[...] Warum hat sich das Konzept Rack nicht gehalten [...] ?
Aufgrund der Folgekosten, würde ich vermuten. Gehen wir mal die 'Basis-Setups' durch:
Man kauft sich ein Topteil und eine Box oder einen Combo-Amp. Der Amp hat einen Fußschalter für die Kanalwahl oder ist ein Einkanaler. Da hängt man dann wahrscheinlich Pedale davor.
Beim Rack kauft man sich ein Rack-Gehäuse, einen Preamp, kauft man sich eine Endstufe, kauft man sich eine Midi-Fußleiste, kauft man sich eine Box. Evtl. muss man auch noch einen Relais-Umschalter kaufen, der Midi-Signale in Amp-Switch-Funktionen umsetzt. Und das ist nur dafür da, das gleiche Ergebnis zu erzielen. Dann holt man sich noch ein Multi-FX, einen Looper für Pedale, da auch Rack-Spieler Pedale verwenden, das kann also zwischen den beiden Gruppen rausgekürzt werden.
Und wenn man die Wahl hat zwischen Amp, Box, Umschalter, Effekte und Rack, Preamp, Endstufe, Midi-Fußleiste, Relais-Switcher, Looper, dann ist die erste Variante einfach günstiger und überschaubarer.
Daneben ist die Produktauswahl bei Rackgeräten auch eingeschränkter, da es einfach mehr verschiedene Topteile oder Combos gibt im Vergleich zu verschiedenen Preamps oder Endstufen. In der Kombinatorik ist man dafür natürlich deutlich flexibler und kann auch in Erweiterung durch andere 19"-Geräte komplexere Setups erreichen. Das wird von manchen als Vorteil gesehen, von manchen als Nachteil. Da gibt es ja immer wieder die Leute, die sich einen Amp nicht kaufen, weil er mehr als zwei Drehregler hat. Und es gibt Leute, die für ihr Spielideal auch die komplexeste technische Lösung nicht scheuen. Ich weiß nicht, welche Gruppe überwiegt und ob das auch zeitlich variabel also gewissermaßen eine Generationen-Frage ist.
Bei den 'Profis' gibt es noch andere Überlegungen: Was zählt, ist bestmöglicher Sound bei geringstmöglichen Kosten, geringstmöglicher Arbeit und geringstmöglichem Ausfallrisiko.
Da ist ein Floorboard-Amp, der direkt in die PA geht und alles schon on-board hat, der evtl. sogar ins Handgepäck passt, natürlich das Optimum. Wenn man aber sowieso noch Platz im Tour-LKW hat, dann kann da auch der ganze Kühlschrank rein. Wenn man die Stadien der Welt bespielt geht das, das Gros der 'Profis' spielt aber eher in kleineren Clubs und auf kleineren Bühnen und hat keine Armee von Roadies zum Schleppen.
Wenn man eine whatever-it-takes-Einstellung zu seinem Sound hat, dann ist Rack das Non-Plus-Ultra, da man damit alles unter einem Dach hat oder darunterbringen kann, man weniger fehleranfällig ist und man nicht hunderte von Ikea-Kisten mit Material füllen muss bei jeder Bewegung mit seinem Gear. Dann lohnt es sich auch, die Topteile in Rack-Cases unterzubringen, die nicht in 19"-Version vorliegen.
Wenn man aber eher pragmatisch an die Sache rangeht oder rangehen muss, dann ist die Schwelle, ab der sich der Umstieg auf ein Rack tatsächlich lohnt, relativ hoch.