Strato Incendus
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Alle Jahre wieder eröffne ich traditionsgemäß den ESC-Thread.
Die Songs sind schon seit längerem bekannt, die ersten Pre-Parties laufen bereits — und ein Parallelthread zum britischen Repräsentanten wurde ja ebenfalls bereits eröffnet.
Für mich scheint es seit Corona der erste Jahrgang zu sein, mit dem es qualitativ insgesamt wieder etwas bergauf geht. Die vergangenen Jahre schien mir jeder Jahrgang schwächer als der davor.
Anstatt den Gesamtüberblick über alle Songs zu posten — aus den Recaps sticht ja meistens selten etwas direkt heraus — hebe ich direkt mal ein paar meiner Highlights hervor:
Finnland — Linda Lampenius & Pete Parkkonen — “Liekinheitin” (=Flammenwerfer)
View: https://youtu.be/9bfwNIYb96Q?is=ykqKXS42QpRw1rvq
Spätestens seit Käärjä schwimmt Finnland in den letzten Jahren immer bei den Favoriten mit. Hier also jetzt der “Flammenwerfer” als Symbol für unerwiderte Liebe trotz erwiderter Lust. Zumindest lyrisch kreativer als die am gleichen Wochenende ausgewählte exotherme Reaktion aus unserem Lande.
Bei Sarah Engels’ Song geht es halt nur um die Performance, wie bei den eindeutigen Inspirationsgebern “Fuego” von Eleni Foureira und Chanels “Slo Mo” auch.
Finnland hingegen inszeniert sich eher wie das Duett, was Geigerin Greta Salome vor vielen Jahren für Island beim ESC auf die Bühne brachte; klingt dafür mehr wie etwas, das Lindsey Stirling schreiben würde.
Wie viele verschiedene Geigentechniken kann man in einen 3-minütigen Song quetschen? Linda Lampenius: “Ja.”
Sänger Pete Parkkonen hat seine Mixed Voice im Passagio gut im Griff; wenn er am Ende aufs G5 raufmöchte, müsste er das wahrscheinlich noch etwas üben.
Wir bleiben direkt unter der Gürtellinie (naja, die Frage ist, unter wessen
) mit folgendem Song:
Rumänien — Alexandra Căpitănescu — “Choke Me”
View: https://youtu.be/JrSl0sTX5W4?is=1GWorwPJScwJMmhF
Letztes Jahr beim 69. ESC hatten wir Titel wie “Ich komme”, “Serving Kant” und den australischen “Milkshake Man”. Dieses Jahr will uns Rumänien, das erneut eine The Voice-Gewinnerin schickt, mit seinem Pressestatement glauben lassen, in dem Song gehe es um einen inneren Dialog mit sich selbst, Selbstvertrauen / Selbstliebe… serviert uns das aber mit Zeilen wie “love me, make my lungs explode”. Nee, ist klar.
Insbesondere in Kombination mit der Tatsache, dass die Titelzeile lautet “all I need is your love, I want IT to choke me” (nicht nur “I want YOU to choke me”), ist jedoch zumindest in der Tat davon auszugehen, dass das Würgen nicht mit der Hand passiert… 
Schweden — Felicia — “My System”
View: https://youtu.be/ibbfS8iG450?is=Behm5Zxm9LtEWQfa
Schweden sind bekanntlich immer Mit-Favoriten, mehr oder weniger egal, was sie machen — weil Melodifestivalen als “Maschine” eben funktioniert wie immer.
“Now you’re in my head, my heart, my body part” und “I can’t get you out of my system”. Auch hier darf man sich also fragen, ob da jemand bloß schwer verliebt ist, oder eher gerade nach der “Pille danach” sucht…
Australien — Delta Goodrem — “Eclipse”
View: https://youtu.be/KsFY11nOQDo?is=qE95huVigef591MN
Zehn Jahre nach Dami Im probiert Australien es nochmal mit Stimmakrobatik und einer im Land etablierten Sängerin — und den Unterschied zu den diversen Newcomern, die es jedes Jahr gibt, merkt man hier mMn direkt. Strategie scheint also ganz klar zu sein, vor allem das Jury-Voting zu gewinnen. Beim ersten Live-Auftritt auf der nordischen ESC-Party hat Delta sich die G5s noch gespart. Gab aber wohl auch mal wieder Sound-Probleme dort, dann spielt man lieber auf Nummer sicher, wenn man sich selbst nicht durchgehend hört.
Aber auch Spaßsongs muss es ja beim ESC immer geben, auch wenn die dann immer noch kompetent performt werden müssen. Mein unfreiwilliger Ohrwurm in dieser Hinsicht kommt dieses Jahr aus:
Bulgarien — Dara — “Bangaranga”
View: https://youtu.be/_pkC9J6BPFY?is=ydg3BpsfcqvLPpzX
Solange die Background Vocals noch weiterhin vom Band kommen dürfen (eine weitere von vielen schwedischen Regeländerungen beim ESC seit Corona, übernommen vom Melodifestivalen), wird dieses charakteristische, mit eng-gequetschter Stimme gesungene und diversen Effekten verfremdete “I’m the bangaran” wahrscheinlich auch “live” genau so klingen. Wenn das hingegen jemand live mit der Stimme nachmachen müsste, fiele es wahrscheinlich ziemlich flach.
Immerhin schicken damit mehr Länder wieder Künstler, die in ihrem jeweiligen Land einigermaßen bekannt sind, anstatt den ESC als Newcomer-Wettbewerb misszuverstehen. Das gilt in dem Fall überraschenderweise auch für Deutschland, denn Sarah Engels dürfte hier aus dem Mainstream kommend (bzw. “für den Mainstream gemacht”) mehr Leuten ein Begriff sein als z.B. Lord of the Lost vor drei Jahren, wenngleich die ebenfalls bereits lange etabliert waren. Ob das internationale Publikum das deshalb mit den üblichen “Yas, Slay, Queen”s feiert, oder die offensichtliche Fuego / Slo-Mo-Kopie ihnen eher ein Gähnen entlockt, bleibt abzuwarten.
Aber zumindest scheint es besser, sich an jenen erfolgreichen ESC-Songs zu orientieren, die schon ein paar Jahre her sind, als einfach den Vorjahressieger nachzumachen. Denn letzteres gelingt fast nie — JJ als weiterer Countertenor nach Nemo war letztes Jahr die Ausnahme (vielleicht noch abgesehen von Helena Paparizou, die 2005 auf Wild Dances folgte, also gab es damals zwei Ethno-Tanz-Songs als Sieger hintereinander).
Hauptsache, es gibt nicht einen einzigen klaren Favoriten im Vorfeld, der den Wettbewerb langweilig macht. Jetzt muss man nur noch hoffen, dass die neuen Regeln der EBU tatsächlich verhindern, dass erneut das Ergebnis verzerrt wird durch organisierte Voting-Kampagnen von Leuten mit mehreren Handys / SIM-Karten, die den ESC gar nicht schauen — dann könnte es dieses Jahr wieder ganz unterhaltsam werden.
Für mich scheint es seit Corona der erste Jahrgang zu sein, mit dem es qualitativ insgesamt wieder etwas bergauf geht. Die vergangenen Jahre schien mir jeder Jahrgang schwächer als der davor.
Anstatt den Gesamtüberblick über alle Songs zu posten — aus den Recaps sticht ja meistens selten etwas direkt heraus — hebe ich direkt mal ein paar meiner Highlights hervor:
Finnland — Linda Lampenius & Pete Parkkonen — “Liekinheitin” (=Flammenwerfer)
View: https://youtu.be/9bfwNIYb96Q?is=ykqKXS42QpRw1rvq
Spätestens seit Käärjä schwimmt Finnland in den letzten Jahren immer bei den Favoriten mit. Hier also jetzt der “Flammenwerfer” als Symbol für unerwiderte Liebe trotz erwiderter Lust. Zumindest lyrisch kreativer als die am gleichen Wochenende ausgewählte exotherme Reaktion aus unserem Lande.
Finnland hingegen inszeniert sich eher wie das Duett, was Geigerin Greta Salome vor vielen Jahren für Island beim ESC auf die Bühne brachte; klingt dafür mehr wie etwas, das Lindsey Stirling schreiben würde.
Wie viele verschiedene Geigentechniken kann man in einen 3-minütigen Song quetschen? Linda Lampenius: “Ja.”
Sänger Pete Parkkonen hat seine Mixed Voice im Passagio gut im Griff; wenn er am Ende aufs G5 raufmöchte, müsste er das wahrscheinlich noch etwas üben.
Wir bleiben direkt unter der Gürtellinie (naja, die Frage ist, unter wessen
) mit folgendem Song:Rumänien — Alexandra Căpitănescu — “Choke Me”
View: https://youtu.be/JrSl0sTX5W4?is=1GWorwPJScwJMmhF
Letztes Jahr beim 69. ESC hatten wir Titel wie “Ich komme”, “Serving Kant” und den australischen “Milkshake Man”. Dieses Jahr will uns Rumänien, das erneut eine The Voice-Gewinnerin schickt, mit seinem Pressestatement glauben lassen, in dem Song gehe es um einen inneren Dialog mit sich selbst, Selbstvertrauen / Selbstliebe… serviert uns das aber mit Zeilen wie “love me, make my lungs explode”. Nee, ist klar.
Insbesondere in Kombination mit der Tatsache, dass die Titelzeile lautet “all I need is your love, I want IT to choke me” (nicht nur “I want YOU to choke me”), ist jedoch zumindest in der Tat davon auszugehen, dass das Würgen nicht mit der Hand passiert… Schweden — Felicia — “My System”
View: https://youtu.be/ibbfS8iG450?is=Behm5Zxm9LtEWQfa
Schweden sind bekanntlich immer Mit-Favoriten, mehr oder weniger egal, was sie machen — weil Melodifestivalen als “Maschine” eben funktioniert wie immer.
“Now you’re in my head, my heart, my body part” und “I can’t get you out of my system”. Auch hier darf man sich also fragen, ob da jemand bloß schwer verliebt ist, oder eher gerade nach der “Pille danach” sucht…
Australien — Delta Goodrem — “Eclipse”
View: https://youtu.be/KsFY11nOQDo?is=qE95huVigef591MN
Zehn Jahre nach Dami Im probiert Australien es nochmal mit Stimmakrobatik und einer im Land etablierten Sängerin — und den Unterschied zu den diversen Newcomern, die es jedes Jahr gibt, merkt man hier mMn direkt. Strategie scheint also ganz klar zu sein, vor allem das Jury-Voting zu gewinnen. Beim ersten Live-Auftritt auf der nordischen ESC-Party hat Delta sich die G5s noch gespart. Gab aber wohl auch mal wieder Sound-Probleme dort, dann spielt man lieber auf Nummer sicher, wenn man sich selbst nicht durchgehend hört.
Aber auch Spaßsongs muss es ja beim ESC immer geben, auch wenn die dann immer noch kompetent performt werden müssen. Mein unfreiwilliger Ohrwurm in dieser Hinsicht kommt dieses Jahr aus:
Bulgarien — Dara — “Bangaranga”
View: https://youtu.be/_pkC9J6BPFY?is=ydg3BpsfcqvLPpzX
Solange die Background Vocals noch weiterhin vom Band kommen dürfen (eine weitere von vielen schwedischen Regeländerungen beim ESC seit Corona, übernommen vom Melodifestivalen), wird dieses charakteristische, mit eng-gequetschter Stimme gesungene und diversen Effekten verfremdete “I’m the bangaran” wahrscheinlich auch “live” genau so klingen. Wenn das hingegen jemand live mit der Stimme nachmachen müsste, fiele es wahrscheinlich ziemlich flach.
Immerhin schicken damit mehr Länder wieder Künstler, die in ihrem jeweiligen Land einigermaßen bekannt sind, anstatt den ESC als Newcomer-Wettbewerb misszuverstehen. Das gilt in dem Fall überraschenderweise auch für Deutschland, denn Sarah Engels dürfte hier aus dem Mainstream kommend (bzw. “für den Mainstream gemacht”) mehr Leuten ein Begriff sein als z.B. Lord of the Lost vor drei Jahren, wenngleich die ebenfalls bereits lange etabliert waren. Ob das internationale Publikum das deshalb mit den üblichen “Yas, Slay, Queen”s feiert, oder die offensichtliche Fuego / Slo-Mo-Kopie ihnen eher ein Gähnen entlockt, bleibt abzuwarten.
Aber zumindest scheint es besser, sich an jenen erfolgreichen ESC-Songs zu orientieren, die schon ein paar Jahre her sind, als einfach den Vorjahressieger nachzumachen. Denn letzteres gelingt fast nie — JJ als weiterer Countertenor nach Nemo war letztes Jahr die Ausnahme (vielleicht noch abgesehen von Helena Paparizou, die 2005 auf Wild Dances folgte, also gab es damals zwei Ethno-Tanz-Songs als Sieger hintereinander).
Hauptsache, es gibt nicht einen einzigen klaren Favoriten im Vorfeld, der den Wettbewerb langweilig macht. Jetzt muss man nur noch hoffen, dass die neuen Regeln der EBU tatsächlich verhindern, dass erneut das Ergebnis verzerrt wird durch organisierte Voting-Kampagnen von Leuten mit mehreren Handys / SIM-Karten, die den ESC gar nicht schauen — dann könnte es dieses Jahr wieder ganz unterhaltsam werden.
