Ist bei Automatischer Begleitung eigentlich alles "wurscht"? Beispiel F-Dur-Akkord, Umkehrung, Fingersatz

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Sorry, wenn das gar zu blöd klingt, ich bin ja auch noch ziemliche blöde Anfängerin mit dem Keyboard.

Also zu Anfang habe ich die Automatische Begleitfunktion gar nicht genutzt und hab es deshalb nicht bemerkt.
Nun, wo ich sie nach und nach entdecke und nutze, sehe (besser: höre) ich, dass die mit links gegriffenen Akkorde immer gleich klingen, ganz egal, wo im Bereich der Automatik ich sie anschlage. Und auch sämtliche Umkehrungen klingen haargenau wie die Grundform, ob ich F-A-C spiele oder A-C-F scheint egal zu sein.

Frage 1: Muss das so?
Frage 2: Unterschiedliche Lehrbücher empfehlen verschiedene Fingersätze hierfür. Beispiel a) F5-A3-C1
b) A4-C2-F1
Kann man sich das aussuchen?

Ich möchte mir möglichst nichts Falsches einprägen.
 
Hallo DorotheaN,

deine Begleitautomatik ist offenbar schlau genug, um Umkehrakkorde wieder in ihre Grundform zu bringen. Das ist auch sinnvoll, denn es geht ja darum, einen möglichst generischen Klangteppich als Begleitung für beliebige Melodien zu erzeugen. Da ist man mit der Grundform Bass-Terz-Quinte immer auf der sicheren Seite.

Wenn du selber Begleitung und Melodie spielst, hast du viel mehr Möglichkeiten. Der Bass sollte den Grundton schon mal anspielen, das fordert die Physik, aber Quinten und kleine Melodien sind natürlich auch möglich. Die restliche Begleitung wird sich mehr an der Melodielinie orientieren und sie verstärken oder abschwächen. Das ist dann auch das Spielfeld für Umkehrakkorde. Wenn du die Melodie zum Beispiel hervorheben willst, kannst du die Begleitung immer etwas tiefer zu halten, indem du dir einen passenden Umkehrakkord aussuchst.
 
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Frage 1: Muss das so?

Ja - das soll sogar so und es ist technisch sogar viel aufwendiger, unabhängig von der gegriffenen Umkehrung den "eigentlich" gemeinter Akkord zu erkennen.

Hintergrund:
Im Gegensatz zum Klavier oder zum Spielen ohne Automatik kommt es einzig und alleine drauf an, welcher Akkord gemeint ist - unabhängig von der Umkehrung.
Denn die Begleitautomatik spielt nicht (und soll es auch nicht!) genau das, was man greift, sondern passend zum "Style" das, was eine kompleete Begleit-Band spielen würde. Hierzu ist es von elementarer Bedeutung, dass der Bass "weiß", was er spielen soll - da kommt es auf den Grundton an und meist wird daraus ein passendes Bass-Pattern gemacht (Wechselbass, Walkong Bass, usw.)
Ein "Akkord" wird dann auch nicht unbedingt als Dreiklang in einer gewissen Umkehrung wiedergeben, sondern z. B. als realistischer Gitarren-Akkord, wie man ihn auf einer Gitarre wirklich spielen würde.

Exkurs: Klavier oder andere "echte" Instrumente
Wenn man ohne Automatik spielt, hat die Wahl einer Akkord-Umkehrung einen hohen musikalischen Wert, weil man beim Wechsel zu anderen Akkorden nicht so sehr umherspringen muss (das ist weder spielerisch noch klanglich schön), sondern dass von Akkord zu Akkord möglichst viele Töne liegenbleiben oder sich nur wenig verändern (Stichwort "Stimmführung").

Warum dann Umkehrungen bei Automatik?
Es ist schlicht und ergreifend bequemer (und natürlicher), nicht so sehr herumspringen zu müssen (z. B. von Grundstellung zu Grundstellung).
Für die Automatik ist es aber nur wichtig, welcher Akkord gemeint ist, denn sie kümmert sich ohnehin um tatsächliche Ausführung automatisch.

Und auch, wenn man den "Akkord" in Umkehrung spielt, möchte man als (Haupt-)Basston in der Regel den Grundton (und nicht den tiefsten Ton der gerade gespielten Umkehrung.
Sonderfall: Wenn man trothem in der Automatik bewusst einen anderen Basston haben möchte (z. B. C-Dur mit E im Bass, geschrieben als C/E), gibt es bestimmte Griffweisen/Automatik-Einstellungen, die so etwas ermöglichen. Ist aber wohl Herstellerabhängig.

Frage 2: Unterschiedliche Lehrbücher empfehlen verschiedene Fingersätze hierfür. Beispiel a) F5-A3-C1
b) A4-C2-F1
Kann man sich das aussuchen?
Das ist tatsächlich beliebig. Wichtig ist, dass man die Akkordtöne bequem beieinanderliegen hat und welche Umkehrung man konkret spielt, hängt davon ab, wie die Nachbarakkorde aussehen bzw. wie man angefangen hat.

Beispielsweise sind die beiden (bliebeig herausgegriffenen) folgenden Griffweisen völlig austauschbar und gleichwertig.

1701870910086.png


Das liegt beides viel bequemer als die Herumspringerei von Grundstellung zu Grundstellung.
Hinweis: Einen Septakkord (hier: G7) ohne Quinte zu spielen, ist übliche Praxis, auch auf dem Klavier.

1701871056795.png


Das ist übrigens die übliche Schreibweise, wie man sie für Orgel oder Klavier notieren würde (Basschlüssel) und die Oktavlage ist für Begleitautomatik irrelevant - da würde man die Akkorde, anders als hier ausnotiert, möglichst weit "links" auf der Tastatur greifen, weil dann mehr Platz für den "Melodiebereicht" der Tatstatur bleibt.
Klanglich (ohne Automatik) darf man die Akkorde aber nicht zu tief spielen, aber das hat nur klangliche Gründe: es wird zu matschig und klingt schlecht.

Ich möchte mir möglichst nichts Falsches einprägen.
Keine Angst, Du gewöhnst Dir nichts Falsches an. Im Gegenteil: es kann nicht schaden, sich an eine gewisse Flexibiltiät gewöhnen und einen Akkord unabhängig von dessen Umkehrung zu erkennen/nutzen.

Viele Grüße
Torsten

[Edit:] Zur Ergänzung: Umgekehrt gilt das auch: Wenn Du immer Grundstellung greifst, spielt die Automatik dennoch nicht nur Grundstellungen, sondern immer die selben Umkehrungen, wie sie eben für den Gesamtklang im jeweiligen Style als passend erachtet werden. Auf jeden Fall liegen die konkret erklingenden Voicings/Umkehrungen der Automatik so, dass wie oben erwähnt keine hässlichen und unnötig großen Sprünge entstehen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielen Dank für die Erläuterungen. Hier merkt man halt, wie schnell man als Autodidakt an seine Grenzens stößt.
Vielen Dank noch besonders für diesen Hinweis:
"Einen Septakkord (hier: G7) ohne Quinte zu spielen, ist übliche Praxis, auch auf dem Klavier"

In den meisten Lehrwerken und Notenbüchern, doch keineswegs in allen wird die Quinte ohne Erklärung einfach weggelassen. Ich dachte, es handle sich um eine extra vereinfachte Einrichtung der Lieder für solche Newbies wie mich.
 
Beim Roland G 1000 gibt es die Funktion "inverse Bass" dann wird der gewünschte Basston in Slashchord-Manier gespielt.

@dr_rollo kann vllt noch mehr dazu berichten.
 
In den meisten Lehrwerken und Notenbüchern, doch keineswegs in allen wird die Quinte ohne Erklärung einfach weggelassen. Ich dachte, es handle sich um eine extra vereinfachte Einrichtung der Lieder für solche Newbies wie mich.

Ja, viele Dinge werden einfach kommentarlos als gegeben präsentiert.

Es gibt natürlich keinen Zwang und kein Muss, aber ein Grund ist eine relativ gleichbleiben Anzahl von Akkordtönen.
Beim Klavier ist die Stimmenanzahl zwar kein Problem, aber beispielsweise ein Streichquartett besteht nun mal auf vier Stimmen, da kann nicht einfach noch eine fünfte hinzukommen.
Wenn man auf dem Klavier ansonsten Dreiklänge spielt, wird man tendenziell einen Septakkord auch dreistimmig spielen (Ausgewogenheit, Stimmführung usw.). Da ein Septakkord grundsätzlich aus vier Tönen besteht, weil zum Dreiklang noch die Septime hinzukommt, wird man meist einen Ton weglassen - und das ist oft die Quinte, weil sie keine sonderliche harmonische Information trägt: sie ist einerseits ziemlich neutral und auch in den Obertönen der Grundtons ohnehin enthalten.
Man kann aber natürlich auch andere Töne weglassen.

Nur als Beispiel eines bekannten Stückes, bei dem ein Dominant-Septakkord ohne Quinte vorkommt, ist Scott Joplins bekannter Maple Leaf Rag:

1702032084617.png


Der Es7-Akkord besteht vollständig aus den Tönen Es, G, B und Des - die Quinte B wird in diesem Fall weggelassen.


Beim Roland G 1000 gibt es die Funktion "inverse Bass" dann wird der gewünschte Basston in Slashchord-Manier gespielt.
Meines Wissens spielt @DorotheaN ein Yamaha-Keyboard. Da gibt es dann wahrscheinlich wieder andere Tricks als bei Roland.

@DorotheaN
Nochmal kurz zur Griffweise und dem produzierten Ergebnis der Begleitautomatik:
Wenn man sich bewusstmacht, dass im Grunde eine ganze Band simuliert wird, in der unterschiedliche Instrumente auch unterschiedliche Akkord-Voicings nutzen, wird klar, dass der tatsächlich gegriffene Akkord nichts, aber auch gar nichts direkt mit dem konkret erklingenden Budenzauber zu tun hat - es geht lediglich darum, der Maschine Anweisung zu geben, welche Harmonie erklingen soll. Da reicht im Extremfall ein Finger (ein Ton).

Viele Grüße
Torsten
 
Führe mich nicht in Versuchung mit dem einen Finger. 😉
Nee, im Ernst, ich bemühe mich, die Akkorde mit drei Fingern zu lernen undzwar weil ich nicht überall die Begleitsutomatik leiden mag. Klingt nicht zu allem gut und dann splitte ich lieber die Tastatur und probiere was aus.
Außerdem muss und will ich die linke Hand mehr trainieren.
In den Lehrbüchern stehen oft Vorschläge für Voice, Style und sogar Tempi drin, doch passt das nicht überall bzw. gefällt mir der Klang nicht immer.
 
Ich kann nur bestätigen, was hier geschrieben wurde. Bei einer Begleitautomatik kommt es erst einmal 'nur' darauf an, dass der gewünschte Akkord vom Keyboard erkannt wird, und das macht bei Grund-Akkorden auch schon ein Ton, quasi Ein-Finger-Automatik, was die meisten Arranger bieten. Ich würde davon abraten, hab selber aus Bequemlichkeit so angefangen, weil's einfach ist, und man die wichtigsten Akkorde mit einem bis drei Fingern, nah beieinander erfassen kann:
C = C-Dur Akkord
C und Eb, also kleine Terz drüber = C-Moll
C und das Bb darunter = C7
C und H = Cmaj7
C und Eb und das Bb = Cm7
C und F und G = Csus Akkord
Roland hat das sehr logisch und schnell verständlich umgesetzt.
Yamaha hab ich da nie verstanden. Als ich das erste mal an einem Yamaha Arranger saß musste ich feststellen, dass der 7er in Kombination mit einem halben unter'm Grundton (Ton C+H = C7) , der Moller (glaube ich) mit einer Sekunde über dem Grundton (C und D = C-Moll) was keiner musikalischen Logik entspricht.
Nichtsdestotrotz würde ich eh jedem abraten, eine Ein-Finger-Automatik zu nutzen, sondern gleich mit gegriffenen Akkorden arbeiten, und - zum Ausgangsthema zurück - da ist es egal, in welcher Umkehrung der gegriffen wird.
Kommen wir zu der von @stuckl beschriebenen Bass invers Funktion: Die gibt's sicher nicht nur beim Roland G1000. Hierbei ist es schon ein Unterschied, wie der Akkord gegriffen wird. Der tiefste gegriffene Ton ist der Basston. Es gibt ja durchaus Akkorde, wo der Basston nicht der Akkord-Grundton ist: z.B. C über G oder auch C/G geschrieben. Oder wenn der Basston diatonisch abwärts wandern soll wie z.B. ganz typisch bei Songs wie Water Shade of Pale.
BTW: Von welchen Lehrbüchern ist hier die Rede? Sind das Anleitungen für Arranger oder allgemeine Harmonielehre?
 
Grund: Typo korrigiert ;)
Zuletzt bearbeitet:
Kleine, unbedeutende Anmerkung (natürlich sind wir uns einig, dass man eh die Finger von der Ein-Finger-"Griff"weise lassen sollte):
Yamaha hab ich da nie verstanden. Als ich das erste mal an einem Yamaha Arranger saß musste ich feststellen, dass der 7er in Kombination mit einem halben unter'm Grundton (Ton C+H = C7) , der Moller (glaube ich) mit einer Sekunde über dem Grundton (C und D = C-Moll) was keiner musikalischen Logik entspricht.
Single-Finger darf man eben nicht mit musikalischer Logik bewerten. Ziel ist es, dass ein Anfänger simple Akkorde ohne großen Lernaufwand "spielen" kann. Bei Yamaha ist das so, dass zwei nebeneinanderliegende weiße Tasten den Dominantseptakkord auf den unteren Ton liefern, und das ist unabhängig davon, ob da ein Halb- oder Ganzton dazwischen liegt. Einfacher geht es wohl kaum. Insofern ist
nicht richtig, das ergibt D7. Für einen Mollakkord drückt man den Grundton und die nächste oberhalb unterhalb liegende schwarze Taste, für C-Moll also Bb und C. Ist eine simple Logik. für den Anfänger leicht zu lernen, aber eben nicht musikalisch, was das Leben schwerer macht, wenn man umsteigen will. Aber das gilt für alle Ein-Finger-Systeme.
Water Shade of Pale
Hat viel geregnet in der letzten Zeit, gell? :D
 
Zuletzt bearbeitet:
Nochmal zu den Fingersätzen: Ob du C-E-G mit 5-3-1 oder 4-2-1 greifst, ist nicht beliebig, aber beides in unterschiedlichen Zusammenhängen sinnvoll. Normalerweise greifst du ja nicht einen einzigen Akkord, sondern du kommst woher und willst danach auch mit wenig Umstand zum nächsten Akkord weiterkommen.

Damit so etwas elegant funktioniert, braucht man Fingersätze. Am Anfang tüftelt man das immer aus, mit der Zeit wird der Bedarf geringer, weil man an vielen Stellen automatisch die richtigen Entscheidungen trifft.
 
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