Heinz Seifert "Favorit Elektric" Reparatur

bobbi441
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Guten Tag zusammen,
Vor zwei Wochen habe ich in einem An- und Verkauf zwei alte Vogtländische Gitarren aufgegabelt, und zwar eine Musima Schlaggitarre, die bereits einen eigenen Thread hat (https://www.musiker-board.de/threads/reparatur-einer-musima-schlaggitarre.662636/#post-8299051) und eine Heinz Seifert „Favorit Elektric“, um welche sich dieser Thread drehen wird.
Von beiden Gitarren war die Seifert in einem deutlich besseren Zustand, so eine Solidbody lässt sich halt nicht so leicht „kaputtlagern“. Hauptprobleme waren auf den ersten Blick die fehlenden Saiten, die rostige Bridge ohne Tremolohebel, ein fehlender Gurtpin und der zugegebenermaßen ganz witzige, aber auf einer Gitarre wie ich finde doch eher deplatzierte Alf-Aufkleber. :weird:
Der Lack scheint nicht original zu sein, da er an manchen Stellen Abplatzer hat und darunter eine goldene Lackschicht zu erkennen ist. Dennoch werde ich ihn wohl drauf lassen, da er mir ehrlich gesagt deutlich besser gefällt, als goldener Lack.

Zum Glück hatte ich noch einen passenden Tremolohebel rumzuliegen!
Da keine essentiellen Schäden vorlagen habe ich erstmal Saiten aufgezogen, um zu testen, ob die Elektronik in Ordnung ist und bis auf den Tone-Poti des Halstonabnehmers und evtl. den Halstonabnehmer selbst ist sie das auch.
Die Gitarre klang gut und ließ sich super bespielen. Nur ein weiteres Problem tat sich auf: Der Nullbund hatte recht tiefe Kerben, die bei Bendings zu Knackgeräuschen führten.
Also, Saiten wieder runter, Bridge entfernt und das Ding mit Rostumwandler eingestrichen.
Während der Wartezeit habe ich den Nullbund zurechtgefeilt...
und den Aufkleber entfernt!
Am nächsten Morgen habe ich die Bridge abgewaschen, notdurftig poliert und wieder angebracht.
Dann kamen die Saiten wieder drauf und das war es vorerst.
Beim nächsten Saitenwechsel werde ich versuchen, die Hardware noch besser zu reinigen und den Nullbund weiter bearbeiten, da es immer noch etwas knackt, wenn auch bei Weitem nicht mehr so schlimm.

Ein paar Fragen hätte ich allerdings noch an euch:
- Was hat es mit diesem Dämpfer auf sich und was ist da drauf? Schaumstoff? Gummi? Schwamm? Es ist total verwittert und funktioniert auch nicht mehr richtig. Ich würde die Beschichtung gerne erneuern, auch wenn ich den Dämpfer wohl eher nicht so oft verwenden würde…
- Was schätzt ihr, wie alt die Gitarre ungefähr sein könnte?
- Habt ihr Tipps, wie man bei diesem Tremolo die Saiten aufzieht? Ich habe sie mit einem Schraubenzieher hervorgeangelt.
- Wie kriege ich am besten die korrodierten Saitenreiter sauber? Sie scheinen aus Messing oder Kupfer zu sein, ich dachte erst, es wär grünes Plastik!
- Wie kriege ich die Bridge wieder zum Glänzen? Reicht polieren oder brauche ich Chrom-Lack oder so?

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit sowie für eure hoffentlich bald eintrudelnden Antworten!

LG,
Bobbi
 
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Hallo Bobbi,

Ein interessantes Teil hast du dir da angelacht.... Ich staune immer wieder welche abenteuerlichen Konstruktionen damals so das Licht der Welt erblickten :)

Das Vibrato sieht ja nun sehr speziell aus, eventuell lässt es sich ja etwas drehen mit der angebrachten Schraube? Oder ist das Ding fix angebracht worden? Sonst wäre der Saitenwechsel wirklich eine mühsame Angelegenheit.
Zeitlich könnte ich mir so mitte der 60er Jahre vorstellen.... Man möge mich korrigieren!
Ich selbst habe vor einiger Zeit eine alte Fasan restauriert, einfach um etwas mehr Erfahrung auf dem Gebiet zu sammeln (siehe unten). Da war die Konservierung der PVC-Schale die aufwendigste Arbeit, denn die hat sich nach fast 60 Jahren von Holzkern gelöst.
Meine vernickelten Metallteile liessen sich eigentlich wieder gut polieren, bei deiner Einheit denke ich das es wohl nicht mehr so einfach ist. Da scheint die Verchromung schon zu stark angegriffen zu sein. Die Saitenreiter lassen sich mit einer kleinen Bürste und etwas WD 40 oder ähnlichem sicher wieder vom Schmodder der Jahrzehnte befreien.

Bei deiner hast du ja noch Glück gehabt, die Fasan hat leider keinen Trussrod und somit musste ich den Hals behutsam mit Wärme richten. Klappt zwar relativ gut, ist aber eine aufwändige Geschichte....
Anbei noch ein paar Bilder der Fasan in der grünen Schlangenoptik..... Habe sie übrigens nicht auf Klinke umgebaut, hatte zum Glück noch ein Kabel mit Adapter.


Liebe Grüsse, Michi

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Ah ok.... Gesehen... Eigentlich müsstest du also mit dem Hebel des Vibratos komplett runter drücken um die Saiten einfädeln zu können. Die werden also von hinten durch gezogen.... Etwas umständlich.

Siend die schwarzen Streifen eigentlich nachträglich auflackiert worden??

Diesen Gummi zum dämpfen der Saiten hatte ich mal auf einer alten Fender Jaguar, das war so eine Art von Wippe unterhalb der Bridge mit welcher man (mit dem Daumen der Schlaghand) den Gummi an die Saiten pressen konnte. Nicht wirklich praktisch das System, welches bei den meisten Gitarren von deren Besitzern auch schnell wieder ausgebaut wurde.

Gruss, Michi
 
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Deine Fasan ist echt schick, so eine würde mir ja auch gefallen. :great:
Gibt es zu deiner Restauration zufällig auch einen Thread hier?

Die Saitenreiter lassen sich mit einer kleinen Bürste und etwas WD 40 oder ähnlichem sicher wieder vom Schmodder der Jahrzehnte befreien.
Ok, das werde ich beim nächsten Saitenwechsel versuchen, danke!

Siend die schwarzen Streifen eigentlich nachträglich auflackiert worden??
Ich denke schon, wie es aussieht ist wohl auch der rote Lack nachträglich aufgetragen worden. An einem Lackabplatzer ist eine darunter liegende goldene Lackschicht zu erkennen.
 
Hallo Bobbi, leider nein.... War längere Zeit nicht im Forum und habe die Zeit genutzt um mir selbst ein paar Sachen rund ums restaurieren bei zu bringen.
Wenn mal was schief geht so vernichtet man nicht gleich mehrere tausend Euros, wie bei einer Fender oder Gibson ;)

Bin gespannt wie sich die Pickups bei deiner schlagen, meine sind sehr schwach bezüglich Output.

Jedenfalls schön das diese alten Dinger am Leben bleiben, auch wenn sie heutigen Standards in keinster Weise mehr gerecht werden....
 
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- Was schätzt ihr, wie alt die Gitarre ungefähr sein könnte?
- Habt ihr Tipps, wie man bei diesem Tremolo die Saiten aufzieht? Ich habe sie mit einem Schraubenzieher hervorgeangelt.
- Wie kriege ich am besten die korrodierten Saitenreiter sauber? Sie scheinen aus Messing oder Kupfer zu sein, ich dachte erst, es wär grünes Plastik!
- Wie kriege ich die Bridge wieder zum Glänzen? Reicht polieren oder brauche ich Chrom-Lack oder so?

Ich schätze das Schätzchen auf Anfang der Sechziger.

Die Saiten sollten ohne Werkzeuge problemlos aufzuziehen sein. Einfach den Tremolobebel benutzen um die Brücke vorzuspannen und eventuell vorher eine leichte Kurve ins Saitenende biegen.

Die Saitenreiter VOR dem reinigen reichlich ölen, damit sie auf ihrer Welle nicht verschleißen. So wie es aussieht sind es Röllchen, die frei rotieren können sollten. Auch nach dem reinigen immer ölen! Wenn sie eine so dicke Schicht Grünspan haben, gehe ich davon aus dass sie momentan klemmen und das dürfen sie nicht.

Den Nullbund würde ich wenn er noch hoch genug ist sanft runden und ebenfalls fetten - hier am besten mit Vaseline oder ähnlichem. Sonst austauschen.

Gegen Flugrost auf Chrom wirkt am besten Stahlwolle um Rostpickel zu entfernen. Sonst polieren mit Wenol und `nem alten Socken, oder mit Nevr-Dull. Ich selbst würde es in seine Einzelteile zerlegen und an der Schwabbelscheibe polieren, aber die hat ja nicht jeder. Lackieren mit "Chrom-Lack" auf keinen Fall. Immer die echte Patina so weit wie möglich erhalten, es also mit dem polieren nicht übertreiben...

Sie mal nach ob sich unter der Rändelschraube eine Spannzange befindet. Damit sollte man dann die Gängigkeit des Tremolohebels einstellen können - zumindest die des Originalhebels.

Der Belag auf dem Dämpfer wird vermutlich Wollfilz gewesen sein.

An einem Lackabplatzer ist eine darunter liegende goldene Lackschicht zu erkennen.

Wäre es meine würde ich wohl den Lack entfernen und versuchen den Originallack wieder zum Voschein zu bringen. Mit ein bisschen Glück wurde der nur übergepinselt und nicht mal ordentlich angeschliffen.

Viel Erfolg!!!
 
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Hallo Bobbi, leider nein....
Ok, schade.

Bin gespannt wie sich die Pickups bei deiner schlagen, meine sind sehr schwach bezüglich Output.
Die Pickups haben bei meiner auch einen eher geringen Output. Einmal habe ich sie jetzt schon live benutzt und im Wechsel mit einer anderen Gitarre war das schon etwas problematisch...

Die Saiten sollten ohne Werkzeuge problemlos aufzuziehen sein. Einfach den Tremolobebel benutzen um die Brücke vorzuspannen und eventuell vorher eine leichte Kurve ins Saitenende biegen.
Werde ich beim nächsten Saitenaufziehen probieren, danke!

Gegen Flugrost auf Chrom wirkt am besten Stahlwolle um Rostpickel zu entfernen. Sonst polieren mit Wenol und `nem alten Socken, oder mit Nevr-Dull. Ich selbst würde es in seine Einzelteile zerlegen und an der Schwabbelscheibe polieren, aber die hat ja nicht jeder. Lackieren mit "Chrom-Lack" auf keinen Fall. Immer die echte Patina so weit wie möglich erhalten, es also mit dem polieren nicht übertreiben...
Der Rost an sich ist schon ab, ich werde dann nochmal ordentlich polieren (mit dem Socken ;))

Wäre es meine würde ich wohl den Lack entfernen und versuchen den Originallack wieder zum Voschein zu bringen.
Da bin ich gerade in einem Zwiespalt...
Entweder ich versuche, die Gitarre weitestgehend in den Originalzustand zurückzuversetzen, das heißt Elektronik mit originalen Ersatzteilen (hat mein Gitarrenbauer auf Lager) und den funktionierenden Tonabnehmern einfach neu verkabeln und den roten Lack entfernen und versuchen, den goldenen zu erhalten (sieht zumindest an der einen Stelle nicht angeschliffen aus); oder ich "modernisiere" die Gitarre, indem ich ihr ein neues Schlagbrett mit komplett neuer Elektronik verpasse, den Lack würde ich dann drauf lassen und das originale Schlagbrett mit Elektronik selbstverständlich aufheben (kann man ja bei so einer Gitarre auch relativ problemlos am Stück Wechseln).
Ich tendiere jetzt fast zur zweiten Möglichkeit, da mir der Hals so gut gefällt, dass ich sie gerne als live-Gitarre einsetzen würde, ich aber weiß, dass ich das im Originalzustand kaum tun werde, da mir der Lack wie er jetzt ist eigentlich besser gefällt :twisted: und die Tonabnehmer zwar clean sehr schön klingen, aber einen geringen Output haben und bei Zerre ganz schön verwaschen klingen (ist ja bei dem Alter auch zu erwarten).

Würde die Lackentfernung/Restauration eigentlich je länger man wartet (Jahre) schwieriger werden oder ist das bei Lack, der schon so lange drauf ist dann auch nicht weiter schlimm?
 
Würde die Lackentfernung/Restauration eigentlich je länger man wartet (Jahre) schwieriger werden oder ist das bei Lack, der schon so lange drauf ist dann auch nicht weiter schlimm?

Nee, schlimmer wird es nicht werden. Wenn es Dir so gefällt ist`s ja gut.

Was ich oben noch vergaß: Beim nächsten Satz Saiten auch an der Kopfplatte korrekt aufziehen - Du hast da eine Umleitung durch den Saitenniederhalter eingebaut. Die e-Saite gehört wie Die A-Saite von außen unter den Halter.
 
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Stahlwolle um Rostpickel zu entfernen

Uiuiui, damit wäre ich vorsichtig! Damit kannst du dir lecker Kratzer ins Metall fräsen. Ich würde auch nie auf die Idee kommen mein Mopped (siehe V-Twin;)) mit Stahlwolle zu bearbeiten, damit begünstigst du nur Rostbildung (unpoliert).

Bassturmator hat schon die Wunderwaffe genannt: NevrDull! Einfach das Mittel zärtlich ins (fettfreie!) Metall einmassieren, halbe Stunde warten, trocken abwischen, fertig.

PS: NevrDull gibt es z.B. bei Louis oder Polo. Einer von beiden wird bestimmt auch eine Filiale in Magdeburg haben.
 

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