischen Leitern, die zu Dm7 gespielt werden könnten (bzw. dem ggf. zugrundeliegen könnten), kämen vor allem in betracht D F G A C, solange der Kontext nicht Harmonisches Moll (D E F G A Bb C#) oder Melodisch Moll Aufstiegend (D E F G A B C#) ist. Ein eventueller modaler Kontext könnte per se hier alles zwischen Dorisch (D E F G A B C) [wobei B modo americanico für teutonisches H steht] und Phrygisch (D Eb F G Ab Bb C) sein. Sowie D F G Bb C, womit aber wg. der kleinen Sexte nurmehr natürliches Moll bzw. die Modi Phrygisch und Äolisch (D E F G A Bb C) als Kontexte in betracht kämen.

    Eine hemitonische Leiter, die sich hier anböte, wäre etwa D Eb F A C in phrygischem oder maurischen (Phrygisch #4) Kontext.
     
  3. II-V-I

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  4. LBB

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    Erstellt: 24.11.03   #4
    Hölle! :shock:

    :D
     
  5. II-V-I

    II-V-I HCA Bass HCA

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    Erstellt: 24.11.03   #5
    man kanns ja auch übertreiben ... man schickt einen patienten mit beschwerden ja auch nicht gleich in eine medizin-vorlesung :rolleyes:

    wenn einer nach Moll-Pentatonik fragt, hätte
    gereicht.

    bei HM ist Dm7 auch Dm7, sonst hätt er ja DmMaj7 geschrieben. Ergo würde das nur bei einer eventuellen Dominantfunktion in Frage kommen ... MM darf im Jazz und Pop auch abwärts gespielt werden (schön' Gruss an alle Klassiker!)

    nix für ungut ;)
     
  6. Heike

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    Erstellt: 24.11.03   #6
    Ja schon, aber mit'm Mercedes brötchenholen ist seliger denn mit'm Fahrrad 'n Umzug bewältigen müssen. :oops: Wußte ja nicht, warum die Frage in welchem Kontext auftauchte.
     
  7. II-V-I

    II-V-I HCA Bass HCA

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    Erstellt: 24.11.03   #7
    finds wirklich echt cool, dass du dir mit der beantwortung der fragen immer so viel mühe gibst, aber das wird leicht falsch interpretiert.
    manchmal ists wie in der musik => weniger ist mehr.
    denn wenn einer schon nach pentatonik fragt, dann ist er nach soviel info höchstwahrscheinlich eher verwirrt als dass ihm geholfen ist. dass du ahnung von musik hast merkt man auch so ...
     
  8. reteep

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    Erstellt: 24.11.03   #8
    Dennoch war Heike's Posting sehr interessant und besser konnte man es nicht darstellen, man kann ja nicht vorhersehen wieviel Grundverständnis der fragende User von der Musik hat.

    (imo) Weiter so ;)
     
  9. LBB

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    Erstellt: 24.11.03   #9
    Ich kam mir nach dem Posting richtig blöd vor... ;)
    Aber trotzdem Respekt! Ich find so Sachen klasse, da lernt man wenigstens was... Wenn ich denn irgendwann verstehen sollte... ;)
     
  10. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 24.11.03   #10
    Is' ja nu' nicht so, daß ich auf Nachfrage nicht noch mehr Infos 'rausrückte...
     
  11. Rojos

    Rojos Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.11.03   #11
    @heike... ein link zu nem soundfile von dir hätte... damit man dein enormes wissen auch mal hört :-)
     
  12. LBB

    LBB Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.11.03   #12
    @Heike: Das würde wohl Stunden dauern!
    Ich frag mich z.B. wieso Ionisch nicht gleich Dur ist (Zumindest funktionell, wie du es gesagt hast)... Wo is da der Unterschied?
     
  13. eep

    eep Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.11.03   #13
    kann mich LBB nur anschliessen....

    @heike
    zuviel freizeit, dass du dich mit sowas beschäftigst???
    :D

    nun ja, alles intressant, aber versteh da bloss bahnhof....

    gruss
    eep
     
  14. EDE-WOLF

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    Erstellt: 24.11.03   #14
    au man sobald man mal etwas musiktheorie ablässt ist man gleich ein "klugscheisser" wie arm das ist.... ja es gibt auch leute, die haben wirklich ahnung von musik!

    btw: schöne erklärung!
     
  15. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 24.11.03   #15
    Es ist sogar noch schlimmer, Modalität kann sehr verschiedene Dinge bedeuten.

    (1) Kann man tatsächlich mit den genannten Modi funktionsharmonisch arbeiten. Eine Standardreferenz hierzu wäre: Persichetti, Vincent: Twentieth-Century Harmony. New York / London: W. W. Norton & Co. 1961, pp. 31 - 43. Hier werden Ionisch und Äolisch tatsächlich mit Dur und Natürlichem Moll identifiziert — und gemieden, weil man Modi der speziellen Klangfarbe wegen einsetzen will. Das steht natürlich im Konflikt dazu, das erst im 19. Jh. so geschlossene System (Lokrisch kam als letztes dazu) als solches auszureizen. Man da hat eben "von oben" herunter gedacht, und nicht etwa "von unten" rekonstruiert, welche Möglichkeiten man vor der Reduktion auf ein Dur/Moll-System gehabt hätte. Und das auch trotz der Beschäftigung von etwa Bartók und Stravinskij mit ungarischer bzw. russischer Volksmusik, die noch modal im ethnomusikologischen Sinne (s.u. 2) ist.

    (2) Es gibt das System von Kirchentonarten, was sich nur teilweise damit überschneidet. Dabei handelt es sich noch um Modalität im eigentlichen Sinne, wie die meisten Musikkulturen funktionieren, denn unsere Funktionsharmonik ist ein — das sollte man unumwunden so sagen — Exoticum. Das System ähnelt eher dem arabischen als dem neuzeitlichen indischen, insofern hier nicht nur Tonmaterial, sondern auch bestimmte Funktionen ("Grundton", finaler Ton) ausschlaggebend für den spezifischen Moduscharakter sind.

    (3) Modaler Jazz... bevor's gar zu schlimm wird, für die Praxis wie etwa im Fusion (incl. Mischformen) findet sich z.B. in Jungbluth's Jazz-Harmonielehre was dazu... Im Prinzip ist das ein Raster von Tonmaterial nach Vorzeichenebenen geordnet, und tonalen Zentren. Leider wird das aber auch nicht ausgereizt. In ein Leadsheet könnte man eben so mißverständlicherweise "Dm7" reinschreiben, tut das leider auch meistens. Konsequenter wäre "D Phrygisch" und ggf. "2b-Ebene" zu notieren, weil das dem Geschehen zugrundeliegt. Der Akkord wäre hier ja nur einer von vielen möglichen, man könnte sogar D7sus4 spielen, denn dominantische Funktion und Akkord-Skalen-Theorie gibt es hier nicht, sollte zumindest...

    I.Ggs. zur "richtigen" Modalität (s. unter 2) wechseln hier Tonalität wie Modalität. Eine Folge von z.B. F Lydisch und G Mixolydisch wäre polymodal (Lydisch vs. Mixolydisch) und unitonal (beide 0-Ebene).

    Historisch gab es dazu verschiedene Zugänge. Als Vorläufer gilt Miles Davis' Reduktion der Frequenz von Changes auf "Birth of the Cool" (1949-50). Davis wollte melodische statt harmonische Möglichkeiten ausspielen, kompositorisch wie improvisatorisch. Der eigentliche Modal Jazz fing an, als John Coltrane den funktionsharmonischen Gipfel der "Giant Steps" nicht mehr zu toppen können glaubte, sich nach Alternativen umtat und dabei sich von indischen und arabischen Musiken inspirieren ließ ("Africa/Brass" 1961, "Impressions" 1963). Übertragen lassen tatsächlich kaum diese Konzepte, schon angefangen damit, daß Jazzer temperiert gestimmte Instrumente verwenden... In Kollektivimprovisationen kam es dann auch eher dazu, daß eine Modus nur noch als Ausgangspunkt diente, von dem man sich ggf. sehr weit entfernen konnte, und irgendwann tat Coltrane nach langem Zögern den Schritt zum Free Jazz.
     
  16. Heike

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    Erstellt: 24.11.03   #16
    Ich zehre da nur von Wissen, das teils noch aus dem schulischen Musikunterricht stammt, teils mit was ich mich damals anstatt sonstigen "Angeboten" der Penne beschäftigte, weil mich das da so anödete.

    Mußt nur sagen, wo ich mit grundlegenderen Erklärungen anfangen soll...
     
  17. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 24.11.03   #17
    Um 'ne Website zu basteln bräuchte ich tatsächlich etwas mehr Muße...

    Ich versuch's zwar zu verstecken, aber einer der häufigsten in Proberäumen geäußerten Sätze war leider schon nicht etwa "Welche Tonart?", "As 13? Proben wir jetzt oder spielen wir Karten?" oder "Du spielst zu laut" (finde nunmal, daß Stacks in der Größe von Ami-Kühlschränken etwas gemütlich-anheimeldenes haben...), auch nicht "Du spielst zu viel", sondern "... zu kompliziert" :oops:
     
  18. LBB

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    Erstellt: 25.11.03   #18
    @Ede: Klugscheisser hat hier keiner fallen lassen, außer ich habs überlesen! Ich finds toll! :) Ist glaub ich, gerade das erste mal, daß ich hier in diesem Forum was zu lesen und lernen bekomme, des mich wirklich interessiert!

    @Heike: Ich glaub ich druck mir des ma aus und les mir des noch paar hundert mal durch... Ich versteh grad noch weniger... ;)
    Und sag mir bitte, daß du schon seit 20 Jahren spielst, damit ich nich ganz so frustriert bin... Auch wenn's nicht stimmen sollte! :D
    So... Ich geh jetz und les in meinem Harmonielehrebuch weiter damit ich irgendwann auch mal verstehe was ich spiele... ;)
     
  19. Heike

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    Erstellt: 25.11.03   #19
    Ist zugegebenermaßen nicht ganz trivial, vor allem das mit den 1000 + 1 "Modalitäten". Das liest sich auch zugegebenermaßen staubtrocken, wenn man nicht die entsprechenden Hörerfahrungen hat (von Spielerfahrung in verschiedenen Traditionen will ich erst gar nicht reden :(). Vermutlich stehe ich mit meiner sehr harschen Kritik auch ziemlich alleine auf weiter Flur.

    Für die Praxis ist aber schon wichtig, daß man nicht denkt, da steht ein Mollakkord wie der genannte Dm7 und aus dieser Diagnose folgt automatisch die Therapie, eine "Mollpentatonik" drüberszupielen. Es paßte eben vielleicht auch 'ne Scale wie D E G A Bb. Oder man sollte mal in Frage stellen können, was Akkorde überhaupt mit Skalen zu tun haben. Oder als fortgeschrittene Übung auch die improvisatorische Freiheit auf die zugrundeliegenden Akkorde ausdehnen, etwa, noch harmlos, kann ich die anderen Mitspieler machen lassen, was sie wollen, um ein Dmb9b13 Arpeggio drüberzuspielen.

    Stimmt aber, daß sogar noch etwas länger...
     
  20. LBB

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    Erstellt: 25.11.03   #20
    Dann hab ich ja noch Zeit... In 20 Jahren sollt ich das dann auch verstanden haben... ;)

    Und beim spielen denk ich eh nicht... ;)
     
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