Kleiner Erlebnisbericht: Fender Champion 600 "Entbrummung" (Amp-Mod)

von DerZauberer, 31.12.19.

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  1. DerZauberer

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    Erstellt: 31.12.19   #1
    Der Fender Champion 600 (damals baugleich mit dem Gretsch G5222) wurde meiner Erinnerung nach so Mitte der 2000er Jahre auf den Markt gebracht - eine Anlehnung an ganz frühe Fender-Amps, ein kleiner Champ-Style Amp mit rund 5 Watt Leistung, mit klassischer Kombi mit einer 12AX7 als Vorstufenröhre und einer 6V6 in der Endstufe. Gleichrichtung allerdings per Halbleiter, also keine 5Y3 oder so an Bord. Ein Volume-Regler (kein Tone), zwei Eingänge (einer etwas heißer als der andere). Mit einem 6-Zoll-Speaker ist nicht wirklich viel Alarm möglich, ein netter kleiner Amp war es trotzdem. Und günstig war er auch ... aber eben auch billig, dazu später mehr.

    Schnuckeliges Teil in der Vorder- und Rückansicht:
    CH600-Front.jpg CH600-Rear.jpg

    Ich mag kleine Amps, ihre Direktheit - und daher kam der auch zu mir, damals ohne Probespielen, Preis und Story haben einfach gestimmt. Die serienmäßige Vorstufenröhre war billigste Chinaware und ab Werk mikrophonisch, die ist direkt rausgeflogen. Die 6V6GT war eine russische Electro-Harmonix, die ging ganz gut. Allerdings hat das Teil eben wirklich gebrummt wie die Sau.

    Nach etwas Recherche bin ich auch an den ebay-Seller namens "alnicomagnet" gekommen, der Mod-Kits für beliebte (gerade kleine) Amps verkauft hat und bis heute verkauft. Der Mensch ist E-Techniker im Ruhestand und vertreibt diese Kits mit bebilderten Anleitungen (früher noch auf CD, heute per DropBox-Link) als Nebenerwerb. Die Anleitungen und Bilder sind wirklich gut, aber so ganz "Malen nach Zahlen" ist es dann doch nicht, man sollte also grundsätzlich schon wissen was man tut.

    Nun ist mir kürzlich ein weiterer Champion 600 zugeflogen, Originalzustand abgesehen von einem Upgrade auf einen besseren 6-Zoll-Speaker, und da dachte ich mir, ich mache mal einen kleinen Vorher-Nachher-Vergleich - auch für die, die vielleicht selbst ein wenig "rumlöten" wollen und mit dem Gedanken spielen, etwas modden zu wollen.

    Ich mache hier keine Step-by-step-Detailshow, auf so viele Fotos usw. habe ich dann auch keine Lust (und will die Arbeit von dem Kit-Verkäufer jetzt auch nicht ins Netz stellen, da ist viel Gehirnschmalz reingeflossen), ich wollte das jetzt über die Feiertage fertigmachen. Daher nur ein paar Highlights, um einen Eindruck zu vermitteln.
    Das Problem hört ihr hier: ES BRUMMT!

    Die Aufnahme ist mit einem Zoom H4 mit hohem Gain auf den eingebauten Mirkos aufgenommen und mit Audacity deutlich verstärkt worden - ihr hört wie das Teil nach dem Einschalten langsam warm wird, und wie es rauscht und brummt wenn ich die Lautstärke hochdrehe. Ein Instrument ist nicht angeschlossen.




    Um dem beizukommen, habe ich entsprechend der Anleitung den Amp zerlegt und...
    ...die Röhrenheizung mit einem Gleichrichter von Wechsel- auf Gleichstrom umgestellt,
    ...eine weitere Filter/Voltage-Drop-Stufe mit guten Elkos eingebaut,
    ...den Ausgangs-Trafo in einen 45-Grad-Winkel zum Power-Trafo gebracht,
    ...eine Sicherung für die Hochvolt-Versorgung und einen Standby-Schalter eingebaut,
    ...ein paar Komponenten durch höherwertige ausgetauscht.

    Auf Anpassung der Klangregelung habe ich verzichtet - der Champion 600 hat ab Werk was in Richtung Blackface Champ (AA764) fest verbaut. Das kann man auf 5F1 usw. umbauen, aber muss man nicht. Der klingt schon ganz OK so, gerade Clean und für Rhythmus. Auch auf einen weiteren Speaker-Umbau habe ich verzichtet (man kriegt in die kleine Kiste einen 8-Zoll-Speaker rein, was natürlich gerade untenrum mehr Bums bringt).

    Im Verlauf der Arbeiten habe ich...
    ...ein Dutzend Bauteile eingebaut, ein paar auch ausgelötet,
    ...diverse Kabel neu verdrahtet bzw. neue Verbindungen gezogen,
    ...fünf Löcher ins Chassis gebohrt (eins für den Standby-Schalter, eins zum Versetzen des Trafos, zwei zum Festmachen der zusätzlichen Filter-Elkos, eins für den Gleichrichter - uff, das Teil ist aus Stahl und ich habe nur einen Akkubohrer)
    ...eine Leiterbahn auf der Platine unterbrochen (das ist fisselig!)
    ...drei neue Löcher in die Platine gebohrt (zwei zum Löten, eine für die Sicherung)
    ...und das alles auf sehr beengtem Raum, was war das ne Frickelei zum Teil!

    Nur als kleiner Eindruck mal drei Beispiele (Fotos aus der Anleitung und nicht von mir) - wenn einen sowas schockt, sollte man ein solches Mod lieber lassen.

    Konstruktion Heizleitungs-Gleichrichter
    CH600-Filaments.jpg

    Zusätzliche Filterstufe
    CH600-Filter.jpg

    Arbeit auf der Platine (die Löcher oben sind neu gebohrt)
    CH600-Platine.jpg

    Und klar, das hat auch eine Weile gedauert. Angefangen habe ich abends vorm Zubettgehen, fertig geworden bin ich jetzt wo die Familie noch in Deutschland ist und ich hier. Ich habe daher keine Ahnung, wie lange ich insgesamt am Projekt gesessen habe, aber das war keine Sache von 1-2 Stunden...

    Hat's was gebracht? Und ob.

    Hier die "Nachher"-Aufnahme, wieder im gleichen Modus aufgenommen. Man hört den Netzschalter-Klick, den Standby-Schalter-Klick, ein gaanz klein wenig Brummen und etwas Rauschen beim Aufdrehen. Aber im direkten Vergleich verdammt still.




    Einziger Wermutstropfen - Trotz der zusätzlichen Filterstufe mit Voltage Drop ist B+ immer noch bei 372V (Spec sind 366), und die sich ergebende Dissipation knapp 14.2 Watt (14 Watt sind eigentlich max. für eine 6V6GT) - heißt, das Teil fährt immer noch zu heiß. Eigentlich müsste ich jetzt wieder rein und einen größeren Widerstand einbauen, aber ich habe keine Lust mehr das Gewusel erneut anzugehen. Man muss aber sagen, dass es ja vorher noch viel schlimmer gewesen sein muss (habe leider nicht gemessen) und dass wir ja doch recht nah dran sind ... und dass es jetzt auch nicht weh tut, irgendwann mal ne neue 6V6 reinzustecken.

    Zuletzt ein paar Töne.




    Gespielt im High-Kanal mit meiner St.Blues 61 South, Neck-P90 und Bridge-SC beide an, alle Regler an der Gitarre auf, mit den Fingern. Geht mir um das "nackte" Klangbild, daher nur ein paar Akkorde, wieder mit dem Zoom Mikro, ansonsten total unbearbeitet. Zum Vergleich ist der Volume-Regler zu Beginn auf 12 Uhr, dann höher auf 3 Uhr, und schlieslich auf Anschlag. Auf ganz leise Töne um 9 Uhr habe ich verzichtet, ist halt nochmals leiser und sehr clean. Wie man sieht das Teil wie ist jeder kompromisslose Einkanaler sehr ehrlich, gerade mit Singlecoils wird nix verschluckt und jeder Fehler wiedergegeben. Ein wenig "Brumm" kommt wieder, den fängt mein P90 natürlich ein - die Aufnahme ist in meinem Arbeits-/Bastelzimmer entstanden wo es vor Netzteilen usw. ziemlich wimmelt.

    Summa Summarum - hat Freude gemacht, hat was gebracht, gerne wieder. Aber auch - war ein ganzes Stück Arbeit, und "eigentlich" für diesen Billig-Amp ja fast zu viel des Guten. Andererseits ist so aus einem durchaus etwas "gurkigen" Verstärker ein kleines feines Teil geworden. Der Amp hat seine Stärken - für mich - im Cleanen bis leicht Dreckigen Bereich, Akkorde klingen fein, Rhythmusarbeit macht freude. Eine Lead-Machine ist er nicht - ob mit Pedal davor "angeblasen" oder einfach nur Vollgas, da kommt das Teil mit dem kleinen Speaker eher in furzige Regionen. Aber bei klassischer Blues-/Rock-Rhythmusarbeit geht schon ein wenig die Sonne auf.
    --- Beiträge zusammengefasst, 31.12.19, Datum Originalbeitrag: 31.12.19 ---
    Nachtrag - das Foto der fertigen Platinenoberseite nach Umbau gibt ganz gut wieder, wie eng es da zugeht und dass man schon schauen muss, was wo hinkommt... und auf der anderen Seite sieht man den um 45 Grad gedrehten Trafo und den Befestigungs-Kabelbinder für die Filter-Elkos.

    CH600-Innenleben.jpg CH600-Trafos.jpg
     

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