Kellerflur zum Gesang aufnehmen nutzen

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Squiere1967

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Moin,

ich wohne auf dem Dorf an einer vielbefahrenen Hauptstraße in einen Einfamilienhaus. Es fahren LKW und Trecker vorbei.

Der einzige leise Raum ohne Außengeräusche wäre ein Flur im Keller, ca. 1 Meter breit, 3,5 Meter lang, 2 Meter hoch. Die Wände gemauert, Decke aus Beton und der Boden auch aus Beton/Estrich.

Ich würde den Flur gerne nutzen um darin Gesang aufzunehmen. Ein Rode* NT1a hab ich im Sortiment.

Ich bräuchte ein paar Infos, wie ich mit der Schalldämmung umgehen sollte. Ich bin auch Tischler, habe Holz, Platten und Dämmwolle und kann einiges selber bauen. Auch würde ich ein gebrauchten Theatervorhang oder so kaufen können. Auch in eine Vocal Booth oder so, würde ich investieren.

Die Lüftung lass ich von einem Kumpel durchdenken, der da Fachmann ist.

Danke

LG Hauke
 
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Vergiss den Flur, der ist von der Akustik (aufgrund er kleinen Grösse) denkbar schlecht, weil Du Raumresonanzen hast, die Dir Probleme machen werden. Du müsstest den Raum komplett tot kriegen (die Resonanzen kriegst Du trotzdem nicht ganz weg), z.B. alle Wände und Decke mit Bassabsorbern (z.B. min. 100mm Mineralwolle) komplett zu machen, oder Matrazen.
Wenn Du in einem Einfamilienhaus wohnst, warum nimmst Du nicht einfach in der Nacht auf?
 
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In diesem Beitrag hab' ich das Thema Raummoden gerade etwas ausführlicher dargestellt. Mit Deinen Raummassen sieht es noch schrecklicher aus.

Echo und Hall sind Deine Endgegner, vermutlich ...

Was Du tun kannst, wäre, eine EMV-Messkammer an den Wänden nachzuahmen:

1778762906504.webp


Es gibt da mehrere Ausführungen. Hier eine gängige mit konischen Abschlüssen (hart, kein Wabbelzeugs).

Gedacht ist das, um den elektromagnetischen Wellen einen endlosen Raum vorzugaukeln, indem sich Strahlrichtungen sozusagen endlos totreflektieren. Steht man als Mensch in so einer Kammer, ist das bedrückend leise: Es funktioniert auch für Schall. Auch aus der Akustik gibt es da entsprechende Raumgestaltungen.

Wenigstens "eine Richtung" so totzulegen, könnte etwas sein, also zB zwei aneinander stoßende Wände und ggf. die Decke (nun ja, 200 cm ...), so dass der Schall zwar zB hinter und neben Dir reflektiert, aber sich ansonsten "totläuft".
 
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Moinemoine

Ich sehe das leider ähnlich. Du hast bei 1m Breite und 2m Höhe direkt neben der Schallquelle reflektierende Flächen. Die Reflektionen werden den Klang verschleiern.

Falls Du es aber trotzdem probieren willst:
1) Wenn der Flur ohne Außengeräusche ist, könnte das bedeuten, dass auch nichts nach Außen gelangt. Dann bräuchtest Du gar keine Schalldämmung.
2) Den "Raum"klang des Flures kannst Du aufgrund der geringen Abmessungen nur in Grenzen optimieren. Im Detail führt das hier zu weit, aber ich nehme an:
- je einen Membranabsorber an den Stirnseiten (der Länge nach)
- vermutlich weitere Membranabsorber direkt vor den Stirnseiten an den Seitenwänden und ggf. der Decke
- die freien Wandflächen und die Decke verkleiden: Molton schluckt und macht dumpf, eine schwere, luftdichte Plane oder Holz können etwas absorbieren und auch reflektieren (macht weniger dumpf)
- laufend Probieren und Testaufahmen machen (es sind aufgrund der harten und nahebeieinanderliegenden parallelen Wände starke und nervige Reflektionen zu erwarten, wenn die aber zu sehr unterdrückt werden, wird der Raum zu "dumpf" oder "muffig")

Das wird eine große Menge Arbeit bei unklarem Ergebnis.

Vielleicht wäre es besser in einem anderen Raum aufzunehmen und von vornherein damit zu rechnen, dass mehrere Takes gemacht werden müssen, aus denen dann ein durchgängig störungsfreier Take (also ohne Außengeräusche von z.B. LKW oder Trecker) zusammengeschnitten werden kann?
 
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man kann in der Praxis akustisch keinen emv toten Raum nachhahmen, da die akustischen Wellenklängen viel zu gross sind. Man bräuchte mehrere m dicke Absorber. Ein so kleiner Raum macht man akustisch am besten komplett tot, so gut es geht, mit reflektierenden Oberflächen, die eine natürliche Raumakustik nachhahmen verstärkt man nur wieder das Problem der Raummoden. Die "natürliche" Akustik macht man am Ende im Studio mit Early Reflections und Hall.

Kleiner Tipp fürs Vocal Recording: auf den Kopfhörern die Höhen etwas rausnehmen, damit man sie nicht im Bleed hat, dann kann man später die Höhen der Stimme sauber herausarbeiten.
 
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  • #6
Moin,

Danke erst mal für die vielen guten Antworten. Meine Idee scheint dann aber wohl nicht die Beste gewesen zu sein. Ich denke, es muss eine andere Lösung her. Mit ungewissen Ausgang kann ich das Geld und die Zeit lieber anders investieren

By the Way, ich Generation Analog muss nachts schlafen. Da ist nichts mehr mit durchmachen ;-).

LG Hauke
 
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Hi,

keine Ahnung wie der Flur aussieht aber was ich mir am ehesten vorstellen könnte wäre das ganze als Dead-End zu bauen so wie am Bild ersichtlich (Grundriss).Du sprichst/singst also Richtung Flur-Ende und gestaltest das Ende eben mögllichst wenig reflektierend (im Bild in blau - tiefe Breitbandabsorber / dicke Mineralwolle, wenn du ganz motiviert bist Keile wie in einem schalltoten Raum (keine Ahnung warum in den vorherigen Antworten immer auf EMV referenziert wurde) wobei gerade bei Sprache so tieffrequente Absorption vmtl. vernachlässigbar ist).

Du hast damit natürlich immer noch die störenden Raummoden aber du wirst sie so möglichst wenig anregen weil der Schall (auch via Reflexion) richtung Dead-End wandert, nicht relfektiert wird und sich so Moden erst gar nicht (bzw. weniger) ausblden können.

LG

1779046170742.webp

Beitrag automatisch zusammengefügt:

man kann in der Praxis akustisch keinen emv toten Raum nachhahmen, da die akustischen Wellenklängen viel zu gross sind. Man bräuchte mehrere m dicke Absorber.
Hä?

Elektromagnetische und akustische Wellen haben interessanterweise recht ähnliche Wellenlängenbereiche (bedingt durch die unterschiedlichen Ausbreitungsgeschwindigkeiten). Kann man auch gut daran erkennen dass die Keile in EMV und Akustik-Räumen ähnliche Dimensionen haben. Die Absorptionsmechanismen sind aber sehr unterschiedlich weshalb man EMV-Räume nicht für Akustik-Zwecke und vice versa verwenden kann.
 
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Die Absorptionsmechanismen sind aber sehr unterschiedlich weshalb man EMV-Räume nicht für Akustik-Zwecke und vice versa verwenden kann.

Kann man auch gut daran erkennen dass die Keile in EMV und Akustik-Räumen ähnliche Dimensionen haben.

Akustisch tote Räume und emv Räume haben von der Grundkonstruktion nicht ähnliche Abmessungen. Das meint man nur, weil man die Oberfläche sieht. Hinter den Pyramiden der Akustikräume liegen noch sehr dicke Absorber für die Raummoden, etwas, was man beim emv Raum nicht benötigt.
Die mit der Akustik vergleichbaren Pyramiden in emv Räumen wirken nicht genug für mehrere m lange emv Wellen (die die unseren akustischen Problemwellen entsprechen). Dafür gibt es andere Mechanismen, um die langen emv Wellen zu absorbieren. Mechanismen, die sich nicht auf die Akustik übertragen lassen, also macht es auch keinen Sinn, diese emv Wellenlängen heranzuziehen, um Überlegungen für Akustikräume zu entwickeln.

Dein Dead End Raum wird nicht funktionieren, weil Du parallele Wände hast (z.T. nur 1m Abstand), warum sollten sich überhaupt die Wellen in irgendeine Richtung bewegen? Weil Du in diese Richtung singst? Das hat doch damit nichts zu tun. Die werden einfach zwischen den parallelen Wänden hin und her reflektiert. Mit Deinem Dead End reduzierst Du nur die längste von 3 Raummoden und die lange Raummode ist noch die am wenigsten problematischste, also bringt Dir das nicht viel.
 
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Gibt es in dem Keller sonst keine Räume, die etwas größer und ähnlich ruhig sind?
Ich hab eine recht ähnliche Situation, an manchen Tagen sind Mikrofonaufnahmen faktisch unmöglich, weil mir ständig Autos und laute Motorräder durch die
Aufnahme fahren. Ich habe die Wände meiner "Studioecke" mit Pyramidenschaum verkleidet, einen Akustikvorhang quasi als Raumteiler und generell im Wohnzimmer schalldämmende Wandfliesen angebracht. In Summe bringt das schon einiges. Die übrig bleibenden Hintergrundgeräusche kann ich mittlerweile rechtverlässlich mit der Audacity Rauschunterdrückung wegfiltern.
Ansonsten hilft wohl nur, die Aufnahmen in die Abend- oder Nachtstunden zu verlagern (oder bei mir an Feiertagen oder Tagen mit schlechtem Wetter, da dann faktisch keine Ausflügler durch das Dorf brettern)
 
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  • #10
Akustisch tote Räume und emv Räume haben von der Grundkonstruktion nicht ähnliche Abmessungen. Das meint man nur, weil man die Oberfläche sieht. Hinter den Pyramiden der Akustikräume liegen noch sehr dicke Absorber für die Raummoden, etwas, was man beim emv Raum nicht benötigt.
Die mit der Akustik vergleichbaren Pyramiden in emv Räumen wirken nicht genug für mehrere m lange emv Wellen (die die unseren akustischen Problemwellen entsprechen). Dafür gibt es andere Mechanismen, um die langen emv Wellen zu absorbieren. Mechanismen, die sich nicht auf die Akustik übertragen lassen, also macht es auch keinen Sinn, diese emv Wellenlängen heranzuziehen, um Überlegungen für Akustikräume zu entwickeln.

Natürlich haben sie ähnliche Abmessungen. Ähnlich, nicht identisch. Und ja, hinter den Keilen befinden sich noch weitere Absorberschichten aber nicht "mehrere Meter dick". Und er Grund warum man Keile verwendet ist bei beiden Anwendungen der gleiche, und die Keile haben die Dimension die sie haben wegen ähnlicher Wellenlängen.

Dein Dead End Raum wird nicht funktionieren, weil Du parallele Wände hast (z.T. nur 1m Abstand), warum sollten sich überhaupt die Wellen in irgendeine Richtung bewegen? Weil Du in diese Richtung singst? Das hat doch damit nichts zu tun. Die werden einfach zwischen den parallelen Wänden hin und her reflektiert. Mit Deinem Dead End reduzierst Du nur die längste von 3 Raummoden und die lange Raummode ist noch die am wenigsten problematischste, also bringt Dir das nicht viel.
Es ging darum eine bestmögliche Variante zu finden. Und natürlich hat die Richtung in die man singt einen Einfluss darauf wie sehr eine Raummode angeregt wird. Wir haben es ja hier nicht mit einem Kugelstrahler zu tun sondern entsprechende Richtwirkung. Und es spricht auch nichts dagegen die seitlichen Wände mit Absorptionsmaterial zu versehen.
Wie gesagt: Bestmögliche Variante, nicht perfekte Raumakustik.
 
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  • #11
Moin,

ich habe im Keller mehrere Räume, aber da ist meine Tischler-Hobbywerkstatt untergebracht. Hier hab ich dann doch zu viel Staub, auch wenn ich anständige Absaugungen habe. Und die Räume mit Maschinen geb ich nicht her.

Derzeit suche ich nach anderen Lösungen. Im Ferienhaus (naja Reihenmittelhaus) hab ich noch ein Kellerraum von 3x5 Meter und ein Dachboden von ca. 6x5 Meter. Ich müsste zwar, wenn ich mich dort einrichten, eine Stunde (plus Fähre) fahren, aber ein guter Klang ist es. Mir wert.

LG H. Schmidt
 
  • #12
Perfect Drug hat schon recht mit seiner Aussage, dass man bei emv Räumen und akustisch toten Messräumen gleiche Wellenlängen hat. Der Grund warum ich gesagt habe, es handelt sich in der Akustik um grössere Wellen ist folgender: weder die Pyramiden in emv räumen noch die Wedges in akustisch toten Räumen wirken genügend gut auf die langen emv Wellen oder tiefen akustischen Raummoden. Die langen emv Wellen werden durch andere Absorber (u.a. Ferrit) absorbiert während man bei akustisch toten Räumen die langen Raummoden durch Absorber hinter den Wedges, (Plattenschwinger, Luftspalten, spezielles Absorber-Mat.) absorbiert. Es ist physikalisch nicht möglich, eine tiefe Raummode mit einem Wedge zu absorbieren. Der Grund ist folgender: ein Wedge braucht zur Absorption einer Welle mit Wellenlänge Lambda min. eine Länge von Lambda/4. Die tiefste Raummode eines Raumes mit länge L hat aber die Länge Lambda/2=L, also müsste man von jeder Wand ein Wedge haben, der bis in die Raummitte ragt (=L/2). Der Raum wäre komplett zu. In unserem Gang der 1m breit ist, bräuchte man Wedges mit 0.5m Länge.

Jetzt wird hier auch immer wieder von Platten-Schwingabsorbern geredet. Das klingt erst mal toll (mal abgesehen davon, dass ein Schwinger in der Realtität ein Teil der Energie einfach wieder zurück gibt und nicht absorbiert): ein Raum hat gewisse Raummoden, die durch die Abmessungen gegeben sind. Also mache ich einfach einen Plattenschwinger, der auf diese Frequenz abgestimmt ist. Das funktioniert genau solange, wie die Temperatur nicht ändert. Mit der Temperatur ändert sich die Schallgeschwindigkeit und weil gilt: lambda * f= Schallgeschwindigkeit, lambda aber konstant ist, ändert sich f. f ist aber für den Plattenschwinger fix gegegen, der reagiert i.d.R. nicht auf die Wellenlänge sondern die Frequenz. Die Wellenlänge der Raummode bleibt immer gleich, aber eben nicht die Frequenz. Deswegen klingen solche Sachen in der Theorie oft einfach, in der Praxis stösst man aber auch mal an ihre Grenzen. Und ja, man kann Plattenschwinger bauen, mit breiteren Frequenzbereichen, aber das ist eben alles nicht so einfach.

Man kann ja gerne den Raum nachbauen, den Perfect Drug hier dargestellt hat und dann wird man merken, dass man hinter sich einen Hallraum aufgebaut hat, dort wo die grösste Empfindichkeit des Mikros ist. Deswegen ist die Dämpfung hinter dem Sänger in der Praxis sehr entscheidend. Und ja der Schall breitet sich etwas in Richtung in die man singt aus, aber wenn ich draussen bin, mit einer Person mit meinem Rücken ihr zugewandt spreche, dann hört die Person das trotzdem. Das geht auch, wenn ich auf einem Sessellift bin und kein Boden habe, der noch reflektiert. Und genau den Schall hat man dann bei der Konstrukton von Perfect Drug als Hall im Mikro.

Dachboden von ca. 6x5 Meter
Das klingt interessant v.a. wenn er schräge Flächen hat.
 
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  • #13
Liebe Fachleute,

ich bin Amateur und will das auch bleiben. Als ehemaliger Handwerker denke ich, dass ich von der Akustik 25 Prozent eines Studios hinbekomme und von der Kunst zu mischen vielleicht auch 25 Prozent. Vielleicht aber auch nur 10 Prozent. Mein Augenmerk liegt derzeit auf saubere eingermaßen verarbeitungsfähige Aufnahmen ohne Brummen und Störgeräusche mit einen Rode* NT1a, mit wenig Hall und nicht zu mumpfig.

Und wenn ich das dann mal drauf habe, also auch die Aufnahmeroutine und das Reproduzieren der Texte unter Aufnahmenervösitat, dann gehe ich auch gern zu einem Profi und bezahle auch dafür. Die haben das gelernt und werden ihren Preis wert sein. Bessere Mikros werden die auch haben.

Es geht hier also nur um die Amateurebene.

Der Kellerflur soll Flur bleiben. Aktuell tendiere ich zu einer mobilen Vocal Booth. Bestimmt auch nicht 100 Prozentig, aber wie gesagt, 25 Prozent reichen.

Wenn der Dachboden (ausgebaut, isoliert, mit sichtbaren Balken) interessant klingt, dann nehme ich mich den Raum Mal an. Und ja, die Decken sind schräg, mit einen Dachfenster. Das ist auch der schönste Raum, den ich frei habe. Wobei die 6 Meter falsch waren,ich messe aber nochmal genau nach.

LG Hauke
 
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  • #14
kein Problem ich wollte hier nur mal fachlich für ein bisschen Klarheit sorgen.

Ich würde Dir von einem Vocal Booth abraten, eben genau weil Du Dich da auch wieder in eine Box begibst. Jeder der Dir erzählt eine Box hätte eine gute Akustik lügt Dich entweder an oder hat keine Ahnung. Auch die dämpfen Raummoden nicht ausreichend, es geht eben technisch nicht. (genau deswegen rät Daniel Dettwiler bei Gobos = Trennwände in Studios zur Vorsicht). Ich hab selbst einen Booth gebaut, aber den komplett zu gemacht mit 100mm Mineralwolleabsorber an Wänden und Decke (und dahinter noch 50mm Holzwolle und Sandwichpanel mit Gips, OSB, Bitumen...). Die Kabine war am Ende über 1t schwer, ich habe sie verkauft und nehme jetzt in einem normalen Raum auf. Du kannst auch das Mikro vor einen geöffneten Kleiderschrank stellen und hinter Dir irgendwo eine Matraze aufstellen... ist am Ende i.d.R. immer noch besser als ein Booth.
 
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  • #15
Moin,

ich hab die Fachbegriffe auch alle nachgelesen und ich denke, ein Teil habe ich verstanden. Also nochmals Danke für die Beratung auf hoher fachlicher Ebene.

Vielleicht liegt die Kunst zu Beginn in der Einfachheit. Matratzen hab ich da, auch Bettwäsche und ein Stapel saubere Packdecken. Ein paar Basstraps sind auch recht schnell gebaut.

Ich nehme eure Tips mit und werde das machen, was ich als Amateur kann, nämlich learning by doing.

Die Idee mit dem Kleiderschrank und Matratzen hat den Reiz der Mobilität, wenn ich mal Andere Aufnahmen will. Ein Schlafzimmer sollte ja jeder irgendwie in den Wohnung haben.

Erst mal vielen Dank für die ganzen Hinweise. Sie werden mir sicherlich weiterhelfen. Und Danke, dass ihr mich vor sinnloser Arbeit von der Dâmmung des Kellerflures abgebracht habt.

LG Hauke
 
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  • #16
Jetzt wird hier auch immer wieder von Platten-Schwingabsorbern geredet. Das klingt erst mal toll ... Und ja, man kann Plattenschwinger bauen, mit breiteren Frequenzbereichen, aber das ist eben alles nicht so einfach.
Moin nochmal,

kann es vielleicht sein, dass es eine Vielzahl von wirksamen Möglichkeiten gibt? Und die individuell selbst gemachten Praxis-Erfahrungen hält man dann tendenziell eher für objektive Wahrheit? Wer Membranabsorber aus welchen Gründen auch immer nicht mag, mag damit halt nicht arbeiten, vielleicht weil nicht darauf geachtet wird, was die eigentlich machen (als würde es nur um Raummoden gehen) oder weil einfach andere Zielsetzungen verfolgt wurden, wofür die dann gerade mal suboptimal waren. Schließlich ist "Membranabsorber" ein Überbegriff und verschiedene Ausprägungen davon sind soweit mir bekannt nicht selten im Einsatz.

Optimal gibt's in der DIY-Raumakustik wohl sowieso weniger. Die Elbphilharmonie wurde ja auch nicht in ein bereits stehendes Gebäude hineingequetscht. Und vor diesem Hintergrund noch ein Praxistipp:

Wenn das praktisch geht, könntest Du in Deinem Kellerflur die Türen zu den anderen Räumen einen winzigen Spalt breit offen lassen. Damit sollte es nur geringfügig weniger Schallisolation geben aber dafür aufgeräumtere tiefere Frequenzen.

Vielleicht liegt die Kunst zu Beginn in der Einfachheit. Matratzen hab ich da, auch Bettwäsche und ein Stapel saubere Packdecken. Ein paar Basstraps sind auch recht schnell gebaut. ... learning by doing.

:great: ... ist meiner individuellen Erfahrung nach ein guter Ansatz.

Und noch ein: Vorhänge (Packdecken) absorbieren besser, wenn sie in Falten hängen und das umso mehr, je enger beieinander und je tiefer die Falten sind, soweit das bei einem Meter Breite des Flures möglich ist und soweit das Material dafür ausreicht.

Und ein bischen off-topic: Kondensatormikrofone (hatte u.a. auch selbst mal das Röde NT1) "hören" empfindlicher als meine Ohren. Ich habe mich oft gewundert, warum da soviel Raumklang in den Aufnahmen war. Soll heißen: je lebhafter der Aufnahmeraum selbst ist, desto mehr kann (muss aber nicht) es Sinn machen, auch mal dynamische Mikrofone zu probieren.
 
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  • #17
Hi Hauke,

ist Fieldrecording vielleicht eine Alternative? Da müsste sich doch in einer dörflichen Gegend sicherlich ein Plätzchen finden lassen. Wäre dann sicherlich auch nicht ein ganz stiller Ort aber etwas ohne Reflexionen liese sich sicher finden und vielleicht gewinnen die Aufnahmen dadurch an Charakter.

Es gibt - auch so richtig auf gutem Niveau - Aufnahmelösungen die dich komplett mobil machen würden. Ich wollte z.B. schon immer so ein Teil hier haben:
*
Das und noch ein Mikrofon und du hättest dein professionelles Studio immer dabei.

Noch wohne ich hier in einer Stadt aber wenn ich mal rausziehe will ich mir so ein Teil besorgen.
 
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  • #18
kann es vielleicht sein, dass es eine Vielzahl von wirksamen Möglichkeiten gibt? Und die individuell selbst gemachten Praxis-Erfahrungen hält man dann tendenziell eher für objektive Wahrheit? Wer Membranabsorber aus welchen Gründen auch immer nicht mag, mag damit halt nicht arbeiten, vielleicht weil nicht darauf geachtet wird, was die eigentlich machen (als würde es nur um Raummoden gehen) oder weil einfach andere Zielsetzungen verfolgt wurden
Was Du schreibst, ist ja physikalisch eigentlich alles richtig, soweit ich das beurteilen kann. Akustik ist am Ende reine Physik und hat weniger mit meiner Erfahrung zu tun. Gegen Plattenschwinger habe ich überhaupt nichts.

Das Problem ist eben die Raumgrösse: man kann in einem Raum mit 2-3m2 und normaler Deckenhöhe keine vernünftige Akustik erzeugen, man kann nur Schadensbegrenzung betreiben, weil eben die Raummoden alles kaputtmachen: Ein Wandabstand von 1m erzeugt eine Raummode von 2m Länge, das sind rund 170Hz. Jetzt hat man dadurch aber auch Raummoden bei 340, 510,... Hz die liegen extrem weit auseinander (nämlich 170Hz). Das führt zu starken Peaks, die Du am Ende mit einem EQ korrigieren musst (genau das was Du ja selbst als Problem bei Deinen räumlichen Aufnahmen siehst). Selbst wenn Du die 170Hz mit einem Plattenschwinger komplett absorbierst, bleiben die Harmonischen bei 340, 510Hz...
Jetzt kannst Du sagen: "Who cares, 340, 510Hz schnapp ich mir mit einem Breitbandabsorber."
Das Problem damit ist folgendes: damit absorbierst Du auch alle anderen f, die ausserhalb der Raummoden liegen. Du absorbierst ja nicht alles kompett weg, weil Du eine natürliche Akustik willst, aber genau darum bleibt das Verhältnis von Raummode zu Reflexion ausserhalb der Raummode nahezu unverändert. Am Ende bleiben Dir nur 2 Möglichkeiten: entweder Du baust für jede harmonische Raummode einen extra Absorber (was technisch sehr aufwändig wäre) oder Du machst den Raum schalltot.

Oder nimmst einfach einen grösseren Raum: Bei einem Raum mit 10m Wandabstand ist die tiefste Mode bei rund 17Hz aber dazu kommt, dass die Moden auch nur um 17Hz auseinandertliegen. D.h. 34Hz, 51Hz. 68Hz, 85Hz, 102Hz... Das ergibt eine viel natürlichere Akustik.
Das beschreibt auch Daniel Dettwiler in einem Video, in dem er erklärt, einer der Hauptunterschiede zwischen alten Studios/Aufnahmeräumen und modernen ist die Grösse. Früher waren sie grösser und deswegen musste man früher auch weniger mit dem EQ korrigieren (konnte man ja gar nicht.)

Wenn man z.b. einen Dachraum hat mit schrägen Flächen, die Decke ev. aus dünnem Holz und dahinter gleich Mineralwolle, dann hat man auch schon mal vernünftige Vorrausetzungen. Muss aber nicht sein, solange der Raum nicht mickrig klein ist.

Der Tiny Desk Konzert Aufbau mit den ganzen Bücherregalen ist auch so ein Paradebeispiel von guter Akustik mit einfachen Mitteln, aber dafür braucht man eine gewisse Raumgrösse.
 
  • #19
Mag sein. Meine Aufnahmen sollen aber nicht ein theoretisches Ideal erfüllen, sondern für den musikalischen Kontext "gut" klingen. Ich meine also den in dieser Hinsicht unbestreitbaren Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

In meiner Praxis hat mich vor allem genervt, dass der Raumanteil zu "dunkel" klang. Sobald der Gesamtklang okay war, war ich zufrieden. Wieviel von den Raummoden da noch enthalten waren hat mich nicht mehr interessiert. Und so wie ich höre muss es das auch nicht, weil es massenweise Beispiele für auffällige aber sogar hoch gelobte Akustiken gibt. Berühmte Beispiele sind für mich der oft zitierte Gesangssound von "Heroes" von Bowie (vor allem ab "I would be king ...") oder der Drumsound von "When The Levee Breaks" von Led Zeppelin.

Und, das ist jetzt vielleicht bereits zu erahnen, schalltote Räume mag ich rein subjektiv gar nicht. Erstens klingt es für mich immer irgendwie dumpf und zweitens ist die künstliche Verhallung für mich dem realen Raumklang unterlegen. Aber das ist so, weil ich mich auf den "alten Band-Sound" festgelegt habe. Wer Frankie-Goes-To-Hollywood oder Enya oder was in die Richtung machen möchte, ist wahrscheinlich mit Deinen Tipps besser beraten ... nur will das ja halt nicht Jede/r.

Und genau das meinte ich mit "... dass es eine Vielzahl von wirksamen Möglichkeiten gibt ... individuell selbst gemachten Praxis-Erfahrungen ... weil einfach andere Zielsetzungen verfolgt wurden ...".
 
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  • #20
Du verstehst mich völlig falsch, ich plädiere nicht für schalltote Räume sondern für eine normale Akustik von Räumen mit entsprechender Grösse. Bowie hat ja angeblich in den Hansa Studios aufgenommen, wohl kaum in einem 3m2 grosser Booth. Die haben nämlich beachtliche Räume. Tot macht man es nur, wenn die Fläche einfach zu klein wird, um eine vernünftige Akustik zu kreieren.
Leute die einem mickrige Vocals Boothes verkaufen wollen, erzählen einem ev. allen möglichen Blödsinn, das mag schon sein. Hab ich selbst auch schon erlebt selbst von einem professionellen Studiobetreiber. Sind am Ende halt alles Märchen.
Der Drumsound von "When The Levee Breaks" von Led Zeppelin wurde angelich in einer gefliesten Eingangshalle eines dreistöckigen Treppenhauses aufgenommen. Es geht nicht darum Raummoden zu verhindern, sondern Räume zu wählen, die diese Moden nahe beeinander haben und dazu braucht man Grösse.
 

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