Funk- und Jazz-Improvisation auf der Posaune richtig angehen?

von Kutsubato, 02.01.18.

  1. Kutsubato

    Kutsubato Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.01.18   #1
    Hallo,

    Solos wie diese beiden hier:

    und

    begeistern mich, seit ich mit Jazz angefangen habe!
    Vor allem mag ich solche (Solo-)Stilrichtungen, in denen es nicht vornehmlich abstrakt, sondern eher melodisch-dynamisch vorangeht. Schnell, wohlklingend, motivierend.
    Schneller Blues, Funk o.ä.

    Gerne würde ich auch so gut improvisieren können, aber ich befinde mich diesbezüglich noch am Anfang. Maßgeblich Skalen wie (in C)
    C - ES - F - FIS - G - Bb - C
    C - D - ES - E - G - A -C
    nutze ich und leider nicht viel mehr.

    Was mir fehlt ist eine saubere theoretische Grundlage. Häufig gibt es Anfängerkurse und -Lesestoff, der nicht über langweilige, einfach Tonfolgen auf 6 von 7 Tönen der Blues-Tonleiter hinausgeht.
    Aber wie schafft man den Weg, richtig gut zu werden? Wie lernt man möglichst viele coole Rhythmen und Abläufe kennen?
    Kurzum, wie und wo lernt man die Anfänge der guten Jazz-Improvisation mit etwas Theorie SOWIE weiterführende, fortgeschrittene Methoden?
    Kennt jemand ein gutes Buch, ein gutes Video, .. um eines Tages so zu spielen, wie die Herren in den Videos?
    Oder weitere coole Skalen? Gute Musikstücke, um zu üben?


    Wie würdet ihr die Sache angehen?

    Vielen Dank schon mal.

    PS: Auf der Posaune bin ich seit etwas 10 Jahren unterwegs und relativ fit.
     
  2. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 02.01.18   #2
    Hallo Kutsubato,

    willkommen im Musiker-Board! :hat:

    Nicht nur meine Methode (bin Hobbytrompeter): man sucht sich ein zunächst nicht allzu schweres Solo aus und lernt es gut zu singen, ggf. erst einmal nur einen einzigen Blues-Chorus.

    Wenn man das Solo singen kann kommt die Umsetzung auf dem Instrument: rein nach Gehör.
    M.E. nur so bildet sich die Verknüpfung von innerem Hören/Klangvorstellung und dem, was man spielen will.
    Gefallen einem bestimmte Sololinien (Licks, Riffs usw.), dann schreibt man sie sich am besten auf und übt sie auch in weiteren (idealerweise allen) Tonarten.
    Kann man ein Solo singen und spielen wäre der dritte Schritt für mich, es "genauer anzuschauen".
    Wie wird mit Rhythmisierung von wenigen Tönen gearbeitet, wie werden Zieltöne vorbereitet, welche Arpeggios und Skalenausschnitte werden wo verwendet usw.

    Eine gewinnbringende Übung ist es auch, bestimmte Akkordtöne und Tensions zu einem Chorus zu singen oder spielen.
    Für dich vermutlich gerade besonders interessant:
    How to improvise on a Blues or any tune! - Best Ever method Ever
    https://www.musiker-board.de/thread...teinen-der-musiktheorie-jazz-rock-pop.669355/

    Außerdem finde ich es sinnvoll, sich (zumindest) mit Jamey Aebersold Play Along Vol 3 zu beschäftigen, den Band kann man auch auf Deutsch erhalten, die Übungen der Heftbeilage stehen allerdings im Violinschlüssel:
    https://www.alle-noten.de/Play-Along/Aebersold-Vol-3-Die-II-V-I-Verbindung.html
    Originalausgabe: https://www.alle-noten.de/Play-Along/Aebersold-Vol-3-II-V7-I-Progression.html

    Man lernt dort etwas "Vokabular" des Modern Jazz für alle Gelegenheiten. Dies betrifft sowohl Grundübungen zu Skalen und Akkorden als auch jazztypisches An- und Umspielen von Akkord- und Zieltönen. Leider werden die Übungen im Heft bei Aebersold nicht umfassend erklärt, aber im Board können wir dazu natürlich gerne diskutieren.
    Eine gute Quelle für Anregungen ist das kostenlose Jamey Aebersold Jazz Handbook

    Sofern es nicht ausdrücklich um Eigenheiten der Posaune geht landet das Thema damit natürlich in der Jazztheorie.
    Ein Buch, das viele Grundübungen und dazu passend immer einen Happen Jazztheorie vermittelt ist
    Frisch, Kellert Lonardoni, Improvisieren Musikarbeitsbuch

    Gruß Claus
     
  3. Kutsubato

    Kutsubato Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.01.18   #3
    Wow, schon einmal vielen, vielen Dank! Das sind ja sehr viele, sehr gute Infos. Die Variante mit dem Singen kannte ich gar nicht. Klingt vielversprechend.

    Da ich dafür (leichte) Soli suchen muss, die improvisiert wurden, sollte ich wohl bei YouTube danach Ausschau halten.
    Das erste, was mir dazu einfällt sind wohl Realbook-Stücke, über die einfach soliert wird...oder fällt dir etwas besseres ein?

    Aebersold habe ich schon gehört; soll wohl sehr gut sein. Schaue ich mal rein...danke.

    Hast du noch etwas Gutes direkt zu Funk parat?

    Danke!



    PS: Ein bisschen Ahnung von Musiktheorie habe ich ja; spiele auch nebenher schon relativ lange Klavier...aber Jazz ist noch ein anderes Feld....
    Muss also nicht konkret für Posaune gedacht sein, aber man muss ja auf seinem Instrument wissen, was gut geht und was nicht :)
     
  4. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 02.01.18   #4
    Funk erfordert vor allem eine Auseinandersetzung mit den Rhythmen in Sechzehntelgruppen, spezielle Literatur dazu kenne ich nicht.
    Die Sololinien sind gar nicht unbedingt so anders, im folgenden Trompetensolo bei Pick Up the Pieces z.B. überwiegend jazztypische Achtellinien von Rhythmusfiguren, die dir gefallen.
    Bei den legendären Musikern von James Brown wie Fred Wesley, Pee Wee Ellis und Marceo Parker liegst Du sicher richtig.
    Auch Candy Dulfer ist eine unterschöpfliche Quelle poppiger Funkmusik.


    Erdiger und jazziger sind die Aufnahmen mit Herbie Hancock & The Headhunters aus den 70ern.

     
  5. tromboneslave

    tromboneslave Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.01.18   #5
    Hi

    Claus hat ja schon ein paar wichtige Tipps gegeben.

    Da Du ja schon die Richtung weist : eher funkig - hör Dir wie empfohlen viel Musik aus dieser Richtung an, - und eben
    nicht nur von Posaunisten.

    Versuche typische Phrasen nachzuspielen, gehe dabei durch alle Tonarten !

    Grundsätzlich : arbeite immer an deinen Posaunentechnik/Grundlagen - du kannst die Sachen noch so gut nachspielen ohne
    überzeugenden Ton und entsprechenden Ansatz geht gar nichts.

    Ideal wäre natürlich wenn Du dich mit anderen zusammentun könntest.
    Aebersold ist schon klasse - aber mit lebendigen Musikern wäre halt noch besser.

    übrigens arbeite ich selber weniger mit Aebersold wegen der starren (oft zu schnellen) Tempi, - als Posaunist
    ist halt man eher Grobmotoriker.
    Ich bevorzuge das Computerprogramm Band in a Box (wenn es das noch gibt), finde ich einfach flexibler

    Bernd
     
  6. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 06.01.18   #6
    Nützlich ist für den Anfang mit (bebop-)jazzigen Solos der Bezug auf Akkordtöne mit Augenmerk auf Terz und Septim (Guide Tones).

    Übungen damit schärfen das Gehör. Es bringt am meisten, wenn man sich zuerst auf wenige Töne beschränkt und die Übung mit den zu improvisierenden Tönen zunächst singt. Das bringt mit der Zeit die Klangvorstellung mit dem zusammen, was man auf dem Instrument ausdrücken will.

    Ich habe dazu ein kleines Beispiel notiert, um etwas Material für das eigene Ausprobieren zu liefern. Es fasst mehrere Dinge zusammen, die man bei Bedarf auch einzeln üben kann. Man kann z.B. nur Guide Tones bzw. eine Guide Tone Line benutzen und dann die Akkordtöne umspielen. Oder man kann gemeinsame Töne über Akkordwechsel hinweg halten oder dabei eine kleine rhythmische Figur anwenden. Man kann Skalen und/oder Arpeggios spielen (auch Reharmonisationsakkorde wie in Takt 4) usw.

    Ein Blues Play-Along findet man bei Bedarf auf Youtube, z.B. youtube.com/watch?v=7FZkQS0czNE
    Das Beispiel-Play-Along spielt (modernen) Mainstream Jazz. Es ist also nicht nötig, die sog. Swing-Phrasierung (triolische Achtel) zu ausgeprägt zu spielen. Wichtig ist bei Achtellinien aber die leichte Betonung der Off-Beat Achtel und schon entsteht ein Swing Feel.

    Wie Bernd im Beitrag oben so richtig sagt, wäre es ideal, mit Leuten zusammen zu spielen. Nach meiner Erfahrung lernt man im Ensemble schneller aus den eigenen Fehlern und man bekommt ganz allgemein mehr Motivation, um am Ball zu bleiben.

    Die vielen Auftakte in der Etüde sollen ein paar Varianten zum Anspielen eines Akkordtones (hier z.B. auf der Eins) zeigen. Ein "Klassiker" unter den Guide Tones ist der Übergang von der Terz zur Septime oder von der Septime zur Terz eines Folgeakkords. Das funktioniert bestens, wenn die Grundtöne der jeweiligen Akkorde Nachbarn im Quintenzirkel sind wie bei den Übergängen der Takte 4/5, 10/11 und 11/12 oder in II-V Verbindungen.
    Das Arpeggio in der zweiten Hälfte von Takt 4 könnte man als G9 oder Bm7b5 (B=dt. H) auffassen. Der Übergang Takt 5/6 ist ein Ausschnitt aus der C Blues Scale, dabei und bei der E Moll Pentatonik über D7 in der ersten Hälfte von Takt 12 habe ich wie in der ganzen Etüde den üblichen Clash der Bluesterz mit den Harmonien vermieden.

    Takt 12 D7 ist natürlich gegen Takt 13 G7 zu ersetzen, wenn man den Chorus nicht (mehr) wiederholen will.

    upload_2018-1-6_17-1-20.png

    Gruß Claus
     
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  7. pullepups

    pullepups Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.01.18   #7
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