Ein paar (sehr viele) Gedanken zur Bandgründung

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1 EIN PAAR WORTE VORAB


1.1 Warum das alles?
Oder: Was hat den denn jetzt wieder geritten?

Keiner hat nach ihm gefragt - weil ich aber gerade Lust drauf habe, dachte ich mir, ich bringe mal meine Gedanken über Bandgründungen auf das virtuelle Papier. Vielleicht hilft dieser Text ja dem Einen oder Anderen, vielleicht dient er nur als Diskussion - mal sehen. In zwei Punkten ist der Mehrwert garantiert: Erstens habe ich mir meine Gedanken mal von der Seele geschrieben, zweitens gibt’s einen neuen Thread im Musiker-Board. Ich habe jetzt bewusst einen neuen Text verfasst und nicht auf andere Gedanken und Workshops verlinkt. Dieser Text soll halbwegs „aus einem Guss“ sein und nicht mehr und nicht weniger als meine aktuelle Sicht auf die Dinge darstellen. Der Text ist wirklich lang, aber eben trotzdem garantiert nicht vollständig. Der Text ist auch manchmal ziemlich „platt“, weil man über viele Themen eigentlich nicht so viel Weises schreiben kann. Er ist auch nicht frei von Widersprüchen, weil die Welt auch nicht anders ist. Er ist so, wie er eben geworden ist.

Zusammengefasst:
Like it or leave it. Mir hat’s Spaß gemacht, das reicht.


1.2 Für wen ist dieser Text gedacht?
Oder: bitte lesen, um zu lesen, ob man überhaupt weiterlesen muss

Diese Text richtet sich an all jene, die überlegen, ob sie nicht erstmals in eine Band einsteigen bzw. eine solche gründen sollten. Es geht ausdrücklich nicht um mehr oder weniger erfahrene „alte Hasen“, die seit Jahren oder Jahrzehnten mit Bands „im Geschäft“ sind. Okay, einige der Kern-Probleme bleiben immer dieselben – aber hier geht es eher um Starthilfe als um Tuning.

Damit bin ich dann auch schon automatisch bei der Tatsache, dass sich dieser Text als Konsequenz eher an „junge“ Menschen handelt. Natürlich ist auch für den Mittdreißiger, der seit zwei Jahren endlich E-Gitarre lernt, ein bisschen was dabei - tendenziell ist dieser Text aber für Schüler, Studenten, Auszubildende, junge Berufstätige, etc. geschrieben. Ganz bewusst richte ich mich an also „Anfänger“, was das Bandleben betrifft.

Mit „Band“ wiederum meine ich hier all das, was sich im Rock/Pop/Metal/Soul/etc.-Bereich tummelt, also das, was man als Grobkategorie in „Rock&Pop“ einsortieren kann. Es geht definitiv nicht um klassische Musik, Chöre, Steeldrum-Orchester, Theremin-Triangel-Duos und ähnliche „Exoten“, sondern um das, worum sich große Teile des Musiker-Boards so drehen.

Und letztlich: Hier ist kein Patentrezept, wie man mit seiner Musik erfolgreich wird, es im harten Business ganz nach oben bringt, den Rock&Roll Lifestyle mit Sex&Drugs perfektioniert und die große Kohle nebenbei scheffelt. Selbst, wenn dieser kleine Leitfaden vielleicht dem Einen oder Anderen den Start seiner Band erleichtert, heißt das noch lange nicht, dass diese Band dann auch gute Musik macht und „Erfolg“ hat.

Zusammengefasst:

Wenn Du…

… zwischen 14 und 24 Jahre alt bist,

… E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug oder Keyboard spielst (und/oder gerne singst),

… noch nie in einer Band gespielt hast,

… die Nase voll vom Üben im Unterricht oder im Zimmer daheim hast,

… Musik machen willst, die grob in die Richtung „Rock&Pop“ (ja, inkl. Metal) geht,

dann ist dieser Leitfaden zu 100% für Dich gedacht.

Sonst eben entsprechend weniger.

PS: „Gender Paragraph“: Ich verwende in der Regel die männliche Form und verzichte auf Konstruktionen wie z.B. Musiker/Musikerin oder Musiker/-in oder gar MusikerIn. Das ist natürlich in keiner Form abwertend gemeint, mein Text gilt für Musikerinnen ebenso wie für Musiker. Der einzige Grund ist, dass der Text so schlichtweg viel einfacher und lesbarer wird.


1.3 Wie ist dieser Text gegliedert?
Kann man lesen, wenn man wissen will, was ich mir dabei gedacht habe.

Ich versuche, die einzelnen Schritte zur Bandgründung von der ersten Idee bis zum ersten Auftritt darzustellen. Dabei ist mir völlig klar, dass es diese „Musterlösung“ in der Realität kaum gibt. Zu vielfältig sind die tatsächlichen Probleme, zu verschieden die Menschen und Situationen – es wird nie einen Leitfaden geben, der alle Varianten und Eventualitäten abdeckt. Aber: die Stationen, die ich hier aufzeige, kommen in jeder Band-Laufbahn irgendwann vor. Die Reihenfolge mag anders sein, die Bedeutung der Stationen auch, die Schwierigkeiten unterschiedlich gewichtet – aber wenn man „von null“ anfängt, sind diese Stationen immer irgendwie relevant.

Auf lokale Unterschiede kann ich natürlich nur begrenzt eingehen. Wenn man auf einer Hallig in der Nordsee wohnt, findet man eventuell nur schwer Mitmusiker – zumindest verglichen mit jemandem, der in einer Großstadt aufwächst. Aber: Ich versuche wenigstens, auf besondere Herausforderungen des „Landlebens“ einzugehen. Aus der Situation komme ich selbst, jetzt bin ich in der Stadt – ich kann also einige Probleme der „Landeier“ verdammt gut nachvollziehen.

Zusammengefasst:
Die hier dargestellten Gedanken zur Bandgründung ist grundsätzlich immer richtig, alle Band-Neugründungen durchlaufen die dargestellten Schritte. Für jede einzelne Bandgründung ist dieser Ablauf jedoch immer falsch, weil es immer anders abläuft als ich in meinem Schema hier beschreibe. Man sollte das also immer als „so oder so ähnlich“ lesen, nicht als „das muss genau so sein“.



2. MEINE GEDANKEN ZUR BANDGRÜNDUNG


2.1. Warum soll ich eigentlich in einer Band spielen?
Oder: in meinem Zimmer ist’s aber viel schöner

Jeder erfahrene Musiker wird Euch sagen, dass man durch das Zusammenspiel mit anderen Musikern verdammt viel lernt. Vor dass man so Dinge lernt, die man alleine eben nicht lernen kann. Man lernt, wie man aufeinander hört. Man lernt, wie man aufeinander eingeht. Man lernt, was andere so spielen und erweitert „spielerisch“ bzw. „spielend“ seinen eigenen musikalischen Horizont. Man lernt, sein eigenes Instrument im Bandgefüge zu spielen und nicht als Solo-Instrument. Man lernt neue Leute kennen, findet evtl. sogar Freundschaften oder einen Lebens(abschnitts)partner. Und man kann nebenher verdammt viel Spaß dabei haben.

Gegen ein „mag ja sein, dass erfahrene Musiker das sagen, aber ich glaub’s trotzdem nicht“ kann ich nichts tun außer ein leises „Schade“ zu erwidern. Irgendwann wirst Du schon merken, dass Du was verpasst hast. Irgendwann verwandelt sich ein „Mädchen sind doof“ auch in ein „Haste die Steffi aus der Klasse nebenan gesehen?“ – ähnlich ist es mit der Musik. Man merkt, dass alleine was fehlt. Dann ist es Zeit, sich auf die Suche zu begeben. Das ist immer abenteuerlich, wie die Suche nach der wahren Liebe. Aber – ganz Zen-mäßig – manchmal ist auch hier der Weg das Ziel.

Klingt kryptisch? Mag sein, aber eine bessere Erklärung habe ich nicht.

Zusammengefasst:
Nichts bringt einen musikalisch weiter, als mit anderen Leuten Musik zu machen.


2.2. Wann bin ich reif für eine Band?
Oder: manchmal reichen auch drei Akkorde

Hört Euch mal die Aufnahme „Like A Rolling Stone“ von Bob Dylan an. Das Stück wurde mal vom Rollnig Stone Magazine auf den ersten Platz der 500 großartigsten Rock-Songs aller Zeiten gewählt. Auch so ist das Stück ein absoluter Klassiker und auch nach diversen Jahrzehnten immer noch ein Knaller.

Jetzt hört Euch das Stück nochmal an und achtet auf die Orgel. Was wäre das Stück ohne diese markanten Orgel-Riffs. Aber vielleicht denkt Ihr Euch auch: Was spielt der Kerl denn da eigentlich? Ist das im Takt? Wenn man jetzt ein wenig weiterforscht, dann erfährt man, dass der damalige Organist Al Kooper eigentlich nur zufällig am Instrument saß, eigentlich Gitarrist war und dass die Orgel immer deswegen eine runde Achtelnote zu spät kommt, weil der gute Mann erstmal die Tasten für den nächsten Akkord finden musste. Auch die etwas abgehackte Phrasierung ist nicht geplant, sondern einfach nicht besser gekonnt. Für mich immer wieder der strahlende Beweis, dass auch mit ziemlichen Anfängerkenntnissen tolle Musik entstehen kann.

Übertragen auf Euch: Nein, man muss nicht eine bestimmte Anzahl von Stücken, Beats, Bassruns, Akkorden oder Tonleitern beherrschen, um „bandreif“ zu sein. Man ist eigentlich nie „fertig“ mit dem Lernen, es gibt immer jemanden, der irgendwas „besser“ kann. Es gibt auch keine Prüfung, nach der man schwarz auf weiß lesen kann, dass man jetzt „bereit“ für eine Band ist.

Nicht vergessen sollte man allerdings, dass es neben der rein musikalischen Seite auch die „menschliche“ Seite gibt. Ein sehr guter Gitarrist, der aber rein persönlich unausstehlich ist, wird sich schwer damit tun, eine Band zu finden und in dieser zu bleiben. Hingegen kann jemand, der eigentlich nicht so toll Bass spielt, aber gut mit Menschen kann, ein gern gesehenes Mitglied in einer Band sein.

Rein musikalisch gesehen solltet Ihr vielleicht nicht unbedingt gerade ein frisch geschlüpftes Küken sein. Ihr solltet euer Gefieder getrocknet haben, die Eierschalen beseitigt, die ersten Körner gepickt. Bezogen auf die Gitarre (über vergleichbare Niveaus bei anderen Instrumenten kann ich mich nicht so auslassen, weil ich die halt wenig bis gar nicht beherrsche) heißt das: Man kann die wichtigsten offenen Akkorde und vielleicht ein paar Barrée-Griffe, hat das Prinzip der Power Chords ansatzweise verstanden und kann die auch spielen, hat sich das eine oder andere Lied vorgenommen und auch so halbwegs hingekriegt, und hat vielleicht schonmal was von Pentatonik gehört. Das kann nach einem halben Jahr mit Unterricht und viel Üben der Fall sein, das kann auch sehr viel länger dauern. Eine klare Zeitvorgabe kann man hier nicht machen.

Ein schöner Startpunkt ist für mich beispielsweise der Song „Basket Case“ von Green Day. Wer – auf welchem Instrument auch immer – den Verse dieses Songs flüssig (das heißt: gleichmäßig, aber nicht unbedingt im Originaltempo) und richtig (das heißt: nicht unbedingt 1:1 nachgespielt, aber mit den richtigen Tönen bzw. dem richtigen Rhythmus) spielen kann, kann „eigentlich“ schon genug, um es mal mit einer Band zu probieren.

Natürlich ist das Frustpotenzial umso höher, je weniger man kann. Und natürlich tut man sich als blutiger Anfänger schwer damit, eine Band zu finden, wenn es viele andere Musiker gibt, die schon mehr drauf haben. Trotzdem möchte ich Euch dazu ermutigen, nicht ewig zu warten. Man ist nie „gut genug“. Üben muss man immer, ein „ich habe fertig“ gibt’s nicht.

Dies bringt mich nahtlos zum zweiten Punkt, der „menschlichen“ Seite: Es bringt nämlich auch nichts, wenn man noch so unsicher ist, dass man lieber gar nichts spielt, bevor man etwas falsch macht. Eine Portion gesundes Selbstbewusstsein muss schon sein. Man muss auch so viel Persönlichkeit mitbringen, dass man sich direkt vor anderen Leuten auch mal einen abkrampft und schräge Töne von sich gibt, bis man das neue Stück/Riff/Lick irgendwann so halbwegs kann, dass man’s auch in der Band mal probiert. Und manch einer muss eben noch ein bisschen „besser“ sein und noch ein bisschen mehr im stillen Kämmerlein üben, bevor er sich sicher genug fühlt – während ein Anderer mit C, F und G schon die ersten Hits in einer Punkband nachspielt.

Noch wichtiger ist aber die grundsätzliche Einstellung. Man ist dann „reif“, wenn man einerseits Neues entdecken und seine Grenzen erweitern will, andererseits aber auch bereit ist, mal zurückzustecken und sich auf Andere einzulassen. Man muss auch bereit sein, ziemlich viel Flexibilität und Toleranz aufzubringen – hey, Ihr seid neu auf diesem Feld, da muss man sich bewusst sein, dass man nicht immer alles weiß und auch mal auf Andere hören bzw. Dinge erstmal so tun, wie andere sie tun wollen. Mit dem Kopf durch die Wand wird das nichts. Man muss sich auch bewusst sein, dass die erste Band so gut wie nie die einzige Band im Musikerleben bleibt. Oft ist die erste Band auch nicht mehr als ein Band-Start-Versuch, meistens braucht man mindestens zwei oder drei Versuche, bis man eine „richtige“ Band auf die Beine gestellt hat oder findet. Aber auch hier: Ihr macht das, um zu lernen und Euch zu entwickeln, nicht um auf Anhieb besser zu sein als Eure Vorbilder.

Wer in der glücklichen Lage ist, Unterricht zu bekommen, kann auch durchaus mal seinen Lehrer fragen, was der von einer Band so hält. Ein guter Lehrer kann die Fähigkeiten seiner Schüler – musikalisch wie menschlich – einschätzen und einen in dieser Richtung etwas coachen. Da aber nicht alle Lehrer gut sind, sollte man sich ruhig mal mit anderen Musikern vergleichen bzw. sehen, was Andere so spielen und können. Geht mal auf Konzerte von kleinen unbekannten lokalen Bands, im Jugendclub, auf dem Stadtfest, in einer Kneipe, beim Schulfest und schaut und hört zu. Vielleicht merkt ihr, dass die auch nur mit Wasser kochen und auch nicht viel mehr drauf haben als ihr.

Man muss aber auch die Größe haben, seine eigenen Grenzen zu kennen. Auf eine Anzeige im Sinne von „motivierter Bassist gesucht, Stil irgendwo zwischen Red Hot Chili Peppers und Peter Fox, keine Anfänger, keine Profis“ sollte man sich nicht unbedingt bewerben, wenn man mühsam jede Note ausrechnen muss. Ein „keine Anfänger“ ist leider oft durchaus ernst gemeint – viele Bands suchen lieber zwei Jahre nach einem neuen Bassisten (so als Beispiel halt), anstatt in diesen zwei Jahren einen ziemlichen Anfänger auf ein ziemlich hohes Niveau zu bringen.

Zusammengefasst:
Um „reif“ für eine Band zu sein, sollte man sein Instrument zumindest rudimentär beherrschen und musikalisch wie menschlich offen auf andere potenzielle Mitmusiker zugehen können.


2.3. Wie finde ich Leute, mit denen ich Musik machen kann?
Oder: das Ende des Internet ist bald erreicht

Vorab: Es gibt ein gewisses „Henne-Ei-Problem“ mit der Suche nach einem Proberaum. Man kann nicht gemeinsam Musik machen, ohne dass man einen Ort dafür hat. Ebenso bringt einem ein toller Proberaum gar nichts, wenn man keine Mitmusiker hat und die Kosten alleine tragen muss. Das ist am Anfang oft die größte Hürde. Daher meine Empfehlung: Setzt Euch mit dem Thema „Proberaum“ auseinander, sobald Ihr auch nur einen Mitmusiker gefunden habt. Wartet nicht, bis Ihr eine komplette Band zusammen habt.

Jetzt aber: Leute finden!

Natürlich bietet das Internet phantastische Chancen. Es gibt Foren wie dieses hier, kostenlose Kleinanzeigen, Social Networks, Kontaktbörsen, und so weiter und so fort. Aber: Was bringt Euch ein seelenverwandter gleichgesinnter Mit-Anfänger in 500km Entfernung? Meine Kernbotschaft: Sucht Euch Mit-Musiker, die Ihr auch erreichen könnt. Wie weit das ist, sollte man sich erstmal klar machen. In der Stadt kann das durch ein gutes öffentliches Verkehrsnetz schon recht weit sein, auf dem Land kommt man ja durchaus auch mit dem Fahrrad gut voran. Wer nicht selbst einen fahrbaren Untersatz bewegen kann (bzw. darf) muss eben sehen, inwieweit er Eltern und Freunde zur Hilfe bewegen kann. Faktor sollte meiner Meinung nach die Zeit sein, nicht die Entfernung. In ländlichen Gegenden ist man in einer halben Stunde oft schon zig Kilometer mit dem Auto entfernt von daheim, während man in der Stadt zur Rush Hour gerade mal fünf Kilometer packt.

Das heißt aber in jedem Fall auch, dass Ihr „lokal“ suchen müsst. Klar, ihr sollt auf jeden Fall die Internet-Plattformen nutzen und dort Euer Gesuch reinstellen. Aber besonders erfolgversprechend sind die Plattformen, die einen lokalen Touch haben, beispielsweise eBay Kleinanzeigen (früher Kijiji), Quoka oder auch die Lokalisten (die aber eher für den städtischen Raum).

„Lokal“ suchen heißt aber auch, ganz altmodisch einen kleinen Text auf Papier auszudrucken, mit kleinen Abreißzettelchen mit der eigenen Handynummer zu versehen, und „überall“ aufzuhängen. Und mit „überall“ meine ich überall, wo es gute Chancen gibt, Gleichgesinnte zu finden. Klassiker sind die Schwarzen Bretter in Schulen (nicht nur in der eigenen Schule, sondern an allen im Ort), in Geschäften (nicht nur Musikläden, auch im Supermarkt), Jugendzentren, Kulturvereinen, Kirchen, etc. – immer ein paar Zettel und Tesa bzw. Nadeln dabeihaben und anpinnen, wenn man vorbeikommt. Das Prinzip der Schwarzen Bretter ist total veraltet – aber in Deutschland läuft da immer noch verdammt viel. Ich würde Euch sogar mal empfehlen, evtl. eine kleine Anzeige in eine lokale Tageszeitung bzw. ein lokales Kleinanzeigenblatt zu setzen. Kostet oft fast nichts, bringt oft viele Kontakte.

Ich werde jetzt nicht so weit gehen, hier einen perfekten Muster-Text reinzustellen – ein bisschen eigene Kreativität muss schon sein. Ich bin aber schon der Meinung, dass Ihr über Euer Instrument, Euer Alter, Eure Location und Eure grobe Absicht erwähnen solltet. Ich finde einen Text wie „Gitarrist aus Hintertupflingen, 17 J, sucht Musiker zwecks Bandgründung in Richtung Hard Rock / Stoner Rock, bin selbst noch ziemlicher Anfänger“ besser als „Yeah! Rock&Roll! Wer hat Lust, mit mir geile Mucke zu machen?“.

Jetzt gibt es aber genau zwei grundsätzliche Möglichkeiten, zu einer Band zu kommen. Entweder man zieht selbst eine auf, oder man sucht sich eine bestehende. Richtig und falsch gibt es auch hier nicht, das hängt immer davon ab. Aber es gibt ein paar klassische „davons“, die je nach Situation für die eine oder andere Lösung sprechen:

Wenn man z.B. schon einen Kumpel hat, der auch ein Instrument spielt oder lernt, kann das helfen – man ist schon zu zweit, und auch zu zweit kann man bereits „Band“ sein. Schaut Euch mal die White Stripes an (das sind zwei) und staunt, was die für einen Alarm machen – und das nicht nur im Studio, sondern auch live. Geht also. Und wenn man schon mal eine Mini-Band ist, dann fällt es oft auch leichter, noch ein paar andere Musiker dazuzufinden. Oder man motiviert einen anderen Kumpel, doch mal mit dem Gitarrespieln oder rumtrommeln oder Basszupfen anzufangen – auch das gibt’s. Hier kann es halt nur Frust geben, wenn nach der anfänglichen Begeisterung die Erkenntnis kommt, das Guitar Hero viel einfacher ist und man auf Üben und Lernen eben doch keinen Bock hat. Eine weitere Warnung gleich hinterher: Es gab schon diverse Bands aus besten Kumpels, nach deren Auflösung auch die Freundschaften hinüber waren. Nur, weil man sich gut versteht, heißt das nicht, dass man auch in einer Band gut zusammenkommt. Aber dafür habe ich ja noch ein paar Kapitel mehr geschrieben.

Wenn man „ganz allein“ ist, und schon meint, dass man halbwegs was kann und weiß, wo es musikalisch hingehen soll, könnte man sich auch zu einer Bandgründung hinreißen lassen. Hier möchte ich aber nur zu Bedenken geben, dass so ein Kaltstart verdammt arbeitsaufwändig ist und es eine ziemliche Weile dauern kann, bis man startklar ist. Als Beispiel nehme ich mal meine aktuelle Band. Das war nicht meine erste, und wir sind weder musikalisch noch bandtechnisch Anfänger, trotzdem hat es ein Jahr (!) gedauert, bis wir so richtig startklar waren. Musikersuche, ich-will-doch-in-eine-andre-Richtung, etc. hat eben so lange gedauert. Aber auch hier: ja, es geht – aber man muss sich dann eben auch durch viele Fehlschläge durchbeißen.

Nicht vergessen darf man, dass gerade relative Anfänger sich manchmal auch verdammt drüber freuen, wenn ein anderer Anfänger eine Band gründen will. Man muss eigentlich keine Angst haben, von einem wirklich erfahrenen Musiker an die Wand gespielt zu werden und ausgelacht zu werden, wenn man sich verspielt. Aber auch hier dran denken, dass es neben der musikalischen auch die menschliche Erfahrung gibt. Die wenigsten wirklich guten Musiker würden nämlich einen Anfänger runtermachen – sie würden sich freuen, dass er spielt und ihm vorsichtig Tipps geben, was noch besser geht. Diejenigen, die den großen Larry raushängen lassen müssen, sind für mich – selbst wenn sie technisch noch so gut sind – keine bandtauglichen Musiker. Kurzum: auch eine Anfänger-Band kann durchaus funktionieren.

Natürlich kann man nicht wirklich gut bewerten, wer musikalisch und menschlich perfekt passt – aber gerade für die erste Band muss nicht alles wirklich perfekt sein. Immer dran denken – Ihr macht das, um zu lernen und den Horizont zu erweitern, nicht um gleich mit dieser ersten Band berühmt zu werden. Wenn’s also nur Du an der Gitarre bist, zusammen mit einem Kumpel, der mal Klavierunterricht hatte und ein Keyboard besitzt und einem Freund, der aus dem Schützenverein seine große Trommel mitbringt – ja, das ist ziemliches Rumgekrampfe, aber es kann funktionieren. Ebenso kann’s klappen, wenn man als totaler Jüngling bei einer Band aus „alten Säcken“ jenseits der 30 einsteigt – Musiker haben hier oft viel weniger Berührungsängste als sonst bei uns so üblich.

Zusammengefasst:
Mitmusiker auch über Schwarze Bretter im lokalen Umfeld suchen, nicht nur im Internet. Fürs Erste nicht zu wählerisch sein, sondern einfach mal loslegen und sich von den vielen Rückschlägen nicht schocken lassen.
 
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2.3.a. Aber wie zum Teufel finde ich jetzt einen Bassisten/Drummer/Sänger?
Oder: Freie Auswahl als Bassist

Ganz klar: Das gefühlte Verhältnis der klassischen Rockband-Besetzung ist sowas wie 100 Gitarristen auf 5 Schlagzeuger auf 3 Sänger auf 0,5 Bassisten. Das ist nicht nur bei Anfängern so, das geht auch den erfahreneren Musikern so. Alle Bassisten, die ich kenne, könnten in 3-5 Bands gleichzeitig spielen, ebenso ist es verdammt schwer, einen Drummer oder Sänger zu finden. Wenn Du also gerade noch überlegst, welches Instrument Du anfangen willst, dann würde ich immer zum Schlagzeug (wenn's die Eltern mitmachen) bzw. zum Bass raten - das bringt die größten Chancen auf ein cooles Bandleben. Auch andersrum gedacht: Zwei Gitarristen sind schnell gefunden, zwei gute sogar auch. Viele würden aber lieber einen ziemlichen Anfänger am Bass und an den Drums haben als gar keine Rhythmusgruppe - wenn man diese "Mangelqualifikationen" zu bieten hat, ist man manchmal schneller in einer Band, als einem lieb ist.

Wenn Du aber auf der anderen Seite sitzt, mit der E-Gitarre in der Hand, dann sieht das schon anders aus. Na gut, mit vier Kumpels eine 4-Gitarren-Instrumental-Band zu machen, ist vielleicht für zwei bis vier Nachmittage ganz witzig. Aber der richtige Spaßfaktor wird ausblieben (es sei denn, Ihr macht Flamenco, aber darum geht's ja gerade nicht). Blöderweise ist es auch eins der ungeschriebenen Gesetze der Rock-Kultur, dass Bands ohne Schlagzeug, Bass und Gesang schlichtweg kacke klingen, nicht drücken, nicht grooven und zum Scheitern verurteilt sind, und leider muss man sagen, dass dies auch für geschätzte 99,999% aller Bands zutrifft. Also: geht nicht davon aus, dass genau Eure Band mit vier Gitarren zu den 0,001% der Bands gehört, die trotzdem gut ankommen werden.

Also werdet ihr wohl oder übel nicht darum herumkommen, Euch zu überlegen, ob nicht doch jemand mal zum Bass greift, grundlegende Drum-Bedienung lernt oder - schluck - zum Sänger mutiert. Gerade auf dem Land ist die Anzahl der verfügbaren Personen begrenzt und es ist dann eben so, wie es ist. Vielleicht könnt Ihr Euch damit motivieren, dass es jetzt erstmal vorübergehend so ist, bis ein "richtiger" Bassist/Drummer/Sänger gefunden ist - und vielleicht vergesst Ihr nach einem Jahr "vorübergehendem" Bassistentum, dass ihr ja eigentlich mal Gitarre spielen wolltet. Auch hier eine Anekdote aus meinem eigenen letzten Bandgründungsprojekt: Bis wir endlich einen passenden Bassisten gefunden hatten, haben sich beide Gitarristen je selbst einen Bass zugelegt, damit wir wenigstens ein kleines bisschen Bassfundament hatten. So wichtig war uns das.

Ach ja, es gibt ja noch den Sonderfall Sänger: Vielleicht werdet auch ihr vor allem bei den Mädels einen gewissen "DSDS-Effekt" feststellen. Bei unserer letzten Sänger/Sängerinnensuche meiner jetzigen Band haben uns jedenfalls verdammt viele Mädels zwischen 16 und 26 die Bude eingerannt und waren der festen Überzeugung, wirklich gut singen zu können und Erfahrung zu haben. Viele sind rein stimmlich aber ziemlich eingebrochen, wenn eben ihre Stimme ganz allein das Lied tragen sollte und nicht vom Band Christina Aguilera im Original dabei war. War dann oft nix. Sowas gab's übrigens auch bei der holden Männlichkeit, aber wir haben das eben vor allen Dingen mit Sängerinnenkandidatinnen erlebt. Der Sänger ist auch insofern ein Sonderfall, dass das Publikum eine Band zu geschätzten 75% nur über den Sänger erlebt. Sprich: Wenn Ihr Euch total einen abkrampft und Blödsinn spielt, zufällig aber der Geist von James Brown oder der lebende Mick Jagger oder ein ebenso begnadeter Sänger wie Freddie Mercury am Mikro steht, seid ihr eine echt geile Band.

Wenn es in Eurem Umfeld keinen gibt, der sich als Frontmann berufen fühlt, dann muss wohl einer von Euch "erstmal" ran. Dabei bedenken, dass singen und spielen zusammen verdammt schwer ist, wenn man nicht mal gescheit spielen kann. Da braucht man drei Mal mehr Motivation und Durchhaltevermögen als wenn man nur ein Instrument spielt. Ich tendiere also dazu, die Vocals/Instrument-Kombination nur dann zu machen, wenn man schon einen etwas fortgeschrittenen Musiker in der Band hat und ansonsten eben einen "nur-Sänger" zu suchen.

In jedem Fall gilt: Nicht warten, bis Ihr "komplett" seid - auch schon in kleiner Besetzung loslegen und gemeinsam weitersuchen. Dann habt Ihr eventuellen Interessenten vielleicht sogar schon eine kleine "Heimat" zu bieten mit ein paar grob einstudierten Songs, etwas Klarheit über die Musikrichtung und die Ziele der Band, eine Art Proberaum, etc. - schadet nicht, wenn man weitere Leute zum Einstieg motivieren will.

Und wenn ihr jetzt denkt: "Na gut, so langsam haben wir eine fünfköpfige Truppe beisammen, aber wir klingen ja mal so richtig bescheiden." - na, dann wird das wahrscheinlich auch so sein. Klar, die Standardsprüche wie "aller Anfang ist schwer" und "jeder hat mal klein angefangen" und so helfen nicht viel, aber sie sind schlichtweg wahr.

Zusammengefasst:
Man kann auch erstmal in einer Minimalbesetzung loslegen. Man sollte aber schon anstreben, auch Schlagzeug, Bass und Gesang zu besetzen - indem man selbst (vorübergehend) eine Lücke in der Besetzung füllt und/oder indem man schlicht und ergreifend nebenbei weitersucht, bis man fündig wird.


2.4. Und in welche Musikrichtung soll es nun gehen?
Oder: wie Funk auch Metallern helfen kann

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Euch eigentlich total klar ist, was Ihr für Musik machen wollt. Natürlich, als ÜberDeathBloodyCore-Band mit stilistischen Einflüssen von Muse und Malmsteen und ProgRock kann man schon geile Mucke machen. Aber wer nur in genau so einer Band spielen will und nicht links und rechts des Wegesrandes schaut, wird womöglich lange suchen oder gar ganz allein bleiben.

Andererseits: Wer meint, unbedingt Metal machen zu müssen, wird wohl in einer Schlagertruppe nicht unbedingt so viel Spaß haben. Oder? Naja - weiterbringen wird es einen allemal. Man lernt nicht nur neue Leute und neue Musik kennen, sondern auch völlig neue Spieltechniken (hupps, es gibt ja auch clean und leise, nicht nur verzerrt und laut). Wo die persönlichen "Schmerzgrenzen" liegen, muss man schon selbst mit sich ausmachen.

Mein Aufruf ist aber klar: Bevor man ewig drauf wartet, seine eigene Musikrichtung in einer Band zu finden oder eine Band nach eigener Musikrichtung zusammenbaut, sollte man erstmal nicht allzu wählerisch sein. Ich kann mich nur wiederholen: Dafür ist später immer noch genug Zeit, und außerdem sollte man nie vergessen, dass sich Bands auch entwickeln. Was als Cover-Spaß-Projekt fürs nächste Schulfest startet, kann sechs Monate später schon eine coole neue Skatepunk-Band sein.

Auch sollte man den Anspruch nicht gleich so hoch legen und unbedingt eigene Songs schreiben wollen - es schadet überhaupt nichts, mit Nachspielen von Songs anzufangen. Ich sage bewusst nicht "covern", was für mich immer den Versuch einer 1:1-Kopie bedeutet, sondern "nachspielen", also ein bestehendes Stück nehmen und so gut man kann und will mit der eigenen Band auf die Füße stellen.

Jetzt aber der Knackpunkt: "Jemand" muss Vorschläge machen, in welche musikalische Richtung es gehen soll, und "die Band" muss da mitgehen. Man muss sich also irgendwie einigen. Wenn einer partout Lynyrd Skynyrd Classic Rock will, ein anderer nur Metallica kennt und will und der dritte total auf Mika abfährt, dann sind zwar alle im Pop/Rock-Bereich unterwegs, aber schon in leicht unterschiedlichen Ecken. Hier gilt dann das, was man beim Bandgeschäft nicht überbetonen kann und was ich ja auch schon ganz vorne geschrieben hatte: Kompromissbereitschaft und Offenheit und der Mut, auch mal neue Wege zu gehen.

Auch hier gibt's wieder zwei Wege, wie man so zu seiner Musikrichtung kommt:

Wenn man selbst das Bandprojekt aufzieht, hat man's natürlich grundsätzlich selbst in der Hand. Man weiß ja auch meist sehr gut, was man eigentlich so spielen kann bzw. will und was eher nicht. Hier muss man dann aber auch wissen, wie flexibel man ist. Wenn man also sagt: "Hey, ich will Metal machen", dann ist das schon mal ein guter Startpunkt. Wenn man dann auf jemanden trifft, der lieber eine der zwölf Millionen SchießmichtotCore-Subgenres spielen will, dann hat man zumindest schon mal eine gemeinsame Basis. Man kann auch durchaus sagen: "Wir starten mal mit folgenden 3-5 Liedern, die uns gut gefallen, und dann sehen wir weiter." Und diese Lieder dürfen durchaus Knockin' On Heaven's Door in der Version von Guns'n'Roses, Dookie von Green Day, Enter Sandman von Metallica, 99 Luftballons von Nena und Hot Stuff von Donna Summer sein - da kann dann ne prima Party-Stimmungsband draus werden oder aber eine "ernstere" Band. Gerade wenn man nicht vor Ideen sprüht und virtuos neue Licks und Riffs und Soli erfindet, ist eine solche Idee als Startpunkt besser als der Versuch, zu jammen.

Wenn man in eine Band einsteigt, stellt sich die Frage von der anderen Seite: Inwieweit passt die dort angestrebte oder gebotene Musik zu dem, was ich machen will? Kann ich mir das vorstellen, kann ich da Spaß dran haben? Lohnt es sich, das mal zu probieren? Kann ich mich vielleicht auch selbst einbringen und ein bisschen "mitsteuern". Alles so Fragen, die man für sich beantworten muss. Auch hier der Tipp, mal neue Sachen zu testen. Und selbst, wenn man "eigentlich" Metal machen wollte - nach einem Jahr in einer Funk-Band hat man Rhythmusgitarrenmäßig solche Quantensprpünge gemacht, dass man in der nächsten Band verdammt viel besser metallen kann.

Nach anfänglichem oft sehr spaßigen Rumgeeiere in einer Band kommt aber irgendwann immer die Frage nach der musikalischen Richtung - und da muss man dann Klartext reden. Wenn die Phase "Hey, ich bin inner Band, wir haben auch schon fast drei Songs drauf" vorbei ist, kommt meist sowas wie "wollen wir covern oder nachspielen" oder "sollten wir nicht härtere Musik machen" oder "warum nicht mehr in Richtung Tokio Hotel" - und dann ist es eigentlich schon zu spät. Man sollte also recht früh eine grobe Einigung herbeiführen, in die es gehen soll - sich aber trotzdem drauf einstellen, dass diese Diskussionen immer wieder kommen.

Ganz ehrlich: Für den Anfang fährt man als Rock/Pop-Party-Band oft verdammt gut. Man spielt Songs, die "jeder" (auch in einem eventuellen Publikum) kennt, für die man Noten und Akkorde leicht beschaffen kann, die jeder Musiker irgendwie "im Ohr" hat und von denen man weiß, wie sie "eigentlich" klingen sollten. Und so abgenudelt Songs wie "Summer of 69" oder "Sweet Home Alabama" auch sein mögen - sie kommen immer noch geil an.

Zusammengefasst:
Eine grobe Richtung sollte man für sich schon festlegen, ob man nun eine Band gründen oder in eine einsteigen will - das erspart Verwirrungen im späteren Verlauf. Je offener und flexibler man ist, umso leichter findet man Mitmusiker - aber umso mehr muss man sich vielleicht verbiegen. Für die erste Band würde ich sogar sagen, dass die Musikrichtung eigentlich zweitrangig ist - es geht eher um Banderfahrung als um die eigene Traummusik.


2.5. Wie finde ich einen Platz zum gemeinsamen Musizieren?
Oder: lieber ein dunkler Keller als gar kein Proberaum

Wie schon oben erwähnt - auch mit der tollsten Band kann man keine Musik machen, wenn man keinen Ort findet, wo man das auch darf. Es muss also eine Art "Proberaum" her. Bitte lasst Euch nicht von dem einschüchtern, was man so an tollen Riesenzimmern mit Perserteppich in irgendwelchen Musiker-Dokus kennt, oder an vollgestopfte Studios aus irgendwelchen Behind the Scenes Bandbios. Natürlich ist es schön, einen festen und supergedämmten und sicheren und trockenen Proberaum zu haben - aber "für den Anfang" ist eigentlich jede Ecke recht. Tolle Alben sind in kleinen WC-Räumen entstanden - das könnt ihr allemal.

Hier ist aber auch eine klare Stadt-Land-Differenzierung nötig. Auf dem Land gibt es Platz im Überfluss, in der Stadt viel zu wenig davon. Dementsprechend unterscheiden sich meiner Erfahrung nach die Orte, an denen man mit einer Art Proberaumgesuch fündig werden kann.

Auf dem Land kann der erste Anlaufpunkt durchaus die eigene Elternschaft sein. Wer über ein freistehendes Haus verfügt (vielleicht sogar mit bewohnbarem Raum im Keller oder so), muss eigentlich fürs Erste gar nicht so weit schauen. Nur die Eltern überzeugen, dass man "erst mal" daheim etwas Krach machen darf. Und da die meisten vernünftigen Proben die Grenze von drei Stunden nur selten überschreiten, hält sich die Lärmbelastung in Grenzen. Im Optimalfall legt man die Probe auf den Kegelabend der Eltern - dann erspart man sich auch, dass Mutt mit hübsch gemachten Schnittchen mitten ins den zweiten Chorus von Enter Sandman platzt. Geht alles natürlich nur, wenn Ihr zuhause wohnt und ein großes Haus und kompatible Freunde habt. Tendenziell ist's trotzdem was für den Keller - es wird sehr schnell sehr laut von draußen. Also auf dem Land ganz klar: Bei netten Eltern im Keller!

In der Stadt muss man tendenziell "raus" und hat's damit deutlich schwerer. In Mietwohnungen kann man keine Bandproben veranstalten, basta. Es ist immer viel zu laut und gibt nur Ärger. Gar nicht erst probieren, einfach lassen.

Aber auch beim "raus" haben die Landeier aber die Nase wieder vorn. In vielen Kleinstädten gibt es Jugendclubs oder Platz in irgendwelchen Gemeindehäusern und vielleicht sogar in den Räumlichkeiten von Schule und/oder Musikschule. Es ist wirklich so, dass das Landleben etwas mehr "schöne heile Welt" bietet - wo man sich kennt, öffnen sich leichter mal Herzen und Türen. Na klar, vielleicht muss man jedes Mal seine Instrumente und so zur Probe schleppen und jedes Mal alles auf- und abbauen - aber wenn's fast nix kostet, warum nicht? Hier ist der persönliche Kontakt wirklich entscheidend. Wer nett und halbwegs sortiert und vernünftig rüberkommt, hat bessere Chancen als verplante Oberchaoten. Dies gilt übrigens nicht nur für den ersten Eindruck, auch für danach: Man wird schnell wieder rausgeworfen, wenn man sich als Gast danebenbenimmt und sich nicht an die Regeln hält.

Das andere "raus" heißt dann wirklich die Suche nach einem "richtigen" Proberaum. Dazu gibt's hier schon verschiedenste Threads, daher in aller Kürze: Wenn der Raum für Euch groß genug, beheizbar, belüftbar, trocken und schallgedämmt ist, dann ist das schon verdammt viel wert. Wenn nicht - naja, ein Raum ist auch schon mal was, ein "Probe"raum lässt sich aus fast jedem Zimmer machen, nur der Aufwand ist sehr unterschiedlich. Mein Tipp wäre immer: Wenn Ihr für wenig bis gar kein Geld an einen halbwegs brauchbaren Raum kommt - erstmal zuschlagen und den nutzen, dann ggf. über "Upgrade" im Sinne von Ausbau zum Proberaum oder Wechsel in einen besseren Raum nachdenken.

Vor allen Dingen für unsere Städter kann die Suche nach dem Proberaum durchaus frustrierend sein. Oft gibt es zwischen "gar kein Raum" und "Super-Raum für 300 EUR im Monat" wenig bis gar kein Angebot. Aber auch hier: Oft teilen sich genau deshalb mehrere Bands einen Raum und verteilen so die Kosten. Die Suche kann sich für Einsteiger trotzdem schwierig gestalten, weil die etablierteren Hauptmieter sich vor totalem Chaos nach jeder Anfänger-Probe (leere oder noch besser halbleere Pizzakartons, Bierdosen, Bierlachen auf dem Boden, verstelltes Equipment, etc.) fürchten. Musiker sind oft sehr tolerant - so lange es nicht um ihr Eigentum (und ein Proberaum gehört zum erweiterten Eigentum einer Band) geht. Als Anfänger-Untermieter-Bewerber hilft es wiederum, wenn man als Band einen halbwegs aufgeräumten Eindruck macht, vollzählig zum Besichtigungstermin erscheint und zum Mitbringen des eigenen Equipments bereit ist. Wir hatten auch mal eine Anfänger-Band als Untermieter-Kandidaten - als die aber gleich davon sprachen, ob sie denn unsere PA (da hätten wir ja nix gesagt) und unser Schlagzeug (mit den handgedengelten Becken als Lebensmittelpunkt unseres Drummers) und unsere Keyboards (sauteures Stagepiano und aufwändig restaurierten 70er-Synthesizer) mitbenutzen dürften, waren sie halt raus aus dem Rennen. Auch hier: Wer Untermieter sein will, sollte sich auch entsprechend zusammenreißen und vernünftig benehmen. Alles, was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist tabu - auch nicht "nur mal fünf Minuten" die eigene Gitarre in den rumstehenden Mesa Boogie einstöpseln, sowas gehört vorher geklärt. Aber: auch daran denken, die eigenen Fragen zu Kosten, Probezeiten, eventuellen Nebenkosten, Schlüsseln, etc. zu stellen.

Übrigens ist dies möglicherweise der erste "make it or break it" Punkt in der kurzen Bandhistorie - irgendwann muss man nämlich ins kalte Wasser springen und für sein Hobby Geld hinlegen. Und das kann schon eine ganze Menge sein: Bei der letzten Bandgründung (in München, also Stadt) waren wir zu zweit, ein drummender Kumpel und ich an der Klampfe. Einen schönen Proberaum haben wir gefunden, schlappe 440 EUR monatlich, drei Monatsmieten Kaution. Wir standen vor dem Henne-Ei-Problem, dass ohne festen Proberaum keine Bandgründung möglich ist - also haben wir in den sauren Apfel gebissen und schlappe 2000 EUR hingeblättert, in der Hoffnung, schnell Untermieter und weitere Bandmitglieder zu finden. Das hat auch funktioniert, allerdings haben wir ein Vierteljahr lang einen deutlich höheren Beitrag gezahlt als wir eigentlich wollten. Übertragen auf die Proberaumanmietung zwecks Bandgründung heißt das: Manchmal muss man - wenn man sein eigenes Ding aufziehen will - auch finanziell in Vorleistung gehen, um das durchzuziehen. Das sollte man vorher nüchtern kalkulieren, worst case ist immer: "was passiert, wenn ich auf den Kosten sitzenbleibe". Gilt übrigens auch für Fälle wie "Band löst sich auf, aber Mietvertrag läuft noch drei Monate" oder "einer steigt aus, Ersatz ist nicht in Sicht". Sowas gehört in der Band besprochen und geklärt, und zwar bevor (!) Ihr Euren Proberaum mietet. Kann aber - gerade in der Stadt - auch ein Grund sein, keine eigene Band zu gründen sondern erstmal woanders "unterzukommen".

Und immer muss man auch klären, ob und welches Equipment man im Proberaum belässt und welches man lieber hin- und herschleift. Kein Proberaum ist einbruchssicher, bei neuen Räumen weiß man sie, ob sie auch wirklich trocken sind, bei keinen Mit- und Untermietern ist man sich sicher, ob sie Equipment so behandeln, wie man es behandelt sehen will. Vorteil als Anfänger ist oft, dass man nicht so teures Equipment hat - Nachteil ist aber auch oft, dass man nicht schon diverse Verstärker und Instrumente hat, die man zwischen Proberaum und Übungsecke daheim aufteilen kann. Tendenziell werdet Ihr Eure Instrumente eher jedes Mal schleppen. Die Amps vielleicht auch (vielleicht aber auch drin stehen lassen und nen kleinen Übungsamp für daheim oder vielleicht sogar eine Einigung mit den Mitmietern), das Schlagzeug in der Regel auch. Positiver Effekt: Das übt schon mal für den ersten Gig. Wer ständig seinen Proberaum aus- und einräumt, kriegt das bei Gigs im Teamwork auch super hin.

Zusammengefasst:
Für den Anfang tut es jeder Raum, in dem man unbehelligt Krach machen kann. Die Suche nach einem solchen Raum sollte im persönlichen Umfang (Eltern, Freunde) beginnen und sich langsam nach außen erweitern (Jugendclubs, Schule, Gemeinde, Scheunen). Ein eigener gemieteter Raum führt zu besonderer Verantwortung, auch finanziell. Und immer gilt: Wer halbwegs nett auftritt und koordiniert probt, hat größere Chancen als totale Chaoten.
 
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2.6. Was brauchen wir denn eigentlich noch so alles an Equipment?
Oder: Gesang ohne Mikro und Box ist tendenziell etwas zu leise

Ein schöner Leitsatz ist: Jedes Bandmitglied sollte sein eigenes Instrument so laut kriegen, dass man es im Bandgefüge hört. Das Schlagzeug ist eh laut genug. Gitarren und Bässe brauchen einen Verstärker. Auch beim Keyboard werden die eingebauten Verstärker schnell zu leise sein, hier muss also Verstärkung her. Und besonders der Gesang braucht Mikro, Kabel und "PA".

Zur "PA für Proberaum" gibt es viele Fragen und Verwirrungen, ich habe auch mal nen kleinen Workshop zu dem Thema geschrieben. Das Feld ist groß und weit, letztlich geht es aber um Folgendes: Ihr braucht keine bühnentaugliche PA, Ihr braucht eine Verstärkung für den Gesang (und evtl. noch ein Keyboard). Und dafür tut es - die PA-Experten mögen mir verzeihen - erstmal alles, was Ihr so ranschaffen könnt. Es schadet überhaupt nichts, ein altes SingStar-Mikro durch eine abgelegte Hifi-Anlage zu schicken und zu sehen, ob das was ist für den Anfang. Aber bitte nur mit Equipment, bei dem es egal ist, ob es dabei kaputt geht oder nicht.

In vielen Fällen werden die Ergebnisse aus solchen Experimenten unbefriedigend bis bescheiden sein. Dann sollte man ernsthaft drüber nachdenken, sich eine Gesangsbox und ein Mikro anzuschaffen. Und hier ein Satz entgegen meiner bisherigen "billig tut's auch" Predigt: unter 500 EUR wird's nix. Natürlich, Ihr braucht nur eine aktive Gesangsbox, ein Mikro mit Ständer und Kabel und ganz vielleicht noch ein winziges Mischpult - aber um hier brauchbares Equipment zu bekommen, ist der halbe Tausender wichtig. Immer dran denken, dass eine solche Box sich auch hervorragend zur Beschallung der nächsten Party einigt, das hilft vielleicht über den Schmerz. Wenn Ihr weniger ausgeben wollt und Euch Billigmüll kauft - ich habe Euch gewarnt, das macht keinen Spaß und klingt doof.

Wer zahlt nun aber so ein Teil? Entweder der Sänger (siehe oben - jedes Bandmitglied muss dafür sorgen, dass er laut genug ist) oder "die Band" in Summe. Ich tendiere klar zu Ersterem - wenn sich die Band trennt, sind die Besitzverhältnisse wenigstens klar. Dumm wird's, wenn ein eigentlicher Instrumentalist zusätzlich singen soll/will, dann muss man im Endeffekt zwei Mal Instrument und Verstärker kaufen. Daher: Notlösungen suchen und finden, und dann bei Gelegenheit mal upgraden.

Wenn Ihr in der glücklichen Lage seid, Euch mit einer anderen Band den Raum zu teilen, sollten wenigstens die 75 EUR drin sein, die Ihr für ein anständiges eigenes Mikro braucht. Da dürft ihr dann so viel reinsabbern, wie ihr wollt - was bei fremden Mikros nicht wirklich gern gesehen ist.

Sehr schön sind natürlich Notenständer, Sitzgelegenheiten, Bierkästen, Sofas, Poster, usw. - aber "brauchen" tut man die nicht wirklich. Wichtiger könnte es sein, alte Decken und Vorhänge an Wände und Decken zu nageln und den Boden mit Teppichresten auszulegen - dem Klang und der Dämmung wegen. Aber auch hier "braucht" man das nicht unbedingt, um proben zu können.

Zusammengefasst:
Ihr braucht für jedes Instrument (außer dem Schlagzeug) einen Verstärker: Für Gitarren und Bass einen entsprechenden Amp, für Gesang und Keyboard im Optimalfall eine aktive Gesangsbox oder eine halbwegs funktionierende Notlösung aus irgendwelchen geschenkten oder geschnorrten Komponenten. Ach ja - der Sänger braucht natürlich auch noch ein Mikro. Mehr braucht ihr eigentlich nicht!


2.7. Was machen wir jetzt eigentlich im Proberaum?
Oder: das Bier schmeckt gut, die Musik klingt trotzdem doof

In jedem Fall mal: Hut ab. Ihr seid eine Band, sogar mit Proberaum. Das gehört gefeiert, Bier trinken darf also sein (vorausgesetzt über 16 und so).

Viele Bands (übrigens nicht nur junge) verbringen aber verdammt viel Zeit mit rumalbern und Bier trinken und verdammt wenig Zeit mit Proben. Viele "jammen" (oder tun so) ewig auf irgendwelchen Akkordfolgen oder Riffs rum, ohne dass da jemals ein Song bei herauskommt. Probenzeit ist aber verdammt kostbar! Nur hier kann man "als Band" gemeinsam vorankommen, und das heißt spielen und nicht rumtrödeln.

So doof es klingt: Disziplin ist nötig. Simple Sachen wie "wenn einer redet, spielt keiner - wirklich gar keiner - mehr sein Instrument, sondern alle hören zu" oder "wir spielen erstmal einen Blues in E, dann eine Stunde unsere bekannten Stücke, dann eine Stunde ein neues Stück, dann reden wir ne halbe Stunde wie's weitergeht" oder "wer neue Stücke vorschlägt, hat diese auch mit Akkorden, Texten und Abläufen für alle mitzubringen" helfen enorm.

Das geht aber nur, wenn man die meiner Meinung nach allerfundamentalste Regel befolgt: Jeder ist dafür verantwortlich, seinen Teil im Stück in Eigenregie zu lernen. Sprich: Man sitzt allein daheim in seiner Übungsecke und schafft sich den Part drauf. Ohne die anderen Bandkollegen, ganz allein, mit Schweiß und Fleiß. Denn nur, wenn man den eigenen Part an sich kann, kann man dann in der Probe sehen, wie man das alles als Gesamtwerk zusammenbringt. Die Bandprobe ersetzt also keinesfalls die individuelle Übungszeit, sie kommt zusätzlich hinzu! Klaro, man kann viele Dinge erst dann "perfekt" spielen, wenn man sich in dem Stück entsprechend "eingegrooved" hat und das Stück "im Ohr hat". Aber: das fällt alles viel viel viel leichter, wenn man die Bestandteile des Stücks auswendig kann und zu Hause schon geübt hat.

Ich weiß, dass solche "langweiligen" Themen gerade im jugendlich-forschen Sturm und Drang nicht einfach rüberzubringen sind. Man steht schon als ziemlicher Depp da, wenn alle losrocken wollen, und man dann von Regeln und Disziplin anfängt. Vielleicht geht's auch wirklich nicht, dass man erst alles bespricht und dann loslegt - da ist schon Fingerspitzengefühl nötig. Und dann natürlich immer die Frage, wie demokratisch so eine Band funktioniert oder ob ein "Chef" die Marschrichtung vorgibt, auch dies ist sehr unterschiedlich (siehe die nächsten beiden Abschnitte für ein paar mehr Details).

Ich schlage aber in jedem Fall vor, dass man sich auf folgende Regeln einigt und diese als echte Metal-Band mit dem eigenen Blut unterschreibt (Achtung, das war ein Witz):

  • Wir erscheinen pünktlich zu jeder Probe. Wer krank ist oder ausnahmsweise nicht kann, sagt so rechtzeitig wie möglich per Anruf oder SMS Bescheid.
  • In der Probe bringen wir Stücke als Band zusammen - jeder muss aber für sich üben und dafür sorgen, den eigenen Part zu beherrschen.
  • Wir haben einen festen Probenablauf: Eine halbe Stunde warmmachen mit unserem Lieblingsstück oder wildem rumgejamme, dann eine Stunde unsere bisherigen Lieder, dann eine bis anderthalb Stunden neue Songs, dann eine halbe Stunde runterkommen und ohne Instrumente in der Hand das Bier leertrinken und besprechen, wie es weitergeht und was alles noch zu tun ist. Dabei lüften wir den Raum gründlich durch.
  • Am Ende der Probe räumen wir gemeinsam den Proberaum auf und helfen dem Drummer, sein Drumkit wieder einzupacken und im Auto zu verstauen. Dann machen wir das Licht aus und sperren den Raum zu.

(Zu den letzten paar Sätzen: Ihr glaubt nicht, wie viele Räume schimmeln, weil nie gelüftet wird - und wie viele Bands es gibt, die ihre Proberaumtür sperrangelweit offen gelassen haben, weil keiner der Letzte gewesen sein will).

Übrigens ist es viel einfacher, wenn man sich zunächst an vorhandenem Material orientiert und nicht gleich wild drauflos neue Songs schreibt. Von existierenden Stücken gibt es Akkorde, MP3s, Tabs, Lehrvideos - alles Hilfen, die den Einstieg erleichtern. Wie oben erwähnt tut man sich als junge Band meiner Meinung nach durchaus einen Gefallen, wenn man Stücke nachspielt.

Beim Einstieg in eine bestehende Band kann man als Anfänger meiner Meinung nach ruhig auch nach einer schriftlichen Ausgangsbasis fragen bzw. diese zu Übungszwecken selbst anfertigen. Sprich: Wenn man Euch mit Akkord-Sheets und Abläufen versorgen kann, ist das schon mal super. Wenn nicht, ist das aber auch schnell gemacht und hilft Euch bei der weiteren Übungsarbeit. Und auch wenn man das Riff schnell in der Probe gelernt hat, vielleicht sollte man es sich doch mal grob in Tabs notieren, damit man es bis zur nächsten Probe nicht wieder vergessen hat. Ihr seht, ich halte viel von aufgeschriebenen Songs und Abläufen - ganz einfach, weil sie beim Üben helfen und man in der Probe ganz einfach sagen kann "und jetzt ab Verse 2 nochmal" und nicht "jetzt ab da wo die Drums DingdaBums machen und der Sänger Yeah I Want You singt".

Cool ist es, wenn man einen "Proben-Coach" hat. Das kann ein "alter Daddy" als Bandmitglied, ein Musik(instrumenten)lehrer oder ein Freund mit mehr Band-Erfahrung sein. Im Optimalfall jemand, der schon etwas mehr praktische Banderfahrung mitbringt und Euch Tipps gibt, ohne selbst Teil der Band zu sein oder Euch in eine bestimmte Richtung "managen" zu wollen. Wenn Ihr so jemanden findet - und sei es auch nur für die ersten paar Male - ist das sicher Gold wert: Man schwimmt nicht so im eigenen Saft, sondern kann sich Feedback einholen und bekommt einen zwischen die Hörner, wenn man wieder nur rumnudelt und unproduktiv die Zeit vertrödelt.

Zusammengefasst:
Üben muss jeder nach wie vor für sich, in der Probe wird's als Band möglichst diszipliniert zusammengebracht. Bei allem Spaß sollte man dafür sorgen, dass Proben so diszipliniert wie möglich in halbwegs klaren Strukturen ablaufen.


2.8. Was wollen wir als Band eigentlich?
Oder: ohne Regeln kann sich niemand beschweren, dass die Regeln nicht eingehalten werden

Jaja, die alte Sinnfrage. Wo wollen wir hin, warum machen wir das alles? Die einen tun es nur für den Ruhm, andere für Sex&Drugs&so, andere wollen das große Geld, andere nur ihren Spaß haben, andere weil sie es cool finden in einer Band zu sein, …

Kurzum: Es gibt verdammt viele Motivationen, warum man in einer Band sein will. Und irgendwann wird es wichtig, dass man in etwa in die gleiche Richtung will und mehr oder weniger dieselben Gründe hat.

Hier haben wir schon wieder ein Henne-Ei-Problem: Eine Band, bei der die Mitglieder unterschiedliche Ziele und Vorstellungen haben, wird langfristig nicht funktionieren. Aber: Ziele und Vorstellungen können sich immer mal wieder ändern. Und: Manchmal dauert es auch einfach, bis man so weiß, was man eigentlich will.

Wenn Ihr in eine Band einsteigt, sind Fragen in diese Richtung allerdings total legitim. Ihr wollt ja wissen, warum es die Band gibt und wo sie hin will - und könnt dann für Euch klären, ob das zu Euren Vorstellungen passt. Vielleicht merkt Ihr aber auch, dass die Band gar nicht so genau weiß, was sie eigentlich will - aber auch das ist ja schon eine wichtige Information.

In der zweiten oder dritten Band sollte man von Beginn an klare Vorstellungen haben, was das alles soll - in der ersten meiner Meinung nach aber nicht. Klar, ein gemeinsamer Traum hilft (z.B. im nächsten Jahr beim lokalen Bandcontest dabei zu sein oder beim 18. Geburtstag des Bassisten aufzutreten oder bei einer der nächsten Studipartys spielen, etc.), aber Ihr müsst jetzt noch nicht wissen, wie professionell und langfristig das Thema aufgezogen werden soll. Denn wie schon gesagt: Es kann gut sein, dass diese erste Band eh aus verschiedensten Gründen auseinanderfällt oder sich neu formiert, da muss man nicht alles im Voraus regeln. Sowieso ist ein gewisser Wechsel bei den meisten Bands an der Tagesordnung. Wenn man nicht gerade als kleine Einheit wirklich erfolgreich ist, ist es immer so, dass einer aussteigt, wegzieht, keine Zeit mehr hat, und so weiter - ganz normal. Warum soll es einer Anfängerband anders gehen?

Trotzdem bin ich der Meinung, dass man sich auf folgende Punkte einigen sollte:

  • Sinn und Zweck der Band (Was wollen wir als Band erreichen? Wie definieren wir Erfolg?)
  • Musikrichtung (Welche Art von Musik wollen wir machen? Wollen wir auch eigenes Material schreiben?)
  • Proben- und Übungsdisziplin (siehe oben: Wie häufig proben wir? Wie läuft eine Probe ab?)
  • Rollen in der Band (Gibt es einen Chef? Wie treffen wir Entscheidungen? Wer kümmert sich um die Suche nach Gigs, wer baut eine MySpace-Seite, etc.?)
  • Finanzen (Wer verwaltet die Bandkasse? Wie entscheiden wir über Anschaffungen? Wie finanzieren wir den Proberaum? Wie gehen wir mit eventuellen Einnahmen um?)
  • Rechte (Wem "gehört" der Bandname, wem selbstgeschriebene Songs)?

(Vielleicht fragt sich jemand, warum das Thema ‚Bandname' hier nicht auftaucht… klar, einen Namen braucht man auch. Aber Namen sind total egal: Wenn man nicht erfolgreich ist dann liegt das nie am Namen und wenn man Erfolg hat ist der Name egal. ‚Die Ärzte' ist ebenso lächerlich wie ‚Wir sind Helden', ‚Metallica' ist fast noch platter als ‚Megadeth' und ‚Red Hot Chili Peppers' oder ‚Rage Against The Machine' sind eigentlich lachhaft. Also - nennt Euch, wie Ihr wollt).

Wenn Ihr gemeinsam eine Band gründet, schlage ich übrigens ein möglichst konsensorientiertes Grundkonzept vor. Ihr macht das, um Spaß zu haben - und es macht keinen Spaß, überstimmt zu werden. Daher ist es immer gut, wenn man sich einigt. Die Rolle des "Chefs" kann nur derjenige spielen, der auch über eine gewisse anerkannte Führungsrolle verfügt - wer keine Autorität hat, wird als Chef nicht ernst genommen. Ich würde lieber längere Diskussionen in Kauf nehmen als komische Mehrheitsentscheidungen (die dann immer auch 2:2 ausgehen) oder eine Top-Down-Basta-Vorgabe. Klar, irgendwann muss eine Entscheidung her und irgendwann muss man notorische "Bremser" bzw. "Anderswoller" auch mal vor die entweder-oder-Frage stellen. Und irgendwann werden sich Meinungsführer oder de-facto-Chefs herauskristallisieren. Aber für den Anfang schadet es wirklich nicht, wenn man sich erstmal gütlich einigen will.

Es gibt sogar Muster für "Bandverträge" als GbR-Gesellschaftsvertrag, daran sieht man, dass das schon ein ernstes Thema ist. Viele Bands scheitern daran, dass solche simplen Dinge nicht geklärt sind und man sich streitet. Es ist total überzogen, sich in einer Startup-Band mit Rechtsstreitigkeiten aufzuhalten - aber es schadet eben auch nicht, ein paar Themen mal anzusprechen und zu vereinbaren. Und wenn es hilft, dass man die Regeln aufschreibt und alle unterschreiben - warum nicht? Wenn man dafür hinterher sagen kann "wir hatten uns doch alle darauf geeinigt…", dann der Sünder betroffen schaut, sich entschuldigt, und weiter geht's, dann hat so ein Papier doch seinen Sinn erfüllt.

Zu viel Bürokratie? Okay, man kann das auch alles weglassen, kann trotzdem super klappen. Ich bin halt der Meinung, dass man sich lieber in Ruhe mit ein paar anstrengenden Diskussionen aufhält, bevor sich irgendwas hochschaukelt, total eskaliert und alles aus der Kurve fliegt. Müsst ihr letztlich aber selbst wissen - sagt nur nicht, ich hätte nicht gewarnt.

Zusammengefasst:
Über Ziel der Band, Musikrichtung, Disziplin, Finanzen und Rechte solltet Ihr Euch einigen - aber in der ersten Band reicht eine grobe Einigung, es muss nicht alles zu 100% vertragsreif sein.


2.9. Wie schlichten wir einen Streit?
Oder: von alten Ehepaaren lernen


Zoff gehört dazu. Zoff kann aber sehr still, sehr laut, sehr ruhig oder sehr emotional ablaufen. Wenn Ihr Euch bisher brav an meine Ideen gehalten habt, sollte es auch relativ wenig Zoff geben, weil Ihr Euch über die Grundsätze der Band und so ja schon einig seid.

Aber: Zoff wird's trotzdem geben.

Es gibt nur einen einzigen Tipp hier: Redet möglichst frühzeitig miteinander und versucht, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden. Alte Ehepaare sagen: Wir sind seit 60 Jahren verheiratet, weil wir jeden Streit beilegen, bevor wir schlafen gehen.

Nein, Ihr sollt nicht miteinander ins Bett steigen (das gibt nur mehr Zoff), Ihr sollt bloß wie halbwegs erwachsene Menschen miteinander umgehen und darauf aus sein, Euch zu einigen. Wenn's Euch nervt, dass immer alle unpünktlich sind - dann muss das raus, lieber früher als später. Wenn Ihr ein Problem damit habt, wie der Kollege einen bestimmten Part spielt, dann sprecht das an. Wenn Ihr einfach nur schlecht drauf seid, weil ihr eine Klausur verbockt habt, dann sagt das - sonst denkt jemand, musikalisch wäre irgendwas nicht in Ordnung.

Nicht falsch verstehen - ich popagiere hier ja auch immer wieder, dass man sich zurücknehmen, sein Ego zügeln und Kompromisse eingehen soll. Das ist auch nach wie vor so. Ihr sollt nicht bei jeder Kleinigkeit losmeckern, man muss schon mal ein gewisses Maß an Toleranz beweisen. Es lohnt aber nicht, dass man so lange den Ärger in sich reinfrisst, bis man explodiert, rumschreit, und alle zur Sau macht. Dann versteht nämlich keiner, was "auf einmal" los ist.

Und so schwer es ist: Versucht, einen halbwegs sachlichen Ton beizubehalten. Irgendwie konstruktiv eben. Nein, das heißt nicht, dass man sagt: "Also ich fände es - nicht falsch verstehen - noch viel viel besser wenn wir das so und so machen täten". Aber man sollte schon dran denken, dass man Kritik vernünftig verpackt und rüberbringt. Gerade wenn es um die Fähigkeiten eurer Mitmusiker geht oder deren Spielweise - da liegen die Emotionen oft relativ blank.

Oft kann es auch helfen, wenn man sich Probleme nicht wegen der aufgeladenen Probe-Zeit, sondern bei einem gemütlichen Band-Bierchen an einem anderen Tag anspricht. Das muss dann auch nicht nach dem Motto "ich hab da ein Problem" sein, sondern "ich finde aber schon, dass wir mal wieder ein bisschen mehr drauf achten sollten, dass" kann genauso gut funktionieren.

Zusammengefasst:
Probleme werden immer auftreten - schlimm werden sie aber nur, wenn man sie nicht rechtzeitig anspricht und klärt. Das erfordert viel Selbstdisziplin und Einfühlungsvermögen von allen Beteiligten - damit tun sich viele coole Mucker wirklich schwer. Trotzdem: Von alleine gehen die wenigsten Probleme weg, also stellt Euch den Themen (am besten außerhalb der Probe).


2.10. Wann sind wir reif für die Bühne?
Oder: Erfolg ohne Schmerzen klappt nur selten

Nein, auch diesmal gibt's keine Pauschalaussage. Manchmal dauert es Jahre, manchmal Monate, manchmal ein paar Tage. Hängt ja auch davon ab, welche Chancen sich so ergeben. Wer "eigentlich" noch nicht "bereit" ist, aber in drei Wochen einen coolen Gig mitmachen könnte, sollte sich schon ernsthaft überlegen, ob das nicht doch machbar ist.

Ein gewisses Repertoire sollte schon da sein. Ich finde fünf Songs als Richtschnur gut. Man hat schon was zu bieten (5 Songs mit je vier Minuten sind 20 Minuten, mit Ansagen und so ist man vielleicht schon bei 25, das ist fast eine halbe Stunde…), kann sich ein wenig an die Bühnensituation gewöhnen (man kann auch den ersten Song verbocken und hat genug Zeit, besser zu werden), einen Spannungsbogen aufbauen (z.B. auch ein ruhigeres Stück an Position 3 oder 4) und merkt, wie man mit seinen Kräften so zurecht kommt.

Diese Songs sollte man dann im Proberaum absolut fehlerfrei komplett auswendig können. Die Worte meine ich so, wie ich sie geschrieben habe. "Fehlerfrei" heißt, dass alle Parts, Riffs, usw. wirklich sitzen müssen, bei jedem Einzelnen und als Band. "Komplett auswendig" heißt genau das - ohne das geliebte Ablauf-Sheet, ohne Akkorde, ohne Textzettel für den Sänger. Es ist nämlich immer (ja immer!) so dass irgendwas auf der Bühne nicht so läuft wie geplant (oder total danebengeht), dafür sorgt das Lampenfieber, das Adrenalin, die Nervosität, das Publikum, die Technik oder die Macht. Da kommt man nur unbeschadet durch, wenn man die Stücke wirklich im Schlaf kann.

Sehr witzig kann es sein, mal aus Spaß ein Instrument wegzulassen und das Stück trotzdem hinzukriegen. Also im Proberaum das Stück vier Mal spielen - einmal ohne Drums, einmal ohne Gitarre, einmal ohne Bass, einmal ohne Gesang. Deshalb sollte man übrigens auch dann proben, wenn mal einer nicht kann - hilft für solche Situationen. Wenn man da trotzdem durchkommt, ist man schon ganz schön gut. Es kann nämlich gut passieren, dass beim Auftritt mal jemand aus welchem Grund auch immer den Einsatz verschläft, aus dem Stück aussteigt, etc. - da muss man durch und man muss vor allem auch wieder reinkommen.

Oder mal - das ist sehr cool - in ziemlicher Dunkelheit spielen, so dass man wenig bis gar nichts sieht. Das ist verdammt schwer, aber auf Bühnen oft nicht so viel anders. Ist aber schon die hohe Schule.

In jedem Fall sollte man sich langsam ein festes Set von "gekonnten" Stücken aufbauen und dieses "Set" bei Gelegenheit mal als "Generalprobe" im Proberaum durchspielen. Wie beim Auftritt: Ohne Zettel, ohne nochmal-anfangen, ohne Laberei zwischendurch, ohne lange Sortierpausen zwischendrin… einfach alle Songs runterrocken. Total genial ist übrigens, wenn man das (und sei es nur mit dem Handy oder der Digicam) aufnimmt und sich dann mal anhört, was dabei herausgekommen ist.

Ihr seht schon, die Kernbotschaft hier ist "Sicherheit". Wer in seinen Songs - und wenn's auch nur fünf sind - sicher ist, sie wirklich beherrscht, sie wirklich kennt, die Problem-Parts auch bewusst hat, der wird als Band auch dann nicht aus der Kurve fliegen, wenn was schief geht. Und wenn Ihr wisst, dass ihr bei einem bestimmten Stück immer wieder was verbockt - dann nicht nur üben, sondern auch für den "Fall der Fälle" was einplanen. So nach dem Motto: "Wenn der Kurt wieder sein Solo verpannt, dann spielen wir den Vers einmal ohne Solo, der Paul erinnert ihn an das Solo, dann wiederholen wir den Vers mit Solo" oder aber auch "Wenn der Kurt wieder sein Solo verpennt, dann machen wir halt ohne Solo im normalen Ablauf weiter, bloß keine Änderungen".

Nur mit Sicherheit könnt Ihr übrigens über Dinge wie Bühnenperformance oder cooles Abrocken nachdenken. Wer seine Songs nicht kann, aber wie ein Berserker über die Bühne hopst, ist meistens nur peinlich. Wer hingegen sauber spielt, aber noch nicht so cool rüberkommt, der kann aber schon eine ziemlich gute neue Band sein, die eben erst noch lernen muss, auf der Bühne mehr Stimmung zu machen.

Zusammengefasst:
Wenn eine Band fünf Songs vollständig auswendig fehlerfrei spielen kann, notfalls auch, wenn mal ein Instrument fehlt oder aussteigt, dann ist sie reif für die Bühne.


2.11. Wie finden wir einen Gig?
Oder: auch drei Hansel sind ein Publikum

Ganz ehrlich: Ich habe schon so viel im Sinne von "krieg den Arsch hoch und schau dich mal um und rede mit Leuten und halte Augen und Ohren offen" geredet in diesem Text, dass mir gar nicht viel mehr einfällt.

So langsam solltet ihr gesehen haben, dass ohne Eigeninitiative nicht viel voran gehen wird und dass man verdammt viel Arbeit investieren muss, um irgendwas zu bewegen. Ob nun Musikersuche, Proberaumsuche, das Bandleben an sich - ohne Initiative wird nichts dabei herauskommen. Das gilt für die Suche nach einem Gig genauso.

Ob das nun drei Lieder im Wohnzimmer eines Kumpels zum Geburtstag sind, oder ein paar Songs im Rahmen des Schulfestes, oder ob es Euch gleich auf die große Bühne bei einem Bandcontest zieht - das kann ich nicht vorhersagen bzw. empfehlen.

Worüber Ihr Euch aber schon Gedanken machen solltet, ist folgende Grundsatzfrage: Wollen wir für die Möglichkeit eines Auftritts Geld in die Hand nehmen oder nicht? Es ist nämlich ziemlich simpel, sich einen Veranstaltungsraum und Technik zu mieten und ein Konzert zu geben - als Anfängerband ist es aber auch unmöglich, damit finanziell nicht im Desaster zu enden. Raummiete ein paar Hunderter, der Techniker mindestens einen, die Technik ein paar Hunderter, GEMA nicht vergessen, unheimlich viel Stress, dann kommt keiner, usw. - lieber nicht. Klar, das war ein Extrembeispiel, aber meistens wird's hinterher teurer als gedacht. Ich bin der Meinung, dass man nicht nur als Anfängerband schon aus Gründen der Ehre nicht dafür zahlen sollte, dass man auftreten darf - aber als Anfängerband eben ganz besonders.

Na gut, vielleicht muss man auf eigene Kosten hinfahren und sogar Essen und Getränke selbst zahlen. Vielleicht muss man zusammen mit den anderen Bands den Techniker bezahlen oder so. Wo die persönlichen "Schmerzgrenzen" liegen, muss man auch hier selbst ausloten.

Auf keinen Fall sollte man sich zu schade sein, als Vorband oder Support-Act oder auch nur als Füller im Rahmenprogramm am Nachmittag oder beim Geburtstag eines Kumpels aufzutreten - Ihr habt nichts zu verlieren, selbst ein halbwegs verkackter Auftritt bringt Erfahrung. Und wenn es nur die Erfahrung ist, dass man sich mit der Gesagsbox auf dem Proberaum überhaupt nicht selbst hört und dass im Publikum erst recht nichts gehört wird. Ganz klare Message: Lieber irgendwo "andocken" als selbst organisieren, lieber ein kleiner Side-Gig als ein riesen-Main-Set. Kleine Brötchen backen, lieber ein paar mehr davon. In jedem Fall gilt: Sobald auch nur ein Gast da ist, habt Ihr auf der Bühne zu stehen und zu rocken, als wärt Ihr Queen live in Wembley.

Zusammengefasst:
Um die Gig-Möglichkeit muss man sich wie immer schon selbst kümmern - für den Anfang ist das Setting eigentlich egal, Hauptsache man darf spielen und muss nicht dafür zahlen!


2.12. Der Auftritt war toll/naja/schlimm - was nun?
Oder: time to say goodbye

Der Leitfaden hier hat in groben Zügen die "Karriere" einer Band von der ersten Idee bis hin zum ersten Auftritt beschreiben - das hat er hiermit getan. Natürlich sind die Fragen nach einem Gig oft noch größer als vorher.

Wenn er erfolgreich war: Mann, wie geil war das denn? So ein Adrenalin-Rush! Und ich hätte nie gedacht, dass sich so ein Mädel für einen wie mich interessiert! Und jetzt? EP aufnehmen? Wacken spielen? Reich werden? Profi werden? Wie erkläre ich das Mama und Papa?

Wenn der Gig ein Reinfall war: Nie wieder so ein Scheiß! Wieso haben die Anderen eigentlich alles falsch gespielt? Wieso waren wir immer viel zu schnell? Wieso habe ich mich nicht gehört? Wieso ist keiner gekommen, wieso hat keiner geklatscht?

Und so weiter.

Ich bin jetzt trotzdem so gemein und werde keine dieser Fragen beantworten. Ab jetzt gilt es, auf eigenen Füßen zu stehen und auf eigene Faust weiterzumachen…

Zusammengefasst:
Wer es bis hierher gebracht hat, hat schon verdammt viel gelernt. Wie es weitergeht, muss schon jeder selbst wissen. In jedem Fall ist der Workshop hier vorbei.


3. EIN PAAR WORTE ZUM SCHLUSS

Zur Wiederholung: Nochmal bedenken, dass - wie vorher schon betont - jede Bandgründung anders abläuft als hier beschrieben, Patentrezepte und Backmischungen gibt es nicht. Es kann trotzdem alles schief gehen. Genauso kann alles richtig geil funktionieren, wenn man irgendwie in eine Band hineinstolpert, ohne zu planen und sich an die hier vorgeschlagenen Tipps zu halten. Daher steht hier ja auch nicht "nur so und nicht anders" sondern im Endeffekt "hier ein paar Anregungen und Ideen, bewerten müsst Ihr die schon selbst". Übrigens ist mir gerade beim Durchlesen alles Mögliche eingefallen, was ich eigentlich noch schreiben wollte - aber ich habe auch so schon die Marke von 10.000 Wörtern überschritten, irgendwann muss Ende sein…

Und klar - es kann auch sein, dass irgendwie alles den Bach heruntergegangen ist, man im Streit auseinandergeht, sich ewige Feindschaft schwört, die Gitarre aus Frust zertrümmert, usw. - sollte man alles nicht tun, aber es kann passieren. Mein väterlicher Rat: Auch das bringt was! Man ist um eine Erfahrung reicher, hat was gelernt, wird es beim nächsten Mal anders machen, und ist letztlich zum besseren Musiker geworden.

Denn meine Grundüberzeugung ist: Musik macht mit Anderen viel mehr Spaß als allein, und erst mit einem Publikum erfüllt sie ihren eigentlichen Zweck. Also: Gebt Euch einen Ruck und probiert es einfach, es ist nicht so schwer, wie es von außen so aussieht. Und wenn's beim ersten Mal nicht klappt - auch wurscht, Versuch macht klug, einfach nochmal probieren.

Wenn meine Gedanken hier auch nur einen Musiker ermutigen, sich aus den eigenen vier Wänden hinaus zu wagen und es doch mal mit einer Band zu probieren, oder den einen oder anderen üblichen Streit in jungen Bands verhindern, bin ich schon mehr als glücklich und habe meine gute Pfadfinder-Tat erledigt. Und wenn nicht - naja, auch gut, ich wollte es mir halt mal von der Seele schreiben.

Zu allerletzt: Vergesst diesen Text, vergesst die Theorie - das wahre Leben ist da draußen!
 
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Yeah, du hast definitiv kein Leben :D

Nee im Ernst, ein größtenteils guter Beitrag. Nur bezweifle ich leider, dass sich die meisten das überhaupt alles durchlesen. Ist dadurch, dass du alles (in sinnvoller Weise) kommentierst und beurteilst eben extrem lang geworden.

WENN sich das einer aber wirklich gibt, dann ist´s bestimmt durchaus hilfreich.

Einziger (wenn mans überhaupt so nenen kann) Kritikpunkt wäre die Stelle, an der du empfiehlst, möglichst mit Bass oder Drums anzufangen.
Das ist imho völliger Schwachsinn.
Wenn ich, unabhängig von anderen, anfange ein Instrument zu spielen, dann tue ich das doch, weils mir gefällt und ich mich dafür interssiere, nicht um möglicherweise eine bestimmte Musikergruppe zu ergänzen, die zahlreicher vorhanden ist...oder sehe ich das deiner Meinung nach falsch?
 
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Moinsn alle miteinander

ich gehöre zu denen welche es auf sich genommen haben und den ganzenText von Links-Oben bis Rechts-Unten gegeben haben

kurz und bündiges Kommentar: verdammt richtig

ich hab momentan jetzt die dritte Kapelle aus der Traufe gehoben(fühlen sich an wie 20^^)
und versuche denen grad irgendwie beizubringen, dass es ohne Input keinen Output gibt weil meine Mitmusiker anscheinend grade wirklich erkennen was es für ein Aufwand ist(obwohl sie beteuern das zu wissen........ja klar....da wär ich mir nicht so sicher)
(bin mit 18 1/2 der älteste.....Rest 16 1/2 bis 17)
ich bin mir nicht sicher ob das Alter eine Rolle spielt aber vielleicht denk ich auch anders weil ich mir schon neben der Schule meine Brötchen verdiene(kein Studium)

den Punkt mit dem Alter hätte ich persönlich trotz der Länge mit hineingenommen
weils doch nicht so unwesentlich ist
das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt

sonst gibts von mir eine römisch Eins dafür^^

meinen Horizont hat es definitiv erweitert auch wenn es sich nur um "Kleinigkeiten" gehandelt hat
und mich auf jeden Fall zum nachdenken angeregt^^

Röck'n'Roll Guys

PS: Leute! Es zahlt sich auf jeden Fall aus das Teil zu lesen!
 
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der dührssen;4533486 schrieb:
Einziger (wenn mans überhaupt so nenen kann) Kritikpunkt wäre die Stelle, an der du empfiehlst, möglichst mit Bass oder Drums anzufangen.

Nee, das ist nicht so wirklich ernst gemeint. Das ist so nach dem Motto: Wenn Du's mal leicht haben willst, dann fang mit Bass an - auch wenn ich weiß, dass eh alle auch künftig Gitarre spielen. ;)
 
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na denn is ja gut ;)

Ich glaube ja, dass es in ein paar Jahren eh nur noch Guitar-Hero´er gibt und die richtigen Gitarristen aussterben :D
 
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der dührssen;4533486 schrieb:
Yeah, du hast definitiv kein Leben :D
Den kann ich auch nicht so auf mir sitzen lassen. :D
Klingt komisch - ich hab' das alles relativ entspannt an drei Abenden nach der Arbeit runtergetextet - war also nicht wirklich viel Arbeit. Und mir ist auch klar, dass das viel zu lang ist - aber manchmal ist es halt so, dass man nicht alles im Leben in fünf Stichpunkten darstellen kann. Immerhin scheint's ja ein paar Leuten zu gefallen. Als nächstes nehme ich mir mal eine Abhandlung über Voodoo bei Gitarristen vor und ziehe über Kabelwahn, Röhrenwahn und True-Bypass-Wahn her - wird aber noch ne Weile dauern. ;)
 
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Ich bin beeindruckt! In der Tat, ich fürchte auch, daß dieser dreiteilige Band Zyklus nicht die verdiente Leserschaft erhalten wird, denn man braucht schon eine wirklich lange Zeit, um da durchzukommen. genau dies ist im schnellen Internet Zeitalter eher ein Mangel. Inhaltlich habe ich eigentlich nichts zu bekritteln und kann aus eigener Erfahrung fast komplette Zustimmung signalisieren. Was mich beeindruckt, ist der rote Faden, den Du zu keiner Zeit verlierst. Lediglich die wichtigen Abschnitte zum Schluß kommen mir etwas "gehetzt" vor, kann es sein, daß Du zum Schluß kommen wolltest und die Energie etwas nachließ? Kein Vorwurf - absolut verständlich und in keinster Weise schädlich für das Gesamtwerk.
Respekt, ich verneige mich und danke für ein halbstündiges (oder mehr?) grammatikalisch und rechschreibtechnisch einwandfreies Lesevergnügen :great:
 
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1.) Du hast bestimmt kein Leben, egal was du sagst :D
2.) Cool geschrieben und ich hab es mir Spass verschlungen.
3.) KEKS :D
 
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Also ich finde diesen Text super:great:
Hab ihn mir komplett durchgelesen und bin um einiges schlauer geworden.
Habe leider noch keine Band (ich spiele seit 5 Jahren E- und A-Gitarre und mir wird oft gesagt, dass ich gut singen kann), was vielleicht auch daran liegen koennte, dass ich mich auf ein Genre festlegen moechte und ich niemanden finde, der die selbe Musik spielen moechte.
Auf jeden Fall werde ich mich jetzt nicht mehr so sehr festlegen.

Virtuelle Kekse fuer diesen spitzen Beitrag bekommst du auch *bewert*
Hab lange nich mehr so einen guten Beitrag hier gelesen.
 
-JO-
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also ich finds top!

Ich sehe in vielen Abschnitten auch meine eigenen Gedanken fast exact wieder, und andere Abschnitte haben mir neue hilfreiche Gedankenaspekte geliefert!

Ich nehme an das war ja auch deine Intention ;-)
 
DerZauberer
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Danke für das Feedback - freut mich, dass zumindest Einige hier sich die Mühe gemacht haben, das zu lesen. Ich werde auch so frech sein, bei der nächsten "ich will ne Band gründen, was brauche ich dafür" ganz frech da drauf zu verlinken. ;)
 
Xytras
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das wirst nicht nur Du tun... ;)
 
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kann man das nicht irgendwie so als wichtig machen als Moderator?
Damit der Thread so ganz oben in Band und Proben ist und jeder den sieht.
 
xhoinx
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genau gepinnt gehört der!
 
Tomix
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Hallo,

also erstmal vorweg : super Artikel und wirklich schön zu lesen trotz der Menge !
Er trifft den Nagel auf den Kopf und ich erkenne viele mögliche "Anfängerfehler",
die zu vermeiden der Text sehr gut hilft. (Gruß klein-Joda)

Jedoch konnte ich beim Lesen ein Gefühl nicht loswerden,
und zwar, ob es mit diesem Sachverhalt nicht so ist,
wie mit dem Kind und der Herdplatte ?
Sprich: manche Hinweise werden solange als Lapalie oder Spielverderberei behandelt,
bis man sich selbst "verbrannt" hat. (?)

So zum Beispiel bezüglich Disziplin bei der Bandprobe:
manch ein Anfänger freut sich eben lange, dass er nun das Instrument beherrscht und ist der Raum da,
überdeckt lange - zumindest war das so bei mir - die Freude über das Aufdrehen dürfen alles andere.
Der Fokus ist also nicht auf dem Vorwärtskommen als Band, sondern es zählt erstmal der pure Spassfaktor, bis ..... (?)

Genau in diesem Moment wäre dieser Text eigentlich GENAU DAS RICHTIGE,

und trotzdem denke ich, denen, denen er nützen würde, bei denen kommt er vielleicht falsch oder garnicht an,
und diejenigen, die schon ein paar (Band/Musiker-)Erfahrungen haben, für jene ist das Geschriebene eh logisch und/oder (gewünschter) gelebter Band-Alltag.

Ich schreibe all das, weil sich das genau auf meine Band beziehen läßt und die "band-reife" sehr unterschiedlich ist,
dieser Text könnte helfen sich anzugleichen,
nur habe ich halt die Befürchtung, dass nichts über selbst gemachte Erfahrung geht.
Vor allem im Hobby-Bereich,
wo doch jeder es in erster Linie nur zum Spass macht, und auch ein noch so vernünftiges und sinnvolles Vordiktieren schnell in die Ecke Spielverderberei und Spießigkeit gedrängt werden kann.


Adios,
Tomix
 
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nur habe ich halt die Befürchtung, dass nichts über selbst gemachte Erfahrung geht.

Danke für das Feedback. Mit der Message "Versuch macht klug" triffst Du natürlich den Nagel auf den Kopf - es geht wirklich nichts über selbst gemachte Erfahrungen. Ich hab' ja alles von dem, was ich hier an Problemen beschreibe, selbst erlebt und "durchgemacht". Viel gelernt habe ich, als ich im gesetzten Alter von jenseits der 30 den Versuch gestartet habe, nur mit noch einem Kumpel "bewaffnet" eine Band "von null" aus der Traufe zu heben, am Leben zu halten und nun halbwegs regelmäßig (wenn auch berufsbedingt für uns alle recht selten) zu Gigs zu führen. Deswegen ist ja meine Kernbotschaft auch: Rausgehen und probieren, lieber eine "schlechte" Banderfahrung als nur im Zimmer musizieren...

Und es gibt auch verdammt viele Leute, die mit geschriebenen "Ratgebern" usw. sowieso nichts anfangen können. Aber vielleicht gibt es ja den Einen oder Anderen, der aus welchem Grund auch immer hier mal reinschnuppert und eine Kleinigkeit mitnimmt.
 
Tomix
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ja, das auf jeden Fall.
ich finde auch den Grund-Tonus des Beitrags sehr treffend:

man hat ja nichts zu verlieren (aus unterschiedlichsten genannten Gründen)
und
man lernt einfach unglaublich viel.

Lieber eine schlechte Banderfahrung als Musik auf dem Zimmer, oh ja ! :D :great:
 
FSutti
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Also da mich das Thema im Moment auch betrifft, kam ich nicht umhin, den Text zu lesen - und ja, auch komplett. - bin ja selbst jemand, der gerne mal etwas längere Texte von sich gibt :rolleyes:

Ich muss sagen, wirklich sehr informativ und sehr angenehm zu lesen. Ich werde sicher in meiner kommenden "Musikerformation" einige hier gelesene Dinge ansprechen, da ich sicher bin, dass es nützlich ist.

Hm... kann VBulletin eigentlich Belohnungen für geniale Texte vergeben? ;)

Spitzenklasse
 

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