Frischzellenkur für eine Hohner Lucia III

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Hallo,

nachdem ich schon eine ganze Weile auf der Suche nach einem transportablen Instrument für Unterwegs war, das mein eigentlich zu kleines Concerto I ersetzen soll, habe ich vor kurzem auf dem Gebrauchtmarkt zugeschlagen und eine Hohner Lucia III ergattert.
Warum Lucia? Zum einen kenne und mag den Klang und die Handhabung dieser Modellreihe, und der 3-chörige Diskant ist für meine Zwecke absolut ausreichend. Zum anderen lässt sich an der Lucia mit ein wenig handwerklichem Geschick sehr leicht sehr viel selbst machen - dass etwas gemacht werden muss, war mir bei einem etwa 40 Jahre alten Instrument (das Akkordeon wurde lt. Vorbesitzer in den vergangenen 2 Jahren nicht mehr gespielt, aber trocken und bei Zimmertemperatur gelagert). Hier im Thread möchte ich die Arbeitsschritte, die das Instrument auf Vordermann bringen sollen, ein klein wenig dokumentieren. Vielen Dank an Musikerclaus, der mir vorab neben Tipps und Tricks alte Reparaturunterlagen hat zukommen lassen, so dass der Anfang für jemanden, der zwar auf anderem Sektor bastlerisch bewandert ist, aber beim Akkordeon bisher nur mal eine Balgdichtung gewechselt hat und nie auf die Idee kommen würde, an seiner Morino selbst Hand anzulegen, relativ leicht war.

Bis auf ein fehlendes "H" beim Hohner-Schriftzug am Diskantverdeck und die etwas angelaufenen Balgecken an der Vorderseite waren Instrument (und auch Koffer) in einem sehr gepflegten Zustand - also Wohnzimmer-gepflegt.
Die Balgecken habe ich zunächst leicht abgeschliffen - dabei ist neben den unschönen Ablagerungen natürlich die oberste silbrige Beschichtung abgeblättert, und das darunterliegende messingfarbene Material kam zum Vorschein. Im Moment stört's mich nicht, aber ggf. wird da in einem späteren Arbeitsgang noch etwas nachgebessert: Hat jemand schon einmal die Balgecken ausgewechselt und kann etwas zum Aufwand etc. sagen?
Das "H" ist bei Hohner bestellt und wird wieder angebracht.

Erste Auffälligkeit bei den "Innereien" war, dass der Balg-Innenverschluss leider nicht mehr funktionierte. Dieses Problem war mit Hilfe der zugesandten Unterlagen leicht zu beheben:
Der Verschluss besteht aus zwei Haken an den Längsseiten des Balgs, die in zugehörige an Laschen angebrachten Bolzen einrasten. Mit der Zeit kann der Balg "wachsen", so dass diese Haken nicht mehr greifen. Einfach die Schrauben der Laschen, die an Winkeln am Balgrahmen befestigt sind, lösen und sie ein wenig nach unten verschieben - fertig!

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Nach dem ersten Anspielen und dem Abnehmen des Diskantverdecks war klar, dass Stimmung und Wachs noch in einem akzeptablen Zustand sind, so dass hier zunächst nichts zu machen ist. Die Dichtigkeit war zwar noch gegeben, aber das Klappern der Klappen, der etwas zu große Hub der Tastatur sowie die Schwergängigkeit beim Registerumschalten ließen darauf schließen, dass die Klappenbeläge ausgetauscht werden sollten. Zum Glück lassen sich die Klappen bei Lucia (und Atlantic) im Gegensatz anderen Modellen leicht von den Clavishebeln herunterziehen. Um an die unteren Klappen (Halbtöne) heranzukommen, ist vorher der Träger mit den Registerdrückern zu entfernen. Dieser wird von zwei Rändelschrauben gehalten, ist also ohne Werkzeug zu demontieren. Lediglich beim Ausfädeln der Schubstangen am Steuerkasten ist etwas Vorsicht angebracht.
Wie man sieht, ist zum einen der Schaumstoff spröde geworden, und zum anderen zeigt die Deckschicht aus Leder deutliche "Kissenbildung".

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Ein kompletter Satz zugeschnittener Klappenbeläge für Diskant und Bass kostet bei Hohner für dieses Instrument ca. 50 €, so ich mich dagegen entschieden habe, die Beläge selbst zuzuschneiden.
Zunächst müssen natürlich die alten Beläge entfernt werden. Dies geht fast von selbst - lediglich die Klebereste direkt auf den Klappen sind ein wenig hartnäckig. Diese habe ich mit Isopropanol angelöst und mit einer feinen Cutter-Klinge heruntergeschabt.

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Um die Bass-Beläge kümmere ich mich irgendwann später, da nicht so akut.

Weiter geht's, sobald die Lieferung von Hohner, die neben den Belägen und dem Schriftzug auch noch einen Querriemen für die Schultergurte enthält, angekommen ist.
 
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Die von Will beschriebene "Kissenbildung" der Klappebeläge führe ich auf die Aufprägungen der Aluklappen zurück. diese habe ich neutralisiert, indem ich die alten Kork-Beläge von der Schaumstoffschicht befreit und im Bereich den Aufprägungen ausgestochen habe. Das geht leicht und schnell mit einer (Hartfaser -) Schablone und einem scharfen Stecheisen. Es entstehen Korkrähmchen, die zunächst mal aufgeklebt werden. Eingebaut wird so der Klappenbelag um das Tonloch herum fest angedrückt, auch wenn sich später einmal die Lage der Klappen geringfügig verändern sollten.
Gruß akkotue
 
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Hallo akkutue,

Danke für die Anmerkung. Natürlich habe ich auch in Deinem Lucia-Thread schon ein wenig gestöbert. Generell möchte ich so wenig wie möglich modifizieren, und ich gehe davon aus, dass das Aufbringen der neuen Beläge auch ohne die Egalisierung der Ausprägungen funktionieren sollte?
 
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Generell möchte ich so wenig wie möglich modifizieren, und ich gehe davon aus, dass das Aufbringen der neuen Beläge auch ohne die Egalisierung der Ausprägungen funktionieren sollte?

Beim Neu-Belegen mit Filzleder ist es nicht erforderlich, die Ausprägungen in der Klappe "aufzufüttern". Da würde sich jeder professionelle Akkordeonreparateur bedanken, wenn er das machen müsste. Das würde viel länger dauern als das eigentliche Belegen, und nützen tut es gar nichts.

Gruß Claus
 
akkotue
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Hallo Claus
Die angesprochene "Kissenbildung" hat mich genau so gestört wie Will und ich habe mir vorgestellt, was bei einer nicht mehr so exakten Seitenführung der Clavishebel passiert. Ich als Rentner musste mir über die Kosten, die höherer Zeitaufwand verursachen, nicht die Gedanken machen wie ein Professioneller. Der Nutzen dieser Mehrarbeit? Keine "Kissenbildung" denn die Klappe drückt nur um das Tonloch herum auf die Zarge und schließt mit einem hörbaren, satten "Plopp".
Gruß akkotue
 
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Hallo,

die Bestellung von Hohner war heute in der Post. Natürlich konnte ich mich nicht zurückhalten und habe direkt weitergemacht :):

Die gereinigten Klappen wurden an den "Höckern" dünn mit Pattex bestrichen, ebenso die neuen Lederfilze. Nach etwa 10 Minuten habe ich beide Teile zusammengeführt und auf einem glatten Untergrund (Tischplatte) zusammengepresst. Das Ersatzfilz, das Hohner dankenswerterweise mitgeliefert aber nicht berechnet hat, habe ich nicht benötigt, denn der Vorgang ist wirklich sehr einfach, auch ohne dass man vorher Zielwasser getrunken haben muss ;). Hier das Foto einer Klappe vor dem Einbau - komischerweise sieht das Leder hier etwas wellig aus, was es in Wirklichkeit aber nicht ist:

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Nach etwa einer Stunde waren alle Diskantklappen neu belegt, und ich konnte mit dem Einbau beginnen. Schon beim Aufstecken wurde ein deutlicher Unterschied der Tastatur-Lage im Vergleich zu vorher mit den spröden und "ausgelutschten" Belägen sichtbar, so dass ich mich schon auf das Anspielen nach getaner Arbeit gefreut habe. Noch ein kurzes Foto, bevor die Registermechanik wieder an ihren Platz kommt:

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Von der gegebenen Funktionalität abgesehen, machen die roten Filze auch optisch etwas her :). Registermechanik eingebaut - die Spannung steigt...

Balgverschluss geöffnet und versucht zu ziehen: Kein Ton erklingt, das Instrument ist absolut dicht :) - auch beim Zudrücken :). Somit habe ich mir die Einstellung der Clavishebel zunächst gespart :). Die Tastenhöhe ist übers gesamte Griffbrett zwar nicht ganz einheitlich (bei einigen wenigen Tasten gibt es geringe Abweichungen), aber zunächst akzeptabel. Ggf. kümmere ich mich später noch darum, oder ich lasse es beim nächsten Werkstattbesuch erledigen - mal sehen :gruebel:...

Die Bespielbarkeit ist aufgrund des nun korrekten Tastenhubs jedenfalls schon einmal gut.

Da ich Blut geleckt habe, und die Beläge für die Bassklappen ebenfalls mitgeliefert wurden, ist dies mein nächster Arbeitsgang - er dürfte mir sogar ein wenig leichter und schneller von der Hand gehen als das Belegen der Diskantklappen.

Fortsetzung folgt...
 
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Das sieht ja echt gut aus!
Wenn beim langsam Schließen die Klappe in der ganzen Fläche gleichmäßig aufkommt dürfte alles im grünen Bereich sein.
Gruß akkotue
 
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Hallo,

jetzt bin ich völlig überrascht, dass die neuen Lucia-Klappen schon auf Anhieb ausreichend dicht sind. Das hab ich in diversen Versuchen (Lucia III + IV und Atlantic III + IV) so bisher noch nicht geschafft. Ich muss immer nachbessern und das ist am Klappenwechsel mein größter Zeitfresser.

Gruß und viel Spass mit der Lucia (-> meines Erachtens ein tolles Preis-Leistungsverhältnis)

Gruß HLW
 
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Hallo,

Danke fürs Feedback.

Bevor es mit der Dokumentation der Klappenbelegung auf der Basseite weitergeht, ist es evtl. interessant, Hohners geniale wartungsfreundliche Konstruktion von Lucia (und Atlantic) näher zu beleuchten. In den Reparatur-Unterlagen, die ich von Musikerclaus dankenswerterweise bekommen habe, wird das Auseinandernehmen dieser beiden ähnlichen Modelle dokumentiert. Der Clou, und ich zitiere wörtlich:

Ohne jegliches Handwerkszeug läßt sich die HOHNER-Atlantic zerlegen

Wobei, an manchen Stellen ist ein kleiner Schraubendreher nützlich:

Außerdem besitzt das Instrument einzeln herausnehmbare Diskant-Tasten, die mittels eines kleinen Schraubenziehers (im Notfall mit dem Taschenmesser) herausgenommen werden können.

Die Sache mit dem Taschenmesser hat mich schmunzeln lassen, da ich mir hierbei spontan MacGyver beim Zerlegen eines Akkordeons vorstellen musste :rofl:.

OK, Spaß beiseite: Die 4 Standfüße auf der Bassseite dienen gleichzeitig als Rändelschrauben, die das Gehäuse halten. Wenn man den Luftknopf gedrückt hält, lässt sich das Gehäuse vorsichtig von der Rückseite her nach vorne hin abziehen. Dann nur noch an den Bass-Registerdrückern aushängen - fertig!

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Die Bassmechanik wird von 2 großen schwarzen Bügeln gehalten, die ihrerseits mit 2 kleinen Metallbügeln an der Bassfüllung hängen. Einen dieser kleinen Bügel sieht man im folgenden Bild am rechten Schenkel des großen schwarzen Bügels (die Standfüße habe ich zur Verdeutlichung wieder eingeschraubt).

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Wer genau hinschaut, sieht dass die Luftklappe schon einen blauen Belag besitzt - ich habe das Foto erst beim Zusammenbau nach der Neubelegung gemacht.

Die Arretierung des kleinen Bügels wird gelöst, indem man ihn von den Bassknöpfen weg ausrastet und dann nach außen abzieht. Danach lässt sich der große Bügel ebenfalls von den Bassknöpfen weg hochklappen (Gelenk am linken Schenkel). Nun liegt die komplette Mechanik frei und kann einfach abgenommen werden, um an die Klappen zu kommen.

Die Klappenbeläge auf der Bassseite sind vom gleichen Muster (bröselige Schaumstoff-Lage) wie auf der Diskantseite, allerdings mit einer weniger deutlichen Kissenbildung - von links nach rechts: Grundbassklappe, Beibassklappe, Luftknopfklappe.

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Auch hier das gleiche Spiel wie auf der Diskantseite: Beläge herunterziehen, Klebe- und Schaumstoffreste mit Isoprop anlösen, abrubbeln und mit der Cutter-Klinge nacharbeiten. Dann wieder Klappen und Beläge mit Pattex bestreien, 10 Minuten ziehen lassen, ansetzen und auf der Tischplatte zusammendrücken. Das "Zielen" geht hier noch ein wenig einfacher, da die Klappen seitlich hochstehende Kragen besitzen, an denen man die Beläge anlegen kann. Ein kompletter Satz umfasst 12 schmale Beibass-Beläge (+ 1 Reserve) und 13 breite Grundbass-Beläge (+ 1 Reserve). Warum 13? Die Luftknopfklappe besitzt die selbe Breite wie die Grundbassklappen - der Belag muss lediglich in der Länge angepasst (abgeschnitten) werden.
Hier das Foto einer neu belegten Bassklappe (auch hier "isst" das Auge wieder mit - die Filze sehen in Blau sehr chic aus).

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Wie oben vermutet, ging's hier schneller als beim Diskant, da ich mittlerweile geübt bin, es wesentlich weniger Klappen sind, und der Einbau der Klappen auf die Hebel nicht ganz so diffizil ist.

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Nun auch wieder der spannende Moment: Balgverschluss geöffnet sowie gezogen und gedrückt, ohne eine Taste oder einen Knopf zu betätigen: Dicht :). Also auch hier das Richten der Hebel gespart :).

Einige kleine Justierarbeiten sind aber dennoch angebracht. Dadurch, dass die Klappenbeläge etwas dicker sind als vorher, liegen einige der ummantelten Enden der Hebel nicht mehr an den sog. Knopfschiebern an. Deshalb müssen diese an den U-förmigen Schenkeln am Ende ein wenig aufgebogen werden - im folgenden Bild z. B. der dritte von links und der zweite von rechts.

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Nachdem alles soweit erledigt war, habe ich das Akkordeon wieder zusammengesetzt und als Belohnung erst einmal ein wenig darauf gespielt.

Von den weiteren "Außenrenovierungsarbeiten" (Reparatur des Schriftzugs, Montage des Querriemens und Anbringen der Halteplatten für die Schwanenhälse) berichte ich demnächst ;)...
 
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Hallo,

kommen wir zum nächsten Teil der Frischzellenkur: Der Reparatur des Schriftzugs. Wie bereits ganz am Anfang erwähnt, fehlte das "H" des Hohner-Schriftzugs auf dem Diskantverdeck.

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Nach Rücksprache mit dem Hohner-Service und Übermittlung der Buchstaben-Maße war die Bestellung eines kompletten Schriftzugs kein Problem - keine Ahnung, ob die Buchstaben extra für mich angefertigt wurden oder noch lagernd waren.

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Kleiner Wermutstropfen: Matter Kunststoff statt glänzendem Metall - doch dazu später.
Auf der Rückseite der Buchstaben befinden sich kleine Zapfen, und auch an der Stelle des abgefallenen Buchstabens sieht man, dass dieser durch die Maschen des Verdecks eingesteckt und fixiert war:

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Die Klebepunkte ließen sich einfach abziehen, so dass ich den neuen Buchstaben durch die gleichen Löcher wieder einführen konnte. Meine erste Idee war, die Zapfen mit einer alten Lötkolbenspitze am Verdeck anzuschmelzen, doch davon bin ich abgekommen, und ich habe die Zapfen nur mittels Heißkleber fixiert, da ich noch nicht weiß, ob der Schriftzug so bleiben soll wie er im Moment aussieht. Den Unterschied zwischen dem neuen und den alten Buchstaben sieht man meiner Meinung nach recht deutlich, so dass ich zwei Möglichkeiten in Erwägung ziehe: Entweder die restlichen Buchstaben auch austauschen, oder das "H" mit einen Glanzlack überziehen, um es optisch an den Rest anzupassen. Mal sehen :gruebel:...

Hier zumindest schon einmal die "alte Dame" Lucia nach den bisherigen Arbeiten:

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Was wie gesagt außer dem Schriftzug noch zu tun ist:

  • Montage von Querriemen und Schwanenhals-Halteplatten (im nächsten Beitrag).
  • Egalisierung der Tastatur (auf dem Foto sieht man, dass z. B. das hohe e etwas hochsteht - einige wenige andere Tasten sitzen ein wenig tiefer als die große Masse). Dies lasse ich demnächst in der Werkstatt meines Vertrauens von jemandem erledigen, dem das leichter von der Hand geht als mir.

Der erste Punkt wird umgehend erledigt, der letzte Punkt erst einmal ein wenig aufgeschoben, da ich das Instrument vermutlich schon bald auf einer Reise benötige und ich den Werkstattbesuch nicht noch dazwischen quetschen kann/möchte.

Außerdem steht immer noch die Sache mit den Balgecken im Raum - siehe Startbeitrag:

Die Balgecken habe ich zunächst leicht abgeschliffen - dabei ist neben den unschönen Ablagerungen natürlich die oberste silbrige Beschichtung abgeblättert, und das darunterliegende messingfarbene Material kam zum Vorschein. Im Moment stört's mich nicht, aber ggf. wird da in einem späteren Arbeitsgang noch etwas nachgebessert: Hat jemand schon einmal die Balgecken ausgewechselt und kann etwas zum Aufwand etc. sagen?

Anregungen dazu sind höchst willkommen!
 
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Guten Abend,

ich lese hier schon ganz aufmerksam und interessiert mit. Danke für die Teilhabe und die schönen großen Fotos!

Bisher hast du an allen Stellen, relativ glücklich ausgesehen: alle Diskanklappen sofort dicht nach dem Neubelegen und die Tastatur sieht nicht wie eine geologische Verwerfungszone aus. Die Gummis, die Klappen und Clavishebel verbinden haben alle gehalten. Im Bass nur einen Fuß aufbiegen müssen und wieder alles sofort dicht.
Gut mit dem Buchstaben: ein genau passender wäre schon schöner gewesen, aber du hast ja einen kompletten Schriftzug.

Wenn dir der Chromlook wirklich so wichtig sein sollte, bitte. Aber bedenke: das Lösen der alten Balgecken und das aufdrücken der Neuen ist durchaus geeignet, den Balg zu beschädigen. Im Thread zum Balgbau lässt sich lesen, dass unter die Ecken auch Leim kommt, damit es dicht wird. Ich glaube nicht, dass der sich so gezielt anlösen lässt, dass nicht auch weiterer Leim aufgeht. Zum Schluss darfst du dann auch noch andere Balgteile neu kleben.
So ganz wenige Ecken sind das ja auch nicht und die sollen am Ende ja auch alle gleichmäßig werden.
Außerdem müssen ja erst noch die Kallikostreifen runter. Die müssen hinterher also auch wieder neu drauf. Soweit ich sehen konnte, wäre das aber garnicht nötig.

Langer Rede kurzer Sinn: wenn du die silbringen Reste komplett entfernst und die Ecken dann mit Klarlack behandelst, sieht das womöglich auch nicht soo schlecht aus und läuft bestimmt wesentlich einfacher. EDIT: ich kenn mich damit wirklich nicht aus, aber vielleicht lässt sich ja auch eine Art Chromoptiklack auftragen??

Geiler wären natürlich schon neue Chrom-Ecken:cool:

Das ist jetzt nur mal, was mir so dazu einfällt. Wir haben im Forum aber ja noch richtige Könner, die dürfen mich jetzt gerne in meinen Theorien wiederlegen!

Wie du dich auch entscheiden solltest, ich wünsche weiterhin guten Erfolg und vor allem, dass das Instrument hält, was du dir davon versprichst.
 
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hallo
genau so habe ich es damals gemacht: Alle Balgecken mit dem Glaspinsel bearbeitet, bis der Chromglanz weg war. Das ist allerdings eine ordentliche Pulerei! Zum Vorschein kam kupferiger Glanz, den habe ich dann mit Klarlack überpinselt. Auch recht mühsam! Aber darauf wird es wohl bei dem offenbar sonst guten Zustand des Balges hinauslaufen.Also, Geduld ist angesagt!
Gruß, akkotue
 
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Hallöle,

genau da hatte ich das mit dem Klarlack her. Überarbeitung der Lucia IV von akkotue;)

Ich hätte eigentlich auch schreiben können:"Benutz doch mal die Suchfunktion, dann wirst du hier im Forum schon ganz viel zu dem Thema finden.....":rofl:

Gruß auch!
 
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Hallo Schabernakk und akkotue,

Danke für die Anregungen. Wie bereits oben geschrieben, habe ich den "Lucia IV"-Thread natürlich gelesen (als Mod kämpfe ich mich seit Jahren durch jeden einzelnen Beitrag ;)). Es ging mir darum abzuschätzen, inwiefern der Aufwand des Balgecken-Tauschs gerechtfertigt sein könne oder nicht. Komplett unbehandelt möchte ich die Ecken nicht lassen, da sie ja schon abgeschliffen sind und deshalb vermutlich wieder zu Verfärbungen neigen werden. Es geht nicht darum, ein makelloses Vitrinen-Instrument herzurichten - die Lucia wird als Reise-Instrument und auf der Bühne herhalten "müssen", und zwar bei den Gelegenheiten, bei denen mir meine Morino VI N zu schade bzw. zu sperrig wäre.

Vielleicht an dieser Stelle noch etwas zu den bisherigen Ausgaben: Für Instrument, Ersatzteile bei Hohner (Filze, Schriftzug, Querriemen) und Verbrauchsmaterial (Pattex) habe ich bisher insgesamt 325,71 € investiert.
 
Wil_Riker
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Hallo,

weiter geht's - diesmal mit einem nicht angekündigten Arbeitsschritt, der ein Problem, das ich weiter oben genannt hatte und anderweitig lösen wollte, beseitigt hat: Die unterschiedliche Höhe einiger Tasten, insbesondere der des e3 (auf dem letzten Bild in Beitrag #10 kann man erahnen, dass die Taste deutlich hochstand).
Dank eines netten Board-Users habe ich ein paar Wechselgummis zur Aufstockung meines Ersatzteil-Bestands erhalten :) und wollte deshalb einfach prophylaktisch die Gummis wechseln, auch wenn für mich als Laien rein äußerlich keine Verschleißerscheinungen erkennbar waren.
Anders als bei der Atlantic-Baureihe sind bei der Lucia III lediglich 3 dieser Gummis verbaut, und zwar an den kurzen Clavishebeln, die die Ganzton-Klappen bedienen, die in den der Tastatur zugewandten Stimmstöcken sitzen - i. d. R. sind das die Töne "E" aller Oktaven (alle anderen Ganztöne sitzen in den oberen Stimmstöcken und sind über lange Hebel zu erreichen). Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

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Das Wechseln der Gummis ist eine arge Fummelei, die man sich durch ein ebenfalls weiter oben genanntes Feature der Lucia-/Atlantic-Serie aber etwas erleichtern kann - den einzeln herausnehmbaren Tasten:

Reparaturanleitung schrieb:
Wenn man den Stehbolzen mit Druckfeder um 90° verdreht, springt die Taste von selbst aus ihrem Lager heraus.

Um etwas Platz zum Hantieren zu haben, habe ich neben den Tasten mit Gummis auch die beiden benachbarten Ganzton-Tasten herausgenommen (ohne Bild).
Nun werden die Klappen heruntergezogen, um an die Gummis zu kommen. Dabei ist auf die Einbaurichtung der Gummis zu achten, die nicht gerade, sondern leicht gewinkelt sind. Hier der Vergleich von altem (links) zu neuem Gummi (rechts):

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Tatsächlich sieht man recht deutlich, wie ausgeleiert der alte Gummi gegenüber dem frischen ist :eek:, was sich auch in der unterschiedlichen Materialstärke bemerkbar macht (stärker gedehnt = dünner).
Beim darauf folgenden Einbau der Tasten...

Reparaturanleitung schrieb:
[...] ist darauf zu achten, daß die Schenkelfeder, die unter der Taste liegt, nach hinten gelegt wird, und daß der freie Schenkel der Feder in die Keilnute der Führungsfederleiste zu liegen kommt.

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Erstaunlicherweise stand nach dem Einbau die e3-Taste nicht mehr deutlich hervor, sondern saß sogar ein klein wenig zu tief. Durch Verschieben des Gummis vom Ende des Clavishebels weg ließ sich die Taste noch ein klein wenig heraufholen. Einige kleinere Abweichungen bestehen noch, und diese werden dann wirklich ;) beim nächsten Werkstattbesuch beseitigt.
 
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Hallo mal wieder,

es folgt der letzte Teil der Frischzellenkur.

Dort hatte ich von einer anstehenden Flugreise mit Akkordeon berichtet, die nun seit ein paar Wochen hinter mir liegt und ein Härtetest bzw. die Feuertaufe für meine Lucia war. Nach der Ankunft am Zielort habe ich das Instrument angespielt und festgestellt, dass etwas nicht stimmt. Eine Bass-Stimmzunge hat leicht "geklingelt" und die zugehörige Platte hatte sich aus dem Wachs gelöst. Keine Ahnung, ob evtl. eine nicht sichtbare Vorschädigung vorlag, die sich nun bemerkbar gemacht hat oder ob der Defekt durch das Durchschütteln in Flugzeug und Busgepäckraum bzw. beim Ziehen der Trolley-Kiste auf unebenem Untergrund entstanden ist. Zum Glück hatte ich eine Tube Pattex dabei und habe die lose Platte provisorisch eingeklebt, so dass das Instrument spielbar war und keine weiteren Schäden entstehen konnten. Nach der Rückankunft war der ohnehin geplante Werkstattbesuch dann früher als geplant fällig, und ich konnte das Akkordeon gleich beim Fachmann auf weitere Defekte überprüfen lassen - siehe Bericht im Reparaturkosten-Thread:
https://www.musiker-board.de/thread...t-welche-reparatur.308274/page-2#post-6465980

Die lose Platte wurde neu eingewachst, einige weitere Platten nachgewachst, ein Ventil erneuert und einige wenige Töne nachgestimmt. Außerdem wurde die Diskant-Tastatur gerichtet, um die o. g. kleinen Abweichungen zu beseitigen.

Hier noch der Nachtrag zur Befestigung der Mikrofon-Halteplatten sowie des Querriemens (beides erfolgte bereits vor der Flugreise):
Dadurch, dass ich an meinen Instrumenten und auch bei befreundeten Akkordeonspielern öfters schon die Montage von Mikros vorgenommen habe, musste ich keine großen Experimente bezüglich der richtigen Position machen. Auf der Bass-Seite gibt es ohnehin nicht viele Möglichkeiten der Anbringung, und durch das spezielle Lucia-Verdeck ließ sich auf der Diskant-Seite auch schnell eine geschickte Stelle ausmachen:

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Beim Querriemen hatte ich mich vor ein einfaches zweiteiliges Modell mit Verschluss entschieden, dass lediglich auf die (gut erhaltenen) Schulterriemen aufgefädelt werden muss. Komplett neues (gepolstertes) Gurtzeug ist zumindest kurzfristig nicht von Nöten.

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Gesamtkosten nach dem Werkstattbesuch: 429,71 €
Dafür habe ich nun eine Lucia III in einem wirklich guten Zustand, die mir hoffentlich längere Zeit Spaß bereiten wird, denn sie ist ein wirklich handliches und bequem zu spielendes Akkordeon für Unterwegs.

Vermutlich wird in absehbarer Zeit allerdings noch ein Balgschoner sowie ein Gigbag angeschafft ;)...
 
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Danke für den wirklich nützlichen und aufwendig gemachten Beitrag.
 
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Hallo,
mit Begeisterung habe ich den Beitrag gelesen und hoffe er hilft mir bei der Überholung meiner kürzlich erstandenen Lucia IVP.
Vielleicht ist es ja möglich, dass ich mir die Reparaturunterlagen von Musikerclaus kopieren kann?? Das mit
Um an die unteren Klappen (Halbtöne) heranzukommen, ist vorher der Träger mit den Registerdrückern zu entfernen. Dieser wird von zwei Rändelschrauben gehalten, ist also ohne Werkzeug zu demontieren. Lediglich beim Ausfädeln der Schubstangen am Steuerkasten ist etwas Vorsicht angebracht.
...habe ich nicht so ganz verstanden und ich würde mich freuen, wenn ich ein paar Unterlagen zur Verfügung hätte, die mir diese Sachverhalte ein wenig genauer erklären.
Ich hoffe das mein Reparaturversuch ebenso gut funktioniert. Vielen Dank für den tollen Beitrag.
 
Wil_Riker
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Hallo Landfrau1842,

herzlich willkommen im Musiker-Board.

Das mit ...habe ich nicht so ganz verstanden und ich würde mich freuen, wenn ich ein paar Unterlagen zur Verfügung hätte, die mir diese Sachverhalte ein wenig genauer erklären.

Eigentlich ist gar nicht so kompliziert. Wie gesagt, der Träger, auf dem die Registerdrücker sitzen, ist mit 2 Rändelschrauben links und rechts (also wenn das Griffbrett waagrecht vor Dir liegt) befestigt. Wenn Du diese Schrauben entfernst, kannst Du den Träger vorsichtig abziehen. Die Mechanik der Registerschalter sind Metallschieber, die in den Achsen des Steuerkastens links (wieder bei waagrechtem Griffbrett) stecken. Beim Zusammenbau ist es etwas knifflig, alle Schieber gleichzeitig aufzufädeln, aber kein Hexenwerk.

Ich hoffe das mein Reparaturversuch ebenso gut funktioniert. Vielen Dank für den tollen Beitrag.

Bestimmt, denn die Lucia ist diesbezüglich ein "dankbares" Instrument. Danke für das Lob :). Bei konkreten Fragen einfach hier antworten, dann versuche ich zu helfen, ggf. auch mit dem ein oder anderem Detailfoto. Oder soll ich die Reparaturunterlagen mal einscannen und hier hochladen? Bezüglich des Copyrights dürfte es eigentlich keine Probleme geben...
 
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Oder soll ich die Reparaturunterlagen mal einscannen und hier hochladen?

ja gerne!:)

Vielleicht lässt sich das ja auch auf die Atlantik übertragen ... von der derzeit ein Wrack bei mir gestrandet ist.

Gruß, maxito
 

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