Havelstar 5881SDC

von zwiefldraader, 29.07.16.

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pedaltrain
  1. zwiefldraader

    zwiefldraader Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.07.16   #1
    Intro
    Wiese möchte ich überhaupt über diesen Amp schreiben? Immerhin gibt es ihn genau ein einziges Mal – und es ist nicht zu erwarten, dass es weitere Ausgaben geben wird, da Andreas Vock, welcher hinter Havelstar steckt, das Konzept mittlerweile anderweitig entwickelt hat.
    Mein Amp ist also eine Art „Vorserienmodell“ - wobei Serie bei den Havelstarstückzahlen vermutlich ein großes Wort ist.
    Andererseits spiele ich den Verstärker nun schon eine ganze Weile, ein paar Jahre nämlich, und er ist immer noch meine Nummer 1, mein Leib- und Magenamp, meine Charakterkiste...

    DSCN5829.JPG
    (Gelandet war der Amp bei mir ursprünglich als Combo - ich hab dann mal umgebaut ;) )

    Ich bin also begeistert von diesem Amp, der insbesondere Blues und Jazz, Bluesrock traumhaft abbildet, tief atmet...
    Aber natürlich habe ich die Kiste auch mal aufgemacht und mir die Verarbeitung angekuckt. Und auch hier ist alles top notch, sehr sauber gearbeitet.
    Trotzdem hört, sieht und liest man nicht allzu viel von diesen wunderbaren Amps. Also habe ich mir vorgenommen, zumindest einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, etwas über diese Verstärker „lesbar“ zu machen.

    Gestolpert bin ich selbst über diesen Amp, als ich gerade von den 100 Wattern runter wollte.
    Bis dahin hatte ich einen alten 75er SuperBass und einen „bösen“ Red Knob The Twin, welcher mein Hauptamp gewesen war.
    Aber natürlich hatte ich kaum Möglichkeiten, bei diesen die Röhren angemessen schwitzen zu lassen... also muss etwas mit weniger Leistung her, was ebenfalls die Marshall Linie abbildet und etwas, das die Cleansachen beherrscht.
    Für die Marshallsounds hatte ich mir einen 18-Watter TMB zugelegt.
    Und dann die Suche nach amerikanischem Clean.
    Ich war drauf und dran mir einen Deluxe Reverb Clone bauen zu lassen – konnte mich aber nicht so richtig entscheiden, wusste dann doch nicht so recht...
    Letztlich bin ich über ein paar nette Mailkontakte bei Havelstar gelandet, der mir das Angebot gemacht hatte, den Amp nach Vorkasse an mich zu schicken und ihn bei Nichtgefallen zurück zu nehmen (abzüglich Versand).
    Dann also los.

    Technisches
    Die Technischen Rahmendaten sind schon mal etwas anders als bei den meisten Amps.
    Sehr puristisch als Einkanaler aufgebaut, hat mein Amp nur einen einzigen Eingang.
    Um das Rauschen gering zu halten, nutzt Andreas bei seinen Amps hochwertige Ringkern Netztrafos. Auch vom Aufbau ist hier alles sauber und auf einen hochwertigen Signalweg ausgelegt. Saubere Masseführung und klasse Verarbeitung.
    Alles ist PTP aufgebaut, fein verdrahtet und auf Turret gebaut.

    DSC_0762.JPG

    Steckt man nun seine Gitte rein, trifft das Signal als V1 auf eine, für ihren milden, ausgewogenen Klang geschätzte, 12AU7. Es kann natürlich mit allen Austauschtypen herumprobiert werden, aber man sollte im Ohr und Auge haben, dass der Amp auf eine gering verstärkende Eingangsstufe ausgelegt ist.
    Mir war´s denn doch ein wenig zu mild, weil ich den Verstärker nicht als reine Jazzkiste fahren wollte und bin nach einigem Ausprobieren klassisch tweedy bei einer 12AY7 gelandet.
    Damit bekomme ich einen etwas dickeren Ton und frühere Kompression. Das ist schön so.
    Mit einer 12AX7 vorne drin, gibt’s kein Clean Headroom mehr, da zerrt der Verstärker schon um 9 Uhr. Hier merkt man, dass das Design eben anders ausgelegt ist, als wir es sonst so gewohnt sind.
    Nimmt man doch in der Regel eine 12AY7, um einen Amp zu zähmen – ich feuere ihn damit an.

    Der Phasendreher stellt dann die erste Überraschung dar. 6N7 ist ein Röhrentyp, den man nur selten antrifft. Es gibt auch keine aktuellen Hersteller mehr dafür, aber kiloweise NOS Röhren. Und da sie weniger gesucht sind am Markt, bekommt man sie auch für einen guten Preis. Es gibt sowohl Glaskolben, als auch Röhren mit Metallkolben.
    Alternativ lassen sich auch 6Y7G nutzen. Hier verändert sich das Verhalten des Tonestacks, der dann drastischer eingreift – mehr Bässe und mehr Höhen kommen aus den Lautsprechern. Dafür verliert das Klangbild auch etwas an seiner Ausgewogenheit. Ich habe mit beiden Varianten probiert und bin dann bei der 6N7 mit Metallkolben geblieben.

    Der Gleichrichter hingegen ist die Merkelröhre des Verstärkers, nämlich schlicht „alternativlos“. Auch hier handelt es sich um einen quasi schon ausgestorbenen Röhrentyp, der nur in der Metallvariante erhältlich ist. Aber da auch diese Röhre am Markt wenig abgefragt wird, bekommt man sie günstiger als so manche Neue. Die 5T4 ist auch die größte, imposanteste Röhre im Amp.
    Ich finde diese Lange, Schwarze einfach elegant.
    Keine Ahnung womit das zusammen hängt, aber ich habe den Eindruck, dass Kompression und Sag bei diesem Verstärker ganz besonders sind – und das schreibe ich auch dieser besonderen Röhre zu. Mag sein, dass das Voodoo ist. Aber wenn wir rational wären, hätten wir ja auch Bass lernen können...

    In Ausgangsstufe arbeitet ein Pärchen 5881. Der Verstärker ist so ausgelegt, dass man tatsächlich diesen Typus betreiben kann, auch wenn er nach den alten Specs hergestellt ist. Heutzutage findet man unter 5881 eigentlich fast nur noch umgelabelte 6L6, welche aber mehr Leistung raushauen.
    Der Verstärker holt aus dem Pärchen 30w raus – und das sind noch dazu recht zivilisierte.
    Wahrscheinlich liegt es auch am Frequenzgang und daran, dass Tiefmitten und Bässe eben Energie abfordern, aber mein 18w TMB klingt subjektiv erst mal lauter, wenn man ihn aufreißt.
    Natürlich nimmt der Amp auch klaglos 6L6. Und damit klingt er auch super. Von der Tendenz wird er mit den 6L6 ein wenig luftiger in den Mitten, 7enderiger, wenn man das so sagen kann.
    Auf dem Bedienpanel finden sich denn auch nur drei Potis – nämlich Bass, Treble und Volume.
    Die Klangregelung ist ziemlich interaktiv, sodass sich das Mittenspektrum über das Zusammenspiel von Bass und Treble mitbeeinflussen lässt. Dies erfordert natürlich, dass man sich ein bissl reinhört in den Amp.
    Im Wesentlichen wird beim Runterregeln des Basspotis der Amp insgesamt etwas schlanker (soll ich sagen vollschlank? Weil schlank in diesem Sinne klingt der Verstärker nie), nimmt Bässe zurück, wofür aber die warmen, unteren Mitten eher zum Tragen kommen im Gesamtbild.
    Beim Treblebereich verhält es sich vergleichbar, nur unter umgekehrten Vorzeichen.
    Wenn ich das oberste Topend etwas beschneide, treten die oberen Mitten etwas hervor. Natürlich nur bis zu einem bestimmten Grad. Wenn ich zudrehe, wird’s natürlich dumpf ;) .

    Klangliches
    Jetzt wird’s schwierig. Wie beschreibt man Klang?
    Ich versuch es einfach mal. Vom Charakter her, klingt der Amp rund, weich, atmend, organisch. Alles klar? Vor allem beziehe ich meine Beschreibung auf Cleansounds, bzw. diesen charmanten Übergangsbereich, wenn man deutlich hören kann, dass die Verstärkung nonlinear wird und das eine oder ander Quentchen Dreck dazu kommt, ohne den Sound zu dominieren.
    Auffällig sind die warmen Mitten, mit einer Betonung des unteren Mittenbereichs. Wer ausgesprochene Tightness sucht, wird hier nicht fündig. Wer es aber gerne warm mag und die Tiefe des Tons sucht, der wird hier süchtig. Der 5881 ist ein Bär. Er liefert viel mehr Fundament, als man von einem 30Watter erwarten würde, klingt voll und sonor.
    Das ist das Gebiet für Singlecoils, die von einer Betonung des Frequenzbereichs sehr profitieren und für vintagemässige Humbucker.
    Überheiße Spulen würden hier wohl zum Matsch neigen – aber das will und suche ich auch nicht.
    Hier ist der Blues zu Hause. Der Bassbereich ist eher „loose“. Wenn man das Basspoti aber komplett runterdreht, kommt ausreichende Tightness zurück in den Ton und der Attack bekommt auch auf den umsponnenen Saiten den bestimmten „Knack“,um sich hörbar zu machen.
    In dem Frequenzbereich, in dem zB „Marshmellows“ ihr Heil in den Hochmitten suchen, ist der Havelstar eher zurückgenommen. Der ganze Hochmitten- und Treblebereich ist außerordentlich seidig und luftig – dabei aber, anders als vielleicht der ein oder andere Tweedamp, überhaupt nicht hölzern. Die Obertöne werden wieder sehr schön schimmerig und glänzend abgebildet.
    Schimmern statt Glitzern, wenn das Sinn macht. Das gibt dem Ton sehr viel Luft und Raum zum Atmend, sich auszubreiten. Eine Jazzkiste kriegt hier ihren Glanz, eine Strat diese bestimmte Weite im Ton, die ein britischer Amp nie liefert.
    Dabei bleibt das Klangbild mild genug, dass der Overdrive nicht harsch wird – auch nicht mit einem amerikanisch ausgelegten Speaker (die übrigens dem Amp sehr viel besser stehen – mit „britischen“ Lautsprechern hatte ich immer das Gefühl, das zu viel von seinem Potential „abgeschnitten“ wird, die Offenheit verloren geht).
    Dieser Verstärker ist ein Bordeaux. Tief atmend, gleichzeitig viel Körper und viel Luft. Eine Mischung, die ihren eigenen Platz benötigt.
    Er funktioniert sehr gut in einem Trio oder einer anderen, eher kleinen Besetzung. Mein FuzzFace/SunFace „verschwindet“ regelrecht in dem Amp, sodass der Übergang in die Zerre und das Extra aus dem Pedal komplett harmonisch ineinander übergehen.
    Ich stehe einfach darauf, wenn der Ton von unten her anfängt cremig zu werden, bevor der Diskant schon zerrt. Und das habe ich bislang noch bei keinem Verstärker schöner gehört, als bei diesem einen, meinem...

    Wenn es laut zugehen muss und man sich um die Frequenzen streitet, weil man Raum für fünf, sechs Instrumente braucht, sollte man zu einem anderen greifen.
    Aber mittlerweile hat Andreas für diese Anwendungsfelder auch eine Lösung – einen Amp mit umschaltbarer Mittenfrequenz für den schlanken Fuß...

    Ich hoffe, dass Ihr Euch beim Lesen nicht gelangweilt habt (aber dann könnt Ihr ja auch wegklicken) und dass vielleicht ein paar Blueser, Jazzer und Old-School-Rocker anfangen etwas neugieriger zu werden.

    s´Zwieberl
     
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  2. 6L6

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    Erstellt: 03.08.16   #2
    Wieder eine gelungene Review.
    Bei deiner Beschreibung der Klangregelung dachte ich spontan an einen AC30.
    Die Röhrentypen scheinen wirklich unglaubliche Exoten zu sein und ich habe leider viel zu wenig Ahnung um sie in irgendeine Richtung einordnen zu können.
    Insgesamt scheint die Ampschmiede auf ziemliche Exoten zu stehen, jedenfalls den Beschreibungen der Produkte nach zu urteilen.
     
  3. zwiefldraader

    zwiefldraader Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.16   #3
    Ich hab leider nie einen AC30 ohne TopBoost gespielt. Klanglich sind das für meine Ohren extrem unterschiedliche Amps.
    Nichtsdestotrotz könnte die Klangregelung ähnliche Effekte zeitigen. Ich denke, dass die meisten Zweibandamps mehr oder weniger so ähnlich funktionieren.
    Hätte ja schon Lust mein Kabel wieder mal in nen Vox zu stecken - hab nur Angst vor dem GAS...

    Ich denke, dass der Klang primär aus der Beschaltung kommt und auch der typische Röhrencharakter wohl etwas mit der für diesen Typus gewöhnlich genutzten Beschaltung kommt.
    Zumindest gibt es Menschen, die behaupten aus EL34 astreine 7endersounds kriegen zu können - wenn man weiss wie...
    Ich kann das weder bestätigen noch dementieren.

    Die Exoten nutzt Andreas, wenn ich das richtig weiss, tatsächlich nicht zuletzt, weil er von der Qualität und der QC alter Röhren(hersteller) überzeugt ist, aber nicht den tausendsten Amp bauen mag, bei dem man ein Vermögen für NOS Lampen ausgibt, nur weil es eben der gesuchte Typ ist.
    Ich meine das mal in einem anderen Review gelesen zu haben, aber kann mich nicht für die Aussage selbst verbürgen.
    Vielleicht habe ich die Aussage auch etwas überinterpretiert. HIER findet sich übrigens das andere Review, welches ich meinte.
    (und welches eine Rolle bei meinem eigenen Verstärkerkauf gespielt hat)

    Grüßlé
    s´Zwieberl
     
  4. Seven 11

    Seven 11 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.16   #4
    Hast Dir ja richtig Arbeit gemacht. Schön zu lesen, nicht nur das Technische, auch die Tatsache dass Gear sich ändernde Präferenzen überleben kann. Da darf ein Loblied dann auch mal mit inflationär vielen Worten verfasst werden ;). Den eigenen Namen in antroposophischer Tradition zu tanzen dürfte einfacher sein :evil:

    Mir geht es heute nach den gemachten Erfahrungen so, dass ich mit Exoten und kostspieligen Modifikationen vorsichtiger geworden bin, und dies absurderweise obwohl ich heute mehr denn je weiss was ich tonal will und welchen Umfang an Funktionen ich benötige.

    Geblieben sind von meinem Amps drei Einkanaler, das ist das Bindeglied zu diesem Fred. In der Hinsicht geht es mir wie Dir, nämlich dass ich ebenfalls davon fasziniert bin wie sehr so einfache Schaltungsdesigns doch so komplexe Soundstrukturen auf die Füße bekommen. Ohne mich jetzt im Detail zu verlieren beeindruckt mich im Besonderen wie es manchen Ampdesignern gelingt in einer einkanaligen Kiste Cleanes so gut abbilden zu können wie den Zerrbetrieb. Wie sich dies dann im Frequenzspektrum auflöst ist dann ja eine Sache persönlicher Vorlieben, aber das überhaupt hinzubekommen empfinde ich schon als anerkennenswertes Kunststück!
     
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  5. zwiefldraader

    zwiefldraader Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.08.16   #5
    Hey @Seven 11

    vielen Dank für die freundlichen Worte.
    Absolut und ganz genau meine Meinung.
    Ich finde beim Reviewen eine echte Schwierigkeit, wie man so mit seinem eigenen Bias umgehen soll...

    Ein Review fällt ja quasi prinzipiell zu gut aus ;)
    Die erste Hürde muss ja erst mal damit genommen werden, dass man sagt, dass man überhaupt ein Review schreibt. Ich finde, dass man nicht über Dinge schreiben sollte, die einen selbst nicht ansprechen. Es wäre nicht fair, wenn ich eine Besprechung über einen Metalamp verfassen würde. Ich habe keinen emotionalen Bezug dazu - und das wiegt vielleicht noch schwerer als die Frage, ob man "Ahnung von der Materie" hat.
    Es macht ja wenig Sinn, etwas dafür zu kritisieren, dass es genau das macht, was es soll.
    Ich mag es nicht, wenn ich keinen cleanen Ton mehr rauskriege und alles zukomprimiert wird. Aber das hat ja etwas mit meinen ästhetischen Vorlieben zu tun.
    Insofern muss man einen gewissen, auch etwas positiv verschobenen, Bezug zu dem Objekt seiner Besprechung haben.

    Gleichzeitig ist es dann schwer, immer wieder auch die ausreichende Distanz hinzukriegen, um das, was für einen selbst möglicherweise den Nagel voll auf den Kopf des Gehörgangs trifft (quasi voll auf den Steigbügel zimmert) widerum auch aus der Perspektive eines Anderen zu "hören".

    Man sollte, finde ich, ein Produkt auch immer unter seinen Optimalbedingungen testet. Das heisst, dass man die Schwächen durchaus beschreiben soll, aber gleichzeitig etwas davon vermitteln, wozu etwas in der Lage ist, wenn man es optimal einstellt.
    Ein Germanium FuzzFace für seinen Klang hinter einem Buffer zu beurteilen ist nicht angemessen. Zu verschweigen, dass es in einem solchen Fall bescheiden klingt auch nicht - denn es gibt ja KollegInnen, die mit aktiven PUs spielen, oder auf ein Wah oder einen "always on" Kompressor als erstes Glied in der Kette nicht verzichten mögen.

    Wenn man also jenseits der Honeymoonphase bespricht, hat man ja schon ne Menge Zeit gehabt, für das Teil die optimalen Randbedingungen zu erkunden. Auch das lässt ein Review tendenziell besser ausfallen.

    Mein Problem nach wie vor - wie beschreibe ich einen Mangel, den ich nicht kenne, weil er für meinen Sound und meinen Spielstil keine Rolle spielt? Wie beurteile ich die Durchsetzungsfähigkeit eines Klanges im Mix mit ner BigBand, wenn ich nur Trio spiele?

    Das Blödeste sind die blinden Flecken, von denen man nicht weiß, dass man sie hat.
    Ich weiss, dass ich sie zu Hauf habe - leider nur nicht genau wo :nix:

    Genau DARÜBER würde ich gerne mal diskutieren. Könnte ja die Qualität der Reviews mittelfristig erhöhen...

    s´Zwieberl
    (nachdenklich)
     
  6. Seven 11

    Seven 11 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.08.16   #6
    Als ich in den Eighties anfing zu spielen musste "mein" Amp genau die Qualitäten des sich dem Ende neigenden Punk und dem aufkommenden New Wave mitbringen. Letzteres ist heute ja wieder bei "Drangsal", der die 80er wie kein Anderer adaptiert hat erneut auf dem Plattenteller, also viel Clean, oft Chorus und immer auf den Punkt gespielt.

    Meinem Super Sonic 22 traue ich dies eher zu als meinen anderen Amps was vor Allem aber damit zu tun hat, dass deren Wahl eben genau dadurch zustande kam als dass ich heute kaum auf den Punkt spiele. Im Grunde ist es fast immer leicht Laid Back oder leicht vor dem Takt....... Auf einem typischen 80er Amp wie z.B. dem Roland Jazz Chorus 120 würde das für mein Empfinden schräg klingen.

    Wenn ich weiderum meine Tweedies, den Cornell und den Swart hierzu bemühe passt es wie Arsch auf Eimer. Ich denke dass die Amps mit charakteristischem Ton einfach dicker klingen und eben wenig "neutral". Ein "Charakteramp" klingt für mein Empfinden mit ohne Alles ;) am Besten. Ein 80er Setup wäre offen für jedwede Effektkette......

    Gibt natürlich auch noch so Jungs wie The Edge, der sein inflationäres Rack FX Konglomerat durch einen AC 30 jagt.

    Mir geht es schon so, dass ein bestimmter Typus Amp aus mir recht festgelegtes Zeug rauskitzelt, so wie es auch bei Gitarren ist. Ich habe, schon etwas länger her, einem befreundetem Jazzer meine Gretsch 6120 in die Hand gedrückt und sofort kam Countryesques raus....

    Kann aber auch sein, dass man irgendwann einfach eingefahren ist in seinen Assoziationen was warum womit gespielt zu werden hat. Ich glaube ich teste nachher mal meinen Swart mit einem analogen Chorus :D.
     
  7. crazy-iwan

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    Erstellt: 21.08.16   #7
    Absolut. Sehr oft muss man es einfach nur spielen, und dann klingt es auch so, unabhängig vom Equipment.
     
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