Ich gehe davon aus, dass mir jetzt gleich ein Aufschrei entgegenhallen wird, aber ich sage, keine nachweisbare Klangveränderung durch die Oberflächenbehandlung.
Also ich schreie da sicherlich nicht. Meiner Ansicht nach spielt hier zu 99% die Optik eine Rolle, die aber über die Psyche indirekt durchaus einen Einfluß auf den Klang haben kann: mit einem spitzenmäßig aussehenden Instrument fühlt man sich einfach besser, man spielt selbstbewusster usw....
Ob ein Lack oder eine Versilberung einen Einfluß haben, kann man aber sicher nicht ganz pauschal beantworten. Bach verwendete früher immer sehr weiche und dicke Lacke, gut möglich, dass dieser extreme" Plastiküberzug" einen (minimalen) Effekt hatte, den man nach dem Entlacken ggf. los war (Dämpfung einzelner Frequenzbänder?). "Normale" Lacke sind aber meist dünn und härter, so dass dieser Effekt deutlich geringer, wenn nicht gar unmessbar, ausfallen dürfte. Versilberungen könnten dagegen vielleicht doch einen kleinen Effekt haben, der bei Posaunen mit massivem (Sterling) Silber Becher noch verstärkt wird - man hört ja viel positives über die alten King Silver Tone und Silber Sonics, die einen tollen warmen Klang haben sollen. Wobei unklar ist, wie viel davon dem - heute "typisch deutschen" - konischen Zug zuzurechnen ist, der ja auch den Klang wärmer werden lässt
😉
Optisch finde ich silberne Posaunen eigentlich einfach nur hässlich. Aber mit den schönen Verzierung aus Blattgold und dem vergoldeten Inneren des Bechers sehen die alten
King Silver Tones einfach nur genial aus, das muss man schon zugeben.
Unlackierte Instrumente entwickeln meiner Ansicht nach wenn überhaupt nur über die Jahre einen "besseren" Klang - wenn durch das (heute eher unübliche) regelmäßige Polieren das Metall nach und nach dünner geworden ist. Ich habe mal eine "zwangslackierte" Posaune gesehen, bei der Polieren wegen des papierdünnen Bechers keine Option mehr war - ein toll klingendes Instrument! Dünnes Metall erzeugt tendenziell ja mehr Obertöne, neigt bei größerer Lautstärke aber schneller zum Schmettern. Zu Kruspes Zeiten galt möglichst dünnes Metall als besonders erstrebenswert und der Neusilberkranz half dabei, die Neigung zum Schmettern ein wenig einzudämmen. Aus heutiger Sicht sollte das Weglassen des Lacks aber keinen echten Einfluss mehr haben, denn unlackierte Instrumente werden ja längst nicht mehr so regelmäßig auf Hochglanz poliert. Vom Arbeitsaufwand mal abgesehen, würde man dadurch ja auch die (heute gewollte) Optik zerstören würde...
Viele Grüße
Marco