Ein trockener Sound wäre vielleicht nicht mal schlecht.
Doch.
Und ich sag dir auch, warum: Weil es den in Natur gar nicht gibt. Viele Sänger finden es hilfreich, den natürlichen Raumklang zu hören, der mit leicher Verzögerung ihr Ohr erreicht, anstatt nur den Direktschall und Körperschall zu hören. Bei einem Signal, das direkt vom Mikro in die Ohren geht, fehlt der Raumklang, den du sonst immer zwangsläufig hörst. Das ist unnatürlich und hilft dir erstmal nicht, deine Stimme einzuschätzen. Das könnte sich mit Gewöhnung ändern, könnte aber auch immer schlecht bleiben. So was ist ziemlich individuell. Aber die wenigsten Sänger, für die ich bisher Monitore gemischt habe, haben sich mit einem wirklich trockenen Klang wohlgefühlt. Und auch eine gewisse Kompression ist wichtig. Wie das psychoakustisch funktioniert, hab ich leider noch nicht herausgefunden, aber grundsätzlich ist es beim Monitoring eher irritierend, wenn Lautstärkeunterschiede 1:1 weitergereicht werden. Man nimmt seine eigene Dynamik rein akustisch einfach nicht auf diese Art wahr. Falls du in einer Besetzung singst, die eher volle Passagen spielt, kann es leicht passieren, dass dein Gesang ohne Kompression mal völlig untergeht, mal unangenehm hervorsticht und du das Gefühl bekommst, laute Silben zerreißen dir das Trommelfell. Das ist ohne Zweifel auch eine Frage der Gesangstechnik und da kennen sich andere besser aus als ich (z.B. du vermutlich), aber wie gesagt: meine Erfahrung ist eben, dass Kompression sein muss.
Meine Vermutung: Du suchst den technisch einfachsten Weg, In-Ear-Monitoring zu bekommen. Das ist total verständlich. Außerdem versuchst du, Argumente zu finden, warum der technisch einfachste Weg vielleicht sogar der Beste ist. Auch das ist verständlich, aber du irrst dich.

Profis treiben den Aufwand nicht, weil ihnen langweilig ist, sondern weil sie damit sowohl technisch besseres Monitoring als auch mehr Spaß beim Singen bekommen. Beides ist sehr förderlich dafür, Musik zu machen.
Das ist natürlich alles erstmal Theorie, die am Off-Topic kratzt, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen, damit du eine gute Basis hast, um deine ersten Erfahrungen mit In-Ear-Monitoring einzuordnen.

Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg dabei!