[Effekt] Palmers Mutterstolz mit blindem Fleck

von unixbook, 02.02.16.

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pedaltrain
  1. unixbook

    unixbook Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.02.16   #1
    Auf der Suche nach einem Pedal welches in gewisser Weise ein Mittelding zwischen einem Poster und einem leichten Overdrive darstellt bin ich auf das Mutterstolz von Palmer gestoßen. Es wird derzeit für rund 100 Euro vertickt. Mein lokaler Dealer hatte es vorrätig und ich durfte es zuhause in aller Ruhe testen.

    Das Gerät kommt in der von Palmer gewohnten Heavy-Duty-Ausführung daher und bringt sein eigenes 12 V AC Netzteil mit. Die Kiste zieht 370 mA. Ein Anschluss an mein vorhandenes Multinetzteil ist nicht möglich.

    Ein Sichtfenster lässt einen die verbaute Röhre sehen. Der hier sichtbare rote Schein kommt jedoch nicht von der verbauten ECC83-Röhre, sondern von neben ihr liegenden LEDs. Natürlich habe ich mal den Schraubendreher zur Hand genommen und die Kiste geöffnet. Die Röhre zu tauschen ist möglich, aber nicht ganz banal, denn zunächst müssen alle Potis abgeschraubt werden. Hier hätte ich mir eine leichtere Erreichbarkeit gewünscht, denn wer spielt nicht gerne mal Röhrentausch?

    Die Bezeichnungen der Bedienelemente sind eigenwillig aber schnell zu begreifen. Wenn man Destruction und Dirt zugedreht lässt, Color auf 12 Uhr stellt hat man mit Mother einen schönen Booster. Mit Destruction und Dirt kann man dann sehr schön die gewünschten Drive-Anteile hinzufügen. Das Teil macht also genau das, was ich gesucht habe. Mit dem True Bypass kann man es auch komplett aus dem Signalweg entfernen.

    Der eigentliche Sound ist gelinde gesagt großartig. Warm, transparent und unglaublich dynamisch. Saugeil ist noch stark untertrieben. Doch nun kommt ein dickes ABER: Das Gerät gibt neben dem unglaublich schönen Sound auch ein weiteres Geräusch von sich, was ich als Mittelding zwischen Brummen und Nageln bezeichnen würde. Das ist ein echter Wermutstropfen bei diesem sonst perfekten Gerät. Man muss sich also entscheiden, ob man damit leben kann oder nicht. Ein Noise Killer nach dem Mutterstolz kann das Störgeräusch in Spielpausen eliminieren, bei ganz leisen Spielpassagen tritt es dann aber eben doch wieder auf. Vielleicht ist es typisch für den Stolz einer Mutter, dass sie über die Schattenseite ihrer Sprösslinge hinweg sehen kann, an dieser Stelle einen blinden Fleck hat? Wahre Liebe nimmt eben auch Schattenseiten mit in Kauf. Meine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Einen Tod werde ich sterben müssen. Entweder diesen saugeilen Sound wieder aufgeben oder mit den Störgeräuschen leben. Ich habe noch ein paar Tage Zeit…

    Produktinformation des Herstellers: http://www.palmer-germany.com/mi/de/MUTTERSTOLZ-Tube-Distortion-Pedal-PEMUTT.htm
     
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  2. Tapdingo

    Tapdingo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.02.16   #2
    Danke für das Review :)
    Hab das Pedal auch daheim und auch bei mir sind die Störgeräusche vorhanden, kommen wohl von dem Trafo für die Röhre, wenn man dem Internet glauben kann...
    Daheim im Schlafzimmer kann ich gut damit leben, aber durch einen lauten Amp macht mich das wahnsinnig ;)
     
  3. metaforce

    metaforce Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.02.16   #3
    Gut zu lesen, GAS kann immer dazu führen, vorhandenes in Frage zu stellen und das Mutterstolz sieht schon gut aus, aber ein vernehmbares nerviges Störgeräusch ist schon ein k.o. -Kriterium.

    Ich nutze übrigens seit Jahren das völlig billige Behringer VT999 "Tube Monster", wo ich lediglich die Röhre gegen eine aus einem Mesa Boogie getauscht habe. Toller Sound, rauscht nicht so sehr, Noise Gate regelbar vorhanden, EUR 49.-
     
  4. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.02.16   #4
    Da frage ich mich, warum Palmer sowas macht? Müsste denen bei der Entwicklung doch eigentlich auch aufgefallen sein.

    Interessant. Ich finde es gerade bei leisen Lautstärken sehr unangenehm. Bei höherer Lautstärke stört es mich persönlich nicht so sehr.

    Vermutlich wird es darauf hinaus laufen, dass ich es wieder in den Laden trage. Ich werde mal eine Nacht ruhen und morgen sehen, wie ich dazu stehe.


    Was wären denn Alternativen außer dem genannten Behringer?
     
  5. sonicwarrior

    sonicwarrior R.I.P. sonicwarrior

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    Erstellt: 02.02.16   #5
    Meiner hat auch ein Störgeräusch, aber als so stark empfinde ich das nicht, zumal die Stärken des Pedals bei nicht so hoher Verzerrung liegen IMHO. Wenn ich nicht alle Regler auf Anschlag habe, dann ist das Geräusch ziemlich vernachlässigbar. Finde ich weniger schlimm als Singlecoil-Gebrumme. Ein bisschen Störgeräusch ist bei einem Verzerrer ja auch normal.

    Oder Palmer mal um ein Statement bitten: http://www.palmer-germany.com/mi/de/Kontakt.htm

    Vielleicht haste ja auch ein kaputtes Exemplar bei dem die Störgeräusche ausgeprägter als normal sind. Im Mutterstolz Thread hat sich jedenfalls noch kein anderer Besitzer darüber beschwert: https://www.musiker-board.de/threads/palmer-mutterstolz.532360/
     
  6. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.02.16   #6
    Alle Regler auf Anschlag hatte ich gar nicht. Destruction und Dirt hatte ich jeweils auf 9 Uhr. Mother maximal auf 14 Uhr. Und verglichen mit meinen Singlecoils an der Telecaster ist das Nageln des Mutterstolz deutlich störender für mein Empfinden.

    Ich habe heute mal ein zweites Exemplar ausprobiert. Gleicher Befund. Ich werde das Gerät nicht behalten. Schade eigentlich.
     
  7. sonicwarrior

    sonicwarrior R.I.P. sonicwarrior

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    Erstellt: 05.02.16   #7
    Schade finde ich vor allem, dass wir dann nicht mal ein Audiobeispiel vom Störgeräusch bekommen. Hätte mich sehr interessiert, wie bei Dir das Verhältnis von Gitarrenklang vs. Störgeräusch ist, wie sich das Gitarrensignal im Bypass anhört und ob das Störgeräusch genauso klingt wie bei mir.
     
  8. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.16   #8
    Ja, verstehe ich. Habe ich aber im Moment nicht wirklich die Möglichkeiten dazu.

    Nach meinem Gehör unverändert. Hier liegt offenbar wirklich ein echter True Bypass vor.
     
  9. sonicwarrior

    sonicwarrior R.I.P. sonicwarrior

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    Erstellt: 05.02.16   #9
    Ja, das wäre dann auch mehr dafür gedacht gewesen, um zu hören was so von der E-Gitarre selber kommt.
     
  10. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.04.16   #10
    Inzwischen habe ich mir auf dem allgemein bekannten Kleinanzeigenportal für 15 € ein Behringer VT911 geschossen, welches mir in der Ab-Werk-Version überhaupt nicht zusagte, was aber meine Bastellaune anregte. Ich weiß, dass sie neu zuletzt auch nicht teurer waren, aber neu sind sie nicht mehr zu bekommen. Hätte ich es versiebt, dann wären 15 € futsch. Ein Risiko mit dem ich leben kann. Für die Modifikationen habe ich mich hier inspirieren lassen: https://blog.brixit.nl/guitar/2015/05/04/modding-a-berhinger-vt911.html

    Ich habe daran also folgende Modifikationen durchgeführt:

    - Austausch der Röhre gegen eine JJ 5751
    - 4.7 nF Kondensator zwischen Pin 1 und Pin 7 an der Röhre
    - 470 Ohm Widerstand zwischen Pin 7 und Masse an der Röhre
    - 1.0 nF Kondensator zwischen die äußeren Kontakte des Drive-Potis
    - 100 KOhm Wiedertand parallel zu dem 1.0 nF Kondensator
    - Einbau eines True Bypass Schalters
    - Einbau eines An-Aus-Schalters inkl. Trennung von der Masse
    - Einbau einer LED zur Beleuchtung der Röhre

    Die Modifikationen am Drive-Poti habe ich schaltbar ausgeführt. So besteht nun eine sehr weiter wählbarer Gain.

    Insgesamt habe ich für die Modifikationen Material für ca. 15 € gebraucht, d.h. für insgesamt ca. 30 € habe ich nun ein imho wirklich toll klingendes Röhren-Overdrive. Preiswerter geht glaube ich wirklich nicht.

    VT911.jpg
     
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