Fugenanalyse

von gummibaercheness, 06.04.12.

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  1. gummibaercheness

    gummibaercheness Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.04.12   #1
    Hallo meine Lieben,

    in der Schule nehmen wir grade die Fugenanalyse durch und sollen als Hausaufgabe auch eine verfassen, am Beispiel der Nokia-Fuge von Vincent Lo.
    Irgendwie ist mir aber doch noch sehr viel unklar - vielleicht könnt ihr mir ja helfen?
    1. Ich hab schon Probleme mit der Bestimmung der Tonart. Also es stehen drei Kreuze, das heißt es könnte ja A-Dur oder Fis-Moll sein. Aber der Schlussakkord besteht aus A und Cis, das heißt, es lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Woran kann ich jetzt festmachen, was es ist?
    2. Beginnt nur eine neue Durchführung, wenn das Thema als Dux oder Comes auftritt oder auch wenn es beispielsweise im Terz- oder Sextabstand wiederholt wird?
    3. GIbt es eine Möglichkeit, zu erkennen, ob man alle Durchführungen gefunden hat? Ich hab irgendwie das Gefühl, dass ich erst die Hälfte entdeckt habe...
    4. Hat vielleicht jemand von euch schon mal eine Fugenanalyse geschrieben und weiß, wie man das so generell macht vom Aufbau her? Also, ich hab jetzt schon alles markiert und auch das Thema analysiert und so, aber trotzdem weiß ich irgendwie nicht, wie genau man das schreibt. Oder weiß jemand, wo man Beispiele findet?

    Vielen vielen Dank schon mal!
     
  2. LordAbstellhaken

    LordAbstellhaken HCA Tonsatz HCA

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    Erstellt: 06.04.12   #2
    1. Es ist wahrscheinlich trotzdem A-Dur. Die Quinte eines Akkordes ist nicht so wichtig, wenn er durch sein Umfeld klar gemacht wird. Was steht denn vor dem Schlussakkord? Ein E-Dur Akkord, vielleicht mit einem zusätzlichen D? Das wäre dann die Dominante. Würde da ein Cis-Dur Akkord stehen (was ich für unwahrscheinlich halte), dann hätten wir die Dominante von fis-moll.

    2. Nur in der Exposition ist diese Quintebeziehung elementar. Im weiteren Verlauf der Fuge, kann das Thema theoretisch in allen Intervallen beantwortet und durchgeführt werden. Als am Kunstvollsten sieht man allerdings die Quinte an, deswegen auch diese starken Quintbeziehungen in der Fuge.

    3. Naja, wenn du das Stück durchanalysiert hast, und Zwischenspiel von Durchführungen und Scheineinsätzen getrennt hast, dürfte nicht mehr viel übrig bleiben oder?
    Anders gesagt: Wenn du immer noch einen Teil hast, denn du nirgends zuordnen kannst, dann fehlt dir wohl auch noch was.
    Es gibt gar nicht so viel formelle Abschnitte in Fugen.
    Am Anfang die Exposition, die ja auch eine Durchführung ist, dann oft Zwischenspiele in Form von Sequenzen und längeren Kadenzen, Durchführungen mit Engführungen des Themas (gerne am Schluss) und Augmentationen, oder Diminutionen (Thema wird in Notenwerten verdoppelt, oder halbiert), evtl. noch mehr Zwischenspiele.
    Der Schluss ist ja meist wieder eine Durchführung (häufig im Verhältnis: IV-I) und hat eine Schlusskadenz. Ganz grob gesagt.

    Habt ihr euch andere Beispiele dazu angesehen?
    Bachs d-moll Fuge aus dem 2. Band des Wohltemperierten Klaviers ist eigentlich Musterbeispiel für eine Fuge. Sie enthält nämlich unterschiedliche Zwischenspiele und Durchführungen. Bloß die Tonartenverhältnisse sind seltsam, weil das Thema in Dur eben nicht so toll klingt.

    4. Ich mache dazu immer ein Schaubild. Wenn du es gut anlegst, musst du noch nichtmal viel Text dazu verfassen.

    Von links nach rechts eine Übersicht über die Stimmdisposition (wann setzt welche Stimme, also je nach Anzahl von unten nach oben: Bass, Tenor, Alt, Sopran ein) in Linien und unterschiedliche Linien für Thema und Kontrapunkte.
    Ganz oben die Tonartenverläufe und zur Übersicht die Taktzahlen.
    Zwischenspiele können dann mit Blöcken veranschaulicht werden.

    Wichtig ist auf jeden Fall der Tonartenverlauf. Welche Stufen, oder Tonarten (ich weiß nicht, wie ihr das handhabt) werden in der Fuge aufgesucht. Es gibt da nämlich Gemeinsamkeiten und typische Abläufe festzustellen (Zum Beispiel eben diese Beziehung am Schluss einer Fuge: Thema setzt in Stufe IV ein und wird eine Quinte höher in Stufe I beantwortet).

    Ich habe leider kein Beispiel in digitalisierter Form da, aber ich hoffe das hilft, um da eine Idee zu bekommen.
     
  3. gummibaercheness

    gummibaercheness Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.04.12   #3
    Vielen Dank erst mal!

    also es steht auf jeden Fall im Takt davor E-Dur und E7, was mich nur irritiert, ist, dass ein A-Grundton die ganze Zeit (den ganzen letzten Takt) ausgehalten wird und darüber dann nacheinander d, h und cis gespielt werden. Das ist dann aber bloß eine Art Verzierung und kein eigener Akkord., oder?

    Vorher hatten wir nur aus dem 1. Band des Wohltemperierten Klaviers die Fuge C-Moll, die wir analysiert haben.
    Aber vielen Dank für deinen Tipp mit dem Schaubild - den setz ich direkt mal um!
     
  4. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 06.04.12   #4
    Das nennt man Orgelpunkt..
    Das pedal hält einen basston aus, und darüber geht es harmonisch munter zu.
     
  5. klaus111

    klaus111 Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 06.04.12   #5
    Hallo gummibaercheness,

    willkommen im Musiker-Board!

    Das ist einfach eine Umspielung des Grundtons, auf dem das Stück endet, kein eigener Akkord.

    Ist doch prima, denn das ist ein beliebtes Paradebeispiel für eine Fuge. Möglichkeiten einer Analyse dieser Fuge finden sich in Wikipedia (nur Exposition) und natürlich in dem Buch von Siglind Bruhn, was sich speziell mit den Analysen des WT-Klavier beschäftigt. Bei Siglind Bruhn findet sich auf S. 80 auch eine Skizze des Bauplans der Fuge Nr. 2 c-Moll (WTK I).
    Eine weitere Möglichkeit der Analyse einer anderen c-Moll-Fuge von Bach (mit Tonartenverläufen) findet sich hier:
    http://stackingdwarves.net/public_stuff/music_papers/Analyse_Bach_c-moll-Fuge.pdf

    Auf der Homepage von Vincent Lo kann man die Noten herunterladen. Dann können andere User besser am Thread teilnehmen.

    Ein Video mit "scrolling bar-graph score" findet sich hier. Vielleicht fällt es Dir da leichter als im Notenbild festzustellen, ob Du alle Durchführungen erkannt hast.

    Viele Grüße
    Klaus
     
  6. LordAbstellhaken

    LordAbstellhaken HCA Tonsatz HCA

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    Erstellt: 06.04.12   #6
    Nach Betrachtung der Noten fällt mir auf, dass die Fuge recht übersichtlich gestaltet ist. Zwischenspiele und Durchführungen sind gut zu erkennen, nur an manchen Stellen muss man genauer hinsehen, ob wir eine tatsächliche Durchführung oder nur einen Scheineinsatz haben.
    Jedenfalls lässt sie sich gut in einem Schaubild darstellen.

    Was das Schaubild betrifft: Am übersichtlichsten finde ich es, wenn man die Tonarten in Stufen hinschreibt und zwar doch unter die Stimmendisposition, um es übersichtlich zu halten.
     
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