mittelalterliche musik=gregorianik?

von monkeydudechris, 06.10.07.

  1. monkeydudechris

    monkeydudechris Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.07   #1
    ich stehe kurz vor einer musik lk klausur...und ich bin verwirrt.
    ich habe in manchen internetseiten gesehen dass mittelalterliche musik in 3 epochen gegliedert ist, nämlich: gregorianik, notre-dame-epoche und ars nova.
    in anderen seiten steht wiederum dass gregorianik die ganze musikgeschihte im mittelalter umfasst.
    hinzu kommt noch , dass ich nciht weiß wo ich jetzt genau kirchen-musik, weltliche musik und minnengesang einordnen soll.

    kann jemand so lieb sein und das ganze ein wenig strukturieren bzw gliedern?

    lg

    chris
     
  2. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.07   #2
    Zur Gregorianik gehören die einstimmigen gregorianischen Choräle.

    Gegen das 12. Jahrhundert entwickelte sich in Notre Dame de Paris unter Leonin und seinem Schüler Perotin die erste Mehrstimmigkeit, die auf Quint/Quart und Oktavparalellen beruhte.
    Das Quintorganum ist eine der gängigsten Koompositionsformen dieser Zeit.
    Dissonanzen waren verboten und uch die Terz galt noch als Dissonanz.

    Dann im 14. Jahrhundert (glaube ich) etablierte sich die Terz als Konsonanz und die Musik entwickelte sich von der Paralellbewegung zur Musik mit Gegenbewegung.
    Die alte Musik (Notre Dame Epoche) wurde ars antiqua genannt und die neue Musik nannte sich Ars nova. Ein vertreter der Ars Nova war z.B. Dufay.
    Und soweit ich weiß war Johanes Okeghem einer der letzten Komponisten der ars nova, der mit seiner komplexen Isorhytmie die Spitze der Mittelalterlichen Kompositionskunst erreichte und gleichzeitig die Renaissance einleitete.

    Aber Angaben ohne Gewähr :D
     
  3. monkeydudechris

    monkeydudechris Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.07   #3
    und zu welcher epoche kann ich das 12jahrhudnet zuordnen? greogorianik isses nciht mehr oder?
     
  4. MisterZ

    MisterZ Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.07   #4
    Weltliche und kirchenmusikalische Werke gab es praktisch zu jeder Zeit. Die von dir genannten Stile, Gregorianik, Notre-Dame und Ars nova (zu großen Teilen) gehören alle zu der Kirchenmusik. Die Gregorianik gehört in sofern zum ganzen Mittelalter, da die liturgischen Gesänge der Kirche eben in der Ars-Nova (wie auch heute wieder) den Gregorianischen Choral als Grundlage haben. Die meisten kirchenmusikalischen Werke des Mittelalters und der Rennaissance sind von diesen abgeleitet. (--> z.B. isorhythmische Motteten mit dem Choral als Color o.ä.)
    Mittelalterliche Musik in "3 Epochen" zu gliedern halte ich für schwierig. Die Idee, Musikgeschichte in Epochen einzuteilen ist mittlerweile schon eher wieder überholt. Wann fangen Epochen an, wo enden sie? Wie beginnt die Gregorianik? Wo endet sie? Das ist alles verschwommen und man kann die Epoche nicht genau Zeitmäßig eingrenzen. (Bei der Notre-Dame-Epoche geht das, da sie eigentlich nur 2 Komponisten umfasst)
    Das 12. Jahrhundert kann als Übergang von der "St.-Martial-Zeit" (Die Gregorianik in St. Martial) zur "Notre-Dame-Zeit" gesehen werden, im speziellen als Entwicklung der mehrstimmigen Musik, mit allem was dazugehört (Mensuralnotation!)
     
  5. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.10.07   #5
    Wenn man die Gregorianik als die Epoche definiert, in der es nur den einstimmigen Gregorianischen Choral gab, kann man die Gregorianik schon relativ deutlich eingrenzen.
    Eben von Dem Zeitpunkt an, als Papst Gregor die Choräle geschrieben hart, bis Leonin das erste 2-stimmige Stück schrieb.
    Die Ars Nova abzugrenzen ist dann schon schwerer, weil ich miene mal auch ein Stück von Perotin gehört zu haben, was man schon zur ars Nova, als auch noch zur Notre dame epoche zählen konnte.

    Aber mal was anderes...Wenn man sich mal in die Musik von Perotin reingehört hat, geht da ja ganz schön die Post ab.
     
  6. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 07.10.07   #6
    Papst Gregor I. hat keine choräle geschrieben, der heutige, in der liturgie verwendete vorrat an byzantinischem und anderem nah-östlichem liedgut wurde wahrscheinlich unter seinem nachfolger gesichtet, geordnet und kanonisiert und bis heute praktiziert, d.h. die Gregorianik ist seit dem 7.Jh. noch unter uns.
    Man kann über jahrhunderte von musikausübung nicht in schlagworten reden, viele informationen fehlen, es gibt so gut wie keine über weltliche, die (gut erhaltene) musiktheorie, wie arithmetik, geometrie und astronomie eine der 7 freien künste, war oft von der praxis meilenweit entfernt. Selbst die bezeichnung "mittelalter" ist höchst fragwürdig und willkürlich und sollte aus dem verkehr gezogen werden, die herrschenden fehl- und vorurteile werden so bald nicht abzubauen sein.
    Historiker wissen genau, wann das "altertum" endete, nur zeitzeugen wie etwa Boethius, der kanzler Theoderichs, wussten das nicht, sie glaubten sich noch mitten drin.
     
  7. Fastel

    Fastel Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 24.10.07   #7
    leider finde ich keine noten.
    existiert in/ab der notre dame periode schon eine form der gegenbewegung?
    ab wann kann man in der gregorianik bzw. der musik des "mittelalters" von polyphonie sprechen?
     
  8. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 24.10.07   #8
    Gregorianik ist immer einstimmig, aber teile wurden später als cantus firmus in polyphonen werken verwendet.
    Eines der frühesten erhaltenen denkmäler polyphonen musizierens dürfte der englische kanon "Sumer is icumen in" sein (ca 1250 ?), aber volkstümliches kanon-singen wird schon früher praktiziert worden sein.
    Während die frühesten, schriftlichen zeugnisse der herrschenden theorie entsprachen, gab es auch in der kirchenmusik einen breiten strom von improvisation. Durch das exil der päpste in Avignon, die schismen (mehrere päpste gleichzeitig) experimentierte wohl jeder auf seine weise, bis es wieder eine straffere ordnung gab.
    Ein zeitgenosse klagt, dass der kirchengesang ihn an hundegebell erinnere, und Papst Johannes XXII. erließ 1322 aus Avignon ein interessantes edikt. Musik war der kirche immer als sinnenkitzel verdächtig, sie lenke vom wort gottes ab, besonders wenn sie kunstvoll und wohlklingend sei.
    Noch jahrhunderte später "konfundierte" der organist Bach die gemeinde, während er während der langen predigt die nahe weinstube aufsuchte. Kleriker und musiker waren und sind sich nicht immer grün.
     
  9. metalpete

    metalpete Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.11.07   #9
    Also den Beginn der Mehrstimmigkeit würde ich im Moment aufs 9. Jhd. datieren.
    Auf diese Zeit wird nämlich die erste Musiklehrschrift datiert, die eine Anleitung zu einer mehrstimmigen Singpraxis enthält, welche an ein bestimmtes Regelsystem gebunden ist.
    Stichworte: "Musica Enchiriadis" (=die Musiklehrschrift) und "Quartorganum" (oder auch: "organum artificiel").
    Alternativ könnte man noch in Richtung 7. Jhd. überlegen - "schola canturum" wäre hier das Stichwort. Sieben päbstliche Sänger, die in die Lande zogen und eine auf parallelen Quarten basierende Form mehrstimmigen Gesangs lehrten und verbreiteten.

    Gegenbewegung der Stimmen (hier: der Wechsel von Quinten und Quarten) finden wir aber schon bei Guido von Arezzo mit seiner Musiklehrschrift "Micrologus" von 1025. Mit seinen Ideen/Neuerungen stieß er anfänglich auf heftigen Widerstand - wurde z.B. aus dem Kloster verbannt.

    Den Beginn der Ars Nova macht man an Philippe de Vitry 's Musiktraktat "Ars Nova" fest - ca. 1320.

    Ockeghem zählt man schon in die Zeit der "franco-flämischen Schule" oder "Musik der Niederländer" oder auch "Renaissance" genannt.
     
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