Meine Stimme wird viel besser, wenn ich am Vorabend viel laut spreche - was ist da los?

Sei mir nicht böse, dass ich mich doch noch melde. Ich bin jetzt aber sehr freundlich. Außerdem will ich ja auch deine Fragen beantworten.

Das mit dem regelmĂ€ĂŸig Laut sprechen war von ihm wohl eher als Notlösung gedacht,

Wenn jemand ein gravierendes Problem mit einem einfachen Kneipenbesuch oder einem SelbstgesprĂ€ch im Auto beheben kann, klingt das fĂŒr mich wirklich nicht nach einer Notlösung, sondern nach einem GlĂŒckstreffer, um den ihn viele SĂ€nger*innen beneiden wĂŒrden.

Daher möchte ich dir jetzt noch eine ganz seriös gemeinte Frage stellen. Vielleicht bist ja so nett, sie zu beantworten.

Wenn du die Symptome des TE so ernst nimmst, warum dann nicht auch seine Lösung, wenn sie doch fĂŒr ihn tadellos funktioniert und er auch ĂŒberzeugt davon ist? Warum ist sein Weg nur eine Notlösung? Was unterscheidet ihn von anderen Lösungsprozessen?

Ab wann ist ein Thread veraltet, gibt es hier Regeln oder Richtwerte?

Ab 12 Monaten kommt ein roter Warnhinweis, der vorm Absenden auf das Alter des Threads aufmerksam macht. Ansonsten liegt es ein wenig im Ermessen des jeweiligen Moderators. Da kommt es dann zB auf die Art der Antwort, des Thematik an oder darauf, ob der direkt angesprochene TE ĂŒberhaupt noch aktiv ist, wie individuell oder allgemein das Problem war usw...

Ist ein Ende letzten Jahres zur Sprache gebrachtes Thema jetzt nicht mehr relevant?

In diesem speziellen Fall wĂŒrde ich das so sehen: Der Thread ist knapp 8 Monate alt, der TE war insgesamt keine 24 Std. beteiigt, das Problem/ die Fragestellung war sehr individuell und er suchte offensichtlich nach einer schnellen Antwort, hat auf die noch deutlich frĂŒheren "NachzĂŒgler" schon nicht mehr reagiert. Insofern wĂ€re das schon ein klassischer Fall fĂŒr ein Nekroposting gewesen, da der TE selbst kein langfristiges Interesse zeigte.

EDIT: Soulpete hat wohl deine Einladung erhalten. Er war vor einer knappen Stunde kurz eingeloggt.
 
Hallo Alle,

ich wollte mich aufgrund der hier etwas angespannten Grundstimmung eigentlich nicht mehr melden, tue es aber doch, weil der Beitrag von ypsilio fĂŒr mich wirklich sehr hilfreich war (das mit den Konsonanten und der tougheren Rhythmik ebenfalls, aber das ist hier nur ein Seitenaspekt) und dieser Thread in Zukunft vielleicht doch dem einen oder anderen Kollegen helfen kann:

Ich singe nun seit anderthalb Jahren, ĂŒbe tĂ€glich eine Stunde, gehe alle paar Wochen zur Gesangslehrerin und singe wöchentlich in einem Gospel-Chor. Das Problem besteht zwar prinzipiell weiter, aber ich kann nur sagen: Je mehr ich meine Stimme LAUT benutze, um so besser wird es. Gerade liegt eine Woche hinter mir, in der ich jeden Tag 4 Stunden Leute unterrichtet (und ihnen danach weitere 4 Stunden ĂŒber große Distanzen Dinge zugerufen) habe (Sportunterricht). Die darauf folgenden Tage waren genial. Auch die Tage nach den Chorproben sind immer gut, ebenso wie nach lauten Abenden in Bars, ohne Rauch und Alkohol und die Zeiten, wenn ich einen HNO-Virus habe, dann resoniere ich ganz wunderbar, das ist schon irgendwie verrĂŒckt, oder?

Zudem habe ich einige Tricks entwickelt, wie sich die Brustresonanz lĂ€nger hĂ€lt: Unendlich viel und tief gĂ€hnen (bis kurz vorm Brechreiz :) gehört definitiv dazu, StĂŒtze von ganz unten zwischen den Beinen hilft, Meditieren und Entspannen ebenso. Auch ein leerer Magen hilft sehr. Ich wĂŒrde heute so weit gehen, am Tag vor einem Auftritt absichtlich eine Stunde im Auto laut und tief zu singen - weil es am nĂ€chsten Tag dann zuverlĂ€ssig so viel besser geht.

Das ganze PhĂ€nomen scheint zumindest bei mir was mit den Luftwegen und Entspannung zu tun zu haben, ich habe auch Tierhaar-Asthma (und vermutlich noch eine andere Allergie dazu), bin hĂ€ufig stark verschleimt von den Nasennebenhöhlen abwĂ€rts den Rachen runter. Außerdem bin ich eher schmal gebaut mit geringem Lungenvolumen.
Ach so: Sinupret Forte bewirkt bei mir, dass die Brustresonanz zuverlĂ€ssiger da bleibt - ich will das (pflanzliche) Zeug aber nicht ĂŒber Jahre tĂ€glich einwerfen.

Soweit mein Update. Have fun singing!
 
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Danke @soulpete
 
Danke fĂŒr deine RĂŒckmeldung, soulpete! Finde es klasse, dass du dich doch noch zu Wort meldest. Wir hatten uns ja bereits per PN ausgetauscht, und ich will den Interessierten auch nicht vorenthalten, was ich dir per PN geschrieben habe:
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"Was du schreibst finde ich sehr spannend. Ich wĂŒrde es bei mir auch auf "Luftwege und Entspannung" eingrenzen. Genau wie du habe ich Asthma und diverse Allergien. Mal ne Frage: nimmst du irgendwelche Medikamente, insbesondere Asthma-Sprays oder hast du mal welche genommen? Bei mir hat das Absetzen von Berodual 50% der Probleme gelöst, aber da ich die immer noch habe, kann es das nicht alleine gewesen sein. Irgendwie scheints ne Mischung aus "Verspannte Muskulatur" und "angeschwollene / verschleimte Stimmlippen" zu sein, was dann ĂŒber Nacht aber fast immer weg ist. Meine Stimme klingt zwischen 10 und 13 Uhr meistens gut und dann gehen die Resonanzen bzw. SchwingfĂ€higkeit meistens flöten (aber nicht immer, und wenn ich wie du stark belastet habe, oder bei ErkĂ€ltungen, bleibt die Stimme oft ĂŒber Tage resonant). Manchmal ist die Resonanz innerhalb von 10 Minuten weg (z.B. bei sportlicher BetĂ€tigung). Das mit dem "leeren Magen" klingt ein bisschen so, dass deine SchleimhĂ€ute auf die Nahrung reagieren. Bei mir ist es derzeit Reis, was ich ĂŒberhaupt nicht vertrage. Gestern z.B. einwandfeier Stimmklang (habe bis 14.00 Uhr oder so nichts gegessen), dann Mittagessen, 2 h spĂ€ter Brustresonanzen weg. "
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Die Information, dass wir beide allergisches Athma haben (was u.a. ĂŒberempfindliche SchleimhĂ€ute bedeutet, die schnell anschwellen, und was nicht nur die BronchialschleimhĂ€ute begrenzt sein muss), ist jetzt neu und war fĂŒr mich ein Aha-Erlebnis. Dass Asthma-Sprays (insbesondere Kortisonsprays) die Stimme verĂ€ndern können, ist ein alter Hut und steht seit Jahrzehnten in jeder Packungsbeilage – als kleine Hintergrundinfo.

soulpete, diese ganze Diskussion hier hat meinen Forscherdrang geweckt. Was hĂ€ltst du von der Idee, dass wir das beide mal von einem Phoniater abchecken lassen? Ich will das schon lange, habe es aber immer aufgeschoben, weil ich sonst keinerlei Beschwerden habe (z.B. nur alle 10 Jahre mal heiser bin oder Halsschmerzen habe) und es sich auch in den letzten 3 Jahren sehr verbessert hat (davor nahme ich Medikamente, von denen ich wusste, dass die auf die Stimme schlagen und habe es deshalb nicht ernsthaft verfolgt). Mich wĂŒrde v.a. interessieren, welche Unterschiede ein Phoniater feststellt zwischen den ZustĂ€nden "Brustresonanz vorhanden" und "Brustresonanz weg" (z.B. ob eine Schwellung der Stimmlippen vorliegt).

Vielleicht könntest du mir noch ein paar Fragen beantworten:
- hast du mal Asthmasprays genommen bzw. nimmst du welche? Wenn ja, was genau?
- hast du mal Antihistaminika genommen und einen Effekt auf deine Stimme festgestellt?
- hat sich deine Sprech-/Singstimme durch die GesangsĂŒbungen verschlechtert, so dass evt. die Übungen nicht optimal sind, oder hattest du die von dir geschilderten Probleme schon immer?

Antipasti, du hattest abschließend noch eine Frage:
Wenn du die Symptome des TE so ernst nimmst, warum dann nicht auch seine Lösung, wenn sie doch fĂŒr ihn tadellos funktioniert und er auch ĂŒberzeugt davon ist? Warum ist sein Weg nur eine Notlösung? Was unterscheidet ihn von anderen Lösungsprozessen?
Wie er ja schreibt, hat er bereits mehrere Maßnahmen gefunden, die das Problem der verschwindenden Brustresonanzen verbessern (die meisten davon kannte ich bereits, und sie wirken auch bei mir, inklusive grippaler Infekt). Lautes Sprechen bzw. stĂ€rkere Belastung der Stimme ist eine davon und anscheinend diejenige, die derzeit bei ihm am besten wirkt. Mal abgesehen davon, dass es sich grundsĂ€tzlich um eine Belastung handelt, die möglicherweise in Jahren, Jahrzehnten zu StimmschĂ€den fĂŒhren kann, wĂ€re es auch eine _ĂŒberflĂŒssige_ Belastung, wenn er einen anderen, weniger belastenden Weg finden könnte.
Außerdem ist es ja nicht so, dass er Tag fĂŒr Tag laut spricht, er muss also regelmĂ€ĂŸig eine Menge Zeit und Energie investieren, nur um ein Ziel zu erreichen, das er mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch anders erreichen könnte. Wenn er diese Zeit nicht investiert, kehrt die Unzufriedenheit mit seiner Stimme sofort zurĂŒck, weil sie nicht mehr gut resoniert. Er scheint mir von dieser Lösung auch nicht 100%ig ĂŒberzeugt zu sein, denn er wendet ja, wie er schreibt, auch noch einige andere Tricks gleichzeitig an. Daher sehe ich das eher als Notlösung oder meinetwegen auch "gute Zwischenlösung" an, die das Problem vielleicht auf ein ertrĂ€gliches Maß reduziert, aber keineswegs löst. Soulpete mag mich gerne korrigieren, wenn er das anders sieht. Und, Antipasti, du und ich sollten ab sofort aufhören, an ihm herumzuinterpretieren, weil er sich ja wieder beteiligt und unsere Fragen direkt beantworten kann.
 
Und, Antipasti, du und ich sollten ab sofort aufhören, an ihm herumzuinterpretieren

Den Schuh darfst du dir gern anziehen, aber halt mich da bitte raus. Nein - ist nicht böse gemeint. Ich fĂŒhle mich einfach nur nicht davon betroffen.

weil er sich ja wieder beteiligt und unsere Fragen direkt beantworten kann.

Ich hatte und habe keine Fragen an den User. Was soulpete beschreibt, ist schlicht einfach der kleine, persönliche Erste-Hilfe-Kasten, wie ihn jeder SĂ€nger entsprechend seiner Konstitution hat. Wir haben unzĂ€hlige Threads, wo User aufzĂ€hlen, was ihnen beim Singen auf die SprĂŒnge hilft und was sich eher kontraproduktiv auswirkt. Das ist fĂŒr mich nach wie vor weit weg von der "Dramatik", die du ins Spiel gebracht hast (und die ich wirklich nicht ins LĂ€cherliche ziehen will, falls du das jetzt wieder denkst).


Ansonsten zeigt ja dein letzter Beitrag ja - ohne jegliche Interpretation - dass ihr gewisse medizinische Ähnlichekeiten zu haben scheint, die aber dennoch fĂŒr sich und den Lösungsweg gesehen wiederum sehr individuell sind und sich kaum in einem Musikerforum lösen lassen.

Ich wĂŒrde dich @ypsilio und ggf @soulpete , falls er noch weiteres Interesse hat, daher bitten, den doch sehr privaten und persönlichen Austausch ĂŒber eure Forschungen in einen privaten Raum zu verlegen.
 
Antipasti, du hast Deine Sicht der Dinge jetzt ausfĂŒhrlichst dargestellt. Wir haben alle begriffen, was du uns sagen willst, weil du dich klar ausgedrĂŒckt hast. Du hattest auch mehrfach angekĂŒndigt, dich aus dem Thread zurĂŒckzuziehen, was ich fĂŒr eine gute Idee halte. Bitte tue es dann doch auch einfach und lasse diejenigen, die das Thema betrifft und die dazu etwas beitragen möchten, einfach weiterdiskutieren. Danke!
 
lasse diejenigen, die das Thema betrifft und die dazu etwas beitragen möchten, einfach weiterdiskutieren. Danke!

Mein letzter Satz war keine "Sichtweise", sondern eine freundlich als Bitte formulierte Modanweisung. Dein therapeutischer, privater Austausch mit soulpete zum Thema Asthma und Co. hat in einem öffentlichen Musikforum nichts zu suchen. Macht das per PN oder chatted irgendwo.

:zu:
 
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Okay.

Der User LoboMix hat (leider zu spĂ€t) einen Beitrag verfasst, der den Thread doch noch um einige auch fĂŒr die Allgemeinheit interessante Aspekte ergĂ€nzen könnte.

Daher öffne ich das Thema auf seinen Wunsch wieder. Private Unterhaltungen aber bitte trotzdem nur ĂŒber PN.
 
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Das Problem besteht zwar prinzipiell weiter, aber ich kann nur sagen: Je mehr ich meine Stimme LAUT benutze, um so besser wird es. Gerade liegt eine Woche hinter mir, in der ich jeden Tag 4 Stunden Leute unterrichtet (und ihnen danach weitere 4 Stunden ĂŒber große Distanzen Dinge zugerufen) habe (Sportunterricht). Die darauf folgenden Tage waren genial. Auch die Tage nach den Chorproben sind immer gut, ebenso wie nach lauten Abenden in Bars, ohne Rauch und Alkohol und die Zeiten, wenn ich einen HNO-Virus habe, dann resoniere ich ganz wunderbar, das ist schon irgendwie verrĂŒckt, oder?

Zudem habe ich einige Tricks entwickelt, wie sich die Brustresonanz lĂ€nger hĂ€lt: Unendlich viel und tief gĂ€hnen (bis kurz vorm Brechreiz :) gehört definitiv dazu, StĂŒtze von ganz unten zwischen den Beinen hilft, Meditieren und Entspannen ebenso. Auch ein leerer Magen hilft sehr. Ich wĂŒrde heute so weit gehen, am Tag vor einem Auftritt absichtlich eine Stunde im Auto laut und tief zu singen - weil es am nĂ€chsten Tag dann zuverlĂ€ssig so viel besser geht.

Ein alter Thread, aber urplötzlich doch wieder quicklebendig ...
Bin aber erst jetzt darauf gestoßen und möchte nun gerne einen Blickwinkel beisteuern, der die Ursache, bzw. mögliche Ursache des vom TE beschriebenen Problems nĂ€her beleuchtet.

Mir scheint das ganze ursĂ€chlich mit einem (zumindest partiellem) Verlust der ursprĂŒnglichen körperlichen Disposition beim Singen zu tun zu haben. Das vom BegrĂŒnder der "Dispokinesis", G.O. van de Klahorst (1927-2017) als "Disposition des Musikers" bezeichnete PhĂ€nomen bedeutet "das freie VerfĂŒgen ĂŒber seine Haltung und Bewegung des Musikers beim Musizieren".
In diesem Sinne gelingt das Musizieren, sei es am Instrument oder beim Singen, dann am besten, wenn der Körper eine gute Spannkraft hat, die ihn gut aufrichtet und die seine vor allem feinmotorischen muskulĂ€ren Funktionen frei macht, so dass die musikalische Idee, der vorgestellte Ausdruck, unmittelbar und ungehemmt vom Körper umgesetzt werden kann, und die Musik dadurch einfach und wie von selbst fließen kann.

Sprechen ist nun grundsĂ€tzlich eine absolut natĂŒrliche Funktion des Körpers, auch und gerade lautes Sprechen. Jeder, der spielende kleine Kinder beobachtet, erkennt unmittelbar, dass lautes Sprechen und Rufen eine ganz natĂŒrliche Sache ist, die praktisch jedes gesunde Kind beherrscht. Und das selbstverstĂ€ndlich ganz ohne jeden Sprechunterricht, denn Sprechen ist grundsĂ€tzlich keine "Technik". (Das Thema der phoniatrischen Probleme, die manche Kinder haben, weswegen sie einen Logopaeden aufsuchen mĂŒssen, klammere ich hier aus, denn diese Probleme der Lautbildung sind ein anderes Gebiet, hier geht es mir um die grundsĂ€tzliche Körperfunktion des Sprechens und Rufens. Und laut reden können auch Kinder mit phoniatrischen Störungen. Fehlende Resonanzen und "dĂŒnne Stimmchen", die klang- und kraftlos sind, sind typischerweise das Problem indisponierter Erwachsener.)

V.d. Klashorst sagte immer "ein SĂ€nger, der nicht spontan laut rufen oder einen lauten Schrei ausstoßen kann, der hat ein Problem". Dabei können sogar in dieser Hinsicht indispoinierte Personen diese Funktion spontan dann abrufen, wenn sie z.B. jemanden auf die Straße gehen sehen, wo gerade ein Auto angefahren kommt. Jeder kann dann eigentlich sehr laut und sofort "Stopp" rufen, denn das funktioniert in dieser Situation wie ein Reflex, bei dem der Intellekt nicht aktiv ist.

In diesem Sinne vermute ich beim TE eine eigentlich gut disponierte Alltagsstimme, die in den von ihm beschriebenen Situationen, in denen er auch entspannt ist und nicht ans Musizieren denkt, auch zuverlĂ€ssig und ungestört abrufbar ist, also eine gute "Alltags-Disposition". Das vom ihm beschriebene "Training" z.B. einen Abends in der Kneipe, wo er lĂ€ngere Zeit laut spricht - und das völlig mĂŒhelos - "entlockt" und trainiert seine Sprechfunktion so gut, dass es noch am nĂ€chsten Tag beim Singen eine Zeitlang befreiend nachwirkt.
Jedoch geht diese Freiheit beim und durch das Singen offensichtlich wieder verloren, mal mehr, mal weniger.
Das bringt mich nun wiederum zur Vermutung, dass Du, @soulpete irgend etwas beim Singen falsch machst, irgendeine Art von KĂŒnstlichkeit, von kĂŒnstlicher Technik beim Singen anwendest, die diese ursprĂŒngliche Freiheit und Offenheit wieder einengt.

Dieses PhĂ€nomen ist mir aus meiner Praxis als Dispokineter durchaus bekannt: Dass eine natĂŒrlicherweise vorhandene gute Disposition beim und durch das Musizieren vermindert, ja sogar schließlich ganz weg gedrĂŒckt wird, weil das Musizieren eben nicht mit der guten Disposition verbunden wird und darauf aufbaut, sondern als ein dem Alltag entrĂŒcktes Geschehen (welches das Musizieren ja durchaus in einer gewissen Weise ist) mit kĂŒnstlichen, kĂŒnstlich-technischen Vorstellungen verbunden wird, die wie auch immer Verspannungen hervor rufen und das Musizieren erschweren und unbefriedigend machen.

Dabei wĂŒrde ich diese Situation durchaus noch eher als einen GlĂŒcksfall bezeichnen, denn in den meisten FĂ€llen ist es so, dass der Musizierende auch und gerade eine starke alltĂ€gliche Indisposition hat, die ihm das Musizieren grundsĂ€tzlich erschwert, selbst dann, wenn er sozusagen die "beste Technik" dabei gezeigt bekommt.

Wenn meine Vermutung stimmt, dann mĂŒsstest Du, @soulpete, Dir Deine gute alltĂ€gliche Sprech-Disposition ÂŽnurÂŽ gut bewusst machen und sie gut erspĂŒren (oder jemanden finden, der Dir dabei hilft), also z.B. die gute Beckenboden- und Unterbauchspannung und die Freiheit im Brustkorb und im Hals-/Rachen-Bereich usw.
Diese gute Disposition mĂŒsstest Du dann ÂŽnurÂŽ auf Dein Singen ĂŒbertragen (ggf. wiederum mit Hilfe, wĂ€re auch die Aufgabe des Gesangslehrers) und Du mĂŒsstest heraus finden, wo sich vielleicht indisponierende Faktoren und/oder falsche, kĂŒnstliche Elemente in Dein Singen eingeschlichen haben (ein Beispiel, was nicht selten anzutreffen ist, wĂ€re das kĂŒnstliche Anheben der Brustbeins um damit den Brustkorb zu erweitern und dessen ResonanzrĂ€ume zu öffnen - was damit jedoch nicht gelingt, im Gegenteil engt diese kĂŒnstliche Überspannung die RĂ€ume wieder ein und zerrt zudem am Kehlkopf was den Klang zusĂ€tzlich einengt).

Wenn Du gut und mĂŒhelos und dabei laut ĂŒber lĂ€ngere Zeit sprechen kannst, solltest Du auch ebensogut mĂŒhelos ĂŒber lĂ€ngere Zeit Singen können, auch laut. Denn das gute Singen setzt auf dem guten Sprechen auf - und das kannst Du ja offensichtlich.
Dieses bewusst-machen der eigenen guten Disposition hilft auch auf Dauer, wirklich "auf Abruf" ĂŒber sein Gesangsvermögen frei verfĂŒgen zu können und nicht mehr darauf hoffen zu mĂŒssen, dass zum Zeitpunkt X um Himmels Willen nur alles gut gehen möge. Es erspart auch langwierige Einsinge- und Einspiel-ÂŽOrgienÂŽ.
 
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LoboMix, vielen Dank fĂŒr deine ausfĂŒhrliche Analyse! FĂŒr mich persönlich klingt das alles sehr plausibel. Und auch sympathisch, weil es bei diesem Ansatz (auch) um Körperwahrnehmung geht und er im weiteren Sinne ein therapeutischer ist. Ich habe gleich mal unter https://de.wikipedia.org/wiki/Dispokinesis nachgelesen, und die Idee der Reflexketten bzw. dass man damit arbeiten kann, ist mir persönlich neu und klingt sehr vielversprechend.

Du setzt dein 'nur' ja aus gutem Grund in AnfĂŒhrungsstriche – könntest du hier evt. einige Übungen aufzĂ€hlen, die fĂŒr soulpete, mich und andere Interessierte hilfreich sein könnten, oder denkst du, dass man daran lieber mit jemandem mit entsprechender Ausbildung arbeiten sollte? Dieses ganze Körperwahrnehmungsthema bzw. automatisiert ablaufende MuskelaktivitĂ€ten Ă€ndern ist ja nicht gerade trivial, finde ich ...
 
Du setzt dein 'nur' ja aus gutem Grund in AnfĂŒhrungsstriche – könntest du hier evt. einige Übungen aufzĂ€hlen, die fĂŒr soulpete, mich und andere Interessierte hilfreich sein könnten, oder denkst du, dass man daran lieber mit jemandem mit entsprechender Ausbildung arbeiten sollte? Dieses ganze Körperwahrnehmungsthema bzw. automatisiert ablaufende MuskelaktivitĂ€ten Ă€ndern ist ja nicht gerade trivial, finde ich ...
In der Tat, die AnfĂŒhrungszeichen sollen die mögliche Spannbreite ausdrĂŒcken, in der sich die Arbeit bewegen kann, um Probleme wie die hier angesprochenen aufzulösen. Das reicht vom einfachen bewusst-Machen, woraufhin jemand vielleicht sogar spontan seine gute Alltagsdisposition in das Musizieren integrieren kann und von da ab von seinen Hemmungen befreit ist, bis hin zu einer lĂ€ngerfristigen, sich möglicherweise tatsĂ€chlich ĂŒber mehrere Jahre hinziehenden intensiven Arbeit der Reedukation seiner Haltung und Bewegung, wenn es z.B. sehr hartnĂ€ckige Fehl-Stereotypen gibt.

Musik ist ja eine prinzipiell geistige Angelegenheit, aber das Musizieren selber geschieht mit den Muskeln des Körpers und dabei sind die feinmotorischen Funktionen immer vorherrschend und bestimmend. Feinste Nuancen des Ausdrucks, jegliche GelĂ€ufigkeit und Klanggestaltung können nur gelingen, wenn diese feinen Muskeln bzw. Muskelfunktionen ungehemmt und frei verfĂŒgbar sind. Ich meine damit beispielsweise die ÂŽkurzenÂŽ Fingerbeuger und -strecker, die mimische Muskulatur, Hals- und Rachen-Muskeln, aber auch viele weitere.
Krafttraining ist da eher kontraproduktiv, weil es ĂŒblicherweise die Grobmotorik und die grobmotorischen Funktionen und Muskeln trainiert. Und wenn in der Bewegung die Grobmotorik dominiert, wird die Feinmotorik gehemmt, auch durch die körpereigenen Reflexe. Ein Beispiel: Wenn ich eine schwere GetrĂ€nkekiste schleppe, muss der Bizeps voll aktiv werden, denn das ist sozusagen "sein Job". Mit der starken Aktivierung des Bizeps werden qua Reflex die betreffenden Fingermuskeln (hier die Beuger) ebenfalls stark aktiviert und sie machen eine feste Haltespannung. Logisch, denn mit leichten und lockeren Fingern kann man so eine Kiste nicht heben. Ein ĂŒbermĂ€ĂŸiger Einsatz des Bizeps ist also absolut kontraproduktiv fĂŒr die GelĂ€ufigkeit. Dieses Beispiel lĂ€sst sich auch auf andere Bereiche ĂŒbertragen, etwa auf die Atmung und damit auf das Sprechen und Singen.

Mit dem Zeigen der einen oder anderen Übung ist es insofern in den allermeisten FĂ€llen nicht getan, man muss stets den individuellen Fall betrachten und das Ablernen hartnĂ€ckiger Fehl-Stereotype verlangt vom Klienten eine sehr intensive und geduldige Mitarbeit.

Da das Musizieren eine TĂ€tigkeit ist, die wir mit unseren Muskeln ausĂŒben und da es eine aktive TĂ€tigkeit ist, gehört dazu auch eine aktive, spannkrĂ€ftige, gut aufgerichtete und ÂŽoffeneÂŽ Haltung. Überspannung, Verkrampfung, Fest-Sein sind selbstredend negativ, aber auch Unterspannung und eine schlaffe, losgelassene Haltung sind ebenso negativ, denn sie gehören nicht zum Ausdruck des Musizierens.

Die Vorgehensweise der Dispokinesis ist nun so, dass zunÀchst eine Analyse und ggf. Anamnese der aktuellen Probleme, aber eben auch von Haltung und Bewegung des Klienten erfolgt, allgemein und am Instrument/beim Singen.
Daraufhin wird eine Strategie entwickelt, wie im konkreten Fall vorgegangen werden soll. Da die spannkrĂ€ftige, eben "disponierte" Haltung der Kern von allem ist, gibt es eine Folge von Übungen und den von van de Klashorst so genannten "Urgestalten von Haltung und Bewegung", mit denen diese Haltung und diese Bewegungen wieder entlockt und bewusst gemacht wird. Dabei geht die Dispokinesis davon aus, dass der Mensch in seiner individuellen Entwicklung als Kind ursprĂŒnglich eine gute, natĂŒrlich Disposition hat, bzw, dass sich diese in einer normalen fördernden und gesunden Umgebung von alleine im Rahmen der natĂŒrlichen motorischen Entwicklung einstellt (deshalb das Beispiel der kleinen Kinder in meinem vorigen Beitrag).
Es ist das PhĂ€nomen der sog. "Wunderkinder" und "Naturtalente", dass sie nicht nur eine weit ĂŒberdurchschnittliche musikalische Begabung haben, sondern ebenso eine ĂŒberdurchschnittliche motorische Begabung. Aber zudem, dass sie eine natĂŒrliche, sehr gut disponierte Form haben, zumindest beim Musizieren. Was aber leider keine Garantie dafĂŒr ist, dass diese das ganze (Berufs-)Leben erhalten bleibt, denn wenn diese disponierte Form immer unbewusst bleibt, können Störungen, wie z.B. SchicksalschlĂ€ge, aber auch beruflicher Stress usw. diese dennoch wieder zunichte machen.

In den "Dispo-Übungen" geht es um den guten Bodenkontakt, die sog. Unterbauchspannung und dazu die Beckenbodenspannung um so die spannkrĂ€ftige, gut disponierte Haltung (wieder) aufzubauen, aber insbesondere auch, alles gut in sein KörpergefĂŒhl zu integrieren und sich vertieft bewusst zu machen. Wenn es gelingt, dann entfaltet sich aus dieser Haltung im besten Fall wie von alleine die gute "Technik" des Musizierens am und mit seinem Instrument - die dann aber den Begriff "Technik" als wenig sinnvoll obsolet werden lĂ€sst, denn im besten Fall sind es eben die natĂŒrlichen Funktionen und BewegungsablĂ€ufe, ĂŒber die wir Menschen von Natur aus verfĂŒgen, die wir fĂŒr unsere MusikausĂŒbung nutzen.

Sorry, wenn ich hier recht weit ausgeholt habe und eine wirklich konkrete Antwort auf Deine Frage schuldig geblieben bin. Aber das "Ändern automatisiert ablaufender MuskelaktivitĂ€ten", wie Du schreibst, ist wirklich alles andere als "trivial", wie Du auch schreibst. Ohne der konkret betroffenen Person in direktem Kontakt gegenĂŒber zu stehen, muss es bei diesen eher allgemeinen AusfĂŒhrungen bleiben. Alles andere wĂ€re nur im Stil von "Rezepten", die ebensogut ins Schwarze treffen können, als auch voll daneben liegen.
TatsĂ€chlich wĂ€re es gut, wenn Du Dich an einen Musiker-Disokinesiopaeden in Deiner Region wenden wĂŒrdest. Es gibt zwar nicht allzu viele davon, die diese (post-akademische) Ausbildung absolviert haben und dann auch als Musiker-Dispokinesiopaeden praktizieren, aber mit ein wenig Recherche im Internet solltest Du fĂŒndig werden. Ansonsten könnte ich auch per PM weiter helfen.
 
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Hi LoboMix, danke fĂŒr deine interessanten AusfĂŒhrungen! Klingt fĂŒr mich alles plausibel, vor allem, dass der Teufel im Detail liegen kann (ich habe vor einiger Zeit mal "nur" meine Plektrumtechnik umgestellt, sowas geht wirklich nicht von heute auf morgen).

TatsÀchlich gibt es in Berlin so eine Praxis, und ich werde in den nÀchsten Monaten mal dorthin und das abklÀren lassen und auch gerne hier berichten, falls es etwas gebracht hat.

Was mich noch interessieren wĂŒrde: hier ist ja in der Diskussion die Frage aufgetaucht, ob die von soulpete und mir beschriebene Problematik etwas Ă€ußerst Spezielles ist oder doch eher verbreitet. Du hast deine Posts ja eher allgemein gehalten und mögliche Lösungswege beschrieben, inklusive einer
KurzeinfĂŒhrung in die Dispokinese. Könntest du evt. noch ein paar SĂ€tze dazu sagen, ob die von uns beschriebenen Probleme in der fĂŒr dich relevanten Fachliteratur bzw. deiner Ausbildung ein Thema sind (und vielleicht sogar Quellen nennen)?
 
Jeder, der spielende kleine Kinder beobachtet, erkennt unmittelbar, dass lautes Sprechen und Rufen eine ganz natĂŒrliche Sache ist, die praktisch jedes gesunde Kind beherrscht. Und das selbstverstĂ€ndlich ganz ohne jeden Sprechunterricht, denn Sprechen ist grundsĂ€tzlich keine "Technik".

Interessant ist, dass ich diesen Vergleich auch von vielen Gesangslehrern kenne: Mit gezielten Übungen die FĂ€higkeit zu stimulieren, die man als Kind automatisch beherrschte und als Erwachsener verlernt hat. Macht ja auch Sinn. Insofern kann ich mir vorstellen, dass vielen Musiklehrern die Literatur von v.d. Klashorst nicht fremd ist.

Allerdings gilt zu unterschieden, dass es laut Wiki Dispokinesis-Lehrer und Dispokinesis-Therapeuten gibt. Die Lehrer haben in der Regel ein Musikstudium absolviert und integrieren Dispokinesis in ihre LehrtÀtigkeit. Die Therapeuten haben dagegen eine medizinisch/psychologische/physiotherapeutische Ausbildung und bilden laut Wiki eher eine Ausnahme. In meiner Stadt konnte ich keine Praxis finden.

Daher vermute ich, dass diese Indisponiertheit unter MusikerschĂŒlern nichts Seltenes ist, als medizinische Diagnose dagegen schon. Wobei man natĂŒrlich zugeben muss, dass diese Indisponiertheit fĂŒr Musiker und Mimen sehr viel hinderlicher ist als zB fĂŒr Buchhalter oder Sachbearbeiter. ;)
 
Könntest du evt. noch ein paar SĂ€tze dazu sagen, ob die von uns beschriebenen Probleme in der fĂŒr dich relevanten Fachliteratur bzw. deiner Ausbildung ein Thema sind (und vielleicht sogar Quellen nennen)?
Auf das Thema der Atemwegserkrankungen bzw. Atembeschwerden bin ich nicht eingegangen, weil es sich entweder um eine pathologische, also eine Krankheit betreffende Thematik handelt oder vorĂŒbergehend und daher vernachlĂ€ssigbar ist wie z.B. ein grippaler Infekt oder ein Schnupfen. Diese Erkrankungen sind bzw. wirken alle natĂŒrlich indisponierend, und ein SĂ€nger, der Husten hat, kann nun mal nicht auftreten. Aber wenn dieser wieder weg ist, ist alles wieder gut. Also wie gesagt als Thema vernachlĂ€ssigbar.
Asthma ist dagegen schon eine ernstere Erkrankung und bedarf der Behandlung, vor allem, wenn es chronisch ist. Das ist aber nicht das Gebiet eines Dispokinesiopaeden, sondern gehört in die Arztpraxis.
Es gibt wohl einen Aspekt, der im Zusammenhang mit der körperlichen Disponiertheit bzw. Indisponiertheit eine Rolle spielt: Es ist zu erwarten, dass jemand, der eine schlechte, indisponierte Haltung hat wie z.B. einen in sich gekrĂŒmmten Oberkörper, wobei das Brustbein einsinkt, dass diesen Menschen ein Asthma mehr belastet, weil er eine sehr schlechte Atmung hat ohne Spannkraft, mit eingeengten RĂ€umen und geringem Atemvolumen. So jemanden wird eine Atemwegserkrankung wesentlich mehr belasten, als jemanden, der gut disponiert ist.
Ich selber hatte als Kind und als Jugendlicher zeitweise eine starke und chronische Bronchitis. Das hat sich aber mit dem Älterwerden immer mehr verbessert und ich habe schon lange praktisch keine Beschweren. Es hat mich auch nicht davon abgehalten, Klarinette zu studieren und hat meine berufliche TĂ€tigkeit als Musiklehrer und konzertierender Musiker gottseidank nie behindert.

Insofern kann ich mir vorstellen, dass vielen Musiklehrern die Literatur von v.d. Klashorst nicht fremd ist.
Leider gibt es nicht allzuviel Literatur ĂŒber die Dispokinesis. V.d. Klashorst hat zwar in seinem langen Leben sehr, sehr vielen Musikern geholfen - nicht wenige hĂ€tten ohne ihn den Beruf aufgeben mĂŒssen -, aber er hat leider nur wenig dazu veröffentlicht und das dann auch noch recht spĂ€t in seinem Leben. Mit der Ausbildung von Musikern zu Musiker-Dispokinesiopaeden hat er auch erst spĂ€t begonnen und so gibt es bis heute kaum mehr als rund 200 Musiker-Dispokinesiopaeden, die diese Ausbildung absolviert haben und davon praktiziert auch nur ein Teil explizit als "Dispokineter" Viele haben diese Ausbildung auch mehr fĂŒr sich gemacht und um diese Erkenntnisse und Vorgehensweise in ihren Instrumentalunterricht zu integrieren.

Allerdings gilt zu unterschieden, dass es laut Wiki Dispokinesis-Lehrer und Dispokinesis-Therapeuten gibt. Die Lehrer haben in der Regel ein Musikstudium absolviert und integrieren Dispokinesis in ihre LehrtÀtigkeit. Die Therapeuten haben dagegen eine medizinisch/psychologische/physiotherapeutische Ausbildung und bilden laut Wiki eher eine Ausnahme. In meiner Stadt konnte ich keine Praxis finden.
In diesem Punkt ist der Wiki-Artikel etwas irrefĂŒhrend. V.d. Klashorst selber hat ursprĂŒnglich Physiotherapeuten zu Dispokinetern fortgebildet, zumal er Leiter der Physio-Abteilung des Krankenhaus im hollĂ€ndischen Wageningen war. Aber er hat damit weniger gute Erfahrungen gemacht, denn um als Dispokineter Musikern wirklich helfen zu können, sollte man unbedingt selber ein (möglichst professioneller) Musiker sein. Physiotherapeuten und Mediziner sind allenfalls mehr oder weniger gute Hobby-Musiker. Damit sei nichts gegen Hobby-Musiker oder Amateure gesagt, selbstverstĂ€ndlich nicht, aber um einem Profi-Musiker mit Problemen und Beschwerden im Haltungs- und Bewegungsapparat fundiert und umfassend helfen zu können, muss man in der Tat selber die Profi-Musikerwelt mit all ihren Facetten kennen gelernt haben (eigenes Üben, Proben im Ensemble, Auftritte Solo und im Ensemble mit ihrer ganzen Palette von Stress, BĂŒhnenangst, UnwĂ€gbarkeiten, usw.). Außerdem geht es spĂ€testens auf der Stufe, wo man mit dem Klienten am Instrument arbeitet auch sehr intensiv um den Ausdruck von Bewegungen und wie man mit diesen Bewegungen seine musikalische Ausdrucksvorstellung in den realen Ausdruck des Klangs umsetzt.
Hinzu kommt, dass bei der Arbeit am Instrument der Musiker oft völlig abseits von "allgemeingĂŒltigen Schulweisheiten" und "unumstĂ¶ĂŸlichen Weisheiten" bezĂŒglich von Techniken, die man ihm vielleicht mal beigebracht, um nicht zu sagen eingetrichtert hat, aufgrund seiner neuen Erfahrungen und seines nun guten, eigenen KörpergefĂŒhls auch eigene Lösungswege fĂŒr seine persönliche Spielweise und Spieltechnik suchen und finden muss - auch und gerade das bedingt, dass der begleitende Dispokineter selber vergleichbare Erfahrungen gemacht haben sollte.

V.d. Klashorst hat die Erfahrung gemacht, dass es viel sinnvoller ist, Musiker in den grundsĂ€tzlichen Belangen von Anatomie, Physiologie, Neurologie usw. fortzubilden als umgekehrt Physiotherapeuten anzuleiten zu versuchen, sich mental in die Gedanken-, GefĂŒhls- und Erlebniswelt von Musikern zu vertiefen.
Deshalb blieb die Fortbildung von Ärzten und Physiotherapeuten zum Dispkinseiopaeden stets die absolute Ausnahme, zumal die Mindestvoraussetzung ist, ein Instrument spielen zu können.

Daher vermute ich, dass diese Indisponiertheit unter MusikerschĂŒlern nichts Seltenes ist, als medizinische Diagnose dagegen schon. Wobei man natĂŒrlich zugeben muss, dass diese Indisponiertheit fĂŒr Musiker und Mimen sehr viel hinderlicher ist als zB fĂŒr Buchhalter oder Sachbearbeiter. ;)
Musizieren, zumal öffentlich vor Publikum, ist eine feinmotorische Höchstleistung und eine intensive geistige Arbeit, die höchste Konzentration erfordert. Schon geringe Hemmungen können enorm viel Stress machen und einen Teufelskreis in Gang setzen, an dessem Ende der Musiker mit Trauer im Herzen aufgibt.

Es gibt wahrscheinlich mehr indisponierte (erwachsene) Menschen als gut disponierte, nicht umsonst haben so viele "RĂŒcken". Aber eine medizinische Diagnose ist es nicht, und wird es wohl auch nicht werden, da sich die Diagnostik typischerweise an Symptomen festmacht und nicht an einer Gesamtschau des Menschen wie es die Dispokinesis macht. Hinzu kommt, dass fĂŒr viele Patienten die Dispokinesis (leider) auch nicht ÂŽpassenÂŽ wĂŒrden. Wer nur mal schnell eine Spritze haben will und wenn möglich noch eine Serie Physiotherapie-Behandlungen, der kann mit der Dispokinesis nichts anfangen. Denn hier geht es um einen oft sehr fundamentalen Änderungsprozess, der vom Dispokineter zwar angeleitet, aber schlussendlich nur begleitet werden kann. Das erfordert vom Klienten eine intensive Mitarbeit, große Disziplin und eine sehr aufmerksame Selbstwahrnehmung und dazu die Bereitschaft, sich selbst nötigenfalls auch partiell in Frage zu stellen sowie den Mut, sein "altes Ufer" zu verlassen und sich auf eine oft ungewisse Reise zu einem "neuen Ufer" aufzumachen.

Mir sind selbst Profi-Musiker begegnet, die in grĂ¶ĂŸter Not waren, aber dennoch lieber "die schnelle Pille oder Spritze" haben wollten und die den Aufwand scheuten, den die Dispo-Arbeit von ihnen abverlangt hĂ€tte.
 
Klashorst hat die Erfahrung gemacht, dass es viel sinnvoller ist, Musiker in den grundsĂ€tzlichen Belangen von Anatomie, Physiologie, Neurologie usw. fortzubilden als umgekehrt Physiotherapeuten anzuleiten zu versuchen, sich mental in die Gedanken-, GefĂŒhls- und Erlebniswelt von Musikern zu vertiefen.
Kann ich nachvollziehen, insbesondere deinen Hinweis, dass ein möglichst professioneller Musiker i.d.R. besser helfen kann als ein Hobbyist. Ich erinnere mich, und das, obwohl ich nur semiprofessionell Gitarre spiele, an die Diskussionen mit anderen (teils erfolgreichen Gitarrenbauern), warum Gitarren eine meistens höchst unergonomische Spielhaltung verursachen, die Schulterprobleme produzieren kann (Ausnahme: ergonomische, auf die KörpergrĂ¶ĂŸe angepasste Gitarren) und deshalb im Grunde Fehlkonstruktionen sind, warum der Abstand Saite-BundstĂ€be so gering wie möglich sein sollte (besonders am Sattel) und weiche Saiten vorteihaft sind (geringe DruckkrĂ€fte, Entlastung von Sehnen und Muskeln) oder warum eine Gitarre mit kompensiertem Sattel sehr viel sauberer klingt (auch wenn eine gleichschwebende Stimmung nie wirklich richtig klingt, klingt sie zumindest gleichmĂ€ĂŸig unsauber). Wenn jemand das nicht fĂŒhlt oder hört oder selbst erlebt hat, wie es sein/ihr Spiel verbessert hat sowas zu Ă€ndern, versteht er/sie einfach nicht die Bedeutung. Mit der Stimme ist es natĂŒrlich viel, viel schwieriger, du kannst das Instrument nicht in die Hand nehmen oder austauschen und auch (meistens) nicht sehen, was da im Inneren passiert, und zu allem Überfluss hört man sich ja nicht mal objektiv. Deshalb habe ich auch großen Respekt vor Leuten, die erfolgreich an/mit ihrer Stimme arbeiten und sich da stetig verbessern.

Aber zurĂŒck zum Thema. Unsere gesamte Diskussion hier war fĂŒr mich persönlich sehr hilfreich weil ich mich viel intensiver als sonst auf das Thema fokussiert habe. Bei mir persönlich (was natĂŒrlich bei anderen anders sein kann) geht meine Vermutung sehr in Richtung "Reaktion auf unvertrĂ€gliche Nahrungsmittel", und ich habe mal wieder mit SuchdiĂ€t bzw. ErnĂ€hrungstagebuch angefangen (was mich vor Jahren bei Neurodermitis schon extrem weitergebracht hat), weil mir aufgefallen ist, dass wĂ€hrend 1-2 h nach dem Essen oft die Stimme anfĂ€ngt sich zu verĂ€ndern (und ich esse nur 2 x am Tag und fange meistens erst um 14.00 Uhr damit an). Das schließt natĂŒrlich nicht automatisch andere Probleme wie Dispisition/Verspannungen aus, deshalb werden ich Dispkinese auf jeden Fall mal ausprobieren. Vielen Dank auf jeden Fall fĂŒr deine ausfĂŒhrliche Darstellung, fand ich sehr aufschlussreich.
 
Dein Hinweis auf Deine Essgewohnheiten lÀsst mich noch etwas vermuten, was mit der Atmung zu tun hat.
Dazu habe ich mal einen ausfĂŒhrlicheren Beitrag geschrieben, den ich mir hier erlaube, zu zitieren, damit ich nicht alles noch mal schreiben muss:
https://www.musiker-board.de/thread...d-andere-blasinstrumente.674997/#post-8513975 (Post #4).

Da geht es zwar ursprĂŒnglich um den Widerstand, den das KlarinettenmundstĂŒck ausĂŒbt und die Reaktion des Körpers auf diese funktionelle "Stenose".
Aber hier beziehe ich mich auf das Zwerchfell, den myostatischen Reflex und vor allem den intraabdominalen Druck, was ich dort alles nÀher beschrieben habe.
Nun ist es so, dass fĂŒr diesen ÂŽangemessenenÂŽ intraabdominalen Druck der Magen und der Darm ebenfalls eine gewisse Rolle spielt. Jeder BlĂ€ser und SĂ€nger weiß oder fĂŒhlt instinktiv, dass man auf leerem Magen oder mit prall gefĂŒlltem Magen nicht gut singen bzw. blasen kann.
Im ersteren Fall ist der Widerstand, den das Zwerchfell auf seinem Weg nach unten verspĂŒrt, zu gering und es kann nicht voll kontrahieren. Im zweiten Fall ist der Widerstand zu groß und es wird auf seinem Weg nach ÂŽuntenÂŽ regelrecht blockiert.

Nun entspricht Deine Zeitangabe, dass sich die Stimme 1-2 Stunden nach dem Essen verĂ€ndert (ich gehe mal davon aus, zum Besseren, also mehr SonoritĂ€t), ungefĂ€hr dem Zeitraum, ab dem der Nahrungsbrei wieder den Magen verlĂ€sst in Richtung DĂŒnndarm und diesen fĂŒllt (natĂŒrlich abhĂ€ngig von dem, was man gegessen hat, 1-2 Stunden gilt fĂŒr leicht verdauliche Nahrung).
Es könnte also sein, dass sich nach diesen 1-2 Stunden erst ein angemessener intraabdominaler Druck aufbauen kann und erst dann die Atmung wirklich frei und optimal, bzw. besser arbeitet.
 
nein, es ist umgekehrt, Essen erzeugt bei mir eine Verschlechterung, die manchmal erst ĂŒber Nacht weggeht. Am besten klingt meine Stimme vormittags bzw. bevor ich zu Essen anfange. Habe mittlerweile bereits einiges identifiziert, was mir persönlich "auf die Stimme schlĂ€gt", darunter Reis, Mango, Ananas, HĂŒhnerei, Haferflocken. Wenn ich nur die 16 in den letzten Wochen als "ganz sicher vertrĂ€glich" identifizierten Nahrungsmittel esse, bleibt die Stimme ziemlich stabil. Es gibt aber noch einen "Verspannungseffekt", der ganz sicher nicht mit ErnĂ€hrung zu tun hat. Also klassisch multifaktoriell. Daran werde ich weiter arbeiten, und wie immer hast du einen interessanten weiteren Ansatz gebracht, wofĂŒr ich dir danke!
 

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