Mundharmonika für absoluten Neuling: Kaufberatung

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Hallo,
ich spiele seit Längerem mit dem Gedanken, mir eine Mundharmonika zuzulegen. Ich spiele bereits seit Jahren Gitarre und habe auch ein kleines bisschen Erfahrung mit Schlagzeug und Klavier, falls das was helfen sollte. Ich bin also musikalisch einigermaßen erfahren. Eine Mundharmonika hätte ich mir zugelegt, weil ich denke, dass sie ein sehr kleines, aber schönes Instrument ist und leicht zu transportieren ist. Außerdem bin ich davon ausgegangen, dass LEICHTE Lieder auf Mundharmonikas nicht allzu schwer zu erlernen sind, korrigiert mich bitte, falls ich mich da grob täusche.
Da ich das Instrument also gerne mal "probieren" würde (quasi als Nebenbeschäftigung) und mir einige Lieder aneignen möchte, will ich auf keinen Fall zu viel Geld rausschmeißen. Mir stellen sich also bezüglich der Qualität, Spielbarkeit und des Preises etc. mehrere Fragen. Ich habe mir schon in mehreren Foren Threads durchgelesen, jedoch habe ich nichtsdestotrotz einige Fragen, und ich hoffe, dass ihr mir da ein wenig weiterhelfen könnt.

1) Chromatische oder diatonische Mundharmonika?

- Welche von beiden soll es sein als Anfänger? Ich weiß, dass chromatische auch Halbtonschritte spielen können, diatonische nicht. Mir ist zu Ohren gekommen, dass diese Entscheidung eng zusammenhängt mit der Art von Musik, die man als Ziel hat. Dazu kann ich nur sagen, ich bin relativ offen, generell reizen mich Sachen wie die Melodie von "Spiel mir das Lied vom Tod", dieses hier:



... aber auch Lieder von Volbeat mit Mundharmonika (Rock/Jazz), generell auch viele romantische und ruhige Melodien, dazu weiß ich jedoch gerade fast keine Beispiele. Also bin ich da eher breit gefächert, sozusagen.

2) Preis

- Wie gesagt soll die Mundharmonika eher als Nebenbeschäftigung dienen, ich will damit nicht groß Karriere machen. Für mich ist also das Preis-/Leistungsverhältnis sehr wichtig. Dabei kommt es aber auch auf die Auswahl zwischen diatonisch und chromatisch an, oder? Diatonische sind weitaus günstiger, soweit ich weiß, stimmt das? Ursprünglich hatte ich so ca. 20€ vor Augen, da ich die Sache vom Ton hier nicht allzu genau nehme (und nehmen kann, kenne mich nicht aus), aber bei chromatischen Exemplaren könnte das ein großes Problem werden, oder? Kann natürlich auch mehr investieren, klar, aber es gibt auch Grenzen. Bin mir sehr unschlüssig, verstehe zwar, wenn Profis mir Mundharmonikas für 150€ und mehr empfehlen, das kann ich aber unmöglich investieren. Ich will einfach, dass das Teil sich zeigen lassen kann (vom Ton her) und gut klingt. Habe keine großen Ansprüche, aber man sollte Spaß haben können beim Üben und nicht sämtliche Körperteile zusammenziehen müssen, wenn man die schiefen Töne hört.

Das war es im Wesentlichen. Ich hoffe wirklich, ihr könnt mir helfen, bin relativ offen bei der ganzen Sache und wäre froh, möglichst viele Antworten und Anregungen zu bekommen.
Vielen Dank im Voraus!

MfG,
Predator
 
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Hallo Predator
Deine Fragen lassen sich nicht mit ".... ok, dann nimm die..." beantworten. Dafür gibt es einfach viel zu viele Möglichkeiten. Die Entscheidung für ein bestimmtes Stimmsystem hängt tatsächlich davon ab, in welche Richtung Du musikalisch tendierst und welche Spieltechnik Du erlernen möchtest. Es gibt nicht einfach nur die chromatische oder die diatonische Mundharmonika, sondern mehrere diatonische Stimmsysteme und unterschiedlich aufgebaute chromatische Mundharmonikas.

Starten wir mal mit der chromatischen Mundharmonika.
Sie ist die, wie Du schon richtig vermutest, die teuerste. Wobei es da auch noch große Preisunterschiede zwischen den Modellen gibt. Das kleinste und dadurch günstigste Einsteigermodell ist die Chrometta8 von Hohner.
Über die Qualität dieses Modells gehen die Meinungen auseinander. Der über zwei Oktaven reichende Tonraum ist für den Einstieg durchaus ausreichend. Deutlich weiter kommt man allerdings mit dem Tonraum der Chrometta10, muss dafür dann aber auch schon deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Ich besitze die Chrometta10 und muss sagen, dass sich das Spielgefühl zwischen diesem Modell und höherwertigen Modellen schon aufgrund deren ganz anders geformten Metallmundstücks erheblich unterscheidet. Da dieser Qualitätsunterschied auch einen erheblichen Preisunterschied ausmacht, kommen die Modelle mit Metallmundstück für Dich vermutlich aber nicht infrage.

Mit einer chromatischen Mundharmonika lernst Du ein Stimmsystem kennen, dass auch in ganz bestimmten diatonischen Mundharmonikas zu finden ist: das Solo-Stimmsystem. Über dieses Stimmsystem habe ich hier schon einiges geschrieben. Bei Seydel gibt es mit diesem Stimmsystem unterschiedliche Modelle, die sich durch Tonumfang und Tonleiterausschnitt unterscheiden. Wenn Du Dich mit diesen Modellen beschäftigst, achte auf Hinweise zum Bending. Diese Spieltechnik ist auch bei diesem Stimmsystem auf den Seydel-Harps "Solist Pro 12 Steel" und "OrchestraS" erlernbar. Der Preis für diese Instrumente rangiert derzeit bei knapp 50 und 96 Euro. Das entsprechende Pendant von Hohner

ist mit aktuell 42 Euro etwas preisgünstiger. Ich habe sie mal ausführlich mit der OrchestraS verglichen. Wer mit welchem Instrument besser zuerecht kommt, ist Gewohnheit und Geschmacksache.

Am preisgünstigsten sind die Einsteiger-Bluesharps im Richter-Stimmsystem. Dieses Stimmsystem hat besondere Eigenheiten, die hier im Forum schon ausführlich beleuchtet wurden. Je nach angestrebtem Musizierstil hat dieses System sowohl Vorteile als auch Nachteile.

Du hast nun also die Qual der Wahl.

Gruß
Lisa
 
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Vielen Dank erstmal für die lange und ausführliche Antwort!
Ich habe mir die Links natürlich durchgelesen. An sich will ich möglichst viele Möglichkeiten haben, da ich noch nicht weiß, in welche Richtung es genau gehen soll. Kann man prinzipiell mit chromatischen Exemplaren "alles" spielen? Ist die Chrometta 8 zu empfehlen für Neulinge? Und worin liegt nun - im Wesentlichen und für einen Anfänger mit meinen Anforderungen - das Argument für oder gegen diatonische Mundharmonikas?
Im Vordergrund stehen für mich prinzipiell nur drei Dinge:

- sie soll sich gut anhören
- sie soll günstig sein, da ich Anfänger bin
- sie soll nicht auf einen Musikstil festgelegt sein.

Welches Instrument würdest du nach diesen Kriterien einem Anfänger mit gutem Gewissen empfehlen können? Persönliche Präferenzen gibt es bei mir ja noch nicht, deswegen ist eine allgemeine Empfehlung das Einzige, was ich brauche. Selber ein bisschen rumprobieren will ich natürlich gern können. Vielen Dank nochmal!


MfG,
Predator
 
Kann man prinzipiell mit chromatischen Exemplaren "alles" spielen?
Jein.
Das hängt davon ab, was Du unter "alles" verstehst.
Die typische Akkordspieltechnik lässt sich mit dem Solo-Stimmsystem nicht so gut umsetzen wie mit anderen diatonischen Stimmsystemen. Das hängt damit zusammen, dass sich aus der speziellen Anordnung der Stimmzungen weniger Akkorde ergeben.

Die Chrometta8 hat einen Tonraum von zwei Oktaven. Das ist eine Begrenzung, die Dich früher oder später stören wird.

Wenn Du nicht an Akkordspiel interessiert bist und Du hauptsächlich einen möglichst vollständigen Tonraum für das Melodiespiel suchst, ist der Start mit einer chromatischen Mundharmonika sinnvoll. Aber es sollte dann schon mindestens eine Chrometta10 sein.
Den relativ niedrigen Preis einer Chrometta erkaufst Du Dir mit Abstrichen in Materialauswahl und Verarbeitung, die sich beim Spielen des Instruments deutlich bemerkbar machen. Meine ist ordentlich gestimmt und sie tut es. Mit einem höherwertigen Instrument, das ein Metallmundstück hat und dichter gebaut ist als die Chromettas, macht das Spielen aber mehr Spaß und es lernt sich leichter. Die Chrometta liegt bei mir hauptsächlich zur Demonstration im Schrank. Zum Musizieren benutze ich lieber andere.

Guten Gewissens empfehlen kann ich, sich als Vorstufe für die chromatische Mundharmonika eine diatonische Mundharmonika mit 2,5 oder 3 Oktaven in Solostimmung zu kaufen. Damit kann man sehr viele Melodien realisieren. Wer sich das Benden erarbeitet, kommt mit so einem Instrument ziemlich weit.

Auf einer Bluesharp lernt man mit dem Richter-Stimmsystem ober- und unterhalb der Kernoktave ein anderes Blas-Zieh-Schema und hat damit einen preisgünstigen Einstieg in ganz andere Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Mit Hilfe der Bendingtechnik, die allerdings viel Übung erfordert, gelingt es den großen Meistern dieses Instruments, die Bluesharp chromatisch zu spielen und Klänge aus ihr heraus zu holen, die man mit einer chromatischen Mundharmonika nicht erreichen kann.

Aufgrund dieser Erfahrungen wirst Du von mir keine einfache Empfehlung bekommen.
Die Entscheidung liegt bei Dir.

Wenn Du einen preisgünstigen Einstieg suchst, hole Dir für Dein Geld eine gute Bluesharp, die dicht gebaut ist und sich gut benden lässt. Welche da empfehlenswert sind, findest Du in entsprechenden Threads bereits mehr oder weniger ausführlich erläutert. Wenn Dir das Instrument Spaß macht und Du irgendwann an einen Punkt kommst, an dem sich das, was Du spielen möchtest, auf der Bluesharp nicht realisieren lässt, suchst Du Dir eine Mundharmonika mit einem anderen Stimmsystem aus. Ob das dann eine diatonische mit Solostimmung oder eine chromatische oder eine völlig andere Stimmung sein muss, findest Du nur heraus, wenn Du die auf der Bluesharp von Dir nicht realisierbaren Stücke auflistest.

Einen Alleskönner gibt es als Mundharmonika nicht. Deshalb spiele nicht nur ich auf verschiedenen Instrumenten.

Wenn Du aus dem Bauch heraus am stärksten zur chromatischen Harp tendierst und Dir eine teure Harp nicht leisten kannst, dann spare wenigstens auf eine Chrometta10.

Gruß
Lisa
 
Danke für die ausführliche Antwort! Ich neige jetzt einfach mal zu der OrchestraS, wenn du mir guten Gewissens eine Diatonische empfehlen kannst - blöde Frage, aber ist damit das Stück im geposteten Lied zu spielen? Bluesharps stehe ich mit gemischten Gefühlen gegenüber; vor allem weil ich nicht unbedingt zu 100% in Richtung Blues tendiere. Ich habe keine genauen Kriterien (chr., dia., Blues-), ich will einfach nur schön spielen lernen zu einem günstigen Preis - Je mehr Melodiemöglichkeiten, desto besser.
 
Damit Du Dir solche Fragen selbst beantworten kannst, mach doch mal folgendes:
Höre die Melodie heraus, die Du spielen möchtest und schreibe die Noten auf. Anschließend vergleichst Du die gefundenen Noten mit dem Tonraum der Mundharmonika. Bei der Melodie im Video kommt ein Ton vor, der so auf der OrchestraS nicht drauf ist. Den bekommt man aber mit der Bending-Technik hin. Ich hab's gerade ausprobiert.
 
Die OrchestraS würde mir gefallen.

https://www.thomann.de/de/ca_seydel_soehne_orchestra_s_lc.htm

Ist diese empfehlenswert?

Akkordspiel ist mir nicht wichtig, und da das ganze mehr als "Experiment" zu sehen ist, tendiere ich doch fast eher zu günstigeren Bluesharps. Du hast doch Bluesharps als günstige und gute Alternative erwähnt: Wie sieht es mit dieser aus?

https://www.thomann.de/de/hohner_special_20_classic_cdur_mundharmonika.htm#bewertung

Fast durchgehend gute Bewertungen und ein super Preis aktuell.

Da stellt sich nur noch der Vergleich mit dieser:

https://www.thomann.de/de/ca_seydel_soehne_session_c.htm

Hast du Erfahrungen mit diesen Modellen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja, sonst hätte ich keine Fotos davon und sie nicht sowohl hier als auch auf meiner Webseite beschrieben.

OrchestraS spiele ich regelmäßig (am häufigsten).
Die ist gut.
https://www.musiker-board.de/thread...-gänge-1000-klänge.570057/page-3#post-6955407

Seydel Session spiele ich auch gerne in mehreren Tonarten.
Die ist ebenfalls gut. Spricht gut an, lässt sich gut benden.

Außerdem spiele ich gerne Harps von Lee Oscar.

Hohner Special20 Classic
Habe ich nicht, kann ich deshalb nichts zu sagen.

Ich spiele auf anderen Hohner Harps, die ebenfalls gut sind.

Wenn Dir Akkordspiel nicht wichtig ist und Du Dich nicht für Blues interessierst, probiere die OrchestraS aus. Argumente findest Du im verlinkten Thread und auf der weiter oben verlinkten Webseite. Wenn Du dann eines Tages auf eine Chromatik umsteigen möchtest, kennst Du das Stimmsystem schon.

Deine Entscheidung.

Gruß
Lisa
 
Vielen Dank für deinen Rat, du hast mir sehr weitergeholfen.
Letztendlich denke ich, ich kann ich mit allen dreien nicht viel falsch machen - Die zwei in meinen Links sind echt günstig und haben super Rezensionen, die OrchestraS ist zwar teurer, aber du kannst bestätigen, dass die echt gut ist. Ich werde mir heute noch eine von den dreien bestellen, ich als Anfänger werde an keiner von denen große Defizite feststellen können. Ich schreib nachher noch, für was ich mich entschieden habe.
Danke nochmal,
LG,
Predator!
 
Ich habe auch mal eine Frage zu einer für mich passenden Mundharmonika:

Ich hoffe, ich stell mich nicht zu doof an. :D
Mir geht es genau so, wie Predator: In erster Linie will ich diese Mundharmonika-Geschichte einfach etwas ausprobieren und hierfür vorerst nicht so viel Geld investieren. Auch ich spiele schon einige Jahre Gitarre.
Vorallem würde ich gerne in die Richtung probieren, wie Neil Young beispielsweise seine Mundharmonika eingesetzt hat, zum Beispiel bei Heart Of Gold. Was für eine Art Mundharmonika wurde hier eingesetzt? Gibt es hier eventuell günstige Alternativen?

Über Hilfe würde ich mich freuen, vielen Dank! :)
 
Hallo DrLove
Hast Du ein Video?
Kennst Du den Tonraum der Melodie?
 
Das ganze beginnt im folgenden Video bei 1:49:


Bei dem Tonraum bin ich mir nicht sicher
 
Das ist eine Bluesharp gespielt in Straigt Position.
G-Dur
 
Und wie ist deine Meinung zu so einem Set?
 
Wenn ich es doch nicht kenne. :confused:

Wie soll ich mir da eine Meinung gebildet haben?
 
Wenn ich es doch nicht kenne. :confused:

Wie soll ich mir da eine Meinung gebildet haben?
Da hast du natürlich recht, gar keine Frage. Hätte ja aber sein können, dass du von so etwas trotzdem abrätst..

Aber vielen Dank, es ist mir auch so schon eine sehr große Hilfe gewesen! :)
 
Das freut mich. :)

Ich habe wiederholt gelesen, dass von solchen billigen Harps abgeraten wird. Die Gründe habe ich nicht im Detail im Kopf.
Generell gilt aber: Je exakter die Instrumente gearbeitet sind, um so besser kann man damit spielen. Dass man da bei Billiginstrumenten Abstriche machen muss, dürfte auf der Hand liegen.
Meine Harps sind von Lee Oscar, Seydel und Hohner. Mit der Zeit nimmt man immer besser die Unterschiede bei Klangbild und Spielgefühl wahr. Die zu beschreiben ist aber schwer.
Von Hohner spiele ich im Moment am liebsten die ProHarp. Die habe ich jede Woche in der Sporthalle dabei.

Gruß
Lisa
 
Dem ist nicht viel hinzuzufügen...

Bei Billig-Harp-Sets kann mit viel Glück mal ein "vernünftiges" Instrument dabei sein - bei Einzelkauf von "ordentlichen" Instrumenten ist mit viel Pech mal ein schlechtes dabei...

Im Grunde ist das also wie bei Werkzeug: Wer billig kauft kauft zweimal und damit teuer.... Besorg dir also lieber ein solides Mid-price-Instrument (ca. 30 Euro), lern darauf die Basics und kauf dann Tonarten nach, die du zusätzlich brauchst. Das ist fürs Lernen, den Spaß dabei und auch die Werthaltigkeit wesentlich wertvoller als ein Kirmes-Set...

Viele Grüße
Matz
 
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