Musikunterricht erteilen - 3 kleine Fragen zu dem Thema

von 3Satellite, 05.07.10.

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  1. 3Satellite

    3Satellite Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.10   #1
    Guten Abend!

    Mein Name ist Timo, ich bin 22 Jahre alt und spiele seit meinem 8. Lebensjahr Keyboard, etwas Orgel und seit einigen Wochen Klavier. Das Keyboardspielen habe ich "professionell" im Privatunterricht gelernt. Mein Lehrer hat als Nebenjob nach seinem Hauptberuf Unterricht gegeben. Leider streng und ohne Motivation nach dem Lehrbuch. In der Theorie habe ich alles gelernt, was ich lernen/wissen musste. Praktisch hingegen war es so, dass ich zwar auf extrem teueren WERSI-Orgeln/Keyboards lernen konnte, dennoch der praktische Aspekt eher ausblieb. Mir wurden diverse Korrekturen, Feinheiten und Inprovisationen nicht gezeigt, sodass ich nach 9 Jahren Unterricht aufgehört habe, diesen zu nehmen.

    Ich verkaufte mein Keyboard und machte ein Jahr Pause! Nach diesem einen Jahr kaufte ich mir ein WERSI Pegasus 3-Plus und begann die gesamte Orgel-Schule 1-3 inkl. Zusatzhefte (Willi Nagel - Erstes Spielen auf der elektronischen Orgel) durchzuspielen. Ich merkte, dass mir das eine Jahr Pause viel gebracht hatte. Der Spaß und die Motivation weiter Musik zu machen kam schlagartig zurück. Mittlerweile ist die Musik meine größte Leidenschaft, welche ich Tag und Nacht auslebe. Ich habe nach diesem einen Jahr Pause also wieder angefangen, mich mit der Musik zu befassen. Nachdem ich meine Lehrbücher durch hatte kaufte ich mir im Musikshop einige Bücher mit Noten und fing an diese Songs zu spielen. Erst in der Grundform wie es im Buche steht, dann aber fing ich an mir bei Youtube und anderen Musikern Tipps zur Inprovisation zu holen und kaufte mir zudem die PC-Software "Klemm EarMaster 5 Professional" um meine Fähigkeiten des Hören, Sehen und Umsetzen weiter auszubauen. Nach dem ich die Grundform eines Songs kann, beginne ich mit der Feinarbeit: Welcher Style passt zu dem Song bzw. wie kann ich den Song "aufpeppen" und meine eigene Note hinzugeben...

    Mittlerweile spiele ich Songs vom Franz Lambert oder aber den neuen WM-Song von Safri Duo ohne Probleme. Zur Weihnachtszeit gebe ich immer ein kleines Konzert im Seniorenheim und die Leute sind begeistert. Gebucht werde ich dort immer wieder - nun auch grad zur Sommerzeit! Durch meine mittlerweile hohe Erfahrung werde ich immerzu auf diversen Veranstaltungen und Vorführungen erwartet - man möchte mir u.U. sogar den neuen WERSI Pegasus für einige Wochen zwecks Promo und Testzwecken ins Haus stellen, was mich sehr überrascht hat.

    Von Beruf bin ich Krankenpfleger im Krankenhaus. Meine Arbeitszeit ist von 6Uhr bis 14:30Uhr. Mein Ziel ist es, 2-3x in der Woche am Nachmittag/Abend Keyboardunterricht zu geben (als Nebenverdienst). Wissen und Erfahrung sind bei mir hoch genug. Zu "Testzwecken" hatte ich einige Wochen den Sohn eines Bekannten bei mir, welchen ich mit Erfolg das Keyboardspielen lehren konnte. Schwer fiel es mir nicht. Ich sitze sogesehen neben ihm und gucke/höre ihm bei seinem Vorspielen zu. Bei groben Fehlern bzw. allgemein Fehlern, bekommt er von mir eine Korrektur. Diese jedoch erst, wenn er den Song zu Ende gespielt hat, sodass ich ihm dann die Stellen in Ruhe zeigen kann. Diese werden dann ausgebessert. Zum Schluss zeige ich ihm wie man einen Song verfeinern und passend hineininprovisieren kann (dennoch nicht bei allen Songs). Ich möchte dem Schüler also bewusst lehren, einen Song nahezu fehlerfrei spiele zu können und im Anschluss meine eigene Erfahrung mit einbringen. Nicht also nur von Song zu Song aus dem Lehrbuch gehen, sondern eigene Erfahrungen lehren und andere Songs zur Auswahl geben, welche man zwischendrin immer Mal wieder spielen soll (zwecks Abwechslung/Erfahrungssammlung).

    Ich gebe nach meiner Einschätzung also keinen 0-8-15-Unterricht, was mir auch die Eltern des Jungen bestätigt haben, da diese mit dem Ergebnis zufrieden sind und von mir auch in regelmäßigen Abständen ein Feedback zum Fortschritt bekommen. Die Fragen welche ich nun dennoch habe sind:

    1. Wie mache ich am besten Werbung für meinen Unterricht? Wie bzw. was sollte auf dem Werbeblatt (Din A4) draufstehen und wo sollte man dies verteilen? Bäcker (als Din A5), Pinwänden im Supermarkt, Schulen?

    2. Welchen Preis kann man verlangen? Die örtliche Musikschule - und auch die in der Umgebung - verlangen im Monat für 60 Minuten/Woche Einzelunterricht 100,00 Euro = 25,00 Euro/Stunde. Für 30 Minuten/Woche bezahlt man 65,00 Euro/Monat. Leider habe ich nur ein Instrument und möchte für den Anfang auch nur Einzelunterricht geben. Aber: 30 oder 60 Minuten? 10,00/Stunde oder 15,00/Stunde? Ich bin kein Diplom oder habe auch keine fachliche Musikausbildung (Berufsausbildung), deshalb werde ich kaum den Preis einer Musikschule verlangen können. Dafür aber günstiger bei ähnlicher Leistung wie ich feststellen musste. Ist dies ein Vorteil gegenüber der teuren Musikschule?

    3. Dies ist nun eher keine Frage, aber sollte ein hier lesender Musiklehrer fachliche wichtige Grundtipps/Erfahrungen/Allgemeines für mich haben, so darf es gerne geäußert werden.

    Vielen herzlichen Dank für das Lesen dieses doch sehr detaillierten Beitrages und auf diesem Wege eine gute Nacht!
     
  2. wiesenforce

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    Erstellt: 05.07.10   #2
    1. Passt schon

    2. Das kommt auf den Schüler an. Ich denke mal du wirst es eher mit sehr jungen Anfängern zu tun bekommen. Da finde ich 45 Minuten gut. 30 Minuten ist ein bisschen kurz und 60 ein bisschen lang. Für die 45 Minuten wären glaube ich 10 Euro denkbar. Also auf hinsicht auf deine Ausbildung usw.
     
  3. J.B.Goode

    J.B.Goode Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.07.10   #3
    hi
    Du solltest bei der Zeit und Preisgestaltung bedenken dass auch jeder Unterricht vorbereitet werden muss. Klar kann man einfach aus dem Bauch heraus dem Schüller was beibringen, aber besser ist es strukturiert vorzugehen und Materialien aus Büchern bereitzustellen. Das kostet alles Zeit. Als ich damals Gitarrenunterricht erteilt habe kammen wünsche nach bestimmten Nummern, die mich meist auch nicht interessiert haben. Diese muss man sich natürlich dann estmal selber draufschafen...

    Meine Erfahrung ist, dass für eine Stunde Unterricht an einen Anfänger oder vor allem Vortgeschrittenen etwa eine Stunde vorarbeit erfordert...
     
  4. Rodl

    Rodl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.07.10   #4
    Hi Timo,

    zu 1) bei privatem Musikunterricht gibt es keine universellen Tipps bezüglich der Werbung. Überleg, ob es Orte in deiner Stadt gibt, wo sich potentielle Kunden (bzw. deren Eltern) vermehrt aufhalten. Gibt es vielleicht ein Instrumentenladen, der nicht schon mit einer Musikschule kooperiert? Frag den Inhaber, ob du einen Aushang machen darfst und biete ihm im Gegenzug an, deine Schüler zum Instrumentenkauf zu ihm zu schicken.

    Aushänge in Schulen können etwas bringen. Aber du solltest dir nicht zuviel davon versprechen. Ich hab z.B. mal 15 Schulen in meiner Umgebung plakatiert. Dadurch habe ich genau einen neuen Schüler bekommen. Hat sich aber gelohnt, weil der Schüler jetzt schon sehr lange bei mir ist. Denk daran im Sekreteriat um Erlaubnis zu fragen, ob du deine Werbung aushängen darfst, sonst hängt das Ding nämlich nicht lange!

    Lass deine Schüler wissen, dass du noch freie Plätze hast. Vielleicht will ja ein Freund oder so auch bald mal Keyboard-Unterricht haben...


    zu 2) Nur Einzelunterricht zu geben ist völlig in Ordnung. Das sollte jeder Lehrer selbst entscheiden. Bei der Länge würde ich mich teilweise wiesenforce anschließen. 60 Minuten wird oft etwas lang und 30 zu kurz. Ideal wäre schon 45, wobei bei sehr jungen Schülern, die sich noch nicht so lange konzentrieren können, auch 30 Minuten die bessere Wahl wäre.
    Bedenke bei der Höhe des Honorars, dass die meisten Musikschulen feste Monatsbeiträge haben, die unabhängig von Ferien oder Feiertragen (unterrichtsfreie Zeit), in jedem Monat gleich hoch sind. Wenn du also den durchschnittlichen Stundenlohn errechnen möchtest, musst du die unterrichtsfreien Tage miteinberechnen.

    Auch J.B.Good hat Recht, wenn er sagt, dass die Vorbereitungszeit berücktsichtigt werden sollte. Ich würde aber aus Effiziensgründen empfehlen lieber am Anfang etwas mehr Zeit in die Recherche nach wirklich guten Unterrichtsbüchern zu investieren. Ich empfehle, einen Basiswerk zu benutzen, das man Stück für Stück durcharbeitet (hier hast du keine bis kaum Vorbereitungszeit), und dann als Ergänzung individuell auf den jeweiligen Schüler zugeschnittene (bzw. vom Schüler gewünschte) Zusatzübungen/Songs in den Unterricht zu integrieren. So lernen die Schüler alle wichtigen Grundlagen und verlieren aber auch nicht die spielfreude.

    Gruß,
    Marc
     
  5. toeti

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    Erstellt: 11.07.10   #5
    Ich äußere mich jetzt nur mal zum finanziellen :)

    Ich gebe im Normalfall 45 Minuten Unterricht. Dafür nehme ich dann 15€. Ich bin auch "nur" ein Hobbymusiker.
    Allerdings habe ich auch recht junge Schüler, die je nach Wetter-, Schul- oder Freizeitlage nicht in der Lage sind sich so lange zu konzentrieren. Dann mache ich auch schon mal weniger. Andererseits kommen auch mal Tage, wo es dann deutlich besser geht und da mache ich dann einfach so lange, bis der die Kleine keine Lust mehr hat.

    Das finde ich, ist ja der Vorteil des privaten Unterrichts, dass man dort nicht ganz so auf feste Zeiten festgefahren ist.
     
  6. Fastel

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    Erstellt: 16.07.10   #6
    Auch Unis nicht vergessen. Viele Studenten wollen mal so nebenbei gerne etwas Musik machen - manchmal haben die Unis auch Foren.
    Was drauf stehen sollte? Im Grunde:
    Wer bist du?
    Was bietest du?
    Was verlangst du?

    Und dann die schönen Abreißzettel nicht vergessen! :)

    10 - 15 Euro/Stunde sind normal. 15 - 25 Euro/Stunde eher bei nem Erfahrenem professionelleren (studierten) Musiker/Lehrer. Alles unter 10 Euro ist Preis Dumping!