Verwunderlich isses nun leider nicht, aber ich fände es sehr schade, wenn das jetzt das Aus wäre.
Andererseits hat der heutige Geschäftsführer die Firma 2004 zusammen mit seiner Frau per Management-buy-out übernommen - vielleicht passiert sowas ja wieder. Die stehen ja erst ganz am Anfang einer möglichen Insolvenz, ich weiss leider aus zweimaliger eigener Anschauung, dass sowas auch viel fixer gehen kann.
Höfner produziert übrigens schon sehr lange selbst in China (eigene Fabrik!), sowohl den modern'schen Kram als auch die Klassikschiene. Im Prinzip wie bei PRS: die Premiummodelle werden in D gefertigt, die Budgetgeschichten in China. Nur das "Budget" bei Höfner etwa bei 575,00 (Gitarre) und 370 (Bass) Euro liegt - die Höfner Shorties für 189,00 sehe ich außer Konkurrenz. Von daher schon mal keine Chance gegen
Harley Benton* and the Likes.
Und dann sind die wenigen E-Modelle eben speziell. Wenn man sich die Artist Gallery anguckt, sind natürlich "alte Bekannte" dabei (und davon sehr viele mit dem 500/1 oder richtigen Vintage-Oldies), aber ganz viel junges Volk, dass ich nicht mal kenne und rein von der Optik her im Indie-Bereich verorte. Ist schon so, Höfner ist irgendwie sexy und auch uncool-cool, aber eben nur für die Nische*. Dann sind da noch die "alten Leute", die der Vollständigkeit halber auch noch einen richtigen Paule-Bass haben wollen. Damit verkauft man aber offenbar nicht genug Instrumente.
Und dann: Die Hoefner.com-Site ist eine mittlere Katastrophe (und ziemlich langweilig, dabei war ich da zuletzt 2017? Alles beim alten minus vieler Modelle, einzig die Ersatzteil-Subsite ist immer noch phantastisch), Youtube 10.500 Abonnenten, FB knapp 84.000 Follower, Insta 12.200 Follower, X und TicToc nullnixniente? Wenn die Höfner-Künstler nur ein Viertel so heiss sind, wie sie aussehen, dann macht da jemand etwas falsch. Und das geht heute leider gar nicht mehr - doofe Aufmerksamkeitsökonomie.
Ich schätze, ohne Macca und die Beatles sowie die Klassiksparte wäre Höfner schon länger nicht mehr als eigenständiges Unternehmen im Geschäft. Ob sie das jetzt noch mal retten kann? Meine Daumen sind gedrückt. Offenbar fehlt in erster Linie Kohle.
Aber die Marke, also den Namen, und den ikonischen Bass (in zwei, drei Varianten) wird es natürlich weiter geben - da wäre Thomann schon ein möglich-logischer Partner.
Und gaaaaaaaaaanz vielleicht bestehen ja auch noch ganz andere Probleme, Zoll-Ärger mit dem US-Markt, geschäftspolitischer Trouble mit dem Werk in China ("Bis hierhin vielen Dank, aber jetzt wissen wir genau, wie es geht ..."), Weggang von Schlüsselpersonal, ungeklärte NachfolgerInnen-Frage (so jung wird das Inhaberpaar nicht mehr sein), zwei, drei kostspielige Fehl- oder verzögerte Grundsatzentscheidungen? Das ist ja nun mal kein Riesenladen - 50 Menschen in Deutschland.
*(Ich bin ja selbst Teil der Nische. 500/1? Habbich in ziemlich alt. Die Verythins finde ich schon auch toll, waren aber leider nicht so ganz meine "meine Hälse". Ich habe auch schon viel zu viele Gitarren und wenn denn, made in Germany sollte es dann schon sein ... EUR 2.900,00!? Nee, sorry, geht nicht, genauso wenig wie der noch größere Preisirrsinn bei den Made-in-USA-Marken. Kann ich nicht, werde ich auch nie mehr können. Gen Z, bitte übernehmen!)