Just Music schließt Filialen in Hamburg, München und Dortmund

von LimboJimbo, 03.09.20.

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  1. Rostl

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    Erstellt: 11.10.20   #101
    UVP ist ja nur ein Werbetrick ;)
     
  2. Martman

    Martman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.10.20   #102
    Wobei Just Music Hamburg ein Sonderfall ist. Der ist ja nicht aus dem Nichts als Filiale eines Berliner Händlers entstanden, sondern den gab's eigentlich schon lange, schon seit mindestens den 70ern. Damals hieß er noch Amptown und spezialisierte sich erstmal auf Gitarrenverstärker. Der erste Laden war in einem Bunker aus dem 2. Weltkrieg, da bot sich das an, weil man da richtig Kette geben konnte, ohne die Nachbarn zu stören.

    Nach und nach wuchs das Sortiment an, und noch unter dem Namen Amptown (war ja ein Begriff, eine Institution) wurde daraus ein Vollsortimenter, der seinesgleichen im Norden suchte.

    Das war auch damals schon einer der ganz wenigen Läden im Norden mit einem ziemlich umfassenden Synthesizerangebot. Also nicht nur mit dem Zeug, das in Top40- und Indie-Rock-Bands gebraucht wird, sondern schon immer auch mit richtigen Exoten. In den 2000ern hatte ich da Geräte unter der Hand wie Alesis Andromeda A6, Hartmann Neuron und Jomox Sunsyn. Das ging, obwohl Amptown keiner Kette angehörte.

    Die Übernahme durch Just Music ging ja fast zeitgleich einher mit dem Umzug in den Bunker am Heiligengeistfeld. Amptown hätte ja sowieso vergrößern müssen, da war sogar im Gespräch, das Gebäude, in dem sie schon waren, aufzustocken. Dann hätten sie aber den Laden eine Weile dichtmachen müssen.

    Unterm Just-Music-Label wurde das Ganze natürlich noch krasser. Sogar Eurorack-Modularzeugs liegt im Laden aus! Man kann sagen, wenn Just Music Hamburg es weder hat noch kriegen kann, wird es nur direkt ab Hersteller verkauft (Synthstrom Deluge, Baloran The River, Schmidt usw.).

    Um sich aber sowas erlauben zu können, muß man schon eine gewisse Mindestgröße und entsprechend Kundschaft haben. Amptown hatte die, das war jahrzehntelang mit Abstand der wichtigste Musikalienhändler in Hamburg, wenn nicht gar im ganzen Norden (bis auf für die paar Leute, für die PPC oder Musik Produktiv dichter dran ist, und im Vergleich zu Musik Produktiv hat Just Musik immer noch den geileren Scheiß ausliegen).

    Als Elektroniker ist man aber auf große Läden angewiesen. Ich war mal in einem Musikgeschäft am Stadtrand von Fulda, das nach eigenen Angaben auch Onlinehandel betreibt. An elektronischen Gerätschaften hatten sie etliche, überwiegend sehr simple Digitalpianos und eine Handvoll Tischhupen. Synthesizer? Nicht mal livebandtaugliche Workstations hatten sie da! Die Begründung leuchtete ein: zuwenig Kunden dafür. Es scheint kaum Keyboarder über Pianisten hinaus in der Gegend zu geben, die wiederum bestellen alle bei Thomann (wenn es sie überhaupt gibt). Und wenn es überhaupt Elektroniker gibt, klicken die ihren Kram auf dem Laptop zusammen ohne jegliches Outboard. Die Geräte würden also ewig im Laden stehen. Bei nichtelektronischen Instrumenten oder auch einfacheren elektronischen Sachen macht das nichts, aber gerade Massensynths wie Workstations veralten zu schnell, und dann wird man sie nicht mal mehr zum Einkaufspreis wieder los. Und davon, daß es auch Synths gibt, die so schnell nicht veralten, weil sie z. B. eigentlich Neuaufgüsse von Synths sind, die schon seit Jahrzehnten veraltet sind, hat man in der Rhön noch nicht gehört – mal abgesehen davon, daß das bedeutet, daß sie die noch schwieriger loswerden.

    Als Musikalienhändler wird's schwierig.

    Ich weiß von einem, der schon vor Jahren bei Amptown/Just Music in den Sack gehauen hat. Der betreibt jetzt seinen eigenen kleinen Laden in Hamburg, der sich auf elektronisches Zeugs spezialisiert hat. Der hat aber auch von einer kleinen Synthauswahl über Masterkeyboards und Tischhupen bis Digitalpianos alles da.

    Und wieder sowas wie Amptown aufzuziehen, scheint mir doch ein bißchen riskant zu sein. Andererseits ist es auch kreuzdämlich, die Geschäfte vor Ort dichtzumachen und sich auf den Onlinehandel zu konzentrieren. Die Läden vor Ort haben keine wirkliche Konkurrenz, höchstens noch durch Hieber Lindberg in München. Der Online-Musikalienhandel wird hierzulande aber mit Thomann gleichgesetzt. Daß sich da auch andere halten können, ist ein Wunder. Ich meine, ernsthaft: Wer jetzt nicht mehr in Hamburg zu Just Music gehen kann, wird statt dessen online zu Thomann gehen (außer den paar Eurorack-Junkies, die jetzt bei Schneiders Büro bestellen). Viele wissen gar nicht, daß es auch was anderes gibt. Und die Konkurrenz kann höchstens von den Sachen leben, die Thomann gerade nicht vorrätig oder aus irgendeinem Grunde überhaupt nicht im Sortiment hat.


    Martman
     
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  3. rw

    rw Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.10.20   #103
    Deinem Avatar entnehme ich, dass Irgendwas-mit-Elektronik dein Schwerpunkt ist. Bei (v.a. akustischen) Gitarren (und da fand ich früher das Angebot bei Amptown auch richtig gut) gibt es glücklicherweise noch Alternativen, da fand ich den Bunker nicht so richtig gut. Aber genau das stützt ja deine These mit dem Problem der Vollsortimenter.
    --- Beiträge zusammengefasst, 12.10.20, Datum Originalbeitrag: 12.10.20 ---
    Das ist vielleicht etwas zu platt. Bei der Tankstelle sind es sehr identische Verbrauchsgüter, die in der Regel ohne Beratung und ohne Ausprobieren verkauft werden. Ich teste nicht bei Aral 5 Liter E10, um dann hinterher das Zeug bei Jet 1ct günstiger zu kaufen.
     
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  4. Norbert

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    Erstellt: 12.10.20   #104
    Dass es schade ist dass Just Music schliesst habe ich ja schon weiter oben geschrieben.
    Wundert mich aber trotzdem dass das auch die Oktoberfeststadt betrifft.

    Noch gibt's ein paar unbekanntere Händler auch in Niederbayern, die auch (noch) da sind. Auch die rufen keine Mondscheinpreise auf.
     
  5. Zwerghexe

    Zwerghexe Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.10.20   #105
    Jammerschade!
    Just Music war bisher immer mein "Nahversorger" und ich habe den Dortmunder Store sehr gern heimgesucht. Die Auswahl ist für einen örtlichen Händler schon immens und die Preise fand ich immer sehr in Ordnung (was vielleicht letztlich zum Problem geworden ist?).

    Zugegebenermaßen kaufe ich auch gelegentlich bei den beiden Großen, allerdings nur Dinge, die ich hier vor Ort nicht bekommen kann.
    Es geht nach m.M. nix über die Atmosphäre in einem Musikladen, wo man ausgiebig stöbern und auch in Ruhe antesten und direkt vergleichen kann. Dafür schiebe ich gern ein paar Euros mehr über die Theke, aber das ist wohl gegen den Trend ...
     
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  6. Martman

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    Erstellt: 18.10.20 um 12:15 Uhr   #106
    Richtig, ich bin Synthesizerspieler. Und in dem Bereich wird es ab nächstes Jahr ein Riesenloch geben.

    Wie ich schon schrieb: Für die meisten Händler lohnt es sich nicht, Synths vorzuhalten, weil die eben – gefühlt – alle Naselang veralten und Nachfolgemodelle bekommen. Wenn man bis dahin nicht genügend Geräte zum regulären Straßenpreis verkauft hat, weil man keine Kundschaft für Synthesizer hat, macht man damit Miesen.

    Gerade gesehen, daß der MMH am Ende der Reeperbahn auch Synthesizer führt. Aber das sind nur drei Marken (Korg – und da auch keine Klassiker-Reissues –, Yamaha – und da auch nur Workstations –, Arturia) plus das Spielzeug von Teenage Engineering. Und das meiste davon haben sie meines Wissens nicht mal im Laden stehen; da stellen sie nur hin, was sie an Bandmusiker oder Musikschüler verkaufen können.


    Martman
     
  7. suckspeed

    suckspeed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.10.20 um 01:28 Uhr   #107
    Das war ganz bewusst genauso platt wie der Vorwurf, dass alle, die bei günstigen Angeboten zuschlagen, dies nur aus einem zwanghaften Reflex tun. Ein Ladengeschäft bietet aus betriebswirtschaftlichen Gründen Ware zu geringen Preisen an. Beratung hin oder her: wo ist das Problem? Es ging bei dem Szenario doch gar nicht darum, dass jemand sich bei bei Laden A kompetent beraten lässt und dann bei Laden B billiger kauft.