Lederventile mit Federfolie

Feuerwanze
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Hallo, ich hätte gerne eine oder mehrere Meinung zu Folgendem:
Obwohl mein Ohrenarzt sagt, mein Gehör ist altersgerecht schlecht (bitte dazu keine Meinung), habe ich immer wieder den Eindruck, dass ich es höre, wenn in einem Akkordeon/einer Harmonika Kunststoffventile oder Lederventile mit Federfolie eingebaut sind. Ich höre oft ein helles Schnarren, dass ich häufig als störend empfinde.
Jetzt hab ich bei einem umgebauten (erleichterten) Scandalli Transivox auch selbst mal ein extrem schnarrendes altes Lederventil durch eines mit zusätzlicher Federfolie getauscht und ich höre auch hier ein zumindest geringfügig störendes Geräusch - eben wie Plastik, das rumflattert.
Macht es Sinn bei älteren, warm klingenden Instrumenten nur reine Lederventile zu verwenden und wo bekommt man die her?
Höre nur ich das oder stört nur mich das? Ich hatte auch schon neue Instrumente in der Hand und hab dem Verkäufer gesagt, das klingt aber nicht gut und als Antwort erhalten "ich hör da nichts, das klingt vollkommen normal".
Falls ich da ähnliche Themen hier nicht gefunden habe, schon mal ein "Sorry" - ist doch einiges, was beim Thema Ventile verfasst wurde.
 
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habe ich immer wieder den Eindruck, dass ich es höre, wenn in einem Akkordeon/einer Harmonika Kunststoffventile oder Lederventile mit Federfolie eingebaut sind. Ich höre oft ein helles Schnarren, dass ich häufig als störend empfinde.
Ein Ventil sollte idealerweise sauber anliegen und dann , wenn es geschlossen ist, geschlossen bleiben - damit sollte dann auch nichts schnarren. Und wenn es geöffnet hat , offen bleiben. Dann gibts da normalerweise auch nichts zu schnarren.

Wenn man leise bis sehr leise spielt und die Ventile entweder nicht sauber eingebaut sind oder schon alt sind und nicht mehr sauber anliegen, dann können die Ventile bei leisem Spiel mit sehr wenig Druck ab und an mal Schnarrgeräusche verursachen. Das ist grundsätzlich natürlich störend, aber nicht immer zuverlässig vermeidbar.

So an sich und grundsätzlich sind Kunststoffventile eigentlich langlebiger als Lederventile und auch über die Zeit formstabiler. Aber auch das ist keine Garntie, dass da nie was passiert. Und so kann es sowohl bei Leder als auch bei Kunststoffventilen vorkommen dass die irgendwann mal nicht mehr komplett sauber anliegen... und dann wie gesagt bei geringem Druck und sehr leisem Spiel schnarren können.

Und jetzt kommt noch dazu dass die ventile wenn die nur aus einer einzigen gleich dicken lage bestehen im hinteren Teil eine Verstärkung bekommen, damit sichergestellt ist dass das Ventil auch nach längerem Gebrauch immer zuerst mit der Spitze öffnet und dann nach weiter hin zunehmend mit aufmacht. Macht man das nicht, kann es vorkommen dass die Ventile im hinteren Bereich salopp formuliert etwas eher "ausgenudelt" werden und weicher werden.. Das führt dann dazu, dass die dann mitunter zuerst im hinteren bis Mittelteill öffnen und die Spitze des Ventils noch anliegt. Das macht mitunter hässliche Schnarchgeräusche wenn man mit leisem Spiel den Ton anspielt.

Das will man logischerweise nicht haben. Und aus dem Grund werden den Ventilen häufig Verstärkungen mit draufgepackt, die die eigentliche Aufgabe haben den hinteren Teil des Ventils sicherer geschlossen zu halten, so dass sicher zuerst die Ventilspitze öffnet. Bei Kunststoffventilen wird das meist in Form von ein bis 2 Lagen mit gestufter Länge gemacht, bei Lederventilen gibts Varianten mit Kunststoffverstärkungslagen. Häufiger anzutreffen, bei Lederventilen, sind allerdings Metallfedern.

Liegen diese Verstärkungslagen nicht sauber an, dann kann das zu Schnarrgeräuschen führen. Das gleiche gilt für die Verstärkungsfedern bei Lederventilen. Bei Lederventilen kommt noch dazu dass hier die Verstärkungsfedern sehr gerne auch dazu verwendet werdne, wenn das Ventil älter wird und etwas abstehen will, dass man der Feder einen Knick verpasst, so dass das etwas mehr Vorspannung bekommt und damit besser die Spitze nach unten drückt. Bei der Aktion steht die Feder aber im hinteren Bereich vom Ventil ab und liegt da nicht mehr an! ... was zur Folge hat dass der hintere Teil des Ventils , wenn´s dumm läuft auch schon öffnen kann , während die Spitze noch geschlossen ist... was dann ebenso die komischen Schnarrgeräusche produziert.

Was für Geräusche das Ventil produziert hängt also nicht primär davon ab ob es aus Leder oder Kunststoff ist, sondern wie damit umgegangen wurde!

Macht es Sinn bei älteren, warm klingenden Instrumenten nur reine Lederventile zu verwenden

meine persönliche Erfahrung: nein , ist egal! Wenn die Ventile sauber eingebaut wurden, ist da kein wirklicher Unterschied da.

Eine Anektdote hierzu:

Mich hat mal jemand kontaktiert, der ein altes Akkordeon erworben hatte das noch nicht restauriert war und welche komplett mit Lederventilen bestückt war. Er hatte mich kontaktiert, weil er wusste dass ich ein praktisch baugleiches Instrument hatte, jedoch neu überholt und auch mit Leder/Kunststoffventil-Bestückung belegt. Ihm ging es vor allem darum, ob sich der Klang dadurch verändert und wenn ja, wie. Er hat dann im Wechsel sein Instrument und mein Instrument immer wieder im Vergleich gespielt.
Resultat : beide Instrumente klangen praktisch gleich ( abgesehen davon dass bei seinem, noch nicht überholten, die Stimmung nicht mehr die beste war)...Und ich habe ihn gebeten er solle mal genau hinhören, und mir sagen wo im Diskant der Wechsel von Lederventile auf Kunsstoffventile erfolgt...Er hat sich wirklich Mühe gegeben, hat es aber nicht herausgehört!


-> Von daher meine Erfahrung: wenn die Ventile sauber montiert wurden, dann funktionieren beide Sorten einwandfrei. Und man kann Kunststoffventile auch so einbauen, dass die klanglich genauso klingen wie Lederventile. Man hat aber , wenn man will und die Kunststofffventile optimal ausnutzt mit Kunststoffventilen mehr Möglichkeiten zur "Klanggestaltung". Und meine persönliche Erfahrung über die Jahre hinweg: mit den Kunststoffventilen habe ich weniger Probleme als mit Lederventilen. An die Lederventile muss ich deutlich öfter mal ran um kleinere Mängel zu beheben die sich imLauf der zeit so einstellen. Die Kunststoffventile liegen einfach langzeitlich gesehen zuverlässiger ( also statistisch gesehen!)
 
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Hallo maxito,
danke für deine ausführliche Erläuterungen.
Das der Kunststoff das saubere Anliegen der Ventile unterstützt war mir schon klar, ich seh ja, wie die alten Lederventile nach Jahren "im Rübenacker" stehen.
 
 

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