Toch,
nordstern schrieb:
Schon Sackgasse fürs Verständnis. Warum können nicht mehrere Instanzen der Hostsoftware auf die Soundkarte zugreifen?? Ich mach' ja auf meinem Compi fast nie Multitasking, hab' aber jetzt extra WinDVD und dann einen WAF/mp3 MediaPlayer gestartet, um zu sehen, was passiert, wenn beide Programme auf die Soundkarte zugreifen. Ergebnis: Kein Absturz eines der Programme, Sound gleichzeitig von beiden Programmen.
Das liegt daran, weil Prozesse unter Windows sich die Soundkarte normalerweise exklusiv reservieren. Fu startest also deinen Sequencer, der krallt sich die Soundkarte und sagt "meins". Wenn du jetzt versuchst, in einem mp3-Player deines Vertrauens nebenher Musik abzuspielen, dann wird das nicht funktionieren, bis der Sequencer das Audiodevice wieder hergibt. (z.B. Sonar kann man sagen, dass es die Soundkarte wieder freigeben soll, sobald es den Focus verliert, die meisten anderen Programme sind da aber besitzergreifender). Nun gibt es Karten wie die Echo Indigo, die das Problem dadurch umgehen, dass sie mehrere "virtuelle Soundkarten" zur Verfügung stellen (im Fall der Indigo 4 Stereokanäle oder 8 Monokanäle) und die dann mit einem auf der Karte sitzenden DSP nach einem einstellbaren Aussteuerungsverhältnis abmischen. So können sich vier Programme jeweils eine dieser Soundkarten schnappen und friedlich nebeneinander Sounds produzieren (dabei muss man dann halt per Hand bei jedem dieser Programme eine andere virtuelle Soundkarte im Audiosetup auswählen, defaultmäßig prügeln sich die nämlich sonst alle um die erste).
nordstern schrieb:
1.) Preload-Puffer und DFD-Puffer liegen im RAM, sehe ich das richtig? In abgegrenzten Bereichen, die ihnen zugewiesen werden??
Ja, die liegen im RAM, die Bereiche werden beim Laden des Samplers (DFD-Speicher) bzw. beim Laden des Instruments (Preload-Puffer) reserviert. Kontakt2 braucht bei 120 MB DFD Puffer also schon ca. 170 MB RAM wenn noch gar kein Instrument geladen ist)
nordstern schrieb:
2.) Der Preload-Puffer dient dazu, die ersten halbe Sek. beim Anspielen einer Note zu überbrücken, bis der DFD gefüllt ist?? Und der DFD-Puffer seinerseits soll das Auslesen der großen Samples, also das eigentliche Disk-Streaming abfedern??
Genau. Der DFD-Puffer soll einerseits wie du gesagt hast die mittlere zu übertragende Datenmenge beim Disk-Streaming ein wenig reduzieren (wobei immer noch der "worst case" (s.o.) berücksichtigt werden muss), andererseits braucht man halt einfach einen Speicherbereich, in den die Samples von der Festplatte bevor man sie abspielt hingeladen werden können.
nordstern schrieb:
3.) Wenn ich dich richtig verstehe, wird der DVD-Puffer nur beim Anspielen einer Note mit dem zugehörigen Samples gefüllt. D.h. bei einem Stück mit breiter Melodieführung müßte der immer mehr anwachsen. Oder bleiben die Samples nicht im DVD-Puffer, sondern werden nach einem FIFO System wieder aus dem Puffer geworfen?? Oder überhaupt mit jedem Tastendruck? 4.) Wie ist das bei Akkorden? Wenn ich da mit der linken einen Dominantseptakk. anspiele und dazu auch nur eine Melodienote rechts bin ich schon bei 5. D.h. während der Preload leerläuft, müssen jetzt ja gleich 5 Samplesätze in den DFD-Puffer geschaufelt werden. Das funktioniert punkto Tempo/Datenstrom?
Der DFD-Puffer wird während des Spielens nicht vergrößert sondern die alten Daten gegebenenfalls immer wieder überschrieben. (vermutlich LIFO-mäßig, also die ältesten Daten werden zuerst wieder gelöscht). Ob das nun bei jedem Tastendruck oder seltener passiert, hängt von der Größe des Puffers ab. Dabei müssen die Samples natürlich nicht komplett im Speicher gehalten werden, sondern minimal der Teil, der noch nicht gespielt wurde. (Bei vielen Pianos ist jedes Sample bis zu 4 MB groß, da würde man bei 120 MB gerade mal 30 Stimmen gleichzeitig spielen können). Ist der DFD Puffer viel zu klein, dann minimiert das natürlich die maximale Polyphonie. (Kontakt gibt für 120 MB DFD-Puffer eine maximale Polyphonie von 480 Stimmen an (Kontakt rechnet die Stimmen im Gegensatz zu GigaStudio in Stereo...), sollte also für ein Piano reichen

) Wie oben berechnet, müsste eine moderne Platte ohne größere Probleme ca. 200 gleichzeitige Stimmen ohne Aussetzer packen.
nordstern schrieb:
Endgültige Überforderung meines Wissensstands und Durchblicks! NothanUmber, da schreibst von Puffergrößen in kB pro Sample oder Gesamtgrößen (200 MB), hier ist plötzlich von Puffern mit einer Sampleanzahl die Rede. Was issn da gemeint? radar74's post klingt so, als könnte man Puffer umso kleiner machen, je leistungsfähiger das System und das sei auch besser. Hä????? Wieso ergeben 128 Samples im Buffer weniger Latenz, als 256??? Da hat der Compi doch bereits wesentlich mehr Samples im Preload oder DVD-Puffer vorrätig, ohne nachstreamen zu müssen??? Oder nicht?
radar74 redet da vom Audio-Puffer. Das ist ein Speicherbereich in der Soundkarte, in den die Programme ihre Audiodaten schreiben, bevor sie von der Soundkarte ausgegeben werden. (Meistens gibt es davon sogar mehrere. Szenario bei drei Puffern: die Soundkarte spielt die Daten aus dem ersten gerade ab, der zweite steht bereits gefüllt zur Verfügung und der dritte wird gerade beschrieben). Dadurch ergibt sich dann die berüchtigte "Latenzzeit", da die Soundkarte ja nicht das spielt, was gerade von dem Programm ausgegeben wird, sondern das, was in einen bereits einige Millisekunden "alten" Puffer geschrieben wurde. Bei drei Puffern mit einer jeweiligen Größe von 128 Samples hat man bei 44,1 KHz Samplefrequenz also eine Latenzzeit von 3*128/44100 Hz also ca. 9 ms. Verkleinert man nun die Puffergröße, die Anzahl der Puffer oder erhöht man die Samplefrequenz bei gleichbleibenden Puffereinstellungen, dann sinkt entsprechend die Latenzzeit.
nordstern schrieb:
Bitte Erklärung, was ist ein sympathetisches Resonanzskript?
Sympathetische Resonanz ist der Effekt der entsteht, wenn man den Dämpfer von den Saiten hebt und sie frei schwingen lässt. (Die Dämpfer werden von den Saiten gehoben, wenn man entweder aufs Pedal tritt oder eine Taste anschlägt. Deshalb kann man den Effekt bereits ohne Pedal innerhalb eines gleichzeitig gespielten Akkordes beobachten, wenn man eine Taste tonlos runterdrückt (oder ausklingen lässt), gedrückt hält und dann entsprechende andere Tasten dazuspielt). Schlägt man nun eine Taste an, dann schwingt die entsprechende Saite in der sich aus Material, Länge und Spannung ergebenden Tonhöhe. Diese Schwingung wird über den Resonanzkörper/Steg auf die anderen Saiten übertragen. Ist die Frequenz einer dieser neuen Saiten nun ein "Oberton" der Grundfrequenz (also der angeschlagenen Saite), dann wird sie davon ebenfalls in mehr oder minder starkem Maße zum Schwingen angeregt. (Besonders die geradzahligen Obertöne, die sog. "Harmonischen"). (Das kann man sich am besten mit einer Wäscheleine vorstellen. Wenn man die auf einer Seite aufhängt und an der anderen mit der Hand Schwingungen erzeugt, dann funktioniert das nur richtig schön mit "Wellen", die genau die Länge der Leine haben, die sie halbieren, dritteln und so weiter. Anregungen dazwischen bringen die Leine nur kurz zum schlabbern, wenn man mit der Anregung aufhört, hängt die Leine sofort durch, bei der richtigen Anregung schwingt sie aber durchaus noch ein paar mal weiter, bevor die "Luft draussen ist"). Eine einzige Taste kann in einem Klavier also eine ganze Reihe von Saiten zum Schwingen bringen, wenn man die Dämpfer weghebt, das kann man am einfachsten testen, indem man mal aufs Pedal tritt, eine einzige Taste anschlägt und dann versucht, den gehörten Klang ohne Pedal zu reproduzieren (Wenn du z.B. ein "C" anschlägst, dann musst du etwas leiser das darüberliegende C (x2) auch noch mit anschlagen, die über diesem C liegende Quint (x3), noch leiser das wiederum darüberliegende C (x4) usw. Irgendwann klingt das dann ganz ähnlich zu dem Tonsalat, den du mit runtergedrücktem Pedal hörst. Genau das simuliert das sympathetische Resonanzskript: Es aktiviert einfach die zu einem gespielten Ton passenden Obertöne in entsprechend abgestufter Lautstärke. Damit kann man vor allem die Pedalsimulation ziemlich realistisch hinbekommen.
Zusätzlich gibt es in modernen Samplern noch einen eingebauten "Faltungsprozessor". Das funktioniert im Prinzip so: Man erzeugt in einem beliebigen Raum (in einer Konzerthalle oder auch im Inneren eines Flügelkorpus) ein beliebiges Geräusch (z.B. Klatschen) und nimmt das auf. Der Faltungsprozessor verrechnet nun diese "Impulsantwort" im Spektralraum mit dem eingehenden Audiosignal, wodurch der Eindruck entsteht, das Soundereignis hätte in dem Raum stattgefunden, in dem der Impuls aufgenommen wurde. (Die Technik ist sehr rechenaufwändig und war bis vor kurzem in Realzeit nicht machbar. Seit ein paar Jahren geht das nun aber und hat im Bereich Reverbs zu einem Quantensprung geführt - ein einfacher delaybasierender Reverbeffekt kann einem Faltungshall in Sachen Realismus nicht annähernd das Wasser reichen. Warum die alten Reverbs immer noch gerne verwendet haben liegt schlicht und ergreifend daran, dass sich das Publikum an dessen Klang gewöhnt hat und man den Faltungshall eigentlich nicht als "Effekt" sondern als "anderen Raum" wahrnimmt, was dann doch recht gewöhnlich und "unspektakulär" ist). Das Nette daran ist, dass das Verfahren nicht nur die Verzögerungszeiten sondern auch die durch die Eigenheiten des jeweiligen Raumes (durch Resonanzeffekte, Auslöschungen, Verschluckung gewisser Frequenzen etc.) hervorgerufenen Klangveränderungen abbildet. So kann man also einen Impuls im inneren eines Flügels aufnehmen und den Klang damit so abändern, als käme er aus dem Inneren des Flügelgehäuses. Ein sehr nettes Piano, das sich alle diese Effekte zunutze macht ist das
Hybrid Piano: Dort wurden die Saiten eines Flügels separat in einem schalltoten Raum aufgenommen. (Da der nur von den Saiten erzeugte Ton wesentlich weniger komplex ist, als der sich normalerweise ergebende Gesamtklang, kann man den Ton nach ein paar Sekunden problemlos loopen. Deshalb (und da durch Verwendung eines sympatetischen Resonanzskripts auch keine extrigen "Pedal up samples" gebraucht werden,) passt das gesamte Piano mit 20 Layers bei mehr als 1,5 GB Speicher komplett ins RAM, man braucht also kein Disk-Streaming). Die Samples an sich klingen für sich allein erst mal ziemlich be...scheiden, sobald man die Saiten dann aber per Faltung im richtigen Korpus erklingen lässt, klingt das Ergebnis schon ziemlich überzeugend. (Dadurch, dass der Körper auf unterschiedlich laute Anregungen jeweils subtil unterschiedlich reagieren kann, hat man so nicht "bloß" die 20 bei den Saiten aufgenommenen Layers, sondern im Grunde für jeden der 128 Anschlagswerte einen wirklich anderen Klang). Den gesamten Flügel dann noch wiederum per Faltung in einen netten Konzertsaal gestellt und die Sache fängt an richtig Spaß zu machen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das schon "Physical Modelling" nennen würde (sowohl die Saiten als auch die jeweiligen Räume sind ja durch Samples festgehalten, der Gesamtklang wird aber nach am "Original" angelehnten Regeln zusammen gebaut, es ist auf jeden Fall ein ziemlich interessanter Mix aus den momentan verfügbaren Möglichkeiten).
Grüße,
NothanUmber