Auch wenn der Valvestate Mk. I hier gerne empfohlen wird, würde ich keine Mondpreise dafür bezahlen. Das sind schon grundsolide Amps, allerdings mit den schon genannten Kinderkrankheiten (kratzende Potis, korrodierende Klinkenbuchsen, kalte Lötstellen, bei mir ist damals in den 90ern auch mal ein IC hopps gegangen...).
Eine weitere "Schwachstelle" sind die Speaker. Da sind damals spezielle Celestions verbaut worden, die u.a. für Transistoramps optimiert wurden und aus einer ganz günstigen Linie des Herstellers stammten. Ähnlich wie heute die Celestion Seventy 80s.
An einer guten Box und/oder guten Speakern zeigen die Amps aber, dass sie doch schon mehr als ordentlich klingen können. Einem guten Vollröhren-Marshall machen sie meiner Meinung nach aber keine Konkurrenz. Wenn man eine externe Box hat, kann man auch mit ganz wenig Aufwand einen SPEAKER OUT nachrüsten.
Die Höhen können wirklich schnell mal etwas nach "Icepick" klingen, was man aber mit einem entsprechenden Speaker in den Griff bekommen kann. In meinem 8040 ist ein WGS Veteran 30 verbaut, der eher abgerundete Höhen hat, was bei diesen Amps aber gut passt. Die Mitten sind auch schön fett und breit. Die Mitten bei den alten Valvestates finde ich nämlich relativ gescoopt.
Der Clean-Kanal ist in Ordnung, aber man wird sich diese Amps nicht wegen des Cleansounds kaufen wollen. Der integrierte Federhall ist in Ordnung, aber kommt nicht gegen gute Pedale an.
Die Stärken liegen im Overdrive. Wenn man den CONTOUR-Regler im linken Bereich hält, kann man auch klassischere Marshall-Sounds abdecken. Man sollte allerdings nicht zu viel Dynamik erwarten.
Je weiter man den Regler nach rechts dreht, desto mehr geht es in Richtung Früh-90er-Metal-Hardcore-Sound. Das ist auch der Sound, mit dem die alten Valvestates (insbesondere das 8100-Top) berühmt geworden sind.
Als die Amps auf den Markt gekommen sind, waren Amps wie der Mesa Boogie Rectifier, Peavey 5150, Soldano SLO usw. entweder kaum verfügbar, zu teuer oder noch nicht auf dem Markt. Marshall war noch die Marke für Rock und Metal.
Der Valvestate konnte auch sehr gut den u.a. durch Metallicas "...And Justice For All"-Album populär gewordenen Scoop-Sound liefern (einfach mal CONTOUR auf 10 drehen

). Sogar bekanntere Bands (Prong, Life Of Agony, Death usw.) haben den 8100 gespielt. Dadurch ist er schon etwas kultig geworden.
Trotzdem war die Valvestates "günstige" Marshall und oberhalb der Park-Transistoren angesiedelt. Nicht schlecht, aber auch keine Hammer-Amps. Dafür liefern sie aber einen ganz speziellen Sound.
Ich würde mir auch mal die Orange CR-Amps anhören. Ich habe keine Erfahrung mit denen, aber ich habe einen Orange Micro Dark (Hybrid mit ECC83 im Preamp) an meinem Valvestate angeschlossen. Der "Orange-Sound" (DEN Sound gibt es ja nie) ist natürlich auch sehr "britisch", trotzdem anders als der "Marshall-Sound". Der Marshall beißt mehr in den Hochmitten, beim Orange ist alles frequenztechnisch etwas nach unten gerückt. Der Gesamtsound ist etwas dunkler und die Mitten gehen mehr in den tiefen Bereich. Trotzdem sind beide keine glattgebügelten Krachmacher.
Ich finde die Klanggüte des Orange auch noch etwas höher als die des Valvestate. Man hört halt, dass da ca. 20 Jahre zwischen den Amps liegen. Der Micro Dark ist natürlich auch nicht so dynamisch wie eine gute Vollröhre (Ausnahmen bestätigen die Regel

), aber reagiert meiner Meinung nach feinfühliger.
Guns'N'Roses ist natürlich Marshall-Territorium, geht mit dem Orange aber auch, wenn auch mit anderer Klangfarbe.