Ich hör dir noch zu, auch wenn...

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hobz biz-zejt

hobz biz-zejt

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Ein Text, bei dem mich wirklich interessieren würde, wie er wirkt, verstanden wird, sich anfühlt und überhaupt.
Ich hab eigene Gedanken dazu (die ich noch nicht gleich erklären will), könnte mir aber tatsächlich Positives wie Negatives vorstellen.
Von daher, frei raus mit Eindrücken!


Ich hör dir noch zu,
auch wenn du schon schweigst


Rück dir die Brille gerade
Zieh einen Strich auf Papier
Lass dir Zeit für die Stille
Du bist jetzt, wir sind hier

Wirfst du heute nur Schatten
Dann geh nicht ins Licht
Ich weiß, was du sein kannst
Und auch das, was nicht

Ich hör dir noch zu,
auch wenn du schon schweigst


Dein Blick ist ein Fenster
Auf die Größe der Welt
Momente im Flug
Geschichten erzählt

Wir waren groß, stark und laut
Tranken Tee, Bier und Wein
Ungefragt unverzagt
Alles zu seiner Zeit

Ich hör dir noch zu,
auch wenn du schon schweigst
versteh was du sagst,
wenn du den Kopf nur leicht neigst
Ich spür, was du meinst,
ob du lachst oder weinst
Ich höre dir noch zu,
auch wenn du schon schweigst

Ich hör dir noch zu,
auch wenn du schon schweigst
 
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Gefällt mir sehr.
Erinnert mich an meine Partnerschaft... die nicht mehr besteht.
Diese Vertrautheit, die irgendwann weg war. Das wortlose Sich-Verstehen, was eine Partnerschaft ausmacht.

Melancholisch, nicht übertrieben, Gefühl ist da ohne kitschig zu sein.
Mir gefällt es wirklich.
 
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Ich finde den Text tatsächlich gelungen!
Er passt zu vielen Situationen zwischenmenschlich, wie Partnerschaft, Eltern-Kind, Alter mit Demenz bis zum Tod.
 
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Ich finde den Titel sehr stark und damit auch die Ausrichtung des Textes. Auch vieles andere gefällt mir sehr gut.
Lediglich eine Zeile, die ich nicht so stark finde, führt mich dazu, nicht auf "Super! Kann alles so bleiben" zu gehen.

Wir waren groß, stark und laut
Tranken Tee, Bier und Wein
Ungefragt unverzagt
Alles zu seiner Zeit
"Tranken Tee, Bier und Wein" fällt meiner Meinung nach gegenüber Zeilen wie
"Lass dir Zeit für die Stille
Du bist jetzt, wir sind hier"
oder
"Wirfst du heute nur Schatten
Dann geh nicht ins Licht
Ich weiß, was du sein kannst
Und auch das, was nicht"
oder
"Dein Blick ist ein Fenster
Auf die Größe der Welt"
ab. Das liegt nicht an dem Alltäglichen, das im "tranken Tee, Bier und Wein" liegt, es liegt mehr daran, dass die anderen zitierten Zeilen auf scharfe Beobachtungen gründen und gleichzeitig Räume für Deutungen und Spannungsbögen eröffnen, die ich in der zitierten Zeile nicht sehe.

Aber vielleicht sehe ich auch etwas nicht, das in diesen Zeilen liegt, oder es gibt etwas anderes, das doch für diese Zeile spricht ...

x-Riff
 
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Ich finde, das bricht ein wenig die Poesie und holt einen kurz auf den Boden der Tatsachen zurück, in dem es so "schlicht und krass" da reinkommt.
Ist ein schöner Kontrast.

Aber ich bin kein Texter oder Poet, ich bin nur "user" und nehme es auf.
 
Aber ich bin kein Texter oder Poet, ich bin nur "user" und nehme es auf.
Das ist allemal wichtig und so eine Rückmeldung gilt genau so viel wie die von einem Textenden oder Poeten.
Denn letztlich ist wichtig, wie ein Text bei einem (Teil vom) Publikum ankommt.
Ein Text, bei dem mich wirklich interessieren würde, wie er wirkt, verstanden wird, sich anfühlt und überhaupt.
Und genau das ist es ja, zu was @hobz biz-zejt aufgefordert hat.

x-Riff
 
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Ich wäre noch gespannt, ob @hobz biz-zejt uns noch ein bisschen Hintergrund erläutert, zumindest klang es für mich so, als ob wir da evtl. noch etwas erfahren würden 😃.
Schöner Text, wirklich. Spricht mich sehr an. Sonst hätte ich nichts dazu geschrieben, weil ich wie gesagt, mich dazu nicht so kompetent fühle.
 
Gefällt mir auch sehr. Etwas rätselhaft und gerade deswegen gut.

Mich erreicht die Stimmung einer Beziehung, die über die Jahre tiefer geworden ist.
Ich höre dir noch zu,
auch wenn du schon schweigst

sagt mir, dass auch die Stille etwas erzählt und Worte nicht unbedingt nötig sind.

Irgendwie scheint der Text auch den Moment und das Sein im Hier und Jetzt zu feieren.
Rück dir die Brille gerade
Zieh einen Strich auf Papier
Lass dir Zeit für die Stille
Du bist jetzt, wir sind hier
Das ist ein starker Beginn... da sehe ich jemanden am Tisch sitzen, der einen Strich und das "Bisher" zieht und in die Stille hört, um die Worte für das gemeinsame "Jetzt" zu erlauschen.

Wirfst du heute nur Schatten
Dann geh nicht ins Licht
Ich weiß, was du sein kannst
Und auch das, was nicht
"Sei wir du jetzt bist" höre ich hier und "es ist nicht nötig, anders sein zu wollen" - diese Zeilen finde ich sehr menschlich und berührend.
Könnte es sein, dass das LD nicht mehr lebt... aber irgendwie ja doch lebendig und präsent ist?

Ich schließe mich übrigens @x-Riff, was diese Zeile angeht.
"Tranken Tee, Bier und Wein" fällt meiner Meinung nach gegenüber Zeilen wie
Der Satz bringt mich plötzlich vom übrigen Songtext weg und ich brauche etwas, um zurückzukommen. Wenn das kein gewollter move ist, könnte @hobz biz-zejt da nochmal ran.
 
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  • #9
Tolle Rückmeldungen, vielen Dank für alle. Ich gehe später noch genauer auf einzelne ein und auch auf neue eigene Gedanken, die ich dadurch gekriegt habe.
Eine Erklärung möchte ich aber gleich liefern, die zur Anmerkung, dass die eine Zeile mit "Tee, Bier und Wein" schwächer sei als die anderen und die unausgesprochen mitschwingende Frage, ob da irgendwas dahinter steht, weshalb die Zeit doch genauso sein muss.
Die Antwort lautet "nein", hinter der Zeile steht nichts Tieferes, was ich jetzt als Erklärung vorbringen kann. Die weniger stark zu finden, ist absolut legitim und tatsächlich ist die Rückmeldung, wie einzelne Zeilen auf andere wirken, sehr hilfreich für mich.
 
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  • #10
Wir waren groß, stark und laut
Tranken Tee, Bier und Wein
Ungefragt unverzagt
Alles zu seiner Zeit
..so was?

Wir waren groß, stark und laut
Tranken Tee, Bier und Wein
und zu allem bereit
Ungefragt unverzagt
Alles zu seiner Zeit
 
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  • Ersteller
  • #11
Der Hintergrund zu dem, was ich im "Vorwort" geschrieben habe, dass ich mir positive wie negative Rückmeldungen vorstellen könnte, ist Folgender:

Der Text ist total intuitiv und assoziativ geschrieben. Es gibt kein Gedanken- oder Argumentationsgerüst dahinter. Ich habe versucht zu schreiben, wie es sich richtig anfühlt, habe aber nicht überlegt "warum" oder "ist das logisch nachvollziehbar".

Ein inneres Bild, dass ich vor mir hatte, war das eines Flugzeugpiloten im Blindflug durch die Nacht, der sich auf Eingaben (in diesem Fall natürliche technische) verlässt, aber nicht direkt sieht, wo es hingeht und ob das richtig ist.
[edit: gemeint ist damit der Schreibprozess, nicht der Inhalt des Textes = Ergänzung damit es nicht falsch verstanden wird, siehe nächster Post]

Ein bisschen konkreter:
Der Refrain entstand beim Nachdenken über eine nicht so richtig greifbare Idee.

Ich hatte im Kopf:
Wie kann man das sagen?
Wie kann man es irgendwie "anders" sagen?
Wie würde XYZ das sagen?
Warum so?
Was macht den Stil aus?
Was erzeugt welche Wirkung?

Als Orientierung hatte ich einen deutschsprachigen Liedpoeten im Sinn, dachte, dass er es auf eine irgendwie positive, das Mitmenschliche betonende Art sagen würde und fing an rumzuspielen mit "will zuhören", "Freund sein", "ein offenes Ohr haben"... Nichts davon passte oder hatte was.


Als ich dann schon leicht genervt war, kam wie zum Trotz "ich hör dir noch zu, auch wenn du schon schweigst".
DAS würde mir gefallen!
Das Gefühl dabei war aber ähnlich einem Streitgespräch, wo man was rauslässt und dann denkt "Oh Mist, das ging jetzt irgendwie zu weit".

Zwei Sekunden später fand ich genau das dann aber doch gut, habe damit weitergemacht, erfreut festgestellt, wie viele Reime auf "schweigst" mir einfallen und den Rest drumrum gebaut.

Den so entstandenen Refrain fand ich dann ziemlich cool und war sehr motiviert, daraus einen kompletten Text zu machen. Inhalte für die Strophen zu finden, fand ich aber auch wieder sehr schwer. Mir fiel eine Zeit lang nichts ein.

Ich wusste nur, was ich in den Strophen nicht machen wollte:
Ich wollte nicht den Refrain erklären und nicht wie eine Entschuldigung für dessen Widersprüchlichkeit und Bildhaftigkeit, irgendwas Klareres dagegensetzen.
Wichtig war mir auch, dass die Strophen "klein" bleiben, dass Sie bewusst nicht zu viel haben, was vom Refrain ablenkt oder einen in Gedanken bei den Strophen hängen bleiben lässt, wenn der Refrain kommt.

So wirklich konkret war das nicht 😁
Irgendwie Stimmung, ein Moment, eine Szene, wo man die Refrainzeilen dazu passend findet, sie vor sich hinmurmeln könnte.

Irgendwann kam mir die Zeile "Rück Dir die Brille gerade" in den Sinn.
Das Bild in meinem Kopf dazu hat sich richtig angefühlt.
Der ganze Rest ist ähnlich, so wie oben beschrieben: Ein Moment der Zweisamkeit, der Ruhe, des Ruhen lassens.

Ich weiß nicht genau, was davon es am besten trifft oder was davon am ehesten für andere nachvollziehbar ist. Deswegen habe ich es ja auch so geschrieben wie es geschrieben ist, ohne den Versuch, es eindeutiger zu machen.

Und aus all dem Gesagten resultiert eine gewisse Unsicherheit auf meiner Seite (gar nicht negativ gemeint). Mir gefällt der Text wie er ist, auch die Strophen. Begründen, überzeugen oder auch nur sicher einschätzen, wie bestimmte Zeilen von anderen empfunden werden, kann ich aber nicht oder nur teilweise.
Deswegen die Aussage, dass in diesem Fall Rückmeldungen tatsächlich besonders interessant für mich sind.
 
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  • #12
Ach spannend! Ich hätte wirklich in Richtung Zwischenmenschliches getippt :cool:.
Gescheiterte Freundschaft, Partnerschaft, Ehe, Beziehung...
Auf einen Piloten wäre ich nie gekommen!
 
  • Ersteller
  • #13
Ach spannend! Ich hätte wirklich in Richtung Zwischenmenschliches getippt :cool:.
Gescheiterte Freundschaft, Partnerschaft, Ehe, Beziehung...
Auf einen Piloten wäre ich nie gekommen!
Oh je, Korrektur:
Was ich versucht habe zu erklären, ist der Schreibprozess. Die Art, wie ich den Text geschrieben habe, war ein bisschen wie ein Blindflug. Im Text selber geht es nicht um Piloten.

Hast du das tatsächlich missverstanden?
(Bin etwas unsicher wegen deines Sonnenbrillensmilies)
 
  • #14
Ah sorry, ja.
Dann wars mir zu warm. Hab ich tatsächlich mißverstanden.
 
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  • Ersteller
  • #15
  • Ersteller
  • #16
Gefällt mir sehr.
Erinnert mich an meine Partnerschaft... die nicht mehr besteht.
Diese Vertrautheit, die irgendwann weg war. Das wortlose Sich-Verstehen, was eine Partnerschaft ausmacht.

Ich finde den Text tatsächlich gelungen!
Er passt zu vielen Situationen zwischenmenschlich, wie Partnerschaft, Eltern-Kind, Alter mit Demenz bis zum Tod.
Das waren die ersten beiden Reaktionen. Ich fand toll, dass Ihr Dinge seht, die zu Euren Gedanken oder Erfahrungen passen und dadurch den Text zu was Eigenem macht.
 
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  • #17
Mich berührt Dein Text wirklich. Genau die richtige Mischung, nicht zu kryptisch, nicht seicht, mit Hintersinn.
Ich freu mich auf die Vertonung :love:
 
  • Ersteller
  • #18
"Tranken Tee, Bier und Wein" fällt meiner Meinung nach gegenüber Zeilen wie
"Lass dir Zeit für die Stille
Du bist jetzt, wir sind hier"
oder
"Wirfst du heute nur Schatten
Dann geh nicht ins Licht
Ich weiß, was du sein kannst
Und auch das, was nicht"
oder
"Dein Blick ist ein Fenster
Auf die Größe der Welt"
ab. Das liegt nicht an dem Alltäglichen, das im "tranken Tee, Bier und Wein" liegt, es liegt mehr daran, dass die anderen zitierten Zeilen auf scharfe Beobachtungen gründen und gleichzeitig Räume für Deutungen und Spannungsbögen eröffnen, die ich in der zitierten Zeile nicht sehe.
Gut erklärt, was an dem Satz anders und dadurch vielleicht schwächer ist.
Ich bin selber noch unentschlossen. Der Satz ist keiner, den ich total toll find, der "gesetzt" wäre, weil er irgendwas Tolles hinzufügt, eher empfinde ich die ganze letzte Strophe als eine, wo mir reicht, dass sie nichts Falsches, Unnötiges macht.
Bei möglichen Änderungen wär es das, was ich verhindern möchte, dass da irgendwas reinkommt, was zu sehr eigenen Raum braucht.

..so was?

Wir waren groß, stark und laut
Tranken Tee, Bier und Wein
und zu allem bereit
Ungefragt unverzagt
Alles zu seiner Zeit
Die geänderte Formulierung ist an der Stelle logischer, weil sie den Satz davor weiterführt.
Ich kann nicht dagegen argumentieren, nur sagen, dass gefühlsmäßig ist es das nicht, was ich an der Stelle suche.
 
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  • #19
Die geänderte Formulierung ist an der Stelle logischer, weil sie den Satz davor weiterführt.
Ich kann nicht dagegen argumentieren, nur sagen, dass gefühlsmäßig ist es das nicht, was ich an der Stelle suche.
..Du bist der Boss..

..so ne in den Ring geworfene Textvariante ist ja nicht mehr als, um ein Beispiel aus einem anderen Bereich heranzuziehen, eine Hand, die beim Salto zur Hilfe bereit ist, aber eigentlich nicht zum Einsatz kommen soll;-)
 
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